{"id":2935,"date":"2009-02-11T20:00:22","date_gmt":"2009-02-11T19:00:22","guid":{"rendered":"http:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/?p=2935"},"modified":"2016-12-13T17:25:56","modified_gmt":"2016-12-13T16:25:56","slug":"18-17-kommentar-sukadev","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/18-17-kommentar-sukadev\/","title":{"rendered":"18-17 Kommentar Sukadev"},"content":{"rendered":"<p>\u201e<strong>Frei von Ichgedanken<\/strong>\u201e \u2013 die <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Erkenntnis\" target=\"_blank\">Erkenntnis<\/a>, \u201eIch bin nicht der Handelnde\u201c, wie oben beschrieben.<\/p>\n<p>\u201e<strong>Wessen Verstehen nicht von gut oder b\u00f6se gef\u00e4rbt ist<\/strong>\u201c &#8211; Da muss man wieder aufpassen, dass man den Vers nicht isoliert betrachtet und falsch interpretiert, zum Beispiel f\u00fcr willk\u00fcrliche oder unethische Handlungen.<\/p>\n<p>Mit oberfl\u00e4chlichem oder falschem Verst\u00e4ndnis k\u00f6nnte jemand zu dem Schluss kommen: \u201eIch f\u00fchle mich als Instrument, ohne egoistische <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Gedanke\" target=\"_blank\">Gedanken<\/a>, und ich sp\u00fcre in mir, ich muss jetzt ein paar Menschen umbringen. Ob das gut oder schlecht ist, braucht mich nicht zu interessieren, denn ich mache es ja nicht aus Einzelinteresse. Somit bin ich nicht gebunden und dann macht das ja alles nichts.\u201c<\/p>\n<p>So ist es nat\u00fcrlich nicht gemeint.<\/p>\n<p><strong>Ethik beachten<\/strong><\/p>\n<p>Nicht umsonst geht das 16. Kapitel voraus, wo <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Krishna\" target=\"_blank\">Krishna<\/a> sehr klar sagt, was \u201c<a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Daiva\" target=\"_blank\">Daiva<\/a>\u201d und \u201c<a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Asura\" target=\"_blank\">Asura<\/a>\u201d, also ethisch und unethisch ist.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich gelten immer die f\u00fcnf <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Yama\" target=\"_blank\">Yamas<\/a> als Grundregeln:<\/p>\n<p>&#8211;<a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Satya\" target=\"_blank\"> Satya<\/a>, Wahrhaftigkeit<br \/>\n&#8211; <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Ahimsa\" target=\"_blank\">Ahimsa<\/a>, Nichtverletzen<br \/>\n&#8211; <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Brahmacharya\" target=\"_blank\">Brahmacharya<\/a>, Vermeidung von sexuellem Fehlverhalten<br \/>\n&#8211; <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Asteya\" target=\"_blank\">Asteya<\/a>, Nichtstehlen<br \/>\n&#8211; <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Aparigraha\" target=\"_blank\">Aparigraha<\/a>, Unbestechlichkeit<\/p>\n<p>Daran muss man sich auf dieser Ebene des Menschseins nat\u00fcrlich halten.<\/p>\n<p>Aber auf einer h\u00f6heren Ebene gibt es nicht gut und schlecht, sondern es gibt nur G\u00f6ttliches. Alles ist irgendwie Ausdruck des g\u00f6ttlichen Waltens.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns selbst gilt es, uns an die\u00a0 <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Ethik\" target=\"_blank\">Ethik<\/a> zu halten. Aber gleichzeitig sollten wir nicht annehmen, dass ein anderer <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Mensch\" target=\"_blank\">Mensch<\/a> abgrundtief schlecht ist, wenn er gegen etwas verst\u00f6sst.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen versuchen, alles, was im Menschen angelegt ist, als eine <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Manifestation\" target=\"_blank\">Manifestation<\/a> des G\u00f6ttlichen aufzufassen. Auf diese Weise bem\u00fchen wir uns um das <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Gute\" target=\"_blank\">Gute<\/a>, ohne <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Hass\" target=\"_blank\">Hass<\/a> und ohne Fanatismus. Denn wenn wir andere als b\u00f6se empfinden, entsteht Hass und aus Hass entsteht neues <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Leid\" target=\"_blank\">Leid<\/a>. Wir haben Verst\u00e4ndnis, und bem\u00fchen uns trotzdem, das Richtige zu tun und notfalls auch jemanden davon abzuhalten, gegen die Grundregeln der Ethik zu verstossen.<\/p>\n<p>Auch wenn es uns einmal passiert, dass wir, getrieben von einem Impuls, den wir nicht beherrschen konnten, doch etwas gemacht haben, was nicht wirklich in Ordnung war, sollten wir es im Nachhinein <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Gott\" target=\"_blank\">Gott<\/a> darbringen. Nat\u00fcrlich bem\u00fchen wir uns, an uns zu arbeiten, ethisch zu <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Handeln\" target=\"_blank\">handeln<\/a>, aber manchmal passieren solche Impulse. Wir merken dann zwar im Nachhinein, ich h\u00e4tte eigentlich besser anders gehandelt, aber ich bringe es trotzdem Gott dar. Gott wirkt selbst durch die Fehler.<\/p>\n<p>So wie Mephisto in Goethes \u201eFaust\u201c sagt: \u201eIch bin ein Teil von jener <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Kraft\" target=\"_blank\">Kraft<\/a>, die stets das B\u00f6se will und <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Gutes\" target=\"_blank\">Gutes<\/a> schafft.\u201c<\/p>\n<p>Oder wie es <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Bilder\/Galerien\/Jesus.html\" target=\"_blank\">Jesus<\/a> ausgedr\u00fcckt hat, \u201eEs muss ja \u00dcbles kommen, aber wehe dem, durch den es geschieht.\u201c \u2013 <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/karma\/\" target=\"_blank\">Karma<\/a> muss ablaufen, aber wer es absichtlich durch eine unethische Tat ausl\u00f6st, l\u00e4dt neues Karma auf sich.<\/p>\n<p>Auf eine andere Weise k\u00f6nnen wir \u00fcber die Vorstellung von Gut und B\u00f6se hinaus wachsen, indem wir erkennen, dass jede Neigung und jede Handlungstendenz eines Menschen in irgendeinem evolution\u00e4ren Kontext auch einmal sinnvoll war.<\/p>\n<p><strong>\u201ct\u00f6tet nicht und ist auch nicht durch Karma gebunden, auch nicht, wenn er t\u00f6tet\u201d <\/strong>\u2013 mit diesem Vers tun wir uns eher schwer, mindestens auf der w\u00f6rtlichen Ebene.<\/p>\n<p>Ist <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Gewalt\" target=\"_blank\">Gewalt<\/a> zu rechtfertigen? Gibt es tats\u00e4chlich gute Gr\u00fcnde, einen Menschen zu t\u00f6ten? \u2013 Normalerweise ist die Antwort ein klares Nein. Aber manchmal braucht es tats\u00e4chlich das rechtsstaatliche Prinzip der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit der Mittel, unter Beachtung des kleinst m\u00f6glichen Mittels, um Schaden abzuwenden. Angenommen, ein Geiselnehmer hat hundert Menschen in seiner Gewalt. In einer solchen Situation kann es durchaus die <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Aufgabe\" target=\"_blank\">Aufgabe<\/a> eines Scharfsch\u00fctzen sein, den Geiselnehmer zu t\u00f6ten, wenn die Menschen anders nicht zu retten sind. Es ist seine <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Pflicht\" target=\"_blank\">Pflicht<\/a> und seine Aufgabe. Auf dieser Ebene kann man es vielleicht noch irgendwie vertreten, zu sagen, um das <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Leben\" target=\"_blank\">Leben<\/a> Vieler zu retten, kann es notwendig sein, ein Leben &#8211; also eines potentiellen Massenm\u00f6rders &#8211; zu t\u00f6ten, wenn keine andere L\u00f6sung m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Man muss dabei im Blick behalten, dass <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Arjuna\" target=\"_blank\">Arjuna<\/a> gegen ein totalit\u00e4res Regime k\u00e4mpft.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns w\u00fcrde es sich sicherlich sch\u00f6ner anf\u00fchlen, wenn Arjuna eine Methode des gewaltlosen Widerstandes gefunden h\u00e4tte. Aber so war es nicht und wahrscheinlich m\u00fcssen wir damit leben, dass es Extremsituationen gibt, wo Menschen vor solche Gewissensentscheidungen gestellt werden.<\/p>\n<p>Die Technik des gewaltlosen Widerstandes ist \u00fcbrigens in der Theorie erst im 19. Jahrhundert entwickelt worden. <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Mahatma_Gandhi\" target=\"_blank\">Gandhi<\/a> war der erste, der sie in die <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Praxis\" target=\"_blank\">Praxis<\/a> umgesetzt hat. Er hat sich mit dieser <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Philosophie\" target=\"_blank\">Philosophie<\/a>, mit der Bergpredigt und als <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Rama\" target=\"_blank\">Rama<\/a>-Verehrer mit dem <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Ramayana\" target=\"_blank\">Ramayana<\/a>-Epos besch\u00e4ftigt, welches in weiten Teilen auch von K\u00e4mpfen handelt. Aber Gandhi war der Meinung, das m\u00fcsse man auf einer subtileren Ebene verstehen und in diesem Sinne gehe es mehr die Frage von <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Mut\" target=\"_blank\">Mut<\/a> und Aufstehen gegen Unrecht, aber eben gewaltlos.<\/p>\n<p>Auch Martin Luther King hat gezeigt, dass man damit einiges bewirken kann und in der neueren Geschichte gibt es noch weitere Beispiele.<\/p>\n<p>Um <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Willk\u00fcr\" target=\"_blank\">Willk\u00fcr<\/a> vorzubeugen, weisen moderne Rechtssysteme eine klare ethische Richtlinie auf. Zum Beispiel wird V\u00f6lkermord geahndet oder wenn jemand auf Befehl andere foltert oder umbringt, muss er sich vor dem V\u00f6lkerrecht verantworten.<\/p>\n<p>Zusammenfassend kann man also sagen: Zum einen f\u00fchlt man sich als Instrument und tut seine Pflicht. Aber es gibt auch eine \u00fcbergeordnete Ethik und das Sich-als-Instrument-F\u00fchlen w\u00fcrde zum Beispiel keinen Selbstmordattent\u00e4ter rechtfertigen oder die leichtfertige Mi\u00dfachtung hoher ethischer Werte.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich gilt, Ahimsa Paramadharma \u2013 Ahimsa, <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Gewaltlosigkeit\" target=\"_blank\">Gewaltlosigkeit<\/a>,\u00a0 ist die h\u00f6chste Pflicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eFrei von Ichgedanken\u201e \u2013 die Erkenntnis, \u201eIch bin nicht der Handelnde\u201c, wie oben beschrieben. \u201eWessen Verstehen nicht von gut oder b\u00f6se gef\u00e4rbt ist\u201c &#8211; Da muss man wieder aufpassen, dass man den Vers nicht isoliert betrachtet und falsch interpretiert, zum Beispiel f\u00fcr willk\u00fcrliche oder unethische Handlungen. &hellip; <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/18-17-kommentar-sukadev\/\" class=\"more-link\"><span class=\"morelink-icon\">Weiterlesen<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[725,28],"class_list":["post-2935","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-18-kapitel","tag-18-kapitel-17-vers","tag-kommentar-sukadev"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2935","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2935"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2935\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21441,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2935\/revisions\/21441"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2935"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2935"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2935"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}