{"id":2921,"date":"2009-02-18T20:00:44","date_gmt":"2009-02-18T19:00:44","guid":{"rendered":"http:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/?p=2921"},"modified":"2016-12-13T13:11:08","modified_gmt":"2016-12-13T12:11:08","slug":"18-10-kommentar-sukadev","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/18-10-kommentar-sukadev\/","title":{"rendered":"18-10 Kommentar Sukadev"},"content":{"rendered":"<p>Normalerweise klingt \u201e<a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Entsagung\" target=\"_blank\">Entsagung<\/a>\u201c nicht sehr erstrebenswert in unserer hedonistisch gepr\u00e4gten <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Welt\" target=\"_blank\">Welt<\/a>. Genie\u00dfen gilt da mehr als entsagen. &#8211; Was willst du lieber sein, ein Genie\u00dfender oder ein Entsagender? \u2013 \u201eGenie\u00dfen\u201c klingt in unserer westlichen Lebensphilosophie, von der Werbung tatkr\u00e4ftig unterst\u00fctzt, entschieden besser, freudevoller, moderner. Aber das eine schlie\u00dft das andere nicht aus.<\/p>\n<p>Die Definition von Entsagung in diesem Vers umfasst sowohl Genie\u00dfen wie auch <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Freude\" target=\"_blank\">Freude<\/a> und <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Freiheit\" target=\"_blank\">Freiheit<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Sattva\" target=\"_blank\">Sattwa<\/a><strong>, Reinheit<\/strong>, als Kriterium f\u00fcr Entsagung hat <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Krishna\" target=\"_blank\">Krishna<\/a> bereits im vorherigen Vers definiert. Sich dabei \u201e<strong>klug<\/strong>\u201c zu verhalten ist wichtig.<\/p>\n<p>Das muss Krishna immer wieder betonen, denn <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Mensch\" target=\"_blank\">Menschen<\/a> nehmen oft das Nicht-Anhaftung und das Nicht-W\u00fcnschen des Lohnes als Vorwand f\u00fcr <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Verantwortungslosigkeit\" target=\"_blank\">Verantwortungslosigkeit<\/a>. Wenn man nicht verhaftet ist an den Lohn, warum soll man sich dann anstrengen? So ist dann mit einer sogenannten Verhaftungs- und Wunschlosigkeit oft Halbherzigkeit verbunden oder st\u00e4ndiges Infragestellen und Zweifeln.<\/p>\n<p>Es ist auch gut, ab und zu mal Zweifel zu haben &#8211; nur Fanatiker haben nie <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Zweifel\" target=\"_blank\">Zweifel<\/a> -, aber man sollte nicht st\u00e4ndig alles anzweifeln.<\/p>\n<p>Wenn wir uns f\u00fcr etwas entschieden haben, sollten wir mindestens eine Weile dabei bleiben, sonst verzetteln wir uns.<\/p>\n<p>Ich bin aufgewachsen in einer <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Zeit\" target=\"_blank\">Zeit<\/a>, da war es modisch, dass wir zu <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Skeptizismus\" target=\"_blank\">Skeptizismus<\/a> erzogen wurden. Ich wei\u00df nicht, wie das heute in der <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/center\/\" target=\"_blank\">Schule<\/a> ist, aber bei uns in den 1970er Jahren war einer der Hauptwerte, an nichts zu glauben, alles in Frage zu stellen. Der m\u00fcndige B\u00fcrger ist skeptisch, stellt jede Autorit\u00e4t und jedes Glaubenssystem in Frage. Das hat sicher seine Berechtigung, insbesondere nach den Kriegserfahrungen der 30er und 40er Jahre. Es ist gut, selbst zu denken. Auch <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/yoga-anfaenger\/yoga-wissen\/yoga-tradition\/swami-vishnu-devananda\/\" target=\"_blank\">Swami Vishnu<\/a> hat gerne gesagt: \u201eIhr braucht mir nichts zu glauben. Haltet es nur f\u00fcr m\u00f6glich, probiert es aus und dann werdet ihr es erkennen.\u201c Oder: \u201eIhr werdet erkennen, was f\u00fcr euch stimmig ist.\u201c Und jeder hat ja auch den Bezug zum <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/yoga\/\" target=\"_blank\">Yoga<\/a> irgendwie anders und das ist im klassischen Yogasystem ganz legitim und ganz normal.<\/p>\n<p>Wenn wir aber st\u00e4ndig immer und alles in Frage stellen und immer wieder skeptisch sind, ist das unserem Gl\u00fccksgef\u00fchl auch nicht zutr\u00e4glich. Skeptisch Dinge zu pr\u00fcfen ist gut. Wenn wir sie gepr\u00fcft haben, sollten wir uns mindestens f\u00fcr eine Weile richtig darauf einlassen und engagieren.<\/p>\n<p><strong>\u201eEr hasst keine unangenehme T\u00e4tigkeit und ist auch an eine angenehme nicht verhaftet.\u201c<\/strong> \u2013 Darin hat Swami Vishnu seine Sch\u00fcler ganz besonders ausgebildet, unter anderem auch mich. Er hat gesagt: \u201eEs sollte nichts geben, was ethisch verantwortbar ist, was dir keinen Spa\u00df macht. Lerne es, alles zu m\u00f6gen, dann wirst du immer frei sein.\u201c Das klingt erst mal gut, ist aber gar nicht so einfach. Deshalb hat er mich auch darin geschult.<\/p>\n<p><strong>Die pers\u00f6nliche Schulung durch einen Meister<\/strong><\/p>\n<p>Er hat mich mal ein Zentrum leiten lassen, mal war ich der Ashramleiter, mal f\u00fcr den Sp\u00fcldienst zust\u00e4ndig. Ich unterrichtete eine fortgeschrittene <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/ausbildung-weiterbildung\/yogalehrer-weiterbildung\/\" target=\"_blank\">Yogalehrerweiterbildung<\/a>, anschlie\u00dfend musste ich als Buchpr\u00fcfer die Zahlen durchforsten, ob jemand irgendwo zwei Cent \u00fcbersehen hat, was mir g\u00e4nzlich gegen den Strich gegangen ist. Aber dabei habe ich festgestellt, dass diese detektivische Forschungsarbeit auch etwas f\u00fcr sich hat.<\/p>\n<p>Ich war immer eher geisteswissenschaftlich orientiert gewesen, und es war mir w\u00e4hrend meines Studiums irgendwie gelungen, mich erfolgreich von Computern fernzuhalten. Ausgerechnet mich hat Swami Vishnu zum Computerbeauftragten in den <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/de\/yogi\/sivananda.html\">Sivananda<\/a> Yoga <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Vedanta\" target=\"_blank\">Vedanta<\/a> \u00a0Centren gemacht. Das kam so: Es war ein PC angeschafft worden, zu dem es kein Handbuch gab und auch niemanden, der mir etwas h\u00e4tte erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Ich hatte diese Kiste vor mir, in der unsere Adressdatei drin war und die Texte der Brosch\u00fcren und ich hatte keine Ahnung, wie ich da dran kommen sollte. \u2013 Notgedrungen lernte ich immer mehr \u00fcber das Innenleben von Computern. Nach einer Weile hat es mir wahnsinnig Spa\u00df gemacht, den Computer zu \u00fcberlisten und ich wusste alles \u00fcber RAM und Hard-Discs und wie man ein Motherboard aufschraubt und was da an wichtigen Bestandteilen drin ist.<\/p>\n<p>Eines Tages lie\u00df Swami Vishnu mich eine Treppe bauen. Ich habe mich nie als Handwerker gesehen, im Gegenteil. Aber jetzt sollte ich eine Treppe bauen aus Holz, zu einem Haus auf einer Terrasse. Erst dachte ich, \u201eWas soll das \u00fcberhaupt? Da gibt es andere, die k\u00f6nnen das besser als ich und es gibt Dinge, die ich besser kann.\u201c Aber nachher war es ganz lustig, mit Holz, S\u00e4gen, Schraubern usw. zu arbeiten. Endlich mal etwas, wo man das Ergebnis wirklich sehen konnte &#8211; nicht immer nur Papier von hier nach dort bewegen, elektronische Nachrichten versenden, positive Schwingungen in der <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Luft\" target=\"_blank\">Luft<\/a> verbreiten und Menschen damit zum <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Lachen\" target=\"_blank\">Lachen<\/a> und vielleicht auch zur <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Einsicht\" target=\"_blank\">Einsicht<\/a> zu bringen.<\/p>\n<p>Nachher hat er mich aber doch nicht zum Leiter des Bauteams gemacht und, nachdem ich meinen detektivischen Sp\u00fcrsinn entwickelt hatte, auch festgestellt, ich bin doch woanders sinnvoller einzusetzen als Buchhaltungsfragen detailliert zu kl\u00e4ren.\u00a0 Aber zuerst musste mein <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Dwesha\" target=\"_blank\">Dwesha<\/a> gel\u00f6st werden, eben die Vorstellung, es gibt etwas, was ich nicht mag. Anschlie\u00dfend hat Swami Vishnu die Menschen doch immer eingesetzt f\u00fcr das, wof\u00fcr sie am meisten <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Talent\" target=\"_blank\">Talent<\/a> hatten.<\/p>\n<p>Er hat mich auch h\u00e4ufig in andere <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/center\/\" target=\"_blank\">Zentren<\/a> versetzt. In neun Jahren war ich in zw\u00f6lf verschiedenen St\u00e4dten t\u00e4tig. Er hat mich angerufen und gesagt, \u201eKomm sofort.\u201c Und wenn ich dann gefragt habe, \u201eWozu?\u201c, hat er gesagt, \u201ePermanent Transfer.\u201c Gut, und dann war ich halt woanders. So habe ich gelernt, dass ich mitten in New York gl\u00fccklich sein kann. Ich kann in Grass Valley in Nord-Kalifornien gl\u00fccklich sein, wo in weitem Umkreis sonst niemand da ist, und wo kein <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Geld\" target=\"_blank\">Geld<\/a> da ist, sich au\u00dfer Reis und Linsen etwas anderes zu kaufen. Und ich kann im Yogacenter in Paris, in unmittelbarer N\u00e4he des Rotlichtviertels, gl\u00fccklich sein.<\/p>\n<p>So hat Swami Vishnu mich immer wieder getestet und trainiert. Er hat immer genau das herausgefunden, wo es noch so ein bisschen etwas gab, wovon ich gedacht hatte, das ist nicht mein Ding. Genau das hat er mich machen lassen. Und letztlich hat mir das eine gro\u00dfe innere <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Freiheit\" target=\"_blank\">Freiheit<\/a> gegeben.<\/p>\n<p>Genau dahin f\u00fchrt uns <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Krishna\" target=\"_blank\">Krishna<\/a> in den n\u00e4chsten Versen, wo es sinngem\u00e4\u00df darum geht, seine St\u00e4rken einzusetzen, seiner <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Prakriti\" target=\"_blank\">Prakriti<\/a>, seiner <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Svabhava\" target=\"_blank\">Swabhava<\/a>, seiner Wesensnatur zu folgen.<\/p>\n<p>So k\u00f6nnen wir \u00c4ngste abbauen vor Dingen, von denen wir denken, wir k\u00f6nnten sie nicht und parallel unsere St\u00e4rken, unsere Talente entfalten. Beides erg\u00e4nzt sich zu einem erf\u00fcllten, freudevollen, freiheitlichen <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Leben\" target=\"_blank\">Leben<\/a>. Einem sinnvollen Leben voll Genu\u00df bei gleichzeitiger innerer Entsagung. Einem Leben, in dem unser <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Herz\" target=\"_blank\">Herz<\/a> sich immer mehr \u00f6ffnet, wir immer weitere <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Liebe\" target=\"_blank\">Liebe<\/a> f\u00fchlen und schlie\u00dflich mit dem Unendlichen verschmelzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Normalerweise klingt \u201eEntsagung\u201c nicht sehr erstrebenswert in unserer hedonistisch gepr\u00e4gten Welt. Genie\u00dfen gilt da mehr als entsagen. &#8211; Was willst du lieber sein, ein Genie\u00dfender oder ein Entsagender? \u2013 \u201eGenie\u00dfen\u201c klingt in unserer westlichen Lebensphilosophie, von der Werbung tatkr\u00e4ftig unterst\u00fctzt, entschieden besser, freudevoller, moderner. 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