{"id":2836,"date":"2009-05-10T20:00:03","date_gmt":"2009-05-10T18:00:03","guid":{"rendered":"http:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/?p=2836"},"modified":"2016-07-04T14:26:27","modified_gmt":"2016-07-04T12:26:27","slug":"16-21-kommentar-sukadev","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/16-21-kommentar-sukadev\/","title":{"rendered":"16-21 Kommentar Sukadev"},"content":{"rendered":"<p>Das englische \u201elust\u201c wird hier und in vielen B\u00fcchern mit \u201eLust\u201c \u00fcbersetzt. Eigentlich bedeutet \u201elust\u201c im Englischen aber etwas anderes als \u201eLust\u201c im Deutschen. Das Sanskritwort <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Kama\" target=\"_blank\">Kama<\/a>, das hier im Original steht, bezeichnet allgemein W\u00fcnsche sowie im Besonderen den Wunsch nach Sinnesbefriedigung. Dann folgt <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Krodha\" target=\"_blank\">Krodha<\/a>, <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Zorn\" target=\"_blank\">Zorn<\/a> und <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Lobha\" target=\"_blank\">Lobha<\/a>, \u201e<a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Gier\" target=\"_blank\">Gier<\/a>\u201c, die gesteigerte Form eines Wunsches. Diese drei zusammen k\u00f6nnen einen in die \u201eH\u00f6lle\u201c f\u00fchren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die \u201eH\u00f6lle\u201c in deinem Geist<\/strong><\/p>\n<p>\u201e<a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/reinkarnation-wiedergeburt\/tod\/himmel-und-hoelle.html\" target=\"_blank\">H\u00f6lle<\/a>\u201c ist hier nicht verstanden als ein Ort mit Teufeln mit Dreizack und Fegefeuer, an den wir nach dem <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/reinkarnation-wiedergeburt\/tod\/\" target=\"_blank\">Tod<\/a> kommen. Gemeint ist, wir k\u00f6nnen uns mit unseren Gedanken, Vorstellungen, Verhaltensweisen den <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/reinkarnation-wiedergeburt\/tod\/himmel-und-hoelle.html\" target=\"_blank\">Himmel<\/a> oder die H\u00f6lle bereiten. Wenn man gro\u00dfen <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/\u00c4rger\" target=\"_blank\">\u00c4rger<\/a> hat, \u201ebrennt\u201c man innerlich.<\/p>\n<p>Praxis-Beispiel: Wenn du das n\u00e4chste Mal \u00e4rgerlich bist, analysiere dein Temperaturempfinden. Vermutlich wirst du feststellen, dass, \u201eH\u00f6lle\u201c ein gutes Symbol daf\u00fcr ist. Oder du hast das <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Gef\u00fchl\" target=\"_blank\">Gef\u00fchl<\/a>, dass da ein Dreizack in deinen Eingeweiden herumw\u00fchlt.<\/p>\n<p>Wie kommen wir in diese \u201eH\u00f6lle aus \u00c4rger\u201c? &#8211; Durch Kama, in diesem Kontext verstanden als egoistische W\u00fcnsche. Warum f\u00fchrt ein egoistischer Wunsch in die H\u00f6lle im Sinne von subjektivem <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Leiden\" target=\"_blank\">Leiden<\/a>? &#8211; \u00dcber eigenen W\u00fcnschen kann es passieren, dass wir vergessen, f\u00fcr andere da zu sein. Wir sind nur noch an uns selbst interessiert, damit sind wir getrennt von anderen und getrennt sein von anderen ist an sich schon Leiden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Warum W\u00fcnsche zu Leiden f\u00fchren<\/strong><\/p>\n<p>Bei W\u00fcnschen gibt es vier M\u00f6glichkeiten, die alle zu Leiden f\u00fchren:<\/p>\n<p>Der Wunsch wird nicht erf\u00fcllt. Konsequenz ist typischerweise \u2013 nicht f\u00fcr <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Yogi\" target=\"_blank\">Yogis<\/a>, aber f\u00fcr Nicht-Yogis \u2013 <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/karma\/schuld-und-leid\/\" target=\"_blank\">Leid<\/a>.<\/p>\n<p>Der Wunsch geht in Erf\u00fcllung, aber nach einer Weile verschwindet das Objekt der Wunscherf\u00fcllung. Konsequenz ist wiederum Leid.<\/p>\n<p>Der <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Wunsch\" target=\"_blank\">Wunsch<\/a> ist erf\u00fcllt und von nun an haben wir <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Bewusst\" target=\"_blank\">bewusst<\/a> oder unterschwellig <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Angst\" target=\"_blank\">Angst<\/a> davor, dass dieses Objekt des Wunsches verschwindet. Dieses Gef\u00fchl h\u00e4lt uns vom echten Genie\u00dfen ab und ist gewisserma\u00dfen auch Leid.<\/p>\n<p>Der Wunsch ist erf\u00fcllt, bleibt erf\u00fcllt und es besteht auch keine Gefahr, dass die Situation sich so schnell \u00e4ndert. Was ist die Konsequenz? &#8211; Nach einer Weile des Genie\u00dfens stellt man fest, es macht einen nicht dauerhaft gl\u00fccklich, also will man mehr und kommt so ebenfalls ins Leiden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>W\u00fcnsche als nach au\u00dfen projizierte Suche der Seele nach dem H\u00f6chsten<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen wir dem Leiden entgehen, wenn wir das ganze Spiel des Lebens, der <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Prakriti\">Prakriti<\/a>, der <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Maya\" target=\"_blank\">Maya<\/a>, wie immer wir es bezeichnen wollen, durchschaut haben. Wenn wir n\u00e4mlich erkennen, jeder Wunsch ist ein Ausdruck davon, dass wir mehr wollen. Warum wollen wir mehr? Weil wir uns identifizieren mit dem begrenzten <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/K\u00f6rper\" target=\"_blank\">K\u00f6rper<\/a> und <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Geist\" target=\"_blank\">Geist<\/a> und eigentlich streben wir nach dem H\u00f6chsten, welches in uns angelegt ist und unsere wirkliche <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Natur\" target=\"_blank\">Natur<\/a> ist. Wenn wir einen Wunsch erf\u00fcllen und vor\u00fcbergehend gl\u00fccklich sind, ist das deshalb, weil\u00a0 unser Geist vor\u00fcbergehend zur <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Ruhe\" target=\"_blank\">Ruhe<\/a> gekommen ist und deshalb die <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Wonne\" target=\"_blank\">Wonne<\/a> des h\u00f6heren <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Selbst\" target=\"_blank\">Selbst<\/a> hervorstrahlen kann.<\/p>\n<p>Angenommen, man hat einen gro\u00dfen Wunsch nach Zitroneneis und holt sich eines, dann ist der Geist erst mal gl\u00fccklich. Ist das wirklich wegen des Zitroneneises? Wenn es so w\u00e4re, m\u00fcsste man sich nur eine gro\u00dfe Menge davon kaufen und immer dann, wenn man ein bisschen mehr Gl\u00fccksgef\u00fchl br\u00e4uchte, ein bisschen davon essen. Irgendwann f\u00fchrt es zu einer Magenverstimmung. Warum macht das Zitroneneis gl\u00fccklich? Weil es vor\u00fcbergehend die <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Aufmerksamkeit\" target=\"_blank\">Aufmerksamkeit<\/a> fesselt und der Geist eine Weile zufrieden ist. Das Gl\u00fccksgef\u00fchl kommt nicht wirklich von dem Eis, sondern weil der Geist einen Moment lang ein bisschen ruhiger ist.<\/p>\n<p>Wenn wir dieses Prinzip verstanden haben, k\u00f6nnen wir spielerischer <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Art-Artikel\/art_leben.html\" target=\"_blank\">leben<\/a>. Dann m\u00fcssen W\u00fcnsche uns auch nicht ungl\u00fccklich machen. Wir k\u00f6nnen jeden Wunsch als Ausdruck menschlicher Unvollkommenheit und der <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Sehnsucht\" target=\"_blank\">Sehnsucht<\/a> nach etwas H\u00f6herem nehmen. Wir k\u00f6nnen die Befriedigung eines Wunsches als einen Widerschein der Wonne des Selbst ansehen. Dann haften wir nicht an dem Objekt des Wunsches, k\u00f6nnen es genie\u00dfen und haben keine Angst davor, dass es wieder geht.<\/p>\n<p>Wenn wir aber verhaftet sind an einen Wunsch, dann f\u00fchrt das relativ schnell zu Krodha, \u00c4rger, Sauersein. Das muss noch nicht einmal ein Sinneswunsch sein. Schon unsere Vorstellung, wie etwas ist oder zu sein hat, reicht oft aus, \u00c4rger hervorzurufen, wenn die Sache, Situation oder Person nicht so ist, wie wir es uns vorgestellt haben.<\/p>\n<p>Praxis-Tipp: Wenn du das n\u00e4chste Mal \u00e4rgerlich bist, sieh auch den Vorteil dabei: Die innerliche Hitze, die innere \u201e<a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/reinkarnation-wiedergeburt\/tod\/himmel-und-hoelle.html\" target=\"_blank\">H\u00f6lle<\/a>\u201c, verbrennt auch einiges. So kannst du die Hitze deines \u00c4rgers als Reinigung auffassen, dadurch die positive Energie des \u00c4rgers nutzen und kommst auch schneller wieder heraus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Lobha, Gier<\/strong><\/p>\n<p>Es folgt Lobha, eine gro\u00dfe Gier, eine gro\u00dfe <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Anhaftung\" target=\"_blank\">Anhaftung<\/a>.<\/p>\n<p>Als spirituelle <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Aspirant\" target=\"_blank\">Aspiranten<\/a>, die bewusst an sich arbeiten, erkennen wir normalerweise: \u201eAha, da ist jetzt ein Wunsch\u201c, und wir k\u00f6nnen \u00fcberlegen, wollen wir ihn erf\u00fcllen oder nicht<strong> \u2013<\/strong> das ist die erste Stufe, Kama, Wunscherf\u00fcllung.<\/p>\n<p>Wenn wir \u00e4rgerlich sind, k\u00f6nnen wir analysieren: \u201eDa hatte ich einen bestimmten Wunsch, oder eine bestimmte Vorstellung, welche sich nicht erf\u00fcllt haben und das ist die <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Ursache\" target=\"_blank\">Ursache<\/a> meiner Verstimmung. Der \u00c4rger zeigt mir, da war etwas, voran ich mich verhaftet habe, und jetzt lasse ich es los.\u201c Wenn es aber tiefer geht und Lobha, eine Art Besessenheit oder Verbohrtheit, dabei ist, gelingt uns das nicht. Dann kommen wir nicht so ohne weiteres aus dem Zorn heraus oder: \u201eSo muss es sein und nicht anders und wenn es nicht so ist, muss alles, was dem entgegensteht, vernichtet werden.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das englische \u201elust\u201c wird hier und in vielen B\u00fcchern mit \u201eLust\u201c \u00fcbersetzt. Eigentlich bedeutet \u201elust\u201c im Englischen aber etwas anderes als \u201eLust\u201c im Deutschen. Das Sanskritwort Kama, das hier im Original steht, bezeichnet allgemein W\u00fcnsche sowie im Besonderen den Wunsch nach Sinnesbefriedigung. Dann folgt Krodha, Zorn &hellip; <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/16-21-kommentar-sukadev\/\" class=\"more-link\"><span class=\"morelink-icon\">Weiterlesen<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[675,28],"class_list":["post-2836","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-16-kapitel","tag-16-kapitel-21-vers","tag-kommentar-sukadev"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2836","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2836"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2836\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21210,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2836\/revisions\/21210"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2836"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2836"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2836"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}