{"id":2710,"date":"2009-07-24T20:00:04","date_gmt":"2009-07-24T18:00:04","guid":{"rendered":"http:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/?p=2710"},"modified":"2016-04-16T18:15:30","modified_gmt":"2016-04-16T16:15:30","slug":"14-07-kommentar-sukadev","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/14-07-kommentar-sukadev\/","title":{"rendered":"14-07 Kommentar Sukadev"},"content":{"rendered":"<p>Die \u00dcbersetzung von <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Raga\" target=\"_blank\">Raga<\/a> mit &#8222;<a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Leidenschaft\" target=\"_blank\">Leidenschaft<\/a>&#8220; ist etwas irref\u00fchrend und trifft die Sache nicht ganz. Raga bedeutet eher, gewisse Dinge zu m\u00f6gen und andere nicht, und sich von diesen Zu- und Abneigungen steuern zu lassen.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal ist es nicht per se schlecht, leidenschaftlich zu sein, z.B. sich leidenschaftlich f\u00fcr etwas zu engagieren oder leidenschaftlich nach <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Befreiung\" target=\"_blank\">Befreiung<\/a> zu streben. <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Mumukshutwa\" target=\"_blank\">Mumukshutwa<\/a>, der intensive <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Wunsch\" target=\"_blank\">Wunsch<\/a>, die leidenschaftliche <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Sehnsucht\" target=\"_blank\">Sehnsucht<\/a> nach Befreiung, ist sogar eine ganz wichtige Eigenschaft auf dem spirituellen <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/yoga-anfaenger\/yoga-wissen\/yoga-wege\/\" target=\"_blank\">Weg<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Enthusiasmus und Leidenschaft<\/strong><\/p>\n<p>Es ist gut mit <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Enthusiasmus\" target=\"_blank\">Enthusiasmus<\/a> auf dem Weg voran zu schreiten. Es ist auch gut mit Enthusiasmus zu <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Dienen\" target=\"_blank\">dienen<\/a>. Das ist nicht unbedingt <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Rajassig\" target=\"_blank\">rajasig<\/a>, sondern eher <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Sattwig\" target=\"_blank\">sattwig<\/a>. <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Swami\" target=\"_blank\">Swami<\/a> <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/de\/yogi\/sivananda.html\" target=\"_blank\">Sivananda<\/a> hatte sicher diese Art von Enthusiasmus und diese Art von Leidenschaft. <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Vivekananda\" target=\"_blank\">Vivekananda<\/a> war ebenfalls ein <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Yogameister\" target=\"_blank\">Yogameister<\/a>, der die <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/art_mensch.html\" target=\"_blank\">Menschen<\/a> aufgefordert hat aus ihrer Lethargie zu erwachen. <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Sattva\">Sattwa<\/a> hei\u00dft nicht unt\u00e4tig zu sein und seine <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Tr\u00e4gheit\" target=\"_blank\">Tr\u00e4gheit<\/a> zu kaschieren, sondern es geht darum, etwas zu tun und \u00fcber Grenzen hinaus zu gehen.<\/p>\n<p>Es gibt also auch Leidenschaften, die gut sind und nicht nur Leidenschaften, die <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Leiden\" target=\"_blank\">Leiden<\/a> schaffen \u2013 letztere sind nat\u00fcrlich besser zu vermeiden.<\/p>\n<p>Eine treffende Beschreibung definiert <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Rajas\" target=\"_blank\">Rajas<\/a> als <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Natur\" target=\"_blank\">Natur<\/a> von <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Gier\" target=\"_blank\">Gier<\/a> und Wunsch. Als solches ist Rajas\u00a0 \u201e<strong>die Quelle von Durst nach Sinnesfreuden und Verhaftung. Es bindet den Verk\u00f6rperten fest durch die Verhaftung an das Handeln<\/strong>.\u201c\u00a0 Rajas f\u00fchrt dazu, dass wir Sinnesfreuden suchen, fest an allen m\u00f6glichen Dingen h\u00e4ngen und auch an der <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Handlung\" target=\"_blank\">Handlung<\/a> verhaftet sind. Eine gewisse Gier, ein nicht aufh\u00f6rendes <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Verlangen\" target=\"_blank\">Verlangen<\/a> nach immer mehr liegt darin. Egal wie viel man hat, man will mehr und das ist letztlich Rajas.<\/p>\n<p>Aber eigentlich ist diese Form von Rajas, die f\u00fcr das Menschsein charakteristisch ist,\u00a0 ein Ausdruck des Sattwa in uns. Wir haben diesen Wunsch nach immer mehr in uns, weil wir im Kern unendlich und umfassend sind. Wir wollen unendlich sein. Wir wollen unendliches <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Bewusstsein\" target=\"_blank\">Bewusstsein<\/a> sein, wir wollen unendliches Wissen haben. Wir werden mit nichts auf der relativen Ebene zufrieden sein und daher immer nach mehr streben \u2013 das ist der innere Drang, der in uns angelegt ist. Nur dass ein \u00e4u\u00dferes Mehr uns nie <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Zufriedenheit\" target=\"_blank\">zufrieden<\/a> stellen wird. Es ist gut, das einmal verstanden zu haben.<\/p>\n<p>Kein <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Art-Artikel\/art_mensch.html\" target=\"_blank\">Mensch<\/a> wird je zufrieden sein mit dem, was man ihm gibt oder mit dem, was er selbst gibt. Und man selbst wird auch nie zufrieden sein mit dem was andere Menschen f\u00fcr einen tun. Wenn man diesen Wunsch nach Mehr auf die reine \u00e4u\u00dfere Ebene reduziert, dann ist es diese rajasige Gier. Wenn wir sie als Ausdruck dieser Sehnsucht nach <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Art-Artikel\/art_wahrheit.html\" target=\"_blank\">Wahrheit<\/a> sehen, ist Rajas nur eine in die falsche Richtung gelenkte <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Manifestation\" target=\"_blank\">Manifestation<\/a> von Sattwa.<\/p>\n<p><strong>Praxis-Tipp<\/strong>: Sicher hast du bei dir selbst auch schon festgestellt: Du wolltest etwas, hast es bekommen und was passiert anschlie\u00dfend? \u2013 Du willst mehr oder etwas anderes. Wenn du diese rajasige Tendenz des Uners\u00e4ttlichen bei dir selbst feststellst, kannst du \u2013 statt dich dar\u00fcber zu \u00e4rgern wie unvollkommen du bist \u2013 dir bewusst werden: &#8222;Eigentlich ist das positiv. Ich begn\u00fcge mich nicht mit dem Beschr\u00e4nkten. Ich bin nicht zufrieden mit dem Beschr\u00e4nkten. Ich will das Unendliche!&#8220; \u2013 Und dann kannst du den n\u00e4chsten Schritt machen und \u00fcberlegen: Statt weiter auf dieser materiellen Ebene zu suchen, wo ich aus <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Erfahrung\" target=\"_blank\">Erfahrung<\/a> wei\u00df, ich schaffe es nicht, dieses Bed\u00fcrfnis je zu befriedigen, halte ich einen Moment inne und erinnere mich: &#8222;Ja, ich will mehr, das ist eigentlich gut. Aber was ich eigentlich will ist nicht nur einfach mehr im Au\u00dfen, sondern das Unendliche.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Eine weitere praktische Anwendung:<\/strong> Wenn ein <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/de\/asana\/kind.html\" target=\"_blank\">Kind<\/a> eine Kugel Eis bekommt, was will es? Zwei. Wenn das Nachbarskind drei Kugeln hat, dann will es vier. Wir k\u00f6nnen \u00fcber die Jugend von heute schimpfen: \u201eZu meiner Zeit waren wir noch mit einer Kugel zufrieden.\u201c Oder: \u201eWir w\u00e4ren gl\u00fccklich gewesen, wenn wir \u00fcberhaupt ein Eis bekommen h\u00e4tten!&#8220; Oder wir k\u00f6nnen sagen: &#8222;Aha, auch in meinem Kind ist dieser Wunsch nach dem Unendlichen angelegt und dieser Wunsch manifestiert sich schon sehr fr\u00fch in dem Wunsch nach mehr Eis. Ich brauche ihm nicht noch eine zweite und dritte Kugel wider besseres Wissen zu geben, denn ich wei\u00df, selbst wenn ich sie ihm gebe, will es immer noch mehr. Denn nur das Unendliche wird es zufrieden stellen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Praxis-Tipp<\/strong>: F\u00fcr den <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Alltag\" target=\"_blank\">Alltag<\/a> ist es gut zu wissen, dass wir Menschen nicht wirklich zufrieden stellen k\u00f6nnen und uns selbst schon gar nicht. Wir m\u00fcssen nicht alle W\u00fcnsche anderer und unsere eigenen erf\u00fcllen, denn 100% zufrieden werden andere und wir nie sein. So k\u00f6nnen wir entspannter an alles herangehen \u2013 geht es gut, wunderbar, klappt es nicht, dann h\u00e4ngen wir nicht daran. Wenn jemand uns gegen\u00fcber einen Wunsch \u00e4u\u00dfert, k\u00f6nnen wir ihm den Wunsch erf\u00fcllen, wenn es uns m\u00f6glich ist und ihn auf einer relativen Ebene einen Moment lang etwas gl\u00fccklicher machen. Wenn es nicht geht, dann geht es eben nicht, und wir k\u00f6nnen mit gutem <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Art-Artikel\/art_gewissen.html\" target=\"_blank\">Gewissen<\/a> ablehnen. Mit diesem <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Wissen\" target=\"_blank\">Wissen<\/a> k\u00f6nnen wir relativ zufrieden leben und durchaus auf der relativen Ebene die Dinge im au\u00dfen genie\u00dfen. Es gibt uns eine gewisse innere <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Freiheit\" target=\"_blank\">Freiheit<\/a>.<\/p>\n<p>Also nicht das Mehr-haben-wollen ist schlecht &#8211; es ist vielmehr ein Ausdruck der tiefen Sehnsucht nach Befreiung -, sondern die <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Verhaftung\" target=\"_blank\">Verhaftung<\/a> an das Konkrete.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u00dcbersetzung von Raga mit &#8222;Leidenschaft&#8220; ist etwas irref\u00fchrend und trifft die Sache nicht ganz. Raga bedeutet eher, gewisse Dinge zu m\u00f6gen und andere nicht, und sich von diesen Zu- und Abneigungen steuern zu lassen. 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