{"id":1254,"date":"2010-10-22T20:00:33","date_gmt":"2010-10-22T18:00:33","guid":{"rendered":"http:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/?p=1254"},"modified":"2015-09-17T11:47:50","modified_gmt":"2015-09-17T09:47:50","slug":"06-09-kommentar-sukadev","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/06-09-kommentar-sukadev\/","title":{"rendered":"06-09 Kommentar Sukadev"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Bilder\/Galerien\/Krishnatext.html\" target=\"_blank\">Krishna<\/a> sagt nicht, dass man alle gleich behandeln soll. Vielmehr sagt er: \u201eWer allen im gleichen Geiste begegnet, ist vortrefflich.\u201c In welchem <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Geist\" target=\"_blank\">Geist<\/a> sollen wir ihnen begegnen? Im Geist der <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Liebe\" target=\"_blank\">Liebe<\/a>. Krishna gebraucht den Ausdruck \u201eLiebe\u201c selten in der <a href=\"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/\" target=\"_blank\">Bhagavad Gita<\/a>. Doch verstehen k\u00f6nnen wir Krishnas Aussagen nur, wenn wir sie im Geist der Liebe sehen, wenn wir den Geist der Liebe in uns tragen. Krishna handelt in der gesamten <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Bhagavatam\" target=\"_blank\">Bhagavatam<\/a>[1] aus Liebe heraus. Wann immer wir anderen begegnen, sollten wir das im Geist der Liebe und des Verst\u00e4ndnisses tun. Aus Liebe heraus tun wir anderen <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Gutes\" target=\"_blank\">Gutes<\/a> und nehmen Wohltaten anderer an. Manchmal f\u00e4llt <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Aspirant\" target=\"_blank\">Aspiranten<\/a> letzteres schwerer: Sie haben Schwierigkeiten zuzulassen, dass andere ihnen gegen\u00fcber wohlt\u00e4tig sein, ihnen helfen m\u00f6chten. Liebe hei\u00dft auch, dass wir anderen erlauben, uns gegen\u00fcber Wohlt\u00e4ter zu sein, Hilfe zu geben. Liebe hei\u00dft auch um Hilfe zu bitten. Ein Sprichwort besagt: \u201eGeben ist seliger als Nehmen\u201c. Also sollten wir dem anderen auch die Gelegenheit geben, etwas zu tun, was seliger ist. F\u00fcr zufriedenstellende zwischenmenschliche Beziehungen ist es notwendig, anderen zu erlauben, uns etwas Gutes zu tun.<\/p>\n<p>Geist der Liebe hei\u00dft ferner auch, Feinden in Liebe gegen\u00fcber zu treten. Eigentlich mag ich den Ausdruck <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Feind\" target=\"_blank\">Feind<\/a> gar nicht\u2013 wisst ihr warum? Es gibt nicht wirklich Feinde. <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Patanjali\" target=\"_blank\">Patanjali<\/a> sagt: \u201eWenn <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Art-Artikel\/art_ahimsa.html\" target=\"_blank\">Ahimsa<\/a> fest verwurzelt ist, triffst du auf keine Feindschaft.\u201c (Yogasutra II, 35) Diesen Vers mag ich mehr, als das Jesuswort \u201eLiebe deine Feinde\u201c (Lukas VI 27) und diesen Vers der Bhagavad Gita, wo Krishna von Freunden und Feinden spricht.<\/p>\n<p>Wie kann Patanjali aber behaupten: \u201eWenn <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Ahimsa\" target=\"_blank\">Ahimsa<\/a> fest verwurzelt ist, triffst du auf keine Feindschaft.\u201c Schon Patanjali wusste, dass es <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Heilige\" target=\"_blank\">Heilige<\/a> gibt, die umgebracht wurden. Auf <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Bilder\/Galerien\/Buddha.html\" target=\"_blank\">Buddha<\/a> z.B. wurden einige Mordanschl\u00e4ge ver\u00fcbt. <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Bilder\/Galerien\/Jesus.html\" target=\"_blank\">Jesus<\/a> wurde gekreuzigt. Gegen Swami <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/de\/yogi\/sivananda.html\" target=\"_blank\">Sivananda<\/a> wurde ein Mordanschlag ver\u00fcbt. In den 30er Jahren wurde er immer wieder angefeindet, weil er mit einigen Konventionen gebrochen hatte. Er schrieb und ver\u00f6ffentlichte B\u00fccher, in denen er bis dahin geheime <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Mantras.html\" target=\"_blank\">Mantras<\/a> niederschrieb, ver\u00f6ffentlichte <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Art-Artikel\/Art_Pranayama.html\" target=\"_blank\">Pranayama<\/a>-Techniken in seinem <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/yoga-buch.html\" target=\"_blank\">Buch<\/a> \u201eWissenschaft des Pranayama\u201c. Er wurde daf\u00fcr kritisiert, dass er solch machtvolle Techniken beschrieb. Er nahm Frauen im <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Ashram\" target=\"_blank\">Ashram<\/a> auf. Frauen in einem M\u00e4nnerkloster \u2013 das war ein Skandal. <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Swami\" target=\"_blank\">Swami<\/a> Sivananda hat im Ashram Kastenunterschiede aufgehoben. Menschen h\u00f6herer Kasten mussten <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Aufgabe\" target=\"_blank\">Aufgaben<\/a> erledigen, die Menschen niederer Kasten vorbehalten waren und umgekehrt. Er hat als Swami von Moslems Bettelgaben angenommen, sogar bewusst gesucht. F\u00fcr die Gesellschaft damaliger Zeiten hat er sich skandal\u00f6s verhalten und wurde daf\u00fcr angefeindet. Ende der 50 er Jahr haben seine Gegner und auch die Traditionalisten erkannt, dass Swami Sivananda genau das Richtige getan hat. Es gibt einige B\u00fccher, in denen \u00fcber <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Meister\" target=\"_blank\">Meister<\/a> schlecht gesprochen wird. Mir ist kein solches Buch \u00fcber Swami Sivananda bekannt. Gegner haben erkannt, dass Swami Sivananda die uralten Prinzipien umgesetzt und an eine Unterrichtsweise angepasst hat, die in die moderne <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Art-Artikel\/art_Zeit.html\" target=\"_blank\">Zeit<\/a> passen. So war er derjenige, der die klassische <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Spiritualit\u00e4t\" target=\"_blank\">Spiritualit\u00e4t<\/a> in die moderne Zeit gerettet hat.<\/p>\n<p>Ohne Meister wie Swami Sivananda \u2013 er war nicht der Einzige \u2013 w\u00e4re <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Indien\" target=\"_blank\">Indien<\/a> nicht mehr das spirituelle Land, das es durchaus bleiben wird, vermutlich auch, wenn der gr\u00f6\u00dfte Teil der Inder mehr daran denkt, wie sie ein Auto kriegen oder einen K\u00fchlschrank, Satellitenfernsehen, und eigenen Internetanschluss als an die <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Selbstverwirklichung\" target=\"_blank\">Selbstverwirklichung<\/a>.<\/p>\n<p>Patanjali sagt nun: \u201eWenn Ahimsa fest verankert ist, triffst du auf keine Feindschaft.\u201c Das hei\u00dft, selbst wenn man vom objektiven Standpunkt aus betrachtet Feinden begegnet, hat man subjektiv nicht mehr das <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Gef\u00fchl\" target=\"_blank\">Gef\u00fchl<\/a> der Feindschaft. Es gibt niemanden, der wirklich etwas Schlechtes will. Ein <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Weise\" target=\"_blank\">Weiser<\/a> wei\u00df in den Tiefen seines <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/chakra\/anahata-chakra-herzchakra\/\" target=\"_blank\">Herzens<\/a>: im Grunde genommen will der andere das Gute. Auch der Attent\u00e4ter ist der \u00dcberzeugung, er tut der <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Menschheit\" target=\"_blank\">Menschheit<\/a> etwas Gutes. Der Fanatiker folgt seinen \u00dcberzeugungen. Es kann sein, dass ein Polizist im Zweifelsfall einen Attent\u00e4ter mit einem gezielten Todesschuss erschie\u00dfen muss, um bedrohte <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Opfer\" target=\"_blank\">Opfer<\/a> zu retten. Aber er kann es ohne <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Hass\" target=\"_blank\">Hass<\/a> tun. Ein Beispiel aus dem <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Alltag\" target=\"_blank\">Alltag<\/a> ist, wenn eine Mutter ihrem <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/de\/asana\/kind.html\" target=\"_blank\">Kind<\/a> etwas verbieten muss. Oder wenn ein Vorgesetzter jemandem k\u00fcndigen muss. Auch Swami Sivananda hat Menschen aus dem <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Ashram\" target=\"_blank\">Ashram<\/a> verwiesen. Sei es, weil sie zu faul waren, weil es nicht mehr gepasst hat, weil er sp\u00fcrte, dass sie ihre eigenen <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/yoga-anfaenger\/yoga-wissen\/yoga-wege\/\" target=\"_blank\">Wege<\/a> gehen wollen etc. Er handelte nicht immer nur freundlich und diese Menschen f\u00fchlten sich verletzt. Er hat es aber aus bedingungsloser Liebe heraus getan. Das ist ein Kennzeichen eines Vollkommenen. Es ist hilfreich sich zu verdeutlichen, dass alle <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/art_mensch.html\" target=\"_blank\">Menschen<\/a> nach <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Art-Artikel\/art_gluck.html\" target=\"_blank\">Gl\u00fcck<\/a> streben. Alle streben danach, Liebe zu geben und Liebe zu erhalten.<\/p>\n<p>Es hilft sicherlich, wenn wir uns vergegenw\u00e4rtigen: jeder <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Art-Artikel\/art_mensch.html\" target=\"_blank\">Mensch<\/a> strebt nach Gl\u00fcck, jeder Mensch will Liebe geben, jeder Mensch will Liebe bekommen.<\/p>\n<p>Dieses Grundstreben des Menschen nach Liebe, nach Gl\u00fcck, nach <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Erkenntnis\" target=\"_blank\">Erkenntnis<\/a>, nach <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Freiheit\" target=\"_blank\">Freiheit<\/a> ist gefiltert durch <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Avidya\" target=\"_blank\">Avidya<\/a>, <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Unwissenheit\" target=\"_blank\">Unwissenheit<\/a>. So kommt es, dass Menschen, obgleich sie tief im Inneren das Beste f\u00fcr sich und andere wollen, in der Lage sind, aus Verblendung schlimmste Sachen zu machen.<\/p>\n<p>Das Gute im Menschen kann z.B. gefiltert sein durch Traumata, Instinkte, Flucht-Kampf-Mechanismus aufgrund wahrgenommener oder eingebildeter Bedrohung. Wenn wir uns dessen bewusst werden, k\u00f6nnen wir <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Mitgef\u00fchl\" target=\"_blank\">Mitgef\u00fchl<\/a> gegen\u00fcber allen anderen haben. Aus diesem Geist von Mitgef\u00fchl und Liebe heraus sollten und k\u00f6nnen wirallen Menschen begegnen. Das ist nicht irgendein hohes Ideal. Es ist umsetzbar und Schritt f\u00fcr Schritt lebbar.<\/p>\n<p>Wenn es einen Menschen gibt, wo wir das Gef\u00fchl haben: DER ist mein Feind, dann m\u00fcssen wir schauen, ob wir den Menschen vielleicht besser verstehen k\u00f6nnen, seine Beweggr\u00fcnde besser verstehen k\u00f6nnen. Oder schauen, ob ich vielleicht meine Beweggr\u00fcnde besser verstehen kann, warum er bei mir solche Aggressionen ausl\u00f6st. So kann man <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Verzeihen\" target=\"_blank\">verzeihen<\/a> und aus dem Geist der Liebe heraus handeln.<\/p>\n<p>Bei aller Liebe muss man aufpassen, dass man auch mit <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Unterscheidungskraft\" target=\"_blank\">Unterscheidungskraft<\/a> handelt. Ich hatte einmal in der <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/center.html\" target=\"_blank\">Schule<\/a> einen Pfarrer, der alle bedingungslos geliebt hat und allen Einsen und Zweien gegeben hat. In seiner Situation war er f\u00fcr uns ein sch\u00f6nes Beispiel. Er hat einige von uns im Herzen ber\u00fchrt. Intellektuell gelernt haben wir von dem n\u00e4chsten Religionslehrer wesentlich mehr. Der hatte weniger diese bedingungslose Liebe, aber daf\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Strenge. Er hat zwar auch keine F\u00fcnfen verteilt, aber sein Notenspektrum ging schon von 1-4. Wenn es unsere Aufgabe ist, Menschen zu motivieren und wir etwas erreichen wollen, dann m\u00fcssen wir auch mal Konsequenzen ziehen. Manche m\u00f6gen dann denken, dass man herzlos ist. Aber auch den Vorwurf der Herzlosigkeit muss man verkraften, wenn er einen manchmal st\u00e4rker trifft als vieles andere.<\/p>\n<p>Die Bhagavad Gita w\u00fcrde sogar einen Tyrannenmord rechtfertigen. Wenn also jemand Hitler umgebracht h\u00e4tte, dann w\u00e4re das durchaus in \u00dcbereinstimmung mit der Bhagavad Gita. Wenn er ihn noch dazu umgebracht h\u00e4tte ohne Hass, dann w\u00e4re es die richtige Handlung gewesen. Hitler selbst war st\u00e4ndig im <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/karma\/schuld-und-leid.html\" target=\"_blank\">Leiden<\/a>, verr\u00fcckt, getrieben, im psychologischen Sinne h\u00e4tte er in die Psychiatrie geh\u00f6rt. Er hat Stimmen geh\u00f6rt und er war der Meinung, dass er von der Vorsehung gef\u00fchrt wird. Irgendwann kam ein immer gr\u00f6\u00dferer Realit\u00e4tsverlust dazu. Er selbst konnte auch niemanden umbringen, das hat er Andere machen lassen. Also ein h\u00f6chst kranker Mensch, der ein riesiges <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/karma\/\" target=\"_blank\">Karma<\/a> auf sich geladen hat. Dieses Land und diese <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Welt\" target=\"_blank\">Welt<\/a> \u2013 f\u00fcr das, was er angerichtet hat wird er, daf\u00fcr wird er sicherlich in k\u00fcnftigen <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Art-Artikel\/art_leben.html\" target=\"_blank\">Leben<\/a> viel Negatives erfahren m\u00fcssen. Es w\u00e4re richtig gewesen, alles zu tun, was verhindert h\u00e4tte, dass ein solcher Psychopath so viele Verbrechen begeht. Und selbst beim Umbringen von Hitler h\u00e4tte man Mitgef\u00fchl auch mit Hitler empfinden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Man muss sehr aufpassen und unterscheiden: Verzeihen hei\u00dft nicht, <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Unrecht\" target=\"_blank\">Unrecht<\/a> zu rechtfertigen und geschehen zu lassen. Nat\u00fcrlich sollte man verstehen, dass andere Menschen Hass entwickeln. Aber selbst sollte man nicht aus Hass heraus handeln. Selbst dem gr\u00f6\u00dften Schurken kann man aus dem Gef\u00fchl der Liebe heraus begegnen. Selbst wenn das dazu f\u00fchren muss, dass man zum Schutz Anderer sehr konsequente Ma\u00dfnahmen ergreifen muss, nat\u00fcrlich unter Beachtung des Prinzips der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit. Nicht dass der Leser jetzt denkt: \u201eWenn beim n\u00e4chsten Mal jemand etwas Schlechtes tut, muss man ihn gleich erschie\u00dfen.\u201c Da gelten die rechtsstaatlichen Grunds\u00e4tze: Erstens der Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und zweitens der Grundsatz des kleinsten Mittels. Die Grunds\u00e4tze, die im Rechtsstaat umgesetzt werden sollten, stammen aus einer tief verstandenen <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Art-Artikel\/art_ethik.html\" target=\"_blank\">Ethik<\/a>. Wenn die Polizei kann, versucht sie <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Leben\" target=\"_blank\">Leben<\/a> zu sch\u00fctzen, auch das Leben des Geiselnehmers. Und nicht, dass ich falsch verstanden werde: In einem demokratischen Rechtsstaat gilt aus gutem Grund das Gewaltmonopol des Staates.<\/p>\n<p>Krishna schreibt also: Wer allen Menschen im selben Geist begegnet, n\u00e4mlich im Geist der Liebe, der ist vortrefflich. Wir k\u00f6nnen uns zwischendurch immer wieder fragen: \u201eWas kann ich tun, um Liebe gegen\u00fcber allen Menschen zu empfinden?\u201c Zum einen kann es helfen, ihnen einfach <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Licht\" target=\"_blank\">Licht<\/a> zu schicken. Zum anderen kann es helfen, wenn wir uns bewusst werden: \u201eMein Selbst ist sein <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Selbst\" target=\"_blank\">Selbst<\/a> \u2013 wir sind eins.\u201c Oder es kann helfen zu empfinden: \u201eWir sind Teil des kosmischen <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/K\u00f6rper\" target=\"_blank\">K\u00f6rpers<\/a>.\u201c Manche Menschen l\u00f6sen diese Aufgabe auch, indem sie die Sache aus psychologischer Sicht betrachten und \u00fcberlegen, was dahinter steckt. Vielleicht steckt verletzte Liebe dahinter, vielleicht hat der andere nicht gen\u00fcgend Liebe erhalten oder er strebt sehr nach <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Aufmerksamkeit\" target=\"_blank\">Aufmerksamkeit<\/a> usw.<\/p>\n<p>Solche psychologischen \u00dcberlegungen sollten aber nicht dazu f\u00fchren, die psychologische Keule gegen\u00fcber dem Anderen zu\u00a0 schwingen. Eine der besten Weisen, zwischenmenschliche Probleme zu gro\u00dfen Gr\u00e4ben werden zu lassen, ist es, zu behaupten, man w\u00fcrde den anderen verstehen! Oder zu sagen: \u201eDu projizierst jetzt.\u201c Wunderbare moralische Keulen, mit denen wir Menschen versuchen zu erschlagen und gegen die sich jeder zu Recht zur Wehr setzt. Auch zu fragen: \u201eWelche Laus ist dir denn heute \u00fcber die Leber gelaufen?\u201c wenn jemand \u00e4rgerlich ist, ist unangemessen. Das Gegen\u00fcber f\u00fchlt sich dann nicht ernst genommen. Man kann versuchen, den Menschen zu verstehen. Manchmal hilft es zu \u00fcberlegen, welches Anliegen der Andere momentan hat. Dann kann ich schauen, ob ich diesem Anliegen gerecht werden kann oder nicht.<\/p>\n<p>Manchmal hilft es auch anzuerkennen, dass wir unterschiedliche Interessen haben. Manchmal kann man schauen, wie ich den beiden Seiten gerecht werden kann. Ich kann fragen: \u201eWorum geht es dir eigentlich?\u201c Dann kann das Gegen\u00fcber klar \u00e4u\u00dfern, worum es ihm geht. Man kann \u00fcberlegen, ob es eine M\u00f6glichkeit gibt, beiden Interessen gerecht zu werden. Viele von euch kennen das, wenn ihr Urlaubspl\u00e4ne mit eurem Partner macht: der eine will in die <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/center\/haus-allgaeu\/start\/\" target=\"_blank\">Berge<\/a>, der andere ans <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/center\/haus-nordsee\/start\/\" target=\"_blank\">Meer<\/a>. Diese Diskussion hatte ich auch mit meiner Frau. Sie wollte ans Meer reisen, ich lieber in die Berge. Wir fuhren dann auf eine Insel, die hohe Berge hat. Ab und zu gingen wir dann zusammen am Strand spazieren oder schwimmen, ab und zu Wandern in die Berge; ab und zu lag sie am Strand und ich ging allein in die Berge.<\/p>\n<p>Ein anderes Beispiel: Ein Partner m\u00f6chte zelten gehen und der andere die Mutter besuchen. Kompromiss ist: Man geht vielleicht zum Campingplatz in der N\u00e4he von der Mutter.<\/p>\n<p>Wenn man kompromissbereit ist, gelingt es oft eine L\u00f6sung zu finden. Manchmal muss man auch nachgeben und manchmal auf seinem Standpunkt beharren. Es hei\u00dft: \u201eDer Kl\u00fcgere gibt nach\u201c. Bei Vielem ist das angebracht. Andererseits: Wenn der Kl\u00fcgere immer nachgibt, regieren die Dummen die Welt. Es ist nicht gut, wenn der Kl\u00fcgere immer nachgibt. Er sollte sich \u00fcberlegen, in welchen Situationen er nachgibt. Wir sollten geschickt handeln wozu Krishna uns r\u00e4t: \u201e<a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/yoga\/\" target=\"_blank\">Yoga<\/a> Karma Kaushalam \u2013 Yoga ist Geschick im <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Handeln\" target=\"_blank\">Handeln<\/a>\u201c (II 50). Man kann \u00fcberlegen, wo es Dinge gibt, die einem nicht so wichtig sind und in denen man leichter nachgeben kann. Bei Dingen, die einem wichtiger sind, gibt man dann nicht nach. Es ist f\u00fcr die meisten Menschen verst\u00e4ndlich, wenn man schon drei Mal seinen <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Wille\" target=\"_blank\">Willen<\/a> bekommen hat, macht man beim vierten Mal, was der andere will. Wenn man <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Gl\u00fcck\" target=\"_blank\">Gl\u00fcck<\/a> hat, ist es so, dass man dann nachgibt, wenn es f\u00fcr einen selbst weniger wichtig ist und f\u00fcr den anderen wichtiger. Und man setzt sich durch, wenn es f\u00fcr einen selbst wichtiger und f\u00fcr den anderen weniger wichtig ist.<\/p>\n<p>In 90-95\u00a0% der F\u00e4lle gelingt es, entweder gemeinsame Interessen oder gemeinsame Synergien zu finden, Kompromisse zu schlie\u00dfen oder mal nachzugeben und sich dann mal durchzusetzen. In anderen F\u00e4llen gelingt es vielleicht nicht und dann muss man um der guten Sache willen auch mal einen Machtkampf ausfechten. Dabei kann man entweder gewinnen oder verlieren\u2026 In allen F\u00e4llen sollte man es aber im gleichen Geist tun, das ist der Geist der <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/Yoga--Artikel\/Art-Artikel\/art_liebe.html\" target=\"_blank\">Liebe<\/a>.<\/p>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p>[1] Indische Schrift, welche die Lebensgeschichte von Krishna erz\u00e4hlt<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Krishna sagt nicht, dass man alle gleich behandeln soll. Vielmehr sagt er: \u201eWer allen im gleichen Geiste begegnet, ist vortrefflich.\u201c In welchem Geist sollen wir ihnen begegnen? Im Geist der Liebe. Krishna gebraucht den Ausdruck \u201eLiebe\u201c selten in der Bhagavad Gita. Doch verstehen k\u00f6nnen wir Krishnas &hellip; <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/06-09-kommentar-sukadev\/\" class=\"more-link\"><span class=\"morelink-icon\">Weiterlesen<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[315,28],"class_list":["post-1254","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-06-kapitel","tag-6-kapitel-9-vers","tag-kommentar-sukadev"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1254","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1254"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1254\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19198,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1254\/revisions\/19198"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1254"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1254"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1254"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}