{"id":11962,"date":"2011-08-01T20:00:48","date_gmt":"2011-08-01T18:00:48","guid":{"rendered":"http:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/?p=11962"},"modified":"2016-06-25T15:41:34","modified_gmt":"2016-06-25T13:41:34","slug":"2-kapitel-samkhya-yoga","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/2-kapitel-samkhya-yoga\/","title":{"rendered":"2. Kapitel: Samkhya Yoga"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-18906 alignleft\" src=\"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/2-Samkhya.jpg\" alt=\"Entscheidungshilfe\" width=\"300\" height=\"439\" srcset=\"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/2-Samkhya.jpg 300w, https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/2-Samkhya-150x220.jpg 150w, https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/2-Samkhya-273x400.jpg 273w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Die Grundlage von allem ist eine schwierige ethische Frage, die <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Arjuna\" target=\"_blank\">Arjuna<\/a> hat. Er wei\u00df nicht, was er tun soll, was seine <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Pflicht\" target=\"_blank\">Pflicht<\/a> ist \u2013 entweder k\u00e4mpfen oder sich zur\u00fcck ziehen. Diese Frage kann man im w\u00f6rtlichen Sinne verstehen und sich fragen: Gibt es so etwas wie einen gerechten Krieg? Oder man kann sie im \u00fcbertragenen Sinne behandeln. Ich glaube, da es hei\u00dft, dass die <a href=\"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/\" target=\"_blank\">Bhagavad Gita<\/a> f\u00fcr jeden Einzelnen gedacht ist, sollte man es mehr auf den Einzelnen beziehen.<\/p>\n<p>Wir kommen immer wieder auf folgende Fragen zur\u00fcck: Was soll ich tun? Was ist meine Pflicht? Soll ich dieses oder jenes machen? Soll ich den Job annehmen, soll ich ihn nicht annehmen? Soll ich umziehen, soll ich nicht umziehen? Soll ich ein <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/center\/\" target=\"_blank\">Yogazentrum<\/a> er\u00f6ffnen, soll ich keines aufmachen? Soll ich bei <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/\" target=\"_blank\">Yoga Vidya<\/a> Mitarbeiter werden oder nicht? Soll ich mich um eine Bef\u00f6rderung bem\u00fchen oder nicht? Soll ich einen Naturkostladen aufmachen oder nicht? Soll ich heiraten, ein <a href=\"http:\/\/www.kinder-yoga.cc\/\" target=\"_blank\">Kind<\/a> bekommen oder nicht? Soll ich bei der Scheidung das Kind meinem Partner \u00fcberlassen, um mein armes Kind in den Jahren der gerichtlichen Auseinandersetzung nicht zu zerrei\u00dfen oder soll ich um es k\u00e4mpfen? Soll ich mich in der \u00f6kologischen Bewegung engagieren, mich dort um irgendetwas bem\u00fchen, auch wenn es einigen Menschen ihren Arbeitsplatz kosten kann? Soll ich eine korrupte Stadtverwaltung aufdecken oder nicht? Soll ich mich an die Presse wenden oder nicht?<\/p>\n<p>Bei kleinen und bei gro\u00dfen Entscheidungen stellt sich immer wieder die Frage: \u201eSoll ich nachgeben oder mich durchsetzen?\u201c<\/p>\n<p>Die Bhagavad Gita ist ein Leitfaden, wie wir an die Beantwortung dieser Fragen herangehen k\u00f6nnen. Krishna gibt uns viele Kriterien zur Entscheidungsfindung und wie Handlungen konkret aussehen k\u00f6nnen an die Hand. Gerade bei den wichtigeren Entscheidungen kann man sich fragen: \u201eHabe ich alle Kriterien, die <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Krishna\" target=\"_blank\">Krishna<\/a> mir gibt, ber\u00fccksichtigt?\u201c<\/p>\n<p>Krishna beginnt im 2. Kapitel mit einem Rat f\u00fcr Arjuna: \u201eNimm dich nicht zu wichtig!\u201c Wenn wir eine richtige <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Entscheidungskraft\" target=\"_blank\">Entscheidung<\/a> treffen wollen, k\u00f6nnen wir das nicht aus der Froschperspektive heraus machen. Arjuna ist von dem gro\u00dfen Problem, vor welchem er steht, \u00fcberw\u00e4ltigt und denkt: \u201eAlles h\u00e4ngt jetzt davon ab, dass ich richtig handle. Wenn ich mich jetzt nicht richtig entscheide, geht das ganze Land dauerhaft zu Grunde. Die gesamte gesellschaftliche Ordnung wird dauerhaft zerst\u00f6rt.\u201c Von diesem Irrglauben befreit ihn Krishna, indem er sagt: \u201eDie <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Seele\" target=\"_blank\">Seele<\/a> ist unsterblich und vom h\u00f6chsten Standpunkt aus ist es relativ unerheblich, wie du dich entscheidest.\u201c Krishna formuliert hier ziemlich brutal. Zus\u00e4tzlich l\u00e4chelt er Arjuna auch noch an und f\u00e4hrt mit folgenden Worten fort: \u201eDu argumentierst, du gibst gute Kriterien und vielleicht geh\u00f6rt das auch erst einmal dazu.\u201c Denn Arjuna fragt Krishna nicht sofort, als er vor seiner Entscheidung steht. Vielmehr hat er zuerst eine Weile \u00fcberlegt. Bevor man bei spirituellen Entscheidungshilfen <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Zuflucht\" target=\"_blank\">Zuflucht<\/a> sucht, sollte man also erst einmal \u00fcberlegen: Was spricht f\u00fcr das eine, was spricht f\u00fcr das andere? Bevor Arjuna Krishna fragt, hat er das schon abgewogen. Auch du kannst die zu treffende Entscheidung zuerst mit deinem gesunden Menschenverstand betrachten und \u00fcberlegen: Welche Folgen k\u00f6nnte meine <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Handlung\" target=\"_blank\">Handlung<\/a> haben? Welche Folgen k\u00f6nnte die eine Entscheidung haben und welche die andere? Das gilt es durchaus erst einmal zu bedenken. Nachdem du abgewogen hast, was offensichtlich ist, gehe zu den spirituellen Prinzipien. Und genau hier gibt dir Krishna sehr systematische Entscheidungshilfen.<\/p>\n<p>Der erste Ratschlag von Krishna (Anfang 2. Kapitel): \u201eWerde dir bewusst, dass es nicht ganz so erheblich ist, was du machst und wie du dich entscheidest. Die Seele ist unsterblich. Uns hat es immer schon gegeben und wird es auch immer weiter geben. Egal was passiert, der Seele geschieht gar nichts.\u201c<\/p>\n<p>Dann kommt Krishna als n\u00e4chstes zum <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Karma_Yoga\" target=\"_blank\">Karma Yoga<\/a> und fragt: \u201eWie sollst du eine Handlung vom spirituellen Standpunkt her ausf\u00fchren?\u201c Noch bevor er Arjuna spirituelle Entscheidungsfindung lehrt, erkl\u00e4rt er ihm: \u201eWenn du dich entschieden hast, f\u00fchre die Handlung auf folgende Weise aus: Mache das, was du tust, so gut du kannst: \u201e<em>Yogah karmasu kausalam<\/em>\u201c- Yoga ist Geschick im <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Handeln\" target=\"_blank\">Handeln<\/a> (Bh G II 50).\u201c Auch wenn die Seele unsterblich ist und es vom h\u00f6chsten Standpunkt gar nicht zu sehr eine Rolle spielt, was du \u00fcberhaupt tust, sollte das nicht die Entschuldigung f\u00fcr eine <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Tamasig\" target=\"_blank\">tamasige<\/a>, also nachl\u00e4ssige Handlung sein. Was auch immer du tust, mache es gut. Mache es so gut, wie du kannst, aber ohne an den Fr\u00fcchten und den Ergebnissen zu h\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Er sagt ihm auch: \u201eWas nachher dabei herauskommt, sagt nicht, ob du dich vorher richtig entschieden hast.\u201c Angenommen, du entscheidest dich f\u00fcr etwas und tust es so gut, wie du kannst und dann missgl\u00fcckt es. Ist dir das schon einmal passiert? Vermutlich. Mindestens im Kleinen, bei manchen auch im Gro\u00dfen. Hei\u00dft das, dass du dich vorher falsch entschieden hast? Krishna w\u00fcrde klar \u201eNein\u201c sagen. Wenn etwas schief geht, hei\u00dft das noch lange nicht, dass du dich falsch entschieden hast. Es kann n\u00e4mlich sein, dass du etwas genau auf diese Weise lernen solltest. Zwar ist das paradox: Wenn du geschickt handeln willst, musst du nat\u00fcrlich vorher das gew\u00fcnschte Ergebnis betrachten. Wenn du etwas tust, ist es gut, die Sache vom Ergebnis her anzugehen. Was willst du mit der Handlung bewirken? Es ist nicht sehr effektiv, wenn du irgendwie etwas machst, was dir gerade in den <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Sinn\" target=\"_blank\">Sinn<\/a> kommt. Auch wenn du dich bem\u00fchst, das gut zu tun. Wenn du eine wichtige Entscheidung zu treffen hast, z.B. einen Naturkostladen aufzumachen, dann reicht es nicht, dass dir irgendjemand einen Mietvertrag gibt, du den Erstbesten annimmst und dann einfach mal schaust, wie sich alles entwickelt. So etwas funktioniert im Normalfall nicht. Man muss es vom Ergebnis her betrachten: Wie w\u00e4re es, einen Naturkostladen zu haben? Wie funktioniert die Gewinn- und Verlustrechnung? Wie viel kann ich einnehmen, wie viel kann ich ausgeben? Wie viele Kunden br\u00e4uchte ich? Wie viel m\u00fcssten diese durchschnittlich zahlen? Wie kann ich daf\u00fcr sorgen, dass sie zu mir kommen? Wie viel m\u00fcsste ich arbeiten? Wie w\u00fcrde ich mich dabei f\u00fchlen? usw. &#8211; um geschickt zu handeln, musst du deine Vorgehensweise auf das Ergebnis hin anschauen. In diese Richtung gilt es, geschickt zu handeln.<\/p>\n<p>All das geh\u00f6rt zu \u201e<em>Yoga karmasu kausalam<\/em>\u201c. Und wenn du all das bedacht hast und es geht trotzdem schief? Dann hast du alles so gut gemacht, wie du konntest, unabh\u00e4ngig vom Ergebnis und von den Fr\u00fcchten. Du machst also die <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/kundalini-yoga\/kundalini-erfahrung\/spirituelle-erfahrungen\/\" target=\"_blank\">Erfahrungen<\/a>, die du machen sollst. H\u00e4nge nicht am Ergebnis. Denn was nachher dabei herauskommt, liegt auch bei bester Planung und Vorgehensweise nicht mehr in deiner <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Hand\" target=\"_blank\">Hand<\/a>. Ein Bauer wird sein Feld pfl\u00fcgen, geeignete Samen s\u00e4en, Unkraut j\u00e4ten. Wenn es im Sommer eine Trockenheit gibt, kann die ganze Ernte verdorren. Es liegt nicht alles in deiner Hand. Tue alles, so gut du kannst. Was nachher dabei herauskommt, \u00fcberlasse <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Gott\" target=\"_blank\">Gott<\/a>. Dabei gibt es zwei M\u00f6glichkeiten: entweder zu versuchen, gleichm\u00fctig zu sein oder die Handlungen an Gott zu \u00fcbergeben. H\u00e4nge nicht an der Handlung selbst.<\/p>\n<p>Und nachdem eine Vorgehensweise nicht funktioniert hat? Solltest du das vorher gesetzte Ziel aufgeben? Nicht unbedingt. Manchmal solltest du das Ganze vom <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Ziel\" target=\"_blank\">Ziel<\/a> her noch einmal \u00fcberpr\u00fcfen: Was wolltest du erreichen? Wenn du feststellst, dass die Mittel, die du bisher eingesetzt hast, nicht die richtigen waren, kannst du wieder kreativ sein und vielleicht andere Mittel einsetzen. Nicht an seinen Handlungen zu h\u00e4ngen kann auch hei\u00dfen, nicht traurig \u00fcber den Misserfolg zu sein, sondern freudig zu \u00fcberlegen, was man anders machen kann?<\/p>\n<p>Sieh dir das Leben und die Taten von Krishna an, wie sie in der <em>Mahabharata<\/em> und in der <em>Srimad Bhagavatam<\/em> erz\u00e4hlt werden. Dort kannst du sehen, dass Krishna ein <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Meister\" target=\"_blank\">Meister<\/a> der kreativen L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten war, z.B. hat Krishna vor dem <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Mahabharata\" target=\"_blank\">Mahabharata<\/a> Krieg gesagt: \u201eIch beteilige mich nicht an der Schlacht.\u201c Dann hat Arjuna ihn gebeten, sein Wagenlenker zu werden. Zwar k\u00e4mpfte Krishna nicht, er war aber dennoch dabei \u2013 eine kreative L\u00f6sung. So konnte er sein <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Vrata\" target=\"_blank\"><em>vrata<\/em><\/a> (Versprechen, Gel\u00fcbde, Gel\u00f6bnis) der Gewaltlosigkeit (<a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Ahimsa\" target=\"_blank\"><em>ahimsa<\/em><\/a>) einhalten und trotzdem die \u201eGuten\u201c in der Schlacht unterst\u00fctzen. An einigen Stellen hat Krishna eine List ersonnen. Er war hier listig wie Odysseus, denn wenn man betrachtet, was Odysseus geraten hat und was Krishna in der Mahabharata geraten hat, gibt es viele \u00c4hnlichkeiten. Man soll nicht an der Handlung haften und wenn etwas missgl\u00fcckt, soll man nicht am Ergebnis haften. Au\u00dferdem erw\u00e4hnt Krishna immer wieder, dass man das, was man tut, mit <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Liebe\" target=\"_blank\">Liebe<\/a> tun soll. Er fordert dazu auf, sich als Instrument Gottes zu f\u00fchlen. Gib die Vorstellung auf, der Handelnde zu sein, sondern f\u00fchle stattdessen: \u201eDein <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Wille\" target=\"_blank\">Wille<\/a> geschehe.\u201c<\/p>\n<p>All dies erl\u00e4utert Krishna in den n\u00e4chsten Kapiteln. Er sagt mehrmals, wie man als spiritueller <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Aspirant\" target=\"_blank\">Aspirant<\/a> im <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Alltag\" target=\"_blank\">Alltag<\/a> praktisch handeln kann. Dabei gibt es immer dieses Spannungsfeld: Ein spiritueller Aspirant sollte geschickt handeln, seine Pflichten erf\u00fcllen und seine <em>vratas<\/em> (Versprechen, Verpflichtungen) einhalten. Er muss verantwortungsbewusst sein. Bei allem sollte er <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Verhaftungslos\" target=\"_blank\">verhaftungslos<\/a> bleiben. 2 Aspekte geh\u00f6ren zu einer wahrhaftigen <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Karma_Yoga\" target=\"_blank\">Karma Yoga<\/a> Handlung: Engagement und Verhaftungslosigkeit.<\/p>\n<p>Im 2., 3. und 4. Kapitel gibt Krishna erste Hinweise, wie man eine Entscheidung spirituell treffen kann. Er spricht von <em><a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/karma\/karma-gesetz\/4-karma-gesetz-der-evolution\/dharma-und-karma\/\" target=\"_blank\">Dharma<\/a><\/em> und <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Svadharma\" target=\"_blank\"><em>Swadharma<\/em><\/a>: Tue deine eigene Pflicht. Es ist besser, die eigene Pflicht schlecht zu tun, als die Pflicht von jemand anderem gut zu tun (III 35). Krishna kommt immer wieder auf diese <em>Vrata<\/em>, was bedeutet: Ein spiritueller Aspirant sollte seine Pflichten, seine <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Aufgabe\" target=\"_blank\">Aufgaben<\/a> erf\u00fcllen. Das ist also eine Grundlage, wie man zu einer Entscheidung kommen kann: Was man versprochen hat, sollte man grunds\u00e4tzlich einhalten. Und auch an seine Vors\u00e4tze sollte man sich grunds\u00e4tzlich halten. Oder wie der Lateiner sagt: \u201e<em>Pacta sunt servanda<\/em>\u201c, Vertr\u00e4ge und Versprechen sind einzuhalten. Nat\u00fcrlich gibt es hier Grenzen. Wenn das Einhalten von Versprechen anderen ethischen Grunds\u00e4tzen widerspricht oder sich neue Gesichtspunkte ergeben, muss man neu abw\u00e4gen und neu entscheiden.<\/p>\n<p>Krishna gibt dann das n\u00e4chste Entscheidungskriterium: Aus dem <em><a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/karma\/\" target=\"_blank\">Karma<\/a><\/em> ergibt sich die Pflicht. Aus der \u00e4u\u00dferen Situation ergibt sich das <em>Dharma<\/em> (die Aufgabe). Manchmal ist es offensichtlich. Du gehst deines Weges und jemand liegt blutend auf der Stra\u00dfe. Da stellt sich nicht die Frage: \u201eWas ist meine Pflicht?\u201c Man hilft ganz selbstverst\u00e4ndlich. Oder eine Mutter wird von der <a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/center\/\" target=\"_blank\">Schule<\/a> angerufen: \u201eIhr <a href=\"http:\/\/www.kinder-yoga.cc\/\" target=\"_blank\">Kind<\/a> ist gerade die Treppe herunter gefallen und ist bewusstlos.\u201c Auch hier gibt es nicht die Frage, was die Pflicht der Mutter ist. Manchmal ist es eindeutig, manchmal ist es aber nicht so eindeutig.<\/p>\n<p>Im 7. bis 12. Kapitel geht Krishna einen Schritt weiter. Es geht vor allem um <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Bhakti_Yoga\" target=\"_blank\">Bhakti Yoga<\/a>, um <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Liebe\" target=\"_blank\">Liebe<\/a> zu Gott. Wenn du <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Gott\" target=\"_blank\">Gott<\/a> liebst und verehrst, manifestiert sich Gott als innere Stimme und innere F\u00fchrung. Und Krishna spricht in vielen Kapiteln \u00fcber <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Bhakti\" target=\"_blank\">Bhakti<\/a> Yoga, \u00fcber die Entwicklung der Liebe zu Gott. Arjuna will ganz praktisch wissen, wie er eine konkrete Entscheidung treffen soll und Krishna spricht viele Kapitel \u00fcber Gottesverehrung, denn um gute Entscheidungen treffen zu k\u00f6nnen, gilt: \u201eNicht mein Wille sondern dein Wille geschehe.\u201c (Bibel, Lukas\u00a022,42) Es gilt, durch Hingabe Gottes Willen zu ergr\u00fcnden. Auf dem Weg zur Hingabe soll man sich von <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Raga\" target=\"_blank\"><em>Raga<\/em><\/a> und <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Dvesha\" target=\"_blank\"><em>Dvesha<\/em><\/a> (M\u00f6gen und Nichtm\u00f6gen) frei machen.<\/p>\n<p>Dann kommt Krishna zum n\u00e4chsten relevanten Punkt f\u00fcr Entscheidungen. Er spricht immer wieder \u00fcber den Unterschied zwischen <em>Raga<\/em>\/<em>Dvesha<\/em> und <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Prakriti\" target=\"_blank\"><em>Prakriti<\/em><\/a>\/<a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Svabhava\" target=\"_blank\"><em>Svabhava<\/em><\/a>. Das ist eines der vielen Spannungsfelder in der Bhagavad Gita. <em>Raga<\/em> und <em>Dvesha<\/em> hei\u00dft \u201eM\u00f6gen und Nichtm\u00f6gen\u201c und <em>Svarupa<\/em> und <em>Prakriti<\/em> hei\u00dft \u201eWesensnatur, innere Stimme\u201c. <em>Svarupa<\/em> und <em>Svabhava<\/em> beinhalten sowohl die eigenen F\u00e4higkeiten, die eigenen M\u00f6glichkeiten und Talente als auch das, was das <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Herz\" target=\"_blank\">Herz<\/a> sagt. Dabei ist es nicht immer einfach, zu unterscheiden, was die <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Natur\" target=\"_blank\">Natur<\/a> ist, die Stimme des Herzens &#8211; und was nur Wunschdenken und falsche Identifikation.<\/p>\n<p>Irgendwann habe ich einmal gedacht: \u201eIch bin zwar intelligent, aber Vortr\u00e4ge kann ich nicht geben. Und ich unterrichte am besten, wenn ich kleine Gruppen von drei bis f\u00fcnf Teilnehmern vor mir habe. Mit denen kann ich am besten umgehen und habe einen besonders pers\u00f6nlichen Kontakt. Das ist meine <em>Prakriti<\/em>.\u201c Davon war ich \u00fcberzeugt. Heute halte ich viele Vortr\u00e4ge vor gr\u00f6\u00dferen und manchmal sehr gro\u00dfen Gruppen. Um diese Identifikation, dass ich nur Vortr\u00e4ge vor kleinen Gruppen halten kann, zu \u00fcberwinden, haben mir meine spirituellen Lehrer sehr geholfen. Ich hatte eine sehr gute spirituelle F\u00fchrung. In den vorherigen B\u00e4nden habe ich schon ein paar Geschichten erz\u00e4hlt, wie meine Lehrer mich immer wieder fast gezwungen haben, solche Dinge zu machen, von denen ich dachte, \u201edas ist nicht mein Ding\u201c. Ich bin dieser F\u00fchrung dann auch gefolgt und konnte so viele in mir steckende Talente zum Vorschein bringen, die mir vorher unbekannt waren.<\/p>\n<p>Sei dir also bewusst, dass sehr oft Vorurteile, vergangene Erfahrungen und Aussagen anderer dein Selbstbild bestimmen. In dir steckt sehr viel mehr, als du momentan f\u00fcr m\u00f6glich h\u00e4ltst. Um zu deiner wirklichen <em>Prakriti<\/em> (Wesensnatur) zu kommen, musst du Verhaftungen an Selbstbilder loslassen. Um zur Stimme deines Herzens zu kommen, musst du <em>Raga<\/em> und <em>Dvesha<\/em> transzendieren. In den Yoga Sutras[1] beschreibt der Yoga-Meister <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Patanjali\" target=\"_blank\">Patanjali<\/a> die 5 <em>Kleshas<\/em> (die 5 Ursachen des Leidens) (<a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Yogasutra\" target=\"_blank\">Yogasutra<\/a> II 2-7):<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Avidya\" target=\"_blank\"><em>Avidya<\/em><\/a> \u2013 Unwissenheit<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Asmita\" target=\"_blank\"><em>Asmita <\/em><\/a>\u2013 Ichhaftigkeit<\/li>\n<li><em>Raga<\/em> \u2013 Wunsch, Verhaftung<\/li>\n<li><em>Dvesha<\/em> \u2013 Abneigung<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Abhinivesha\" target=\"_blank\"><em>Abhinivesha<\/em><\/a> \u2013 Furcht<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein Schl\u00fcsselbegriff ist dabei <em>Asmita<\/em> (die individuelle Identifikation, das Selbstbild). Das Selbstbild ist etwas anderes als <em>Svarupa<\/em>, die tats\u00e4chliche wahre Natur. Aus <em>Asmita<\/em> (Identifikation) folgen <em>Raga<\/em> und <em>Dvesha<\/em>. Diesen Unterschied zwischen <em>Asmita<\/em> und <em>Svarupa<\/em> zu verstehen ist, sehr wichtig. Je n\u00e4her dein Selbstbild (<em>Asmita<\/em>) deiner <em>Prakriti<\/em>, deinen tats\u00e4chlichen Talenten und F\u00e4higkeiten, ist, umso harmonischer wird dein Leben sein. Denn dein <em><a href=\"https:\/\/www.yoga-vidya.de\/karma\/\" target=\"_blank\">Karma<\/a><\/em> wird dich immer wieder dorthin bringen, wo deine tats\u00e4chliche <em>Prakriti<\/em> zum Einsatz kommen soll. Wenn du dich wegen <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Verhaftung\" target=\"_blank\">Verhaftung<\/a> an <em>Asmita<\/em> gegen die Herausforderungen des Alltags sperrst, wirst du dich weniger erf\u00fcllt f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Genauso gilt, wenn du in deinem Beruf das tust, was du magst, aber daf\u00fcr nicht wirklich Talent hast, wirst du nicht dauerhaft zufrieden sein. Wenn du dagegen etwas tust, wof\u00fcr du Talent hast, was du aber nicht magst, wirst du langfristig zufrieden sein. Daher gibt es sogenannte Pers\u00f6nlichkeits- und Eignungstests, wo man versucht, die Talente und die Pers\u00f6nlichkeitsstruktur herauszufinden. Empirische Forschung zeigt, dass es besser ist, einen Beruf zu ergreifen, der den eigenen F\u00e4higkeiten entspricht, als einen, der den eigenen W\u00fcnschen entspricht.<\/p>\n<p>Ich erlebe das recht h\u00e4ufig: Neue Mitarbeiter bei Yoga Vidya wollen oft etwas ganz anderes machen als vorher. Manchmal wollen sie in einem Aufgabengebiet arbeiten, das sie noch gar nicht kennen. Meistens bemerken sie dann nach ein paar Monaten eine diffuse Unzufriedenheit, die sie sich nicht erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Wenn sie dann wieder zu dem Aufgabengebiet zur\u00fcckkommen, in dem sie vor Yoga Vidya erfolgreich waren, werden sie viel zufriedener. Manchmal stellen Menschen aber auch fest, dass sie in einem g\u00e4nzlich neuen Aufgabengebiet Talente entdecken, die sie vorher nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten haben. Ein wichtige Frage vor Entscheidungen kann also sein: Welche meiner F\u00e4higkeiten und Talente kann ich bei der jeweiligen Alternative einsetzen?<\/p>\n<p>Bis hierhin ist <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Krishna\" target=\"_blank\">Krishna<\/a> ethisch recht unverbindlich. In anderen Worten ausgedr\u00fcckt sagt er: \u201eEntwickle <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Verhaftungslosigkeit\" target=\"_blank\">Verhaftungslosigkeit<\/a>.\u201c \u201eTue, was du tust, so gut wie du kannst.\u201c \u201eH\u00e4nge nicht an den Fr\u00fcchten, an den Ergebnissen der Handlung.\u201c \u201eHalte deine Verpflichtungen ein.\u201c \u201eTue das, was karmisch notwendig ist.\u201c \u201eSetze deine Talente ein.\u201c \u201eGehe jenseits deiner W\u00fcnsche.\u201c \u201eNimm <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Zuflucht\" target=\"_blank\">Zuflucht<\/a> bei <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Gott\" target=\"_blank\">Gott<\/a>, handle aus <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Gottvertrauen\" target=\"_blank\">Gottvertrauen<\/a>.\u201c Aus diesen Grundprinzipien kommt gro\u00dfes <a href=\"https:\/\/wiki.yoga-vidya.de\/Vertrauen\" target=\"_blank\">Vertrauen<\/a> und du erkennst daraus oft klar deine Pflicht.<\/p>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> \u201e<a href=\"https:\/\/shop.yoga-vidya.de\/de\/buecher\/philosophie\/die-yogaweisheit-patanjali-menschen-heute\" target=\"_blank\">Die Yoga-Weisheit des Patanjali f\u00fcr Menschen von heute<\/a>\u201c von Sukadev Bretz, Verlag Via Nova<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Grundlage von allem ist eine schwierige ethische Frage, die Arjuna hat. Er wei\u00df nicht, was er tun soll, was seine Pflicht ist \u2013 entweder k\u00e4mpfen oder sich zur\u00fcck ziehen. Diese Frage kann man im w\u00f6rtlichen Sinne verstehen und sich fragen: Gibt es so etwas wie &hellip; <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/2-kapitel-samkhya-yoga\/\" class=\"more-link\"><span class=\"morelink-icon\">Weiterlesen<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[819,56,28],"class_list":["post-11962","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02-kapitel","tag-2-kapitel-allgemein","tag-kapitel-zusammenfassung","tag-kommentar-sukadev"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11962","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11962"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11962\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21156,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11962\/revisions\/21156"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11962"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11962"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schriften.yoga-vidya.de\/bhagavad-gita\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11962"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}