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02-12 Kommentar Sukadev

Die Seele ist unsterblich. Ob wir jetzt leben oder nicht ist unerheblich. Vor der Geburt waren wir, nach dem Tod werden wir sein. Jetzt leben wir eine Weile, die Ewigkeit ist sehr lange, und dieses Leben ist kurz. Vielleicht leben wir 20 Jahre, 80 Jahre oder gar 100 Jahre. Vielleicht werden wir es noch erleben, dass der Durchschnitt von uns 100 oder 120 Jahre alt werden könnte. Aber es ist nichts im Vergleich zur Ewigkeit. Wir werden auch in Wahrheit niemals aufhören zu sein.

02-13 Wort-für-Wort Übersetzung

dehinaḥ – des Verkörperten (der Seele)
asmin – in diesem
yathā – wie
dehe – Körper
kaumāram – Kindheit
yauvanam – Jugend
jarā – Alter (stattfinden)
tathā – ebenso
deha-antara-prāptir – (gibt es) das Erlangen (prāpti) eines anderen (antara) Körpers (deha)
dhīras – ein Weiser
tatra – diesbezüglich
na – nicht
muhyati – ist verwirrt

02-13 Kommentar Sukadev

Wir haben schon viele Jahre mit unserem Körper gelebt und sind mit ihm alt geworden. Wenn wir ein altes Foto von uns anschauen sagen wir oft: „Das bin ich.“ Was heißt das eigentlich: „Das bin ich?“ Bin ich dieses Stück Papier? Nein. Bin ich derjenige mit diesen kurzen Haaren. Nein, die Haare sind ergraut und sehen anders aus. Bin ich derjenige, der so gut sehen kann?

02-13 Kommentar Swami Sivananda

Genauso wie der Übergang von der Kindheit zur Jugend und zum Alter in diesem Körper nahtlos geschieht, so unterbricht auch der Tod nicht die Kontinuität des Ich. Das Selbst stirbt nicht, wenn eine Phase, die Kindheit, zu Ende geht. Es wird mit Sicherheit nicht am Beginn der zweiten Phase, der Jugend, neu geboren. So wie das Selbst unverändert von der Kindheit in die Jugend übergeht und von der Jugend ins Alter, so geht das Selbst unverändert von einem Körper in einen anderen weiter. Deshalb ist der Weise darüber keineswegs besorgt.

02-14 Wort-für-Wort Übersetzung

mātrā-sparśās – Sinneskontakte
tu – aber
kaunteya – oh Sohn Kuntīs (Arjuna)
śīta-uṣṇa-sukha-duḥkha-dāḥ – die Kälte (śīta), Hitze (uṣṇa), Freude (sukha) und Leid (duḥkha) hervorrufen
āgama-apāyinaḥ – kommen und gehen
anityās – (sie sind) nicht ewig
tān – diese
titikṣasva – ertrage
bhārata – oh Nachkomme Bharatas

02-14 Kommentar Sukadev

Die Kontakte der Sinne haben ein Anfang und ein Ende. Das ist eine banale Weisheit, aber eine Weisheit, die wir immer wieder vergessen. Wenn es uns schlecht geht haben wir manchmal die Befürchtung, dass es uns nie mehr besser gehen wird. Und wenn es uns gut geht, dann denken wir, das muss immer so bleiben. Aber wenn es uns gut geht, geht dieser Zustand irgendwann wieder vorbei. Wenn es uns schlecht geht, dann geht dieser Zustand ebenfalls wieder vorbei. Gestern schien die Sonne. Heißt das, dass ab sofort immer die Sonne scheint? Heute war der Himmel den ganzen Tag grau. Wird der Himmel jetzt immer den ganzen Tag grau sein? Heute loben einen die Menschen, werden sie einen immer loben? Heute tadeln einen die Menschen, werden sie einen immer tadeln? Ein anderes Mal seid ihr in einen Raum gekommen indem es kalt war. Ist er deswegen immer kalt? Irgendwann seid ihr in einen Raum gekommen, der sehr warm war. Habt ihr jetzt immer warme Räume?

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02-14 Kommentar Swami Sivananda

Kälte kann einmal angenehm und dann wieder schmerzhaft sein. Hitze ist im Winter angenehm und im Sommer schmerzhaft. Derselbe Gegenstand, der einmal Freude schenkt, bringt ein anderes Mal Schmerz. So kommen und gehen die Sinneskontakte, die Empfindungen von Hitze und Kälte, Freude und Schmerz entstehen lassen. Sie sind daher in ihrer Natur unbeständig. Die Dinge kommen mit den Sinnen, den Indriyas, in Kontakt, mit Haut, Ohr, Auge, Nase, usw. und die Nerven bringen die Empfindungen zum Geist, der sich im Gehirn befindet. Es ist der Geist, der Freude und Schmerz empfindet. Man muß versuchen, Hitze und Kälte, Freude und Leid geduldig zu ertragen und einen ausgeglichenen Gemütszustand zu entwickeln. (Vgl.V.22.)

02-15 Wort-für-Wort Übersetzung

yam – welchen
hi – denn
na – nicht
vyathayanti – quälen
ete – diese (Sinneskontakte)
puruṣam – Menschen
puruṣa-ṛṣabha – oh Mannes-Stier (Arjuna)
sama-duḥkha-sukham – der gleichmütig (sama) gegenüber Freude (sukha) und Leid (duḥkha) ist
dhīram – weisen
saḥ – der
amṛtatvāya – für die Unsterblichkeit
kalpate – ist geeignet

02-15 Kommentar Swami Sivananda

Dehadhyasa, die Identifikation des Selbst mit dem Körper, ist die Ursache von Freude und Schmerz. Je mehr du dich mit dem Unsterblichen, dem alldurchdringenden Selbst, zu identifizieren vermagst, desto weniger werden dich die Gegensatzpaare berühren (Dvandvas, Freude und Schmerz, usw.)
Titiksha, die Kraft des Erduldens, entwickelt Willenskraft. Stilles Dulden in Freude und Schmerz und Hitze und Kälte ist eine der Voraussetzungen für den Suchenden auf dem Weg des Jñana Yoga. Es ist eine von Shatsampat, eine der sechs Tugenden. Es ist eine Voraussetzung für rechtes Wissen. Titiksha allein vermag nicht Moksha, Befreiung, zu geben; gepaart jedoch mit Unterscheidungskraft und Gelassenheit wird es zu einem Mittel, um Unsterblichkeit, Selbsterkenntnis, zu erlangen. (Vgl. XVIII. 53.)

02-16 Wort-für-Wort Übersetzung

na – nicht
asataḥ – des Nichtseienden
vidyate – es gibt
bhāvaḥ – ein Sein
na – nicht
abhāvaḥ – ein Nichtsein
vidyate – es gibt
sataḥ – des Seienden
ubhayoḥ – beiden
api – aller
dṛṣṭaḥ – wird gesehen
antaḥ – Ende, Grenze
tu – aber
anayoḥ – dieser
tattva-darśibhiḥ – von denen, die die Wahrheit (tattva) sehen

02-16 Kommentar Swami Sivananda

Der unveränderliche homogene Atman, das Selbst, besteht immer. Er ist die einzige sichere Wirklichkeit. Diese wahrnehmbare Welt der Namen und Formen verändert sich ständig. Daher ist sie unwirklich. Der Weise, der Jivanmukta, besitzt volles Bewußtsein darüber, daß das Selbst immerwährend ist und diese Welt einer Luftspiegelung vergleichbar. Durch sein Jñanachakshus, das Auge der Intuition, erfährt er das Selbst direkt.  Die Welt verschwindet für ihn wie die Schlange im Seil, nachdem er erkannt hat, daß nur das Seil existiert. Er weist Namen und Formen zurück und nimmt das zugrundeliegende Eigentliche in allen Namen und Formen wahr, Asti-Bhati-Priya, Satchidananda, Absolutes Sein – Absolutes Wissen – Absolute Wonne. Daher ist er Tattvadarshi; er kennt die Wahrheit, das Eigentliche. Das, was sich verändert, muß unwirklich sein. Das Beständige, Dauerhafte, muß wahr sein.

02-17 Wort-für-Wort Übersetzung

avināśi – als unzerstörbar
tu – aber
tat – das
viddhi – erkenne
yena – durch welches
sarvam – alles
idam – dieses
tatam – ausgebreitet ist
vināśam – die Zerstörung
avyayasya – Unvergänglichen
asya – dieses
na – nicht
kaścit – irgendwer
kartum – zu tun
arhati – vermag

02-18 Wort-für-Wort Übersetzung

antavantaḥ – endlich, vergänglich
ime – diese
dehāḥ – Körper
nityasya – des ewigen
uktāḥ – werden genannt
śarīriṇaḥ – Verkörperten (Selbst)
anāśinaḥ – unzerstörbaren
aprameyasya – unermesslichen
tasmāt – deshalb
yudhyasva – kämpfe
bhārata – oh Nachkomme Bharatas (Arjuna)