Viveka Chudamani – Vers 99

Deutsche Übersetzung:

99. Während der Verstand (buddhi) in verschiedenen Rollen- wie zum Beispiel in der Rolle des Handelnden – erscheint, verweilt/ strahlt / ruht atman /das Höchste Selbst in seinem eigenen Selbst/ in sich selbst. Atman, der reine Beobachter/unbeteiligter Zuschauer bleibt vo buddhi und deren Handlungen – die durch die Begrenzungen entstanden sind – vollkommen unberührt.

Sanskrit Text:

kartrādi-bhāvaṃ pratipadya rājate
yatra svayaṃ bhāti hy ayaṃ parātmā |
dhī-mātrakopādhir aśeṣa-sākṣī
na lipyate tat-kṛta-karma-leśaiḥ |
yasmād asaṅgas tata eva karmabhiḥ
na lipyate kiñ-cid upādhinā kṛtaiḥ || 99 ||

कर्त्रादिभावं प्रतिपद्य राजते
यत्र स्वयं भाति ह्ययं परात्मा |
धीमात्रकोपाधिरशेषसाक्षी
न लिप्यते तत्कृतकर्मलेशैः |
यस्मादसङ्गस्तत एव कर्मभिः
न लिप्यते किञ्चिदुपाधिना कृतैः || ९९ ||

kartradi-bhavam pratipadya rajate
yatra svayam bhati hy ayam paratma |
dhi-matrakopadhir ashesha-sakshi
na lipyate tat-krita-karma-leshaih |
yasmad asangas tata eva karmabhih
na lipyate kin-chid upadhina kritaih || 99 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • kartrādi-bhāvam : die Rolle („das Wesen“, Bhava) des Handelnden (Kartri) usw. (Adi)
  • pratipadya : annehmend („erlangt habend“, prati + pad)
  • rājate : (der Verstand) waltet (rāj)
  • yatra : (im Schlaf,) wo (Yatra)
  • svayam : selbst (Svayam)
  • bhāti : strahlt, scheint (bhā)
  • hi : gewiss (Hi)
  • ayam : das (Ayam)
  • parātmā : höchste Selbst (Paramatman)
  • dhī-mātrakopādhiḥ : mit dem Verstand (Dhi) als einziger (Matraka) Begrenzung (Upadhi)
  • aśeṣa-sākṣī : der Zeuge (Sakshin) von allem (Ashesha)
  • na : nicht (Na)
  • lipyate : wird befleckt (lip)
  • tat-kṛta-karma-leśaiḥ : im geringsten („um ein geringes Maß“, Lesha) durch die von diesem (Verstand, Tad) ausgeführten (Krita) Handlungen (Karman)
  • yasmāt : weil (Yasmat)
  • asaṅgaḥ : (das höchste Selbst) ungebunden, frei (Asanga) ist
  • tataḥ : deshalb (Tatas)
  • eva : genau (Eva)
  • karmabhiḥ : durch die Handlungen (Karman)
  • na : nicht
  • lipyate : wird befleckt
  • kiñ-cit : ein bisschen (Kinchid)
  • upādhinā : von der Begrenzung (Upadhi)
  • kṛtaiḥ : ausgeführten (Krita)     || 99 ||

Kommentar

Hier beschreibt Shankaracharya das Höchste Selbst. Das Höchste Selbst ist parātmā. Das Höchste Selbst mag beschränkt erscheinen als buddhi. Es ist trotzdem nur der Zeuge, asākśhī, von Allem. Es wird nicht befleckt. Auch nicht im geringsten Maße durch den Verstand und seiner Handlungen. Das Höchste Selbst ist frei, asaṅga. Es ist auch durch die Handlungen, karma nicht befleckt. Es ist befreit von den Begrenzungen aller ausgeführten Handlungen. Das ist ein wunderschöner Vers. Buddhi, der Verstand ist da und denkt, überlegt und entscheidet. Es gibt natürlich auch noch manas, das mit Emotionen, Worten und Bildern verbunden ist. Du selbst bist selbst. Halte einen Moment inne. Eventuell kannst du die Beobachtungen wahrnehmen. Eventuell beobachte die Gedanken und Gefühle. Aber sei dir bewusst, ich bin das Selbst. Ich bin das Gewahrsein. Alles andere kommt und geht. Aber ich als Bewusstsein bleibe.

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