Viveka Chudamani – Vers 9

Deutsche Übersetzung:

9. Fest gegründet im Yoga, verwurzelt in der richtigen Erkenntnis erhebt sich die im Ozean des Kreislaufes vom Tod und Geburt versunkene Seele, wenn sie nach dem wahren Selbst (atman) strebt.

Sanskrit Text:

uddhared ātmanātmānaṃ magnaṃ saṃsāra-vāridhau |
yogārūḍhatvam āsādya samyag-darśana-niṣṭhayā || 9 ||

उद्धरेदात्मनात्मानं मग्नं संसारवारिधौ |
योगारूढत्वमासाद्य सम्यग्दर्शननिष्ठया || ९ ||

uddhared atmanatmanam magnam samsara-varidhau |
yogarudhatvam asadya samyag-darshana-nishthaya || 9 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • uddharet : man muss herausziehen (ud + hṛ)
  • ātmanā : durch sich selbst, mit dem Geist (Atman)
  • ātmānam : sich selbst (Atman)
  • magnam : der man versunken (Magna) ist
  • saṃsāra-vāridhau : im Ozean (Varidhi) des Kreislaufs der Wiedergeburt (Samsara)
  • yogārūḍhatvam : das Verankertsein im Yoga (Yogarudhatva)
  • āsādya : nachdem man erreicht hat („erreicht habend“, ā + sad)
  • samyag-darśana-niṣṭhayā : durch das Hingegebensein (Nishtha) an die richtige Einsicht (Samyagdarshana)     || 9 ||

Kommentar

„uddhared“ bedeutet wörtlich „ziehe Dich heraus“. „Udd“ heißt „nach oben“ und „ha“ hat etwas mit „hinausziehen“ zu tun.
Ziehe dich hinaus aus dem Sumpf von Samsara, dem Kreislauf von Geburt und Tod. Der Alltag zieht Dich immer wieder hinunter. Seien es die Aussagen anderer, die immer wiederkommende Wünsche oder Emotionen. Ziehe Dich immer wieder hinaus, jeden Tag. Ziehe dich auch heute aus dem heraus, was Dich nach unten zieht

Wie ziehst Du Dich hinaus?
In Verbindung mit „atmanā“ heißt die Übersetzung „zieh dich selbst hinaus“.
Warte also nicht darauf, dass andere dich hinausziehen oder dass das Karma dich hinaus zieht. Es kann zwar passieren, dass Dinge geschehen, die dir helfen, Dich herauszuziehen. Und ja, die Gnade Gottes kommt, der Segen der Meister kommt, aber warte nicht darauf.

Im Yoga geht es darum, auch selbst etwas zu tun. Gnade ist wichtig, aber die Gnade hast du nicht in der Hand. Aber was Du in der Hand hast, ist Dich selbst herauszuziehen.

Vielleicht kennst du Vers „Erhebe Dich selbst“ aus der Bhagavad-Gita. Shankaracharya bezieht sich auf die Bhagavad-Gita und Krishna sagt dort im sechsten Kapitel: „Das Selbst kann der Freund von sich selbst sein und Du selbst bis der Feind von Dir selbst. Erhebe dich selbst und dann wirst du glücklich sein.“

Erhebe dich darum selbst, durch Dich selbst. Erhebe Dich aus „magnaṁ saṁsāravāridhau“, dem Ozean des Samsara, in dem Du hinein versunken bist. Wieder wirst du geboren, wieder wirst du sterben. Wieder geht es von vorne los.
Shankaracharya möchte dich ermutigen, nicht in dieser Versunkenheit zu bleiben, sondern herauszukommen.

Wie kommst du dort heraus?
„yogārūḍhatvam“ bedeutet „durch das Verankert sein im Yoga“.
Praktiziere Yoga und verankere dich im Yoga. Yoga heißt wörtlich „Einheit“.

Und wie erreichst Du das?
„Āsādya“ bedeutet „durch das Hingegeben sein an die richtige Einheit“

Erkenne, dass Du fest in Maya versunken bist, was kein guter Zustand ist. Überlege Dir, wo Du gerade versunken bist, vielleicht in Deiner Beziehung, im Kontakt zu deinen Kindern, Eltern, vielleicht in deinem Beruf mit Kollegen und Chef. Oder Vielleicht hast Du Dich über irgendetwas aufgeregt, vielleicht bist Du gerade in Gedanken, etwas zu brauchen oder gerade übermäßig beschäftigt, und so weiter.

Erkenne, dass es darum geht, dort herauszukommen. Komme heraus, indem Du Dich selbst bemühst. Du selbst bemühst Dich, indem Du die richtige Einsicht erlangst. Durch die richtige Einsicht kommst du zum „Verankert sein im Yoga“, in der höchsten Einheit.

Halte jetzt einen Moment inne und überlege, wo Du versunken bist, wo Du im Samsara feststeckst, was Deine Ablenkungen sind. Nimm Dir vor, herauszukommen. Bemühe dich selbst, spüre die Einheit und komme zur rechten Einsicht.

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