Viveka Chudamani – Vers 86

Deutsche Übersetzung:

86. Besiege/überwinde den großen Tod, als Verhaftung/ Begierde an deinen Körper, an deine Frau, Kinder und Verwandte! Die Munis /großen Weisen, die diese Begierden / Anhaftungen überwunden haben, erreichten das höchste Bewusstsein Gottes.

Sanskrit Text:

mohaṃ jahi mahā-mṛtyuṃ deha-dāra-sutādiṣu |
yaṃ jitvā munayo yānti tad viṣṇoḥ paramaṃ padam || 86 ||

मोहं जहि महामृत्युं देहदारसुतादिषु |
यं जित्वा मुनयो यान्ति तद्विष्णोः परमं पदम् || ८६ ||

moham jahi maha-mrityum deha-dara-sutadishu |
yam jitva munayo yanti tad vishnoh paramam padam || 86 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • moham : die Verblendung, Täuschung (Moha)
  • jahi : besiege, überwinde (ji)
  • mahā-mṛtyum : den großen (Mahat) Tod (Mrityu)
  • deha-dāra-sutādiṣu : in Bezug auf den Körper (Deha), die Ehefrau (Dara), die Kinder („Söhne“, Suta) usw. (Adi)
  • yam : diesen („welchen“, Yad)
  • jitvā : sobald sie besiegt haben („besiegt habend“, ji)
  • munayaḥ : die Weisen (Muni)
  • yānti : erreichen („gehen“, )
  • tat : den (Tad)
  • viṣṇoḥ : Vishnus
  • paramam : höchsten (Parama)
  • padam : Ort (Pada)     || 86 ||

Kommentar

Ja, wir sind weiter bei diesen Versen wo Shankaracharya uns sagen will: Überwinde die Verhaftungen, die Verhaftungen binden dich, sie halten dich fest, du bist nicht dieser Körper. Darüber hat er dir ein paar mal vorher gesprochen. Er hat gesagt, Verhaftung an den Körper führt zu Problemen. Verhaftung an Begierden führt zu Problemen. Letztlich auch die Anhaftung an Familie, Kinder, Frau, Mann und an die Verwandten. Es gibt so viele Verhaftungen die du hast. Du könntest natürlich Verhaftung auch sehen, das habe ich beim letzten Mal gesagt, Verantwortungsbewusstsein mit Energie. Und auch Liebe plus Verantwortungsbewusstsein plus Energie. In diesem Sinne, Verhaftungen haben auch ihren Sinn. In diesem Sinne ist es auch nicht falsch eine gewisse Verhaftung zu haben. Aber das Problem ist, wenn du gefesselt bist daran. Also eine gewisse Verhaftung ist normal und auch gut. Angenommen du hättest Kinder und du würdest dich nicht um sie kümmern, das wäre auch falsch. Du hast ein Dharma gegenüber deinen Kindern. Angenommen du hast einen Partner, eine Partnerin dann würde es nichts bringen wenn du sagen würdest: Oh ich bin vollkommen verhaftungslos gegenüber dir. Es ist mir ziemlich egal was du machst und ob du mich verlässt oder nicht. Es geht aber mehr darum, das du sagst: Du willst nicht gebunden sein, gefesselt sein daran. Wenn du Kinder in die Welt gesetzt hast, dann ist dort Liebe da, hoffentlich, das Verantwortungsbewusstsein. Letztlich dieses automatisierte, unterbewusste, Verantwortungsbewusstsein plus Liebe, das ist das Gute. Nur solltest du dadurch nicht so gefesselt und gebunden sein, das du dich nicht mehr kümmern kannst um deinen spirituellen Weg. Erkenne zum Beispiel, deine Kinder haben ihr eigenes Karma, ihr eigenes Dharma. Deine Aufgabe ist es als Elternteil ihnen die bestmögliche Erziehung zu geben, ihnen einen so gut wie möglichen Start ins Leben zu geben, ihnen Werte beizubringen, vielleicht auch Yoga und Meditation vorzuschlagen. Ihnen zu helfen auch sonst, in der schulischen Laufbahn und um die Gesundheit zu kümmern. Aber gleichzeitig solltest du wissen, die Kinder kommen mit ihrem eigenen Karma und sie kommen mit ihrem eigenen Dharma.

Es mag sein, das du willst, das sie eine gute Bildung haben, dass sie zu toleranten, spirituellen Menschen heranwachsen, dass sie gesund sind und so weiter. Aber du hast nicht alles in der Hand. Die Kinder, jugendliche oder erwachsene Kinder neigen zu ihren eigenen Dingen. Tue was du kannst und lasse los. Verantwortungsbewusstsein plus Liebe ist eine Sache. Verhaftung ist eine andere Sache, Gebundenheit ist eine andere Sache.
Letztlich könnte man sagen, gibt es Ego freie oder Ego arme Liebe. Ego arme Liebe würde heißen, du liebst deine Kinder, du liebst deinen Mann, deine Frau, deine Eltern, deine Verwandten um ihrer Selbstwillen. Du willst ihnen gutes Tun, du willst, dass es ihnen gut geht. Ego behaftete Liebe wäre, du hast genaue Vorstellungen wie sie sich zu verhalten haben, genaue Vorstellungen was für sie richtig ist und du hast genaue Vorstellung, wie sie sich dir gegenüber verhalten. In diesem Sinne, habe Liebe, habe Verantwortungsbewusstsein. Dann sei dir bewusst, dein Partner, deine Partnerin, deine Kinder, deine Eltern, Verwandte, Freunde sie alle sind unsterbliches Selbst. Als individuelle Seele inkarnieren sie sich wieder und wieder. In dieser Inkarnation seid ihr zusammen in diesem konkreten Feld. In dieser Inkarnation habt ihr bestimmte Aufgaben. Ihr habt eine bestimmte Beziehung auszuarbeiten. Aber auch in dieser Inkarnation kann das zu Ende sein. Deine Kinder können sich entscheiden, mit dir nichts mehr zu tun haben zu wollen, auch deine Eltern können das. Dein Partner oder Partnerin kann eigene Wege gehen wollen, passiert. Es kann Krankheiten geben. Deine Kinder können auf die schiefe Bahn geraten. Du kannst auf den spirituellen Weg gehen und vielleicht deine Partnerin/Partner nicht. Das ist alles ganz natürlich. Sei nicht verhaftet, sei dir bewusst, karmische Zusammenhänge können länger dauern, sie können kürzer dauern. Solang ihr zusammen seid, ist es gut, Liebe zu haben, Verantwortungsbewusstsein. Und ja, das ist auch eine gewisse Verhaftung. Aber sollte es keine Fessel sein und du solltest innerlich wissen, ich selbst bin ewig und frei.
Er sagt also hier mohaṁ Verblendung, jahi überwinde, mahāmrityuṁ sie ist ein großer Grund für den Tod, dehadārasutādiśhu Bezug auf Körper, Ehefrau, Ehemann, Nachkommen, Verwandten, Eltern. Die Munnies die diesen yaṁ überwunden haben jitvā die dies erreicht haben, yānti tad viśhṇoḥ den höchsten Padaort von Vishnu erreichen damit das höchste Bewusstsein Gottes. Liebe und Verantwortung, nicht gefesselt sein. Das ist eine große Verantwortung. Überlege selbst, wie willst du diese Verantwortung angehen.

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