Viveka Chudamani – Vers 82

Deutsche Übersetzung:

82. Wenn du tatsächlich nach Befreiung verlangst, halte dich von den Sinnesobjekten wie von Gift fern! Trinke täglich gierig den Nektar der Zufriedenheit, der Barmherzigkeit, der Vergebung, der Aufrichtigkeit, der Gelassenheit/Stille und der Selbstbeherrschung!

Sanskrit Text:

mokṣasya kāṅkṣā yadi vai tavāsti
tyajātidūrād viṣayān viṣaṃ yathā |
pīyūṣa-vat toṣa-dayā-kṣamārjava-
praśānti-dāntīr bhaja nityam ādarāt || 82 ||

मोक्षस्य काङ्क्षा यदि वै तवास्ति
त्यजातिदूराद्विषयान्विषं यथा |
पीयूषवत्तोषदयाक्षमार्जव-
प्रशान्तिदान्तीर्भज नित्यमादरात् || ८२ ||

mokshasya kanksha yadi vai tavasti
tyajatidurad vishayan visham yatha |
piyusha-vat tosha-daya-kshamarjava-
prashanti-dantir bhaja nityam adarat || 82 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • mokṣasya : nach Befreiung, Erlösung (Moksha)
  • kāṅkṣā : ein Verlangen (Kanksha)
  • yadi : wenn (Yadi)
  • vai : tatsächlich („wahrlich“, Vai)
  • tava : in dir („dir“, Tvad)
  • asti : es gibt („ist“, as)
  • tyaja : lasse hinter dir (tyaj)
  • ati-dūrāt : in weiter Ferne (Atidura)
  • viṣayān : Sinnesobjekte (Vishaya)
  • viṣam : Gift (Visha)
  • yathā : wie (Yatha)
  • pīyūṣa-vat : wie (Vat) für Nektar (Piyusha)
  • toṣa-dayā-kṣamārjava-praśānti-dāntīḥ : Zufriedenheit (Tosha),  Mitgefühl (Daya), Geduld (Kshama), Aufrichtigkeit (Arjava), Gemütsruhe (Prashanti) und Selbstbeherrschung (Danti)
  • bhaja : entscheide dich für (bhaj)
  • nityam : stets (Nitya)
  • ādarāt : hingebungsvoll („eifrig“, Adara)     || 82 ||

Kommentar

Er wiederholt sich in diesen Versen immer wieder, gerade weil es so wichtig ist.
Du willst glücklich sein. Glück kommt, wenn du dich befreien willst aus den Verhaftungen und Identifikationen. Und wie kommst du dorthin? Indem du Atmanyana erreichst, Wissen des Selbst. Aber wie kannst du Atmanyana erreichen, Wissen des Selbst? Du kannst Atmanyana erreichen, indem du Tugenden kultivierst. Er sagt es hier: Trinke täglich gierig den Nektar der Zufriedenheit. Zufriedenheit entwickeln ist wie ein Nektar.

Schöne Dinge geschehen, manchmal auch nicht. Sei zufrieden. Aber auch barmherzig. Teile das, was du hast, mit anderen. Wenn du etwas Schönes hast, gib anderen davon ab.
Wenn du etwas Gutes kennst, dann lass andere davon wissen.

Wenn du siehst, dass es jemandem nicht gut geht, hilf ihm oder ihr. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, liebe deinen Nächsten als dich selbst. So ist eine große Aussage letzlich in der Bibel, wie es Jesus immer gesagt hat. Ich und mein Vater sind eins. Du bist in mir, ich bin in dir.
In diesem Sinne: Wenn du die Einheit siehst und erfährst, dann handle auch aus der Einheit. Wenn jemand etwas braucht, gib ihm etwas. Sei barmherzig.

Und dann spricht er auch von Vergebung. Menschen werden dir unrecht tun. Menschen werden dich kritisieren. Menschen werden dir Dinge wegnehmen. Das gehört dazu.

Mein Vater hatte immer wieder gesagt, es gibt keine Gerechtigkeit in dieser Welt. Yogis sagen vielleicht, das Karma schafft irgendwann vielleicht Gerechtigkeit.
Aber die Gerechtigkeit kommt eben nicht auf einer Ebene, die wir sofort verstehen können. Daher vergib begangenes Unrecht. Sei nicht nachtragend. Sei freundlich.
Aufrichtigkeit sagt er hier. Strebe aufrichtig danach, Gutes zu tun. Strebe aufrichtig danach, deine Pflicht zu tun. Strebe aufrichtig danach, auf dem spirituellen Weg Fortschritte zu machen.

Und Selbstbeherrschung. Sei also immer selbstbeherrscht. Über diese Selbstbeherrschung kommst du schließlich zur höchsten Verwirklichung.

Und er sagt es letztlich so: Entscheide dich dafür. Hingebungsvoll und aufrichtig. Stets.
Es ist also immer wieder eine neue Entscheidung.
Jeden Morgen triff die Entscheidung: Heute will ich Zufriedenheit kultivieren. Heute will ich Barmherzigkeit kultivieren. Heute will ich Vergebung kultivieren, Aufrichtigkeit, Gelassenheit und Selbstbeherrschung. Immer wieder dieser Entschluss, jeden Tag.

Auch heute.

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