Viveka Chudamani – Vers 81

Deutsche Übersetzung:

81. Wisse, dass derjenige, der töricht auf dem Pfad der Sinnesvergnügungen umherschlendert, in jedem Moment vom Tod übermannt werden kann. Wer aber der Anleitung eines weisen Lehrers/Meisters folgt, wird durch sein eigenes Bemühen das Zeil erreichen. Erkenne dies, als die reine Wahrheit!

Sanskrit Text:

viṣama-viṣaya-mārgair gacchato’naccha-buddheḥ
prati-padam abhiyāto mṛtyur apy eṣa viddhi |
hita-su-jana-gurūktyā gacchataḥ svasya yuktyā
prabhavati phala-siddhiḥ satyam ity eva viddhi || 81 ||

विषमविषयमार्गैर्गच्छतो ऽनच्छबुद्धेः
प्रतिपदमभियातो मृत्युरप्येष विद्धि |
हितसुजनगुरुक्त्या गच्छतः स्वस्य युक्त्या
प्रभवति फलसिद्धिः सत्यमित्येव विद्धि || ८१ ||

vishama-vishaya-margair gachchhato’nachchha-buddheh
prati-padam abhiyato mrityur apy esha viddhi |
hita-su-jana-guruktya gachchhatah svasya yuktya
prabhavati phala-siddhih satyam ity eva viddhi || 81 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • viṣama-viṣaya-mārgaiḥ : (wer) auf den gefährlichen (Vishama) Pfaden (Marga) der Sinnesobjekte (Vishaya)
  • gacchataḥ : wandelt („dem Gehenden“, gam)
  • anaccha-buddheḥ : wessen Verstand () nicht klar (Anachchha) ist
  • prati-padam : auf Schritt und Tritt (Pratipada)
  • abhiyātaḥ : droht („herbeigekommen ist“, Abhyata)
  • mṛtyuḥ : Tod (Mrityu)
  • api : sogar (Api)
  • eṣaḥ : der (Etad)
  • viddhi : wisse, dass (vid)
  • hita-su-jana-gurūktyā : gemäß der Anweisung  („den Aussagen“, Ukti) eines wohlmeinenden (Hita) und ehrbaren (Sujana) Meisters (Guru)
  • gacchataḥ : demjenigen, der wandelt („dem Gehenden“)
  • svasya : (und) seiner eigenen (Sva)
  • yuktyā : Einsicht („Betrachtung“, Yukti)
  • prabhavati : entsteht (pra + bhū)
  • phala-siddhiḥ : Erfolg („das Erlangen der Frucht“, Phalasiddhi)
  • satyam : (als) die Wahrheit (Satya)
  • iti : so (Iti)
  • eva : gewiss (Eva)
  • viddhi : erkenne es (vid)     || 81 ||

Kommentar

Er sagt hier also, es gibt den Weg der Sinnesobjekte. Viele Menschen gehen diesen Weg. Sie wollen gutes Essen, welches ihnen schmeckt, sie wollen eine schöne Wohnung, ein schönes Auto, die beste Kleidung haben, sie wollen einen tollen Urlaub erleben, sie wollen die schönste Frau oder den besten Mann haben oder vielleicht Sex haben, wann immer sie möchten usw. Wenn sie hören, dort ist eine tolle Party, dann wollen sie hingehen, wenn es ein neues alkoholisches Getränk gibt, muss man es unbedingt haben oder irgendwelche anderen Stoffe, die besondere Vergnügen erzeugen usw.
Es gibt dort unterschiedliche, man kann sogar sagen, es gibt sattwige, rajasige und tamasige Sinnesvergnügen. Tamasig ist das, was ungesund ist und dich runter zieht. Was süchtig macht solltest du auf jeden Fall vermeiden.
Es gibt die rajasigen Sinnesvergnügen, die nicht sofort ungesund sind, die dich aber ablenken und dich vom spirituellen Weg abhalten und die immer wieder nach mehr schreien.
Und dann gibt es die sattwigen Sinnesvergnügen, das sind die Sinnesvergnügen die gesund sind. Ein vegetarisches Essen z.B. Melone, Mango, Papaya oder ein toll zubereitetes Tofu-Gericht oder ein Smoothie sind sehr gesund. Sattwige Musik hören oder auch Öko-Kleidung tragen, die sich gut anfühlt und ökologisch vertretbar ist und schön aussieht. Oder auch Zärtlichkeiten austauschen mit deinem Partner, mit dem du in Liebe verbunden bist oder dein Kind auf deinen Arm nehmen. Das sind alles sattwige Freuden und sattwige Vergnügen.
Und da spricht erstmal nichts dagegen, sofern du da nicht zu sehr verhaftet bist, da die Vergnügen auch zu Ende sein können.

Kleidung kann kaputt gehen, deine Einkommenssituation kann sich so verändern, dass du dir diese Bio-Sachen nicht leisten kannst. Es kann sein, dass deinem Partner etwas zustößt und es wird irgendwann passieren, dass dein Kind außer Haus kommt.
Demnach sollte man sattwige Vergnügen auch ohne Verhaftung haben. Und du solltest auch wissen, dass nicht nur die Objekte verschwinden, sondern auch du bist sterblich. Auch dich wird irgendwann der Tod übermannen. Alles Sinnliche wird irgendwann verschwinden.

Um so wichtiger ist es, dass du lernst, eben nicht an diesen Objekten zu haften.
Stattdessen: Folge der Anleitung eines weisen Meisters, z.B. Shankaracharya, was er hier sagt im Viveka Chudamani. „Folge den Anweisungen des Meisters.“
Und dann bemühe dich! Also verlass dich auch nicht auf das, was der Meister dir sagt.

Es ist in Indien zum Teil üblich und zum Teil hat sich das auch mal in einer Phase im Westen festgesetzt die Vorstellung, man müsse nur dem Meister sich zu Füßen werfen und dann macht der Meister schon alles für einen. Das ist natürlich unsinnig. Der Meister gibt Instruktionen, er kann Inspirationen geben, er kann auch Shaktipat geben, also Energie übertragen.
Aber es liegt an dir, dich für die Energie des Meisters zu öffnen. Es liegt an dir, den Anweisungen des Meisters zu folgen.

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