Viveka Chudamani – Vers 73

Deutsche Übersetzung:

73. Dieser Körper, der „ich“ und „mein“ genannt wird, ist der Sitz der Illusion (moha) und wird von den Gelehrten als „grobstofflich“ (sthula) bezeichnet. Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde sind die „feinstofflichen“ Elemente (sukshma).

Sanskrit Text:

ahaṃ-mameti-prathitaṃ śarīraṃ
mohāspadaṃ sthūlam itīryate budhaiḥ |
nabho-nabhas-vad-dahanāmbu-bhūmayaḥ
sūkṣmāṇi bhūtāni bhavanti tāni || 73 ||

अहंममेतिप्रथितं शरीरं
मोहास्पदं स्थूलमितीर्यते बुधैः |
नभोनभस्वद्दहनाम्बुभूमयः
सूक्ष्माणि भूतानि भवन्ति तानि || ७३ ||

aham-mameti-prathitam shariram
mohaspadam sthulam itiryate budhaih |
nabho-nabhas-vad-dahanambu-bhumayah
sukshmani bhutani bhavanti tani || 73 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • ahaṃ-mameti-prathitam : bekannt (Prathita) als („so“, Iti) „Ich“ (Aham) und „Mein“ (Mama)
  • śarīram : Körper (Sharira)
  • mohāspadam : der Sitz (Aspada) der Täuschung, Verwirrung (Moha)
  • sthūlam : der grobstoffliche (Sthula)
  • iti : so (Iti)
  • īryate : wird genannt (īr)
  • budhaiḥ : von den Weisen (Budha)
  • nabho-nabhas-vad-dahanāmbu-bhūmayaḥ : Äther (Nabhas), Luft (Nabhasvat), Feuer (Dahana), Wasser (Ambu) und Erde (Bhumi)
  • sūkṣmāṇi : die feinstofflichen (Sukshma)
  • bhūtāni : Elemente (Bhuta)
  • bhavanti : sind (bhū)
  • tāni : dies („diese“, Tad)     || 73 ||

Kommentar

Dieser Körper – Menschen sagen gerne: „Hier bin ich! Da bin ich! Ich bin 1,80m groß! Ich bin 73kg schwer.“All das sagen Menschen. Aber bin ich der Körper? Nein, ich bin nicht der Körper!
Ich bewohne den Körper. Der Körper ist ein Fahrzeug. So ähnlich wie ein Auto auch ein Fahrzeug ist. Du kannst mit deinem Auto von hier nach dort hinfahren. Aber du bist nicht dein Auto.

So ähnlich auch, angenommen du würdest auf den Mars fliegen, vielleicht wird das irgendwann mal möglich sein, und dabei wirst du einen Raumanzug haben. Und nehmen wir mal an, du müsstest den Raumanzug Tag und Nacht anhaben. Irgendwann wirst du denken: Ich bin der Raumanzug. Angenommen man würde eine Gruppe von Menschen mit solchen Raumanzügen ausstatten und diese Raumanzüge hätten die Möglichkeit die Temperatur auf dem Mars etwa so zu ändern, so dass über den Raumanzug ein Temperaturempfinden möglich wäre. Ich glaube auf dem Mars gibt es ein anderes Temperaturspektrum. So könntest du auf dem Mars fühlen – warm oder kalt.
Angenommen der Mars hätte irgendeine Atmosphäre, vielleicht würde man den Raumanzug mit einer verlängerten Nase ausstatten, so dass aus dieser Atmosphäre Sauerstoff raus gefiltert wird, so dass du einatmen kannst und Sauerstoff bekommst.
Vielleicht kann man irgendetwas auf dem Mars anbauen und du kannst das dann essen. Und wenn es vielleicht andere Materialien sind als auf der Erde, so muss etwas vorgeschaltet werden, so dass du es nachher schmecken kannst. Nehmen wir mal an, er ist sogar tastempfindlich, so dass du sogar andere umarmen kannst und es spüren kannst. Und vielleicht sogar Kussempfindungen haben kannst usw.
Jetzt nehmen wir noch dazu an, der Raumanzug ist so genial ausgestattet, dass wenn ein Kind auf die Welt kommt, wird aus dem Raumanzug der Mutter und des Vaters ein neuer Raumanzug entstehen und der Raumanzug wächst nachher weiter. Was würde das Kind nachher denken? Ich bin dieser Raumanzug. Es kann sich gar nicht vorstellen ohne Raumanzug zu sein. Und wer weiß, vielleicht geht das dann auch gar nicht mehr. Der Raumanzug verwächst so sehr mit dem physischen Körper, dass nachher das Kind, die ganzen Generationen, letztlich immer denken: Ich bin der Raumanzug.
Yogis sagen: Genau so ist die menschliche Bedingung. Wir sind in einem Raumanzug. Das ist dieser physische Körper. Wir sind nicht der Raumanzug. Wir haben diesen Körper. Ja, wir sind das unsterbliche Selbst.
Wir kommen mit einer Rolle auf diese Welt, so ähnlich wie ein Schauspieler. Ein Schauspieler hat auch eine Rolle. Zu einer Rolle gehört auch ein Charakter und bestimmte Aufgaben, die er tun muss im Umgang mit anderen usw. In diesem Sinne, du bist nicht dieser Raumanzug.
Du hast diese Rolle und du hast auch die Ausstattung dafür.
Im alten Rom hatte man ja sogar eine Maske. Die Schauspieler hatten eine Maske. Die hieß dann Persona – die Durchscheinende. Und so hast du hier einen Raumanzug oder man könnte auch sagen: Ein Kostüm. Aber du bist nicht dieser Körper. Du bist das unsterbliche Selbst.

Du kannst auch Teile des Körpers ablegen. Nach einem Unfall kann es geschehen, dass dir der Arm amputiert werden muss oder die Hand. Vielleicht bekommst du dann eine silberne Hand oder eine künstliche Hand. Du kannst ein künstliches Herz bekommen oder das Herz eines andern Menschen. Du kannst eine künstliche Niere bekommen usw.. Und vielleicht werden irgendwann künstliche Organe herangezüchtet. Wer bist du? Angenommen du hast jetzt eine künstliche Hand, du hast Prothesen an den Beinen, die sogar Gefühle weiter geben, und du kannst sie bewegen.
Vielleicht hast du sogar Hörimplantate, vielleicht hast du dann ein künstliches Herz, künstliche Nieren. Wer bin ich? Du bist nicht der Körper. Du hast einen physischen Körper und du hast eine Rolle.
In diesem Sinne, sagt er hier: Dieser Körper ist der Sitz der Illusion. Du glaubst, du bist der Körper. Aber du bist nicht der Körper. In Wahrheit bist du das unsterbliche Selbst. Der Körper ist Sthula – er ist grobstofflich. So sagt er: hamametipratedam. Dieser Körper ist bekannt (praheta) als das Gefühl des „Ich bin es“ und mameti „Das bin ich“ – mama iti / iti mama – das gehört mir.
Aber er gehört noch nicht mal dir. Er kann dir jederzeit genommen werden. Eine kleine Erkrankung, ein kleiner Unfall und dein Körper ist weg. Er gehört dir nicht. Er ist dir gegeben worden. Nutze ihn für etwas Gutes, aber identifiziere dich nicht damit. Er ist smohas padam aspada – der Sitz von MohaTäuschung und Verwirrung.
Natürlich, es geht noch weiter. Du denkst: Oh, mein Körper ist zu groß, zu klein, zu dick, zu dünn zu viele Falten oder die Haut ist zu trocken oder zu fett. Die Stimme ist zu hoch oder zu niedrig. Aus der Identifikation mit dem Körper kommen so viele Probleme. Kaum jemand ist zufrieden mit seinem Körper. Nicht nur identifizierst du dich mit deinem Körper wie er ist, du hast ein Bild von deinem Körper, wie du denkst das er ist, du hast ein Bild von deinem Körper, wie du denkst wie er sein soll. Und du hast auch ein Bild von deinem Körper, wie du denkst das andere sagen sollen.
So viel Verwirrung, so viel Illusion. Und was tun Menschen alles, damit der Körper irgendwo gut aus sieht. Sie färben sich die Haare, sie machen Make-Up auf die Haut.
Man kann natürlich sagen: Ja, wenn ich ein Video drehe, dann ist es auch irgendwie gut und wichtig. So ein bisschen Puder drauf , damit es nicht so glänzt. Aber nicht weil ich der Körper bin, sondern damit die Zuschauer dort besser zuhören. Das ist irgendwo einen besseren Zugang haben. Aber nicht ich muss meine Reputation verbessern durch besondere Kleidung oder besondere Salben.
Du hast den Körper, du hast Verantwortung. Halte ihn gesund. So ähnlich, angenommen jemand vertraut dir sein Auto an und du fährst das Auto. Dann musst du dich natürlich auch drum kümmern und sorgen, dass es funktioniert. Gehe verantwortungsbewusst damit um. Es ist nicht deins.
Dein Körper ist dir letztlich von Gott dir zur Verfügung gestellt worden. Gehe verantwortungsvoll mit dem Körper um. Halte ihn gesund. Aber du bist nicht der Körper.
Dann sagt er noch: Der Körper, zum einen ist grobstofflich, aber in dem Körper sind auch die feinstofflichen Elemente. Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther. In deinem Körper manifestieren sich die subtilen verschiedenen feinstofflichen Element. Du hast in deinem physischen Körper, physische Erde, das sind die Festen Teile: z.B. die Knochen. Dann hast du Wasser, die flüssigen Teile, so wie das Blut. Sogar die Zwischenzellflüssigkeit und die intrazelluläre Flüssigkeit.
Der Mensch besteht etwa 2/3 aus Wasser. Die Babys noch mehr und die älteren Menschen etwas weniger. Dann hast du Feuer: Feuer wäre die Körpertemperatur. Dann hast du Luft: Die Gase, natürlich, das was in den Lungen ist. Und dann gibt es Äther (Akasha).
Hier zwei Interpretationen: Der Körper hat einen gewissen Raum und er ist Teil im kosmischen Raum.
Zweite Interpretation für Akasha: Das elektromagnetische Spektrum. Das feinere. Der Körper hat ein Energiefeld. Sogar ein physiologisches Energiefeld. Also ein physikalisches Energiefeld. Auch im Hirn bekannt. Man kann den Magnetismus messen. Man kann die elektrischen Ströme messen. Man kann das elektrische Feld messen. All das ist der physische Körper. Großartig! Aber du bist nicht der physische Körper.

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