Viveka Chudamani – Vers 70

Deutsche Übersetzung:

70. Der nächste Schritt für den Aspiranten ist das Hören der Unterweisung, das Nachdenken darüber, verbunden mit langer, andauernder, ununterbrochener Meditation über die Wahrheit (tattva). Schließlich erreicht der Aspirant nirvikalpa samadhi noch in diesem Leben und erfährt die Glückseligkeit des höchsten Friedens.

Sanskrit Text:

tataḥ śrutis tan-mananaṃ sa-tattva-
dhyānaṃ ciraṃ nitya-nirantaraṃ muneḥ |
tato’vikalpaṃ param etya vidvān
ihaiva nirvāṇa-sukhaṃ samṛcchati || 70 ||

ततः श्रुतिस्तन्मननं सतत्त्व-
ध्यानं चिरं नित्यनिरन्तरं मुनेः |
ततो ऽविकल्पं परमेत्य विद्वा-
निहैव निर्वाणसुखं समृच्छति || ७० ||

tatah shrutis tan-mananam sa-tattva-
dhyanam chiram nitya-nirantaram muneh |
tato’vikalpam param etya vidvan
ihaiva nirvana-sukham samrichchhati || 70 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • tataḥ : dann, daraufhin (Tatas)
  • śrutiḥ : (erfolgt) das Hören (der Lehrtexte, Shruti)
  • tan-mananam : Reflexion (Manana) darüber (Tad)
  • sa-tattva-dhyānam : verbunden mit („samt“, Sa) Meditation (Dhyana) über die Wahrheit („das Sosein“, Tattva)
  • ciram : für lange Zeit (Chira)
  • nitya-nirantaram : beständig (Nitya) und ununterbrochen (Nirantara)
  • muneḥ : des Weisen (Muni)
  • tataḥ : dann, daraufhin
  • avikalpam : (Zustand) jenseits aller Begriffe und Vorstellungen („den Ununterschiedenen“, Avikalpa)
  • param : den höchsten (Para)
  • etya : nachdem er erreicht hat („gekommen seiend“, ā + i)
  • vidvān : der Weise („Wissende“, Vidvams)
  • iha : in diesem Leben („hier“, Iha)
  • eva : noch (Eva)
  • nirvāṇa-sukham : das Glück (Sukha) der Erlösung („des Verlöschens“, Nirvana)
  • samṛcchati : erlangt („trifft“, sam + )     || 70 ||

Kommentar

Im vorigen Vers hat er über die Vorbereitung gesprochen. Er hat gesagt, ja, zunächst entwickle Vairagya – Losgelöstheit. Entwickle Shama Gemütsruhe, Dama – Selbstbeherrschung, Titiksha – die Fähigkeit etwas auszuhalten. Dann gib auch mindestens probeweise Dinge auf, an die du verhaftet bist. Das, wo du feststellst, wo du Verhaftungen hast, gib es weiter. Las es los. Das sind die Grundvorraussetzungen.

Dann folgt Jnana Yoga im engeren Sinne.
Das heißt: Höre zu. Shruti – Höre. Auch manchmal Shravana genannt. Das Hören der Lehrtexte.
Dann folgt Manana – Das Nachdenken darüber.
Und dann folgt Tattva Dhyana: Das Meditieren über die höchste Wahrheit.
Und wenn du das für lange Zeit machst: Thiram Nitya – Dauerhaft Nirantara – ohne Unterbrechung, wie ein Weiser Muni – Tata, dann kommst du zum höchsten Zustand: Avikalpa. Para – zum Höchsten.
So kommt – Nirvana Sukha: Das Glück der Erlösung – Nirvana.

Gut, so bereitet er dich nochmals vor. Er wird dich unterweisen, was ist die Wahrheit. Dann musst du darüber nachdenken, es in die Praxis umsetzten. Dann solltest du auch darüber meditieren. In der Meditation den Intellekt überschreiten. Dann folgt die Verwirklichung in Nirvikalpa Samadhi – du erreichst Nirvana, den höchsten Bewusstseinszustand, der gleichbedeutend ist mit Befreiung.

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