Viveka Chudamani – Vers 62

Deutsche Übersetzung:

62. Eine Krankheit geht dadurch nicht weg, dass man das Wort „Medizin“ ausspricht, ohne sie einzunehmen. Man wird nicht befreit, indem man das Wort „Brahman“ ausspricht, ohne Brahman selbst zu erfahren.

Sanskrit Text:

na gacchati vinā pānaṃ vyādhir auṣadha-śabdataḥ |
vināparokṣānubhavaṃ brahma-śabdair na mucyate || 62 ||

न गच्छति विना पानं व्याधिरौषधशब्दतः |
विनापरोक्षानुभवं ब्रह्मशब्दैर्न मुच्यते || ६२ ||

na gachchhati vina panam vyadhir aushadha-shabdatah |
vinaparokshanubhavam brahma-shabdair na muchyate || 62 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • na : nicht (Na)
  • gacchati : vergeht („geht“, gam)
  • vinā : ohne (Vina)
  • pānam : das Einnehmen („Trinken“, Pana)
  • vyādhiḥ : eine Krankheit (Vyadhi)
  • auṣadha-śabdataḥ : durch das Wort (Shabda) „Heilmittel“ (Aushadha)
  • vinā : ohne
  • aparokṣānubhavam : die unmittelbare („vor Augen liegende“, Aparoksha) Erfahrung (Anubhava)
  • brahma-śabdaiḥ : durch die Wiederholung des Wortes („die Worte“, Shabda) „das Absolute“ (Brahman)
  • na : nicht
  • mucyate : man wird befreit (muc)     || 62 ||

Kommentar

Shankara fordert uns auf, zur echten Erkenntnis zu kommen, die Schriften nicht nur aus Neugier zu studieren oder zu versuchen, sie nur intellektuell zu verstehen, und plappere nicht einfach Sachen nach. Du kannst sagen „Aham Brahmasmi“ – „Ich bin Brahman.“ – Aber spürst du, dass du Brahman bist?
Es ist schön zu sagen „Satchidananda Swarupoham“ – „Meine wahre Natur ist Sein, Wissen und Glückseligkeit“ – Aber spürst du das? Verwirklichst du das? Lebst du daraus?
Es reicht nicht aus, über Brahman zu sprechen. Genausowenig wie es ausreicht zu sagen: „Medizin Medizin oder Nux Vomica D200, ein homöopathisches Arzneimittel, oder Smoothie, Smoothie, Smoothie.“ Es reicht nicht aus, es zu sagen, du musst die Medizin nehmen.

Es reicht nicht aus von Vedanta zu sprechen. Meditiere darüber, fühle, spüre, erkenne es und handle daraus. Mache aus Vedanta deine Medizin. Vedanta muss praktisch sein.

Swami Sivananda hat einen schönen Artikel im Buch „Inspirationen und Weisheit“ im Kapitel Vedanta. Darin sagt er: „Ich glaube an praktischen Vedanta. Ich glaube an die gründliche Veränderung des Menschen, die Transformation des Menschseins. Übe uneigennütziges Dienen. Siehe im anderen dein Selbst. Sowie du deine linke Hand nicht schlägst, wenn du versehentlich die rechte Hand schlägst. Oder so, wie du deine Zähne nicht bestrafst, wenn sie versehentlich deine Zunge beißen.

Sowenig habe etwas gegen einen anderen Menschen. Er ist Teil von dir. Wie ein Baum seinen Duft an alle weiter gibt, so gib Gutes an alle weiter.
Hinter allem ist der gleiche Atman, das gleiche Selbst. Vedanta sollte nicht rein intellektuell sein. Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst. Liebe deinen Nächsten als dein Selbst. So hat es Jesus gesagt. „Ich und mein Vater sind eins.“ Ist der Schüler vollkommen, ist er wie sein Meister. In diesem Sinne erkenne: du und dein Vater, Gott, sind eins. Du bist in allen anderen. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Liebe deinen Nächsten als dein Selbst. Das ist praktischer Vedanta. Und das ist das, was dir wirklich weiterhilft.

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