Viveka Chudamani – Vers 57

Deutsche Übersetzung:

57. Die Schönheit der Form einer Vina und die Fähigkeit des Spielens auf den Saiten dienen nur zur Freude des Publikums, reichen jedoch nicht aus, zur Königswürde (samrajya)/ zur Einheit/ Selbstverwirklichung zu führen.

Sanskrit Text:

vīṇāyā rūpa-saundaryaṃ tantrī-vādana-sauṣṭhavam |
prajā-rañjana-mātraṃ tan na sāmrājyāya kalpate || 57 ||

वीणाया रूपसौन्दर्यं तन्त्रीवादनसौष्ठवम् |
प्रजारञ्जनमात्रं तन्न साम्राज्याय कल्पते || ५७ ||

vinaya rupa-saundaryam tantri-vadana-saushthavam |
praja-ranjana-matram tan na samrajyaya kalpate || 57 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • vīṇāyāḥ : einer Vina
  • rūpa-saundaryam : die Schönheit (Saundarya) der Form (Rupa)
  • tantrī-vādana-sauṣṭhavam : (und) die Kunst (Saushthava) des Spielens (Vadana) auf ihren Saiten (Tantri)
  • prajā-rañjana-mātram : lediglich (Matra) dem Ergötzen (Ranjana) der Zuhörer („der Untertanen“, Praja)
  • tat : das (Tad)
  • na : nicht (Na)
  • sāmrājyāya : der Königswürde („Oberherrschaft“, Samrajya)
  • kalpate : dient („schafft“, kḷp)     || 57 ||

Kommentar

„vīṇāyā rūpasaundaryaṁ“ –
„sundari“ heißt „Schönheit“ und „rupa“ ist „die Form“.
Man geht in ein Konzert und genießt die Schönheit eines Musikinstrumentes. In Indien war die Vina früher eines der Hauptinstrumente und sie ist sehr schön. Du kannst dich an ihrer Schönheit erfreuen.

„tantrīvādanasauśhṭhavam“:
„sauśhṭhavam“ – „die Kunst“.
„vādana“ – „des Spielens“.
„tantri“ – „auf den Seiten“.

Du gehst in ein Konzert und genießt die Schönheit der Vina, des Ambientes. Es ist schön, in ein Musikkonzert zu gehen. Dementsprechend ist es schön, Yogaübungen zu machen oder sich gesund zu ernähren. Gesundheit ist etwas Schönes und beinhaltet ein gewisses Wohlgefühl – „Wellness“.

Aber dieses Wohlgefühl reicht nicht aus zur Gottverwirklichung. Wenn du Yoga übst, geht es nicht um Wellness, Wohlgefühl und eine gewisse Harmonie, sondern um das Streben zur Gottverwirklichung.

Shankara sagt im 57. Vers: „Indem du ein schönes Spiel hörst und dich an etwas erfreust, wirst du noch nicht zum König.“

Im alten Indien gab es zum Beispiel üblicherweise vor der Königskrönung ein Konzert. Aber an einem schönen Konzert teilzuhaben, macht dich nicht zum König.

Um zur Gottverwirklichung zu kommen, sind Yogaübungen, eine gesunde Ernährung, uneigennütziges, Gottesverehrungen, Mantras und so weiter hilfreich, aber das Üben allein reicht nicht aus. Es geht das aktive Streben nach Gottverwirklichung.

Überprüfe deinen eigenen spirituellen Weg. Bist du wirklich mit Intensität dabei? Strebst du wirklich mit Intensität nach Gottverwirklichung?
Nur dann erfährst du wirklich das Höchste. Nur der Wunsch danach reicht nicht aus. Sondern setze ihn um. Analysiere und nimm diesen Vers wieder zum Anlass, dich selbst zu überprüfen.

Hast du es dir bequem gemacht auf dem spirituellen Weg? Oder hast du sogar die spirituellen Praktiken aufgegeben? Übe die spirituellen Praktiken mit Hingabe, Vertrauen und auch mit der Sehnsucht das Höchste zu erfahren – mit Intensität. Das ist wichtig.

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