Viveka Chudamani – Vers 51

Deutsche Übersetzung:

51. Einem Vater können seine Söhne oder andere seine Schulden bezahlen, aber nur er selbst kann sich von den Fesseln der Wiedergeburt befreien.

Sanskrit Text:

ṛṇa-mocana-kartāraḥ pituḥ santi sutādayaḥ |
bandha-mocana-kartā tu svasmād anyo na kaś-cana || 51 ||

ऋणमोचनकर्तारः पितुः सन्ति सुतादयः |
बन्धमोचनकर्ता तु स्वस्मादन्यो न कश्चन || ५१ ||

rina-mochana-kartarah pituh santi sutadayah |
bandha-mochana-karta tu svasmad anyo na kash-chana || 51 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • ṛṇa-mocana-kartāraḥ : die Urheber (Kartri) der Befreiung (Mochana) von Schuld (Rina)
  • pituḥ : (ihres) Vaters (Pitri)
  • santi : sind (as)
  • sutādayaḥ : (seine) Söhne (Suta) usw. (d.h. sein Enkel und Urenkel, Adi)
  • bandha-mocana-kartā : der Urheber (Kartri) der Befreiung (Mochana) von (seiner eigenen) Gefangenschaft (in der Unwissenheit, „Bindung“, Bandha)
  • tu : (ist) aber, jedoch (Tu)
  • svasmāt : als man selbst (Sva)
  • anyaḥ : anderer (Anya)
  • na kaś-cana : niemand („nicht irgend jemand“, Na Ka Chana)   || 51 ||

Kommentar

Shankaracharya betont im 51. Vers, dass sich jeder selbst um seine Befreiung und Überwindung der Anhaftungen kümmern muss. Jeder muss selbst den spirituellen Weg gehen. Sein vorheriger Vers erklärt, dass du selbst ein Segen für die ganze Familie bist, indem du den spirituellen Weg gehst. Allerdings kannst du nicht deine Familie dazu zwingen, den spirituellen Weg zu gehen und liegt nicht in deiner Verantwortung, dafür etwas zu tun. Manche Aspiranten verbringen viel Zeit damit, ihre Eltern, Partner, Kinder, Geschwister vom spirituellen Weg zu überzeugen. Oft ist diese Überzeugungsarbeit vergebene Liebesmüh und verschwendete Zeit. Anstatt viel Zeit damit zu verbringen, deine Familie vom spirituellen Weg zu überzeugen, gehe lieber deinen eigenen Weg und finde andere Aspiranten, die ähnliche, spirituelle Interessen haben. Indem du diesen Weg gehst, wirst du eine Inspiration für deine Familie sein, wenn sie vielleicht durch karmische Erfahrungen durcheinander gerüttelt werden.
Versuche nicht, deine Familie zu bekehren oder ihnen deine spirituelle Weisheit aufzudrücken. Sei jemand, der voller Freude ist. In dem du selbst Freude hast, werden andere dem, was du sagst, folgen. Wenn du versuchst andere fanatisch zu überzeugen, bringt das Wenig. Du könntest deinen Partner oder deine Partnerin, Eltern, Geschwister, Kollegen und so weiter sagen, dass dir Yoga tut gut und hilft, einen tieferen Sinn in allem zu sehen.
Du kannst ein konsequentes Leben und dennoch wertschätzendes Leben führen, was bedeutet, dass du andere wertschätzt. Dann werden die Menschen auf dich zugehen, wenn sie dafür bereit sind.
Verschwende nicht Zeit, Energie und Emotion im Versuch Menschen vom spirituellen Leben zu überzeugen, die dafür nicht bereit sind. Nutze deine Energie, um selbst voranzukommen und anderen zu helfen, zu dienen. Sorge dafür, dass es dir gut geht. Dann werden andere davon Inspirationen bekommen.
Engagiere Dich zum Wohle anderer, indem du sie spirituell führst, ihnen spirituelle Inspirationen gibst, wenn sie dafür offen sind. Gib Yoga Kurse, mache eine Yogalehrerausbildung oder eine Meditationskursleiter-Ausbildung. Gib Meditationskurse.
Integriere spirituelle Aspekte und Vedanta Gedankengut in deinen Hatha-Yoga– und Meditationsunterricht. Lasse dies auch in Alltagsgesprächen einfließen. Schaue, ob es dort fruchtbaren Boden gibt und gehe tiefer.
Jeder muss allerdings seinen Weg selbst gehen. Wenn du unterrichtest, übertreibe es nicht mit deiner eigenen Verantwortung. Im Rahmen von Yoga Vidya Ausbildungen, Meditationskurse oder beim Leiten von Vorträgen und Seminaren lernst du das gezielte Vermitteln von Inhalten, so dass es für andere gut verständlich ist, und wie du anderen helfen kannst, spirituelle Erfahrungen zu machen.
Es ist gut, dass du das lernst, aber lass es auch los. Letztlich muss sich jeder selbst um seinen eigenen spirituellen Weg kümmern. Du kannst etwas Inspiration geben. Aber übertreibe deine eigene Verantwortung nicht.

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