Viveka Chudamani – Vers 49

Deutsche Übersetzung:

49. „Was ist Anhaftung? Wie ist sie entstanden? (Wo kommt sie her?) Wie kann sie weiterhin bestehen? Wie kann man sich davon befreien? Was ist jenes Nicht-Selbst? Was ist das Höchste Selbst? Wie kann man zwischen den beiden unterscheiden? Bitte erkläre mir das!“

Sanskrit Text:

ko nāma bandhaḥ katham eṣa āgataḥ
kathaṃ pratiṣṭhāsya kathaṃ vimokṣaḥ |
ko’sāv anātmā paramaḥ ka ātmā
tayor vivekaḥ katham etad ucyatām || 49 ||

को नाम बन्धः कथमेष आगतः
कथं प्रतिष्ठास्य कथं विमोक्षः |
को ऽसावनात्मा परमः क आत्मा
तयोर्विवेकः कथमेतदुच्यताम् || ४९ ||

ko nama bandhah katham esha agatah
katham pratishthasya katham vimokshah |
ko’sav anatma paramah ka atma
tayor vivekah katham etad uchyatam || 49 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • kaḥ : was (Ka)
  • nāma : (ist) denn (Nama)
  • bandhaḥ : Gefangenschaft (in der Unwissenheit, „Bindung“, Bandha)
  • katham : wie (Katham)
  • eṣaḥ : diese (Etad)
  • āgataḥ : ist zustande gekommen (Agata)
  • katham : wie (erklärt sich)
  • pratiṣṭhā : Fortbestehen (Pratishtha)
  • asya : deren (Idam)
  • katham : wie
  • vimokṣaḥ : Befreiung, Erlösung (Vimoksha)
  • kaḥ : was („wer“)
  • asau : (ist) dieses (Adas)
  • anātmā : Nicht-Selbst (Anatman)
  • paramaḥ : das höchste (Parama)
  • kaḥ : was („wer“ ist)
  • ātmā : Selbst (Atman)
  • tayoḥ : (bezüglich) dieser beiden (Tad)
  • vivekaḥ : die Unterscheidungsfähigkeit (Viveka)
  • katham : wie (entsteht)
  • etat : (all) dies (Etad)
  • ucyatām : erkläre bitte („möge erklärt werden“, vac)     || 49 ||

Kommentar

Im Folgenden werden die wichtigen Teile, die Essence im Viveka Chudamani erklärt:
Was ist das Selbst? Was ist das Nichtselbst? – Oder mit anderen Worten: Wer bin ich? Wer bin ich nicht?
Wie kommt es zu den Verhaftungen? Warum verhafte ich mich an Dinge, obwohl ich weiß, dass ich das nicht bin?
Vielleicht kennst du den Fall, dass dich eine Kritik übermäßig stark trifft. Du weißt nicht warum und bist dir bewusst, dass es eigentlich nicht sehr schlimm ist. Warum berührt dich das trotzdem in diesem Ausmaß. Woher kommt diese Anhaftung?
Vielleicht bemerkst du auch, wie sehr Dich ein kleiner Verlust stört. Angenommen dein Partner oder deine Partnerin wäscht ein Kleidungsstück mit zu hoher Temperatur, so dass du es nicht mehr verwenden kannst. Angenommen dein Auto hat eine Schramme, dein Kind, die Nachbarschaftskinder, der Hund oder die Katze macht etwas kaputt. Warum trifft dich diese Situation in diesem Ausmaß?
„Was ist Anhaftung?“, will der Schüler wissen.
Anhaftungen entstehen letztlich aus Identifikationen, mit dem, was du nicht wirklich bist.
Denke bis zum nächsten Vers darüber nach. In der Viveka Chudamani heißt es übersetzt „Unterscheidungskraft“, was auch „Nachdenken“ bedeutet. Überlege, woran du ganz besonders anhaftest und vor allem woran du anhaftest, wenn du selbstbewusst bist. Sage dir innerlich: „Es ist eigenartig, dass ich daran verhaftet bin.“
Überlege auch, womit du dich identifizierst. Mache dir folgende Aussage bewusst: „Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.“

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