Viveka Chudamani – Vers 46

Deutsche Übersetzung:

46. Die Schriften sagen, Glauben/ Vertrauen (shraddha), Hingabe, Meditation und Yoga sind die Säulen, die den spirituellen Aspiranten zur Befreiung führen. Wer dies beständig verfolgt, wird von den Fesseln des Körpers befreit, die aus Unwissenheit entstanden sind.

Sanskrit Text:

śraddhā-bhakti-dhyāna-yogān mumukṣoḥ
mukter hetūn vakti sākṣāc chruter gīḥ |
yo vā eteṣv eva tiṣṭhaty amuṣya
mokṣo’vidyā-kalpitād deha-bandhāt || 46 ||

श्रद्धाभक्तिध्यानयोगान्मुमुक्षोः
मुक्तेर्हेतून्वक्ति साक्षाच्छ्रुतेर्गीः |
यो वा एतेष्वेव तिष्ठत्यमुष्य
मोक्षो ऽविद्याकल्पिताद्देहबन्धात् || ४६ ||

shraddha-bhakti-dhyana-yogan mumukshoh
mukter hetun vakti sakhsach chhruter gih |
yo va eteshv eva tishthaty amushya
moksho’vidya-kalpitad deha-bandhat || 46 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • śraddhā-bhakti-dhyāna-yogān : die Praxis („Anwendung“, Yoga) von Vertrauen (Shraddha), Hingabe (Bhakti) und Meditation (Dhyana)
  • mumukṣoḥ : für einen, der Erlösung erheischt (Mumukshu)
  • mukteḥ : der Erlösung (Mukti)
  • hetūn : als Ursachen (Hetu)
  • vakti : benennen („benennt“, vac)
  • sākṣāt : direkt, unmissverständlich („offensichtlich“, Sakshat)
  • śruteḥ : der heilige Schriften (d.h. der Upanischaden, Shruti)
  • gīḥ : die Worte („das Wort“, Gir)
  • yaḥ : wer (Yad)
  • vā : auch immer („oder“, Va)
  • eteṣu : bei diesen (genanten Methoden, Etad)
  • eva : genau (Eva)
  • tiṣṭhati : bleibt (sthā)
  • amuṣya : dem (Adas)
  • mokṣaḥ : (wird) Befreiung (zuteil, Moksha)
  • avidyā-kalpitāt : von der aufgrund von Unwissenheit (Avidya) bewirkten („eingebildeten“, Kalpita)
  • deha-bandhāt : Fessel (Bandha) des Körpers (Deha)     || 46 ||

Kommentar

Wie kommen wir zur Befreiung?
Einen Vers vorher sagte Shankara: „durch intensives Reflektieren über die Bedeutung von Vedanta“ – „vedāntārthavicāreṇa“.

Dadurch kommst du zu „atman jñāna“ – zur Erkenntnis des Selbst.
Shankara vertritt im Viveka Chudamani den ganzheitlichen Yoga. Auch wenn hier sein Hauptthema Viveka Chudamani ist, wobei das Thema Erkenntnis ist, betont er immer wieder, dass es auch andere Wege zur Erleuchtung und andere Praktiken zur Vorbereitung darauf gibt.

Dazu gehört zum Beispiel „Shraddha“ – Das Vertrauen zu haben, dass es die Gottverwirklichung gibt, ich die Gottverwirklichung erreichen kann, mich auf einen guten Weg dorthin bewege, einen Lehrer, eine Lehrerin habe, der oder die mich gut unterweist.
Mache dir das immer wieder bewusst. Am Anfang ist es gut, genauer zu prüfen und anschließend nicht ständig den Zweifel nachzugehen.
Spreche es bewusst aus: „Ja, ich glaube daran. Es gibt die Erleuchtung. Ja, ich vertraue den Worten der Meister, die sagen, dass auch ich sie erreichen kann. Ja, ich bin auf einem guten Weg. Ja, ich werde gut unterwiesen.“ Diese Art von „Shraddha“ gilt es immer wieder zu bestätigen.

Dann erwähnt Shankara „Bhakti“ – Hingabe an Gott.
Es gibt immer wieder Phasen, in denen du nicht weiterkommst. „Bhakti“, die Hingabe an Gott, das Gebet an Gott oder an den Guru, den Meister, sind dann umso wichtiger.

Er sagt „Dhyāna“ – die Meditation.
Meditation ist wichtig. Das betont er in diesem Vers vor allem, weil er in den anschließenden Versen vermehrt über „Atma vichara“ sprechen wird – das Ergründen des Selbst. Das ist allerdings kein intellektuelles Ergründen, sondern Meditation.

Zudem sagt er „Yoga“.
Yoga ist ein Allgemeinbegriff: Es gibt Karma Yoga, Bhakti Yoga, Kundalini Yoga, Mantra Yoga, Yantra Yoga, Nada Yoga und so weiter. Das sind viele Yoga Praktiken. Übe die Yoga Praktiken, von denen du weißt, dass sie dir helfen. Es ist nicht nur wichtig, zu meditieren und Vertrauen, Hingabe zu haben, sondern ebenso einen gesunden spirituellen Lebensstil zu führen und intensive Praktiken zu üben.

Auf diesen Säulen kann ein spiritueller Aspirant zur Befreiung kommen. Somit kannst du von den Fesseln des Körpers befreit werden. Diese kommen nämlich aus der Unwissenheit.
Mit Unwissenheit ist gemeint: „Wer bin ich?“ – Du denkst: „Ich bin der Körper.“

Dadurch kommen alle Probleme. Übe Yoga, Meditation, habe Vertrauen und übe Hingabe an Gott. Anschließend übe „Atma vichara“ – das Nachdenken über das Selbst, wodurch du die Unwissenheit überwindest, zur Befreiung und damit zur höchsten Glückseligkeit kommst.

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