Viveka Chudamani – Vers 42

Deutsche Übersetzung:

42. Ihn, der nach Befreiung dürstet, der bei dem Lehrer Zuflucht sucht und gewissenhaft nach den Anweisungen der Schriften lebt, ihn, der Ruhe im Geist und Frieden im Herzen hat, sollte der Lehrer wohlgesonnen über die Erkenntnis der Wahrheit unterweisen.

Sanskrit Text:

vidvān sa tasmā upasattim īyuṣe
mumukṣave sādhu yathokta-kāriṇe |
praśānta-cittāya śamānvitāya
tattvopadeśaṃ kṛpayaiva kuryāt || 42 ||

विद्वान्स तस्मा उपसत्तिमीयुषे
मुमुक्षवे साधु यथोक्तकारिणे |
प्रशान्तचित्ताय शमान्विताय
तत्त्वोपदेशं कृपयैव कुर्यात् || ४२ ||

vidvan sa tasma upasattim iyushe
mumukshave sadhu yathokta-karine |
prashanta-chittaya shamanvitaya
tattvopadesham kripayaiva kuryat || 42 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • vidvān : Weise („Wissende“, Vidvams)
  • saḥ : der (Tad)
  • tasmai : diesem (Tad)
  • upasattim : in seine Zuflucht („Gemeinschaft“, Upasatti)
  • īyuṣe : der gekommen ist (Iyivams)
  • mumukṣave : Befreiung erheischenden (Mumukshu)
  • sādhu : gut, richtig (Sadhu)
  • yathokta-kāriṇe : gemäß der Vorschriften handelnden (Yathoktakarin)
  • praśānta-cittāya : dessen Geist (Chitta) ruhig geworden (Prashanta) ist
  • śamānvitāya : mit innerem Frieden (Shama) begabten (Anvita)
  • tattvopadeśam : Unterweisung (Upadesha) über die Wahrheit („das Sosein“, Tattva)
  • kṛpayā : aus Mitgefühl (Kripa)
  • eva : allein, nur (Eva)
  • kuryāt : er möge geben („machen“, kṛ)     || 42 ||

Kommentar

Es ist die Natur der Meister, das sie dem suchenden Schüler helfen. Aber Shankara gibt auch einen Appell an die Meister. Die Natur der Meister ist es, helfen zu wollen. Aber manchmal sind sie auch etwas zögerlich. Und so sagt er, ein Meister sollte auch über die Erkenntnis der Wahrheit unterweisen. Es reicht nicht aus, nur mitfühlende Worte zu geben. Es reicht auch nicht aus, nur sich etwas um das körperliche Wohl anderer zu kümmern. Vielleicht ist das sogar ein Appell auch an dich. Vielleicht bist du ein spiritueller Aspirant – bzw. ziemlich sicher bist du ein spiritueller Aspirant, wenn du bis hierher zuhörst; wir sind ja schon am 42. Vers vom Viveka Chudamani, dann bist du sicherlich ein spiritueller Aspirant. Sonst hättest du vermutlich längst aufgehört zuzuhören. – Und vermutlich willst du Gutes tun in der Welt. Vermutlich willst du anderen helfen. Vielleicht gehörst du sogar zu denjenigen, die auf mehr Geld verzichtet haben, um einen Beruf zu ergreifen, um anderen zu helfen. Shankara ermutigt dich aber noch mehr: „Gib auch die Weisheit weiter! Hilf anderen, zur Erkenntnis der Wahrheit zu kommen!“
Sozialarbeit ist wichtig. Es ist auch wichtig, sich um Kranke zu kümmern. Es ist wichtig, Kinder zu unterrichten. Es ist wichtig, auch in normalen Berufen freundlich zu sein zu Kollegen, zu Kunden, zu Nachbarn, zur Familie, zu Kindern, zu Fremden. Aber langfristig wird nur derjenige glücklich sein, der die Gottverwirklichung erreicht hat. Und daher kannst auch du überlegen, willst du vielleicht auch als Lehrender tätig werden, als spirituell Lehrender. Vielleicht wäre es an der Zeit Meditation zu unterrichten, falls du Hatha-Yoga-Lehrer/in bist, vielleicht ins Hatha Yoga etwas Philosophie einzubringen, vielleicht am Ende der Yogastunde Verse aus der Bhagavad Gita oder aus dem Viveka Chudamani zu lesen, oder aus dem Yoga Sutra oder von Werken von Swami Sivananda. Menschen werden sich dann an dich wenden und spirituelle Weisheit ist heute noch wichtiger als jemals zuvor.

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