Viveka Chudamani – Vers 360

Deutsche Übersetzung:

360. So wie die Schabe, die alle anderen Aktivitäten aufgibt und konzentriert an die Schlupfwespe denkt (und schließlich selbst zu einer solchen wird), so tritt auch ein Yogi – der über die Wirklichkeit des Höchsten Selbst (paramatma tattva) meditiert – durch einpünktige Hingabe (eka nishtha) zu Ihm ins Absolute ein.

Sanskrit Text:

kriyāntarāsaktim apāsya kīṭako
dhyāyann alitvaṃ hy ali-bhāvam ṛcchati |
tathaiva yogī paramātma-tattvaṃ
dhyātvā samāyāti tad eka-niṣṭhayā || 360 ||

क्रियान्तरासक्तिमपास्य कीटको
ध्यायन्नलित्वं ह्यलिभावमृच्छति |
तथैव योगी परमात्मतत्त्वं
ध्यात्वा समायाति तदेकनिष्ठया || ३६० ||

kriyantarasaktim apasya kitako
dhyayann alitvam hy ali-bhavam richchhati |
tathaiva yogi paramatma-tattvam
dhyatva samayati tad eka-nishthaya || 360 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • kriyāntarāsaktim : die Beschäftigung („Anhängen“, Asakti) mit (allen) anderen (Antara) Aktivitäten (Kriya)
  • apāsya : indem sie aufgibt („aufgegeben habend“, apa + as)
  • kīṭakaḥ : eine Schabe (Kitaka), die
  • dhyāyan : meditiert („meditierend“, dhyai)
  • alitvam : über das Schlupfwespe-Sein („Biene-Sein“, Ali-tva)
  • hi : gewiss (Hi)
  • ali-bhāvam : das Wesen (Bhava) einer Schlupfwespe („Biene“, Ali)*
  • ṛcchati : erlangt ()
  • tathā : genauso (Tatha)
  • eva : ganz (Eva)
  • yogī : der Praktizierende (Yogin)
  • paramātma-tattvam : über die Natur, Wahrheit (Tattva) des höchsten Selbst (Paramatman)
  • dhyātvā : indem er meditiert („meditiert habend“, dhyai)
  • samāyāti : gelangt („kommt“, sam + ā + )
  • tat : zu dieser (Wahrheit, Tad)
  • eka-niṣṭhayā : durch (sein) ausschließliches (Eka) Hingegebensein (Nishtha)     || 360 ||

*Anmerkung: Die Schlupfwespe (Ali „Biene“ entspricht Bhramara „Wespe“ im vorangehenden Vers 359) legt ihre Eier in eine lebende Schabe (Kita), aus der am Ende die ausgewachsene Schlupfwespe hervorkommt, so dass sich die Schabe scheinbar in eine Schlupfwespe verwandelt hat. Der Vergleich zielt in der indischen Tradition darauf ab, dass man zu dem wird (in diesem Falle das höchste Selbst bzw. Brahman), worüber man intensiv meditiert. Vgl. auch die ausführliche Anmerkung zu Atmabodha, Vers 49 (http://schriften.yoga-vidya.de/atma-bodha/vers49/), wo derselbe Vergleich verwendet wird.

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