Viveka Chudamani – Vers 347

Deutsche Übersetzung:

347. Das Feuer der wahren Erkenntnis (viveka vahni) von der Einheit der Höchsten Wirklichkeit mit der Einzelseele (para avara ekatva) verbrennt den Dschungel der Unwissenheit (avidya gahana) zu Asche. Wie könnte es für den, der den Zustand der Einheit (advaita bhava) erreicht hat, noch Grund zur Wiedergeburt (samsarana) geben?

Sanskrit Text:

parāvaraikatva-viveka-vahnir
dahaty avidyā-gahanaṃ hy aśeṣam |
kiṃ syāt punaḥ saṃsaraṇasya bījam
advaita-bhāvaṃ samupeyuṣo’sya || 347 ||

परावरैकत्वविवेकवह्निर्-
दवहत्यविद्यागहनं ह्यशेषम् |
किं स्यात्पुनः संसरणस्य बीज-
मद्वैतभावं समुपेयुषो ऽस्य || ३४७ ||

paravaraikatva-viveka-vahnir
dahaty avidya-gahanam hy ashesham |
kim syat punah samsaranasya bijam
advaita-bhavam samupeyusho’sya || 347 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • parāvaraikatva-viveka-vahniḥ : das Feuer (Vahni) der Einsicht (Viveka) in die Einheit (Ekatva) der höchsten (Para) und der niederen (Seele, Avara)
  • dahati : verbrennt (dah)
  • avidyā-gahanam : den Dschungel („Dickicht“, Gahana) der Unwissenheit (Avidya)
  • hi : gewiss (Hi)
  • aśeṣam : vollständig, restlos (Ashesha)
  • kim : was (Kim)
  • syāt : gäbe es („sei“, as)
  • punaḥ : noch („wieder“, Punar)
  • saṃsaraṇasya : für den Daseinswandel (Samsarana)
  • bījam : (für) einen Grund („Keim“, Bija)
  • advaita-bhāvam : den Zustand (Bhava) der Nichtdualität (Advaita)
  • samupeyuṣaḥ : der erreicht hat (sam + upa + i)
  • asya : für denjenigen (Idam)     || 347 ||

Kommentar

Hast du schon mal Angst vor dem Tod gehabt? Warst du mal beim Arzt und hat er dir gesagt, dass da eventuell etwas Schlimmes sein könnte? Hattest du einen kleinen Unfall und der hätte auch größer ausgehen können? Ist jemand enges, ein enger Angehöriger von dir gestorben und plötzlich wird dir klar, dass auch du sterben kannst?

Lasst uns hören, was Shankara im 347. Vers über die Angst vor dem Tod sagt:

Das Feuer der wahren Erkenntnis (viveka vahni) von der Einheit der Höchsten Wirklichkeit mit der Einzelseele (para avara ekatva) verbrennt den Dschungel der Unwissenheit (avidya gahana) zu Asche. Wie könnte es für den, der den Zustand der Einheit (advaita bhava) erreicht hat, noch Grund zur Wiedergeburt (samsarana) geben?
Zunächst scheint es erst einmal so zu sein, dass Shankara gar nicht auf die Furcht vor dem Tod eingeht. Eigentlich ist eine wichtigere Furcht die Furcht vor der Wiedergeburt. Swami Vishnu hat gerne gesagt, dass er keine Angst vor dem Tod hat, sondern eher Angst vor der Wiedergeburt. Der Tod kommt in jedem Fall, die Wiedergeburt muss nicht sein. Der Tod führt für Menschen, die sich einigermaßen richtig verhalten haben, eher zu einer schönen Erfahrung. Aber die Wiedergeburt: Du weißt nicht, in welche Umstände du geboren wirst. Manche der Zuhörer hatten ein schwieriges Leben. Vielleicht eine schwierige Kindheit, keine Eltern oder sich streitende Eltern, vielleicht Missbrauch oder Misshandlung und selbst wenn du in einem beschützten Elternhaus aufgewachsen bist, ist das auch nicht so schön. Es gibt keine Garantie, dass du im nächsten Leben wiedergeboren wirst in eine Gegend, wo es keinen Hunger und keinen Krieg gibt. In der Mehrheit der Länder gibt es Hunger oder Kriege. Da kannst du auch wieder hineingeboren werden. Wer weiß, was Menschen mit diesem Planeten noch machen werden, wenn er atomar verseucht ist oder eine Klimakatastrophe gekommen ist, der Planet so heiß ist, dass der Mensch nicht normal leben kann. Die Furcht vor der Wiedergeburt ist wichtiger als die Furcht vor dem Tod. Aber selbst die Furcht vor der Wiedergeburt brauchst du nicht zu haben. Wenn du nämlich das Feuer der wahren Erkenntnis hast, dann wird der Dschungel der Unwissenheit zu Asche verbrannt.
In diesem Sinne ist es wichtig, das Feuer der wahren Erkenntnis zu entfachen, den Dschungel der Unwissenheit zu verbrennen. Dann bist du wahrhaftig eins mit dem Göttlichen, keine Angst vor dem Tod, keine Angst vor der Wiedergeburt.

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