Viveka Chudamani – Vers 34

Deutsche Übersetzung:

34. Verehre den Lehrer mit tiefer Hingabe und wenn der Lehrer mit deiner Hingabe, deiner Demut und deinem Dienst (sevana) zufrieden ist, dann geh auf Ihn zu und frage ihn, was du wissen musst.

Sanskrit Text:

tam ārādhya guruṃ bhaktyā prahva-praśraya-sevanaiḥ |
prasannaṃ tam anuprāpya pṛcchej jñātavyam ātmanaḥ || 34 ||

तमाराध्य गुरुं भक्त्या प्रह्वप्रश्रयसेवनैः |
प्रसन्नं तमनुप्राप्य पृच्छेज्ज्ञातव्यमात्मनः || ३४ ||

tam aradhya gurum bhaktya prahva-prashraya-sevanaih |
prasannam tam anuprapya prichchhej jnatavyam atmanah || 34 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • tam : einen solchen (Tad)
  • ārādhya : nachdem er verehrt hat („verehrt habend“, ā + rādh)
  • gurum : Meister (Guru)
  • bhaktyā : mit Hingabe (Bhakti)
  • prahva-praśraya-sevanaiḥ : durch demütiges Verneigen (Prahva), Bescheidenheit (Prashraya) und Dienen (Sevana)
  • prasannam : gnädig gestimmten (Prasanna)
  • tam : diesen (Tad)
  • anuprāpya : sich nähernd („sich genähert habend“, anu + pra + āp)
  • pṛcchet : er möge fragen (prach)
  • jñātavyam : das, was zu wissen nötig ist (Jnatavya)
  • ātmanaḥ : ihm, für ihn (Atman)     || 34 ||

Kommentar

Es reicht nicht aus, mit seinem Lehrer zu gehen und ihn zur Lehre aufzufordern. Wir befinden uns zwar in einem Zeitalter, indem Schüler vom Lehrer einiges erwarten.

Ich leite Yoga Vidya e. V., welcher aus einigen Ashrams und Zentren besteht. Oft kommen Schüler, die genau wissen, was sie wollen, und es fast einfordern. Sie üben Kritik, fühlen sich nicht richtig unterrichtet, behandelt. Andere sprechen positiv: „Ihr habt es mir leicht gemacht, in die Schwingung zu kommen.“

In früheren Zeiten war es sehr häufig, dass Lehrer ihre Schüler getestet, geprüft haben. Vielleicht kennst du Filmberichte über Schüler, die Kung Fu oder Karate lernen wollten und draußen gelassen wurden oder die einen Zen-Kloster-Einlass begehrt haben. Ähnlich war es auch bei den alten Lehrern, nicht bei allen, aber bei einigen. Daher war es nicht immer einfach, Schüler zu werden.

Im Grunde genommen gilt das für die heutige Zeit auch noch – Bei Yoga Vidya bemühen wir uns, den Teilnehmern entgegen zu kommen, ihnen einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen, am Telefon freundlich zu sein, die Internetseiten schön zu gestalten, das Anmeldeformular leicht verständlich zu formulieren, den Telefondienst gut abzudecken, beim Einchecken freundlich zu sein, die Menschenschlangen beim Essen klein zu halten, ein schönes Zimmer bereitzustellen, Führungen im Ashram anzubieten und vieles mehr.

Manchmal habe ich allerdings den Eindruck, dass wir es den Aspiranten zu leicht machen. Dadurch kommen sie noch mehr in eine Anspruchshaltung und Forderungshaltung hinein.

Am Anfang von Yoga Vidya war das anders: Damals gab es hauptsächlich 12- Bettzimmer oder 10- Bettzimmer und keine Dusche im Zimmer. Sogar das Einzelzimmer hatte weder Duschen noch Bad oder Handwaschbecken. Die meisten Aspiranten haben in Zelten geschlafen. Jemand musste ernsthaft entschlossen sein, um bei uns zu bleiben.

Heute gibt es bei uns viel mehr Komfort. Trotzdem gilt, wenn du lernen willst, musst du demütig sein. Wenn du wirklich Gott erfahren willst, musst du dienen wollen.
Du musst selbst nach Befreiung fragen und selbst Prüfungen bestehen. Auch heute kommen zum Beispiel Prüfungen in der Form, wenn etwas was schiefgeht. Das Karma wird erweitert, die Prüfungen geben. Wenn du wirklich ernsthaft Gott willst, wirst du die Prüfungen bestehen. Aber nur zu Fordern reicht nicht aus, du musst demütig sein. Demut ist notwendig.

Überlege zurück, als du das letzte Mal in der Lehre bei einem Meister warst. Hattest du dabei eine Demutshaltung und die Bereitschaft zu dienen?

Deswegen haben wir bei Yoga Vidya bis heute, insbesondere bei Ausbildungen, Karma Yoga für die Gäste. Wenn du wirklich willst, dann musst du auch dienen. Das schreibt Shankar im 34. Vers und ist in allen Traditionen üblich.

Über das Dienen öffnest du dein Herz und stimmst Dich auf die Energie des Ashrams, auf die Energie des Meisters ein. Du öffnest dich, wodurch die Weisheit in dich einströmen kann, du sie aufnehmen kannst. Wenn du nur verlangst, dann bleibst Du innerlich verschlossen und immer mehr ansammeln bringt nichts. Dein Herz muss geöffnet sein. Du musst eine Verbindung haben, Eingeschwungen sein.

Dazu gibt es manchmal Prüfungen, bei denen auch manches schief geht und du auf die Probe gestellt wirst. Es gilt, diese Prüfungen zu bestehen und dich mit einer Haltung der Demut an den Meister zu wenden. Selbst wenn du keinen Gott verwirklichten Meister hast, und bei jemanden bist, von dem du lernen willst und weißt, dass er die Schriften kennt, im Wesentlichen ernsthaft ist, nicht betrügt, von ihm eine gewisse Ruhe, Freude und Energie ausgeht, dann nähere dich ihm mit einer gewissen Demut und lerne von ihm oder von ihr.

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