Viveka Chudamani – Vers 320

Deutsche Übersetzung:

320. Löse die außen und innen wahrgenommene Welt vollständig auf! Meditiere mit gesammeltem Geist über das reine Selbst, die reine Glückseligkeit! Verbringe damit deine Zeit, solange noch eine karmische Bindung (prarabdha karman) besteht.

Sanskrit Text:

dṛśyaṃ pratītaṃ pravilāpayan san
san-mātram ānanda-ghanaṃ vibhāvayan |
samāhitaḥ san bahir antaraṃ vā
kālaṃ nayethāḥ sati karma-bandhe || 320 ||

दृश्यं प्रतीतं प्रविलापयन्सन्
सन्मात्रमानन्दघनं विभावयन् |
समाहितः सन्बहिरन्तरं वा
कालं नयेथाः सति कर्मबन्धे || ३२० ||

drishyam pratitam pravilapayan san
san-matram ananda-ghanam vibhavayan |
samahitah san bahir antaram va
kalam nayethah sati karma-bandhe || 320 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • dṛśyam : Welt („das Sichtbare“, Drishya)
  • pratītam : die wahrgenommene (Pratita)
  • pravilāpayan : vollständig verschwinden lässt (pra + vi + )
  • san : indem du („seiend“, Sat)
  • san-mātram : über das reine („bloße“, Matra) Sein (Sat)
  • ānanda-ghanam : lauter („ganz“, Ghana) Glückseligkeit (Ananda)
  • vibhāvayan : meditierst („meditierend“, vi + bhū)
  • samāhitaḥ : gesammelt, versenkt (Samahita)
  • san : indem du
  • bahiḥ : im Außen (Bahis)
  • antaram : im Innern (Antara)
  • vā : oder (Va)
  • kālam : (deine) Zeit (Kala)
  • nayethāḥ : verbringe ()
  • sati : (solange) besteht („seiend“, Sat)
  • karma-bandhe : die Bindung (Bandha) an das Gesetz von Ursache und Wirkung („Handlung“, Karman)     || 320 ||

Kommentar

Hier sagt Shankara sowie du gerade keine besondere Aufgabe hast, meditiere über das Unendliche, das Absolute. Und das ist auch ein guter Tipp für die Meditation. Denn in der Meditation hast du ja keine besondere karmische Aufgabe. Dort gilt es einfach zu sagen: „Ich bin das Unendliche, das Ewige, das unsterbliche Selbst.“ Meditiere darüber und wenn dein Geist jetzt während der Meditation dir den Vorschlag macht zwischendurch an dem heutigen Tag zu überlegen, was du machen sollst, zu reflektieren, was heute gewesen war oder gestern gewesen ist, wenn dein Geist dir vorschlägt über alles Mögliche nachzudenken, was noch deine Aufgaben sein könnten, dann sage deinem Geist, dass du jetzt gerade kein anderes Prarabdha Karma  hast, als zu meditieren. Du kannst ihm auch sagen, dass du dich nach der Meditation wieder ihm zuwendest. Probiere das mal aus. Du könntest auch so mit deinem Geist sprechen: „Danke für deinen Vorschlag mich jetzt damit zu beschäftigen. Aber Wiedervorlage um 9.00 Uhr.“ Und wann immer dein Geist dich fragt, was heute sein wird, was du heute machen kannst und wie du es machen sollst, sage: „Danke, lieber Geist, mich damit zu beschäftigen. Wiedervorlage um 9.00 Uhr.“ Und so sage das immer wieder.
Und indem du dir das immer wieder sagst, wenn gerade kein Prarabdha Karma da ist, werde ich über die unendliche Glückseligkeit meditieren, hilft dir das für die Meditation. Es ist ein kleiner Tipp für die Meditation, wann immer du meditierst und dein Geist sich beschäftigen will mit dem, was nicht Meditation ist, sage ihm: „Atha Meditation. Anderes später.“

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