Viveka Chudamani – Vers 286

Deutsche Übersetzung:

286. Weder im Schlaf noch in Gedanken an weltliche Dinge oder an Sinnesobjekten dich verlierend, vergiss keinen Augenblick das Höchste Selbst! Gedenke/ mediere/ verweile (chintaya) stets über atman in atman.

Sanskrit Text:

nidrāyā loka-vārttāyāḥ śabdāder api vismṛteḥ |
kva-cin nāvasaraṃ dattvā cintayātmānam ātmani || 286 ||

निद्राया लोकवार्त्तायाः शब्दादेरपि विस्मृतेः |
क्वचिन्नावसरं दत्त्वा चिन्तयात्मानमात्मनि || २८६ ||

nidraya loka-varttayah shabdader api vismriteh |
kva-chin navasaram dattva chintayatmanam atmani || 286 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • nidrāyāḥ : aufgrund von Schlaf (Nidra)
  • loka-vārttāyāḥ : aufgrund von weltlichen (Loka) Dingen („Neuigkeiten“, Vartta)
  • śabdādeḥ : aufgrund (der Sinnesobjekte wie) Klang (Shabda) usw. (Adi)
  • api : (oder) auch (Api)
  • vismṛteḥ : dem Vergessen (des Selbst, Vismriti)
  • kva-cit : zu irgend einer Zeit (Kvachid)
  • na : nicht (Na)
  • avasaram : Gelegenheit (Avasara)
  • dattvā : gebend („gegeben habend“, )
  • cintaya : meditiere (cint)
  • ātmānam : über das Selbst (Atman)
  • ātmani : im Geist (Atman)     || 286 ||

Kommentar

Vielleicht wirst du befördert, bekommst den Job, den du gerne hättest, verbunden mit mehr Gehalt, einem besseren Ansehen, vielleicht einem Dienstwagen, einem schönen oder größeren Büro, mehr Verantwortung, mehr Anforderungen. Wie solltest du damit umgehen? Shankara rät dir wie folgt:

nidrāyā loka-vārttāyāḥ śabdāder api vismṛteḥ |
kva-cin nāvasaraṃ dattvā cintayātmānam ātmani || 286 ||

„Weder im Schlaf noch in Gedanken an weltliche Dinge oder an Sinnesobjekten dich verlierend, vergiss keinen Augenblick das Höchste Selbst! Verweile stets über atman in atman.“

Wenn du also eine Beförderung bekommst, eine außergewöhnliche Aufgabe, weder jubiliere zu sehr noch mache dir zu viel Sorgen oder überlege, ob du geeignet bist, noch überlege, ob dich das in deiner spirituellen Praxis behindern würde.
Stattdessen sage: „Ich bin das unsterbliche Selbst. Körper und Psyche haben jetzt besondere Aufgaben bekommen. Das ist in ihrem Karma oder das ist der Wille von Ishvara, von Gott. Es ist der Wille der göttlichen Mutter. Ich werde es so gut tun, wie ich kann. Körper und Psyche werden es gut tun. Sie werden auch diese Rolle gut erfüllen, aber ich muss mir keine Sorgen machen. Sorgen sind überflüssig. Ich bin das unsterbliche Selbst, der Atman. Daher mache ich es, so gut ich kann.“
Vielleicht machst du dir trotzdem Sorgen, beobachtest die Aufregung. Das ist in Ordnung. Aber zwischendurch verweile im Selbst. Neue Aufgabe, neue Aufregung, neue Sorgen, neues Gefordert-Werden, das ist alles schön und gut. Der Körper und die Psyche reagieren darauf, aber du bist das unsterbliche Selbst. Und wenn du weißt, dass du das unsterbliche Selbst bist, dann hat das auch eine Wirkung auf Körper und Psyche und spüre dich zumindest zwischendurch als das unsterbliche Selbst hinter allen Wesen.

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