Viveka Chudamani – Vers 24

Deutsche Übersetzung:

24. Titiksha / Gleichmut / Geduld/ innere Stärke ist die Fähigkeit, alle Sorgen und alles Leid zu ertragen / auszuhalten, ohne den Gedanken an Rache, ohne Angst und Kummer, ohne Klagen.

Sanskrit Text:

sahanaṃ sarva-duḥkhānām apratīkāra-pūrvakam |
cintā-vilāpa-rahitaṃ sā titikṣā nigadyate || 24 ||

सहनं सर्वदुःखानामप्रतीकारपूर्वकम् |
चिन्ताविलापरहितं सा तितिक्षा निगद्यते || २४ ||

sahanam sarva-duhkhanam apratikara-purvakam |
chinta-vilapa-rahitam sa titiksha nigadyate || 24 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • sahanam : das Ertragen (Sahana)
  • sarva-duḥkhānām : jeglichen (Sarva) Leids (Duhkha)
  • apratīkāra-pūrvakam : verbunden mit (Purvaka) einer sich nicht widersetzenden Geisteshaltung (Apratikara)
  • cintā-vilāpa-rahitam : ohne (Rahita) Besorgtsein (Chinta) oder Wehklagen (Vilapa)
  • sā : das (Tad)
  • titikṣā : Duldsamkeit (Titiksha)
  • nigadyate : wird genannt (ni + gad)     || 24 ||

Kommentar

Titiksha ist eine wichtige Eigenschaft für einen spirituellen Aspiranten und geradezu ein Charakteristikum für den spirituellen Fortschritt. Wenn du wissen willst, ob du spirituellen Fortschritt gemacht hast frage dich, ob du Titiksha entwickelt hast.

Was ist Titiksha? Laut Shankaracharya ist Titiksha „Sahana“ – ertragen.
Was ist zu ertragen? – „sarvaduḥkhānām“, das Ertragen von jeder Form von Leid. „Sarva“ bedeutet übersetzt „alles“ und „duhkha“ heißt „Leid“.
Leid kommt. Es ist eine irrige Vorstellung zu glauben, dass du dich bloß gut verhalten brauchst, um alles Leid zu überwinden. Soviel Leid ist in dieser Welt. Menschen sind manchmal freundlich, zeitweilig unfreundlich. Du hast manchmal Erfolg, gelegentlich Misserfolg. Schönes oder weniger Schönes geschehen. Im Karma passiert viel, was du nicht magst, wie zum Beispiele Krankheit, Unfälle, Misserfolge, Scheitern, Kritik, Missachtung, Konflikte, Streitigkeiten. Das alles kommt.
Ein spiritueller Aspirant wird die Einstellung haben, daran wachsen zu wollen. Die sechs edlen Tugenden „Sama“, „Damah“, „Uparati“, „Titiksha“, „Shraddha“ und auch „Samadhana“ entwickeln wir, indem wir unseren Geist immer wieder auf das Ziel richten. Das Ziel ist die Gottverwirklichung, die Erleuchtung.

Auf dem Weg zur Gottverwirklichung kommen immer wieder weniger schöne Dinge. Ertrage das, was weniger schön ist, was schief geht. Wann immer etwas schiefgeht, freue dich darüber. Nehme es als wunderbare Gelegenheit Gleichmut zu entwickeln. Wenn dich jemand kritisiert, bedanke dich dafür. Nutze es als Gelegenheit Gleichmut zu entwickeln. Wenn etwas schiefgeht, wenn du krank wirst oder Schmerzen hast, bedanke dich dafür. Nutze es als Gelegenheit zum Wachstum. Das alles ist Titiksha.

Titiksha bedeutet auch das Aushalten von Hitze und Kälte. Wenn es plötzlich zu warm ist, lerne es auszuhalten, anstatt sofort eine Möglichkeit zu suchen, die Kühlung verspricht.
Oder wenn es dir zu kalt ist, lerne die Kälte auszuhalten, anstatt sofort die Heizung aufzudrehen. Auch wenn es nicht gut riecht, lerne es auszuhalten, anstatt sofort zu lüften. Wenn das Essen nicht gut schmeckt, lerne es auszuhalten, anstatt dich gleich zu beschweren.

Sorge selbstverständlich dafür, dass du gesunde Nahrung und eine gesunde Umgebung hast. Aber innerhalb von dem, was gesund und sattwig ist, lerne auszuhalten. Lerne insbesondere, die Wechselfälle des Lebens auszuhalten. Gerade das ist etwas besonders Wichtiges.

Überlege selbst, was ist für dich Titiksha? Wo willst du Titiksha weiterentwickeln? Was kannst du tun, um noch mehr Duldungskraft zu entwickeln und somit noch besser im Unendlichen verankert zu sein?

Wann immer dir das Schicksal etwas anbietet, was dir helfen kann zu wachsen, heiße es willkommen.
Titiksha – Duldungskraft, die Fähigkeit etwas zu ertragen – ist eine der wichtigen Eigenschaften, die du kultivieren solltest.

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