Viveka Chudamani – Vers 228

Deutsche Übersetzung:

228. Ein Krug, der aus Ton besteht, ist nichts anderes als Ton, weil er seiner Natur nach nur Ton ist. Der ganze Krug besteht nur aus Ton. Warum ihn also Krug nennen? Es ist einfach ein (falsch/unnötig) ausgedachter Name.

Sanskrit Text:

mṛt-kārya-bhūto’pi mṛdo na bhinnaḥ
kumbho’sti sarvatra tu mṛt-sva-rūpāt |
na kumbha-rūpaṃ pṛthag asti kumbhaḥ
kuto mṛṣā kalpita-nāma-mātraḥ || 228 ||

मृत्कार्यभूतो ऽपि मृदो न भिन्नः
कुम्भो ऽस्ति सर्वत्र तु मृत्स्वरूपात् |
न कुम्भरूपं पृथगस्ति कुम्भः
कुतो मृषा कल्पितनाममात्रः || २२८ ||

mrit-karya-bhuto’pi mrido na bhinnah
kumbho’sti sarvatra tu mrit-sva-rupat |
na kumbha-rupam prithag asti kumbhah
kuto mrisha kalpita-nama-matrah || 228 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • mṛt-kārya-bhūtaḥ : er ein Produkt (Karya) aus Ton (Mrid) ist („geworden ist“, Bhuta)
  • api : obwohl (Api)
  • mṛdaḥ : vom Ton (Mrid)
  • na : nicht (Na)
  • bhinnaḥ : verschieden (Bhinna)
  • kumbhaḥ : ein Krug (Kumbha)
  • asti : ist (Asti)
  • sarvatra : an jeder Stelle, überall (Sarvatra)
  • tu : doch (Tu)
  • mṛt-sva-rūpāt : vom Wesen (Svarupa) des Tons (Mrid)
  • na : nicht
  • kumbha-rūpam : die Form (Rupa) des Kruges (Kumbha)
  • pṛthak : verschieden (Prithak)
  • asti : ist
  • kumbhaḥ : Krug
  • kutaḥ : warum (heißt es dann, Kutas)
  • mṛṣā : irreführend („falsch“, Mrisha)
  • kalpita-nāma-mātraḥ : (das ist) nur (Matra) eine willkürliche („ausgedachte“, Kalpita) Benennung (Naman)     || 228 ||

Kommentar

Man könnte sagen, dass hinter verschiedenen Tontöpfen oder Tonkrügen nichts anderes ist als Ton.
Angenommen du hättest jetzt verschiedene Tonkrüge, einen kleinen, einen großen, einen sehr großen, dann könntest du sagen, dass du einen kleinen oder großen oder sehr großen Tonkrug hast. Der Tonkrug wurde irgendwann gemacht und wird irgendwann kaputtgehen. Und so gibt es Unterschiede, aber die verschiedenen Krüge sind alle nur aus Ton. In Wahrheit sind sie nur Ton. Wenn du dich auf das Krugsein beziehst, dann gibt es da Unterschiede. Wenn du dich aber auf die Tonhaftigkeit beziehst, dann ist alles gleich.
In diesem Sinne scheint das Universum Namen und Formen zu haben. Du könntest sagen: „Hier habe ich eine Uhr.“ Woraus besteht die Uhr? Die Uhr besteht aus Plastikarmband, Metall, Quarz und vielem mehr.
Woraus bestehen diese wiederum? Sie bestehen aus Protonen, Elektronen, Neutronen. Woraus bestehen Protonen, Elektronen, Neutronen? Es sind Wahrscheinlichkeitswolken. Und wovon hängen die Wahrscheinlichkeitswolken ab?
Letztlich hängen sie von Bewusstsein ab. So ist hinter dieser Uhr nur Bewusstsein. Was wäre die Welt ohne Bewusstsein? Letztlich ist die ganze Welt Bewusstsein.

Eine weitere Analogie ist der Traum.
Yogis, insbesondere die Vedantins sagen, dass die Welt wie ein Traum ist. In einem Traum besteht alles aus dem Bewusstsein des Träumenden.
Angenommen, du würdest jetzt gerade in diesem Moment träumen, dann wäre alles, was in dieser Traumwelt ist aus deinem eigenen Bewusstsein. Wenn du aufwachst, dann erkennst du, dass alles nur ein Traum war. Und Bewusstsein manifestiert sich als die Traumwelt.
So wie sich Tonerde als Krug manifestieren kann, als eine Plastik, die man daraus machen kann, eine Statue. Du könntest Heilerde daraus machen. Du könntest einen Untersetzer daraus machen, ein Tongefäß für Zimmerpflanzen usw. Das wäre alles nur Ton. Alles andere sind Namen und Formen in Zeit und Raum.
So ähnlich ist auch das Universum nichts anderes als Brahman. Es besteht aus der Ursubstanz von Bewusstsein. In Zeit und Raum scheint das Universum Namen und Formen zu haben und die Namen und Formen wechseln. Aber essentiell ist alles im Universum nur Brahman. Alles ist Brahman. Es gibt nichts, was nicht Brahman wäre. Wenn du das Universum anschaust, sei dir bewusst, dass alles Brahman ist. Spüre das. Wenn du jetzt die Namen und Formen anschaust, dann sei dir bewusst, dass sie Brahman sind. Überall ist Gott. Hinter allem steckt das Göttliche. Du kannst das Göttliche auch erfahren. Meditiere über egal was und du erfährst in allem das Göttliche. Geh vor einen Baum und spüre den Baum vom Herzen und das Göttliche leuchtet auf. Gehe irgendwo hin und dehne deine Bewusstheit in alle Richtungen aus, das Göttliche leuchtet auf.
Schaue einen Meister an, spüre seine Gegenwart, das Göttliche leuchtet auf. Schaue einen normalen Menschen an, verbinde dich, gehe über Zeit und Raum, vergiss die unterschiedlichen Körper und den unterschiedlichen Intellekt und die Persönlichkeit. Spüre die Essenz des anderen Menschen, Brahman leuchtet auf. Es gibt nur eine unendliche Wirklichkeit. Erfahre das – jetzt.

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