Viveka Chudamani – Vers 216

Deutsche Übersetzung:

216. Das Selbst ist sein eigener Zeuge, da es nur durch sich selbst wahrgenommen wird. Daher ist das Selbst selbst das höchste Brahman und nichts anderes.

Sanskrit Text:

asau sva-sākṣiko bhāvo yataḥ svenānubhūyate |
ataḥ paraṃ svayaṃ sākṣāt pratyag-ātmā na cetaraḥ || 216 ||

असौ स्वसाक्षिको भावो यतः स्वेनानुभूयते |
अतः परं स्वयं साक्षात्प्रत्यगात्मा न चेतरः || २१६ ||

asau svasakshiko bhavo yatah svenanubhuyate |
atah param svayam sakshat pratyag-atma na chetarah || 216 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • asau : er (Adas)
  • sva-sākṣikaḥ : (ist) sein eigener (Sva) Zeuge (Sakshika)
  • bhāvaḥ : er eine Wesenheit (ist, Bhava)
  • yataḥ : weil (Yatas)
  • svena : von sich selbst (Sva)
  • anubhūyate : (die) wahrgenommen wird (anu + bhū)
  • ataḥ : daher, deshalb (Atas)
  • param : (ist) das Höchste, Absolute (Para)
  • svayam : selbst (Svayam)
  • sākṣāt : leibhaftig, unmittelbar (Sakshat)
  • pratyag-ātmā : die Individualseele (Pratyagatman)
  • na : nicht (Na)
  • ca : und (Cha)
  • itaraḥ : etwas anderes („ein anderer“, Itara)     || 216 ||

Kommentar

Om Namah Shivaya und herzlich willkommen zu einer Vortragsreihe zum Viveka Chudamani zum Kleinod der Unterscheidung, zum Kronjuwel der Unterscheidung, einem der wichtigsten Texte über Vedanta. Das Werk wird der Shankaracharya Tradition zugeschrieben. Shankaracharya war der große Jnana Yogi.
Viveka Chudamani hat Viveka, die Unterscheidungskraft, zum Thema. Die Unterscheidung zwischen dem Selbst und dem Nichtselbst. Wir sind gerade beim 216. Vers. Mein Name ist Sukadev von www.yoga-vidya.de
Hier spricht Shankara von der Unterscheidung vom Selbst und vom Nichtselbst. Einige dutzende Verse hat Shankara über das Nichtselbst geschrieben. Jetzt schreibt er über das Selbst. Wer bin ich? Der Schüler hat im Viveka Chudamani seinem Guru, seinem Meister die Frage gestellt, wie man überhaupt das Selbst verwirklichen kann. Wenn ich das Selbst verwirkliche, dann bin ich derjenige, der das Selbst verwirklicht. Dann wird das Selbst auch wieder ein Objekt und was ein Objekt ist, kann ich nicht sein. Woher weiß ich, wer ich wirklich bin? Wie ist das Selbst verwirklichbar?

Shankara schreibt hier:
asau svasakshiko bhavo yatah svenanubhuyate |
atah param svayam sakshat pratyag-atma na chetarah

Asau – er (das Selbst) sva-sākṣikaḥ – (ist) sein eigener (Sva) Zeuge (Sakshika). Also das Selbst ist der Beobachter von sich selbst yataḥ – weil (Yatas) bhāvaḥ – er eine Wesenheit (ist, Bhava) svena – von sich selbst (Sva) wahrgenommen werden kann – anubhūyate.
Das Selbst ist eine Wesenheit, die nur durch sich selbst heraus wahrgenommen werden kann, denn das Selbst ist der Beobachter von sich selbst.
Ataḥ – daher, deshalb (Atas) param – (ist) das Höchste, Absolute (Para) svayam – selbst (Svayam) sākṣāt – leibhaftig, unmittelbar (Sakshat) pratyag-ātmā – die Individualseele ist es nicht. Und auch nicht irgendetwas anderes na ca itarah.
Das wahre Selbst ist das Selbst und dieses Selbst kann nur vom Selbst wahrgenommen werden bzw. der Ausdruck wahrgenommen werden ist auch wieder falsch, denn das Selbst ist ja kein Objekt, deshalb kann es auch nicht wahrgenommen sein. Aber du kannst der Zeuge sein von dem, was du wahrhaftig bist. Es ist schwierig, zu beschreiben und du merkst es an den Versen von Shankara, dass er sich auch schwertut. Was ist das Selbst?
Das Selbst kann nicht wahrgenommen werden. Das Selbst ist kein Objekt. Das Selbst hat keinen Anfang oder Ende, denn wenn es einen Anfang hätte, dann gäbe es jemanden, der den Anfang wahrnehmen würde. Wenn es ein Ende gäbe, dann gäbe es jemanden, der das Ende wahrnimmt und der, der wahrnimmt, ist das Selbst und nicht das Wahrgenommene.
In diesem Sinne kann das Selbst nicht von der individuellen Seele wahrgenommen werden. Das Selbst ist Bewusstsein an sich und dieses Bewusstsein ist Zeuge, dass das Selbst Bewusstsein ist. Ihr könnt schauen, was der Guru in den nächsten Versen sagt, welche Worte Shankara dem Guru in den Mund legen wird.

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