Viveka Chudamani – Vers 14

Deutsche Übersetzung:

14. Der Erfolg des spirituellen Suchers (adhikari) hängt von seiner Reife und nicht von Ort und Zeit ab, sie sind lediglich Hilfsmittel auf dem Weg.

Sanskrit Text:

adhikāriṇam āśāste phala-siddhir viśeṣataḥ |
upāyā deśa-kālādyāḥ santy asmin saha-kāriṇaḥ || 14 ||

अधिकारिणमाशास्ते फलसिद्धिर्विशेषतः |
उपाया देशकालाद्याः सन्त्यस्मिन्सहकारिणः || १४ ||

adhikarinam ashaste phala-siddhir visheshatah |
upaya desha-kaladyah santy asmin saha-karinah || 14 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • adhikāriṇam : vom qualifizierten Schüler (Adhikarin)
  • āśāste : hängt ab („ist angewiesen auf“, ā + śās)
  • phala-siddhiḥ : der Erfolg (Phalasiddhi)
  • viśeṣataḥ : insbesondere (Visheshatas)
  • upāyāḥ : (solche) Faktoren („Mittel“, Upaya)
  • deśa-kālādyāḥ : (wie) Ort (Desha), Zeit (Kala) usw. (Adya)
  • santi : sind (as)
  • asmin : hierbei (Idam)
  • saha-kāriṇaḥ : Hilfsmittel (Sahakarin)     || 14 ||

Kommentar

Was macht dich zu einem guten Schüler?
Und wann bist du bereit, zur Gottverwirklichung zu kommen?
Wovon hängt das ab? – Shankaracharya erklärt, dass es von der Reife abhängt.

Wovon hängt diese Reife ab? – Sie hängt nicht von Faktoren wie Ort, Zeit und so weiter ab.
Was heißt Ort? – Manche Aspiranten leben in einem Ashram, andere in einer Familie. Einige haben einen Beruf, andere sind gerade in Rente. Das sind verschiedene Zustände. Manche praktizieren vielleicht schon seit 20 oder 30 Jahren.

Ist es ausschlaggebend, ob jemand ein fortgeschrittener Schüler ist? – Shankaracharya verneint. Die Reife muss nichts damit zu tun haben. Er war selber jemand, der die Gottverwirklichung in jungen Jahren im Alter von 17, 18 oder 19 Jahren erreicht hat. Später wurde er der Lehrer von anderen, die seit Jahrzehnten praktizierten, und führte diese zur Verwirklichung.

Shankara wusste, dass das Alter oder die Menge an Praxis nicht das ist, was „den Erfolg des spirituellen Suchers“ bestimmt. Zudem machen die Menschen, die im Ashram leben, nicht unbedingt schnellere Fortschritte. Das sind Hilfsmittel. Es ist gut, lange Zeit zu praktizieren, in einem Ashram zu leben, über einen längeren Zeitraum spirituell zu praktizieren. Aber achte darauf, dass Deine Praxis nicht mechanisch ist.

Die Reife der spirituellen Praktiken hängt auch davon ab, mit welcher Intensität Du praktizierst. Es gibt durchaus Fälle von Menschen, welche in einem früheren Leben spirituell schon sehr weit gekommen sind, und deshalb in diesem Leben zügig vorankommen.

Verlasse Dich somit nicht auf äußerlich günstige Umstände. Verlasse dich nicht darauf, dass Du schon seit Jahren praktizierst. Sondern praktiziere mit Intensität, frage Dich „Wer bin ich?“, erkenne Dein Selbst und sei frei. Wenn du schon längere Zeit auf dem Weg bist, intensiviere Deine Praktiken, Deine Hingabe. Mache das, was du machst, mit vollem Bewusstsein. Verlasse Dich nicht allein auf mechanisches Praktizieren.

Natürlich ist eine längere Praxis hilfreich. Und wenn Du noch neu auf dem Weg bist, denke nicht, Du wärst noch nicht bereit. Verschiebe das nicht, übe, praktiziere, frage Dich „Wer bin ich?“, erkenne Dein Selbst und sei frei. In späteren Versen erläutert uns Shankaracharya noch, was das genau bedeutet. Er ermahnt uns, dass Gottverwirklichung, Selbstverwirklichung sehr wichtig sei und dass ein mechanisches Praktizieren nicht ausreiche.

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