Viveka Chudamani – Vers 117

Deutsche Übersetzung:

117. Makellose Reinheit (sattva) ist klar wie Wasser, aber wenn sie mit rajas und tamas vermischt wird, führt sie zum Kreislauf von Geburt und Tod. Wenn sich das Licht der Seele /des wahren Selbst in sattva / in Reinheit widerspiegelt, erleuchtet es die ganze Welt der Materie / die ganze physische Welt wie die Sonne.

Sanskrit Text:

sattvaṃ viśuddhaṃ jalavat tathāpi
tābhyāṃ militvā saraṇāya kalpate |
yatrātma-bimbaḥ pratibimbitaḥ san
prakāśayaty arka ivākhilaṃ jaḍam || 117 ||

सत्त्वं विशुद्धं जलवत्तथापि
ताभ्यां मिलित्वा सरणाय कल्पते |
यत्रात्मबिम्बः प्रतिबिम्बितः सन्
प्रकाशयत्यर्क इवाखिलं जडम् || ११७ ||

sattvam vishuddham jalavat tathapi
tabhyam militva saranaya kalpate |
yatratma-bimbah pratibimbitah san
prakashayaty arka ivakhilam jadam || 117 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • sattvam : (obwohl) die Güte (Sattva)
  • viśuddham : rein, klar (Vishuddha) ist
  • jala-vat : wie (Vat) Wasser (Jala)
  • tathāpi : trotzdem (Tatha Api)
  • tābhyām : mit jenen beiden (anderen, Tad)
  • militvā : vermischt („sich vereinigt habend“, mil)
  • saraṇāya : den Daseinswandel („das Laufen“, Sarana)
  • kalpate : bewirkt (kḷp)
  • yatra : wenn darin („worin“, Yatra)
  • ātma-bimbaḥ : ein Spiegelbild (Bimba) des Selbst (Atman)
  • pratibimbitaḥ : reflektiert (Pratibimbita)
  • san : wird („seiend“, Sat)
  • prakāśayati : es bringt zur Erscheinung („beleuchtet“, pra + kāś)
  • arkaḥ : die Sonne (Arka)
  • iva : wie (Iva)
  • akhila : die gesamte (Akhila)
  • jaḍam : materielle Welt („das Empfindungslose“, Jada)     || 117 ||

Kommentar

Shankaracharya bezieht sich hier auf Raja Yoga, dort sagt Patanjali: Yoga, citta, vritti nirodha. Yoga ist das zur Ruhe bringen der Gedanken im Geist. Sind die Gedanken zur Ruhe gebracht, dann ruht der Sehende in seinem wahren Wesen. Ist der Geist ganz klar, dann erfährst du dein wahres Selbst. Daher ist es wichtig deinen Geist zur Ruhe zu bringen. Wenn du deinen Geist wirklich zur Ruhe bringst, dann erfährst du dein wahres Wesen. Sattva ist etwas Ähnliches.
Angenommen du hast einen See, der See ist trüb, dann siehst du nicht den Schatz am Grund des Sees. Es ist alles sehr morastisch. Das ist tamas. Die zweite Möglichkeit ist der See, der ist sehr unruhig. Diese Unruhe des Sees ist rajas. Wenn der See sehr unruhig ist, siehst du den Schatz auf dem Grund nicht. Aber Wenn der See sehr klar und ruhig ist, dann siehst du den Schatz. In diesem Sinne empfiehlt Shankaracharya: Mache deinen Geist so ruhig wie einen See. Wenn du deinen Geist so ruhig machst wie einen See und dabei nach innen gehst, dann erfährst du dein Selbst. Genauso wenn du ganz sattvig bist, siehst du auch das Selbst überall. Angenommen du bist unruhig, wird dich alles mögliche beunruhigen. Angenommen du bist niedergeschlagen. Dann wirst du ständig irgendwelche neue Gründe für Niedergeschlagenheit haben. Deshalb bringt es auch nichts, zu denken: Warum geht es mir nicht gut? Wenn du überlegst, warum es dir nicht gut geht, wirst du viele Gründe dafür finden. Wichtiger als neue Gründe zu finden ist es wichtiger: Wie kann ich mich darum kümmern, dass es mir wieder gut geht?

In diesem Sinne empfiehlt Shankaracharya: Mache dein Leben sattvig. Wenn du dein Leben sattvig machst, erfährst du auch dein wahres Wesen. Wie machst du dein Leben sattvig? In dem du dich sattvig ernährst. Verzichte auf Fleisch, Fisch, Alkohol, Drogen, Zigaretten. Oder mach es noch sattviger. Verzichte auf zu viel Zucker, Weißmehlprodukte, Zwiebeln, Knoblauch, Pilze, industriell zubereitete Lebensmittel. All das macht den Geist entweder träge und grobstofflich oder zusätzlich unruhig. Sei sattvig in deinen Praktiken, wenn du Asanas und Pranayama machst, erzeugst du ein sattva in deinem eigenen Geist. In dem du dein Prana sattvig machst, die Nadis, die Energiekanäle und Chakras öffnest. All das hilft, dass du das Selbst sehen kannst. Sprich auf sattvige Weise. Gebrauche keine Schimpfwörter, schimpfe nicht über andere Menschen. Auch höhere sattvige Musik. Keine melancholische Musik oder die Sinne aufpeitschende Musik, sondern Musik die dich erhebt und den Geist leicht macht. Gestalte deine Wohnung sattvig. Erhebende Bilder, helle Farben, etwas wenn du in die Wohnung kommst, fühlst du dich irgendwie erhaben. Vielleicht ein Bild eines Meisters. Eine schöne Landschaft. Ein Bild eines Tempels, Heiligen, deines Gurus, ein Aspekt Gottes, ein Symbol. All das hilft dir dort irgendwie sattvig zu sein. Mache deinen Geist sattvig. Dann fällt es dir einfacher das Selbst zu erfahren. Jetzt überlege selbst. Wo könnte ich mein Leben sattviger gestalten. Wo wäre es gut mit mir und anderen sattviger umzugehen.

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