Kapitel 4, Vers 29

Deutsche Übersetzung:

Gibt man selbst den Wunsch nach dem höchsten Bewußtseinszustand auf und übt Unterscheidungskraft, erreicht man dharma-megha-samadhi.

Sanskrit Text:

prasaṁkhyāne-‚py-akusīdasya sarvathā vivekakhyāteḥ dharma-meghas-samādhiḥ ||29||

प्रसंख्यानेऽप्यकुसीदस्य सर्वथा विवेकख्यातेः धर्ममेघस्समाधिः ॥२९॥

prasankhyane ‚py akusidasya sarvatha vivekakhyateh dharma meghas samadhih ||29||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • prasaṁkhyāne = tiefe Erkenntnis
  • api = sogar
  • akusīdasya = kein Interesse, Wunschlosigkeit
  • sarvathā = auf jede Weise, zu allen Zeiten, fortwährend, immer
  • viveka = Unterscheidungskraft
  • khyāti = folgend aus
  • dharma = Tugend, Kosmische Ordnung, Pflicht im Leben, Aufgabe im Leben
  • meghaḥ = Wolke, Regenwolke
  • dharma-meghaḥ = Herabströmen des Dharmas
  • samādhiḥ = überbewusster Zustand, Samadhi

Kommentar

Wenn man schließlich sogar den Wunsch nach Befreiung aufgegeben hat, erreicht man nicht nur normalen samadhi, sondern megha-Samadhi, ja sogar dharma-megha-Samadhi. Dharma-megha heißt wörtlich „Wolke der Tugend“. In diesem Zustand weiß man, was das Richtige ist, was das eigene dharma, die eigene Aufgabe, die eigene Pflicht, ist.

Das Hauptmittel zur Befreiung ist der Wunsch nach Befreiung. Aber er ist gleichzeitig auch das letzte Hindernis. Ganz zum Schluß, wenn wir sehr weit entwickelt sind, müssen wir auch den Wunsch nach Befreiung aufgeben. Dann sind wir befreit. Das mag paradox klingen.

Wenn du zum Beispiel aufs Dach steigen willst, was benutzt du? – Eine Leiter. Das Mittel, um aufs Dach zu steigen, ist eine Leiter. Und was mußt du als letztes tun, um wirklich auf das Dach zu kommen? – Die Leiter verlassen. Das letzte Hindernis vor der Berührung des Daches ist die letzte Stufe der Leiter und vielleicht auch die Sicherheit der Leiter.

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