Kapitel 4, Vers 10

Deutsche Übersetzung:

Sie (die Wünsche, Eindrücke) haben keinen Anfang, denn der Wunsch zu leben ist ewig.

Sanskrit Text:

tāsām-anāditvaṁ cāśiṣo nityatvāt ||10||

तासामनादित्वं चाशिषो नित्यत्वात् ॥१०॥

tasam anaditvam chashisho nityatvat ||10||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • tāsām = sie, von denen
  • anāditvaṁ = kein Anfang
  • ca = und, auch
  • āśiṣaḥ = der Wunsch zu leben
  • nityatvāt = von Ewigkeit, von Dauer

Kommentar

Deshalb heißt es, diese maya, die Welt der Täuschung, ist anadi, ohne Anfang. Wünsche haben keinen Anfang. Die maya hat keinen Anfang.

Stelle dir als Analogie die Traumwelt vor. Wann hat die Handlung deines Traumes angefangen? Angenommen, du träumst, du wärst Wissenschaftler und wolltest nun analysieren und zurückverfolgen, wie alt diese Traumwelt ist. Wann hat sie angefangen? Manche Menschen halten es für absolut phantastisch, wenn sie im Traum innerhalb weniger Minuten einen Zeitraum von zwanzig Jahren erlebt haben. Aber das ist ein Irrtum. In Wirklichkeit träumen sie innerhalb von ein paar Minuten Milliarden und Abermilliarden von Jahren. Denn wir träumen von der fertigen Welt und die Welt ist Milliarden oder Billionen oder Trillionen Jahre alt.

Die Schöpfung hat aber glücklicherweise ein Ende. Wann nämlich? Wann hat die Schöpfung ein Ende? Dann wenn das eintritt, was der Name dieses Kapitels ist – kaivalya, Befreiung. Ist die Befreiung erreicht, dann verschwindet die Welt für uns. Dann erkennen wir: Es gab die Welt nicht wirklich.

Wann hat die Traumwelt ein Ende? – Wenn wir aufwachen. Was passiert dann mit den ganzen Menschen im Traum? Hast du dir das schon mal überlegt? Man hatte einen Traum mit so vielen Menschen, Tieren, Pflanzen, Gebäuden und allem möglichen. Was passiert damit, wenn wir aufwachen? – Es verschwindet für uns. Genauso ist es, wenn man die Selbstverwirklichung erreicht. Als Zwischenzustand gibt es noch jivanmukta (lebendig Befreiter), wo man zwar die Welt noch so sieht wie die anderen, aber gleichzeitig weiß: In Wirklichkeit bin ich reines Bewußtsein.

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