Kapitel 3, Vers 39

Deutsche Übersetzung:

Durch Meisterung des udana entsteht die Fähigkeit, nicht von Wasser, Schmutz, Dornen etc. berührt zu werden sowie Levitation.

Sanskrit Text:

udāna-jayāat jala-paṇkha-kaṇṭakādiṣv-asaṅgo-‚tkrāntiśca ||39||

उदानजयाअत् जलपण्खकण्टकादिष्वसङ्गोऽत्क्रान्तिश्च ॥३९॥

udana jayaat jala pankha kantakadishv asango ‚tkrantischa ||39||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • udāna = eines der fünf Prânas, Lebensströme
  • jayāt = Meisterung
  • jala = Wasser
  • paṇkha = Moor, Sumpf, Schlamm
  • kaṇṭaka = Dornen
  • ādiṣu = und so weiter, und andere
  • asaṅgaḥ = kein Kontakt, Unberührbarkeit
  • utkrānti = aufwärts steigen, nach oben fliegen, leicht sein
  • ca = und

Kommentar

Die Verse im dritten Kapitel geben jeweils Techniken für bestimmte Kräfte an. Gleichzeitig sind sie auch mantras. Durch die Wiederholung des mantras mit voller Konzentration und Glauben an seine Macht entfalten sich die durch das mantra beschriebenen Qualitäten. Man kann also entweder die beschriebene Technik benutzen oder das mantra wiederholen. Dieses wäre also zum Beispiel das „Flugmantra“.

In diesem Vers besteht die Technik darin, udana zu meistern. Udana, die Energie hinter den Steuerungssystemen des Körpers, hinter dem Nervensystem, verantwortlich für Schlafen, Träumen, das Verlassen des physischen Körpers mit dem Astralkörper sowohl im Moment des Schlafens als auch bei der Meditation oder Tiefenentspannung als auch im Moment des Todes, ist eines der fünf Hauptpranas (siehe Kommentar zu II 38).

Und hier sagt Patanjali interessanterweise, durch Meisterung dieses udanas entsteht Levitation. Udana vayu ist, wie gesagt, dazu da, den physischen Körper zu verlassen, ist eigentlich mehr verantwortlich für den Astralkörper als für den physischen Körper. Von daher würde man eher dazu neigen anzunehmen, daß damit weniger die körperliche Levitation gemeint ist als vielmehr die Fähigkeit, mit dem Astralkörper den physischen Körper zu verlassen. Das wiederum ist eine Erfahrung, die viele Menschen schon gemacht haben. Wahrscheinlich haben etwa 20% aller langjährig Yoga und Meditation Übenden schon die Erfahrung gemacht, ihren Körper verlassen zu haben. Wer udana meistert, kann das bewußt herbeiführen.

Aber es mag sein, daß sich auch der physische Körper erheben kann. Ich habe das zwar noch nie erlebt, außer Hüpfen – aber Hüpfen ist eben Hüpfen und keine Levitation. Aber es gibt Beschreibungen, wo es manchen Menschen passiert sein soll. Dem Padre Pio soll das ab und zu mal geschehen sein. Und auch vom heiligen Franziskus gibt es Geschichten, nach denen er sich während des Gottesdienstes erhoben und plötzlich ein, zwei Meter über dem Boden geschwebt haben soll. Und von einem anderen Heiligen heißt es, er habe sich immer Backsteine oder Metall in die Taschen gesteckt, weil es ihm unangenehm war, während des Gottesdienstes zu schweben.

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