Kapitel 2, Vers 55

Deutsche Übersetzung:

So entsteht die höchste Meisterschaft über die Sinne.

Sanskrit Text:

tataḥ paramā-vaśyatā indriyāṇām ||55||

ततः परमावश्यता इन्द्रियाणाम् ॥५५॥

tatah parama vashyata indriyanam ||55||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • tata = dann, davon, daraus, so
  • paramā = höchste, größte
  • vaśya = Herrschaft, Macht, Kontrolle
  • indriya = über die Sinne, Wahrnehmungsorgane

Kommentar

Wenn wir in der Lage sind, den Geist immer dann, wenn die Sinne nach außen gehen, wieder zurückzuziehen und innen zu behalten, so lange wir wollen, ist es pratyahara.

Volles pratyahara ist auch, wenn über uns jemand mit dem Schlagbohrer bohrt, während wir in der Meditation sitzen und wir es nicht merken.

Da gibt es ein Ereignis aus dem Leben von Swami Sivananda. Einmal sagte er, er wolle den ganzen Tag hauptsächlich meditieren und deshalb nicht ins Büro kommen. Seine Schüler dachten in diesem Moment nicht mehr daran, daß das der Tag war, an dem die Straße gemacht werden sollte, die direkt an Swami Sivanandas kutir (Hütte) vorbeiführte. Den ganzen Tag arbeiteten die Straßenbauer also dort mit dem Preßlufthammer und allem, was so mit dem Straßenbau zusammenhängt. Am Abend, als Swami Sivananda zum satsang (gemeinsame Meditation) kam, entschuldigten sich die Schüler, daß sie ihn nicht vorgewarnt hatten. Er fragt, wieso und wovor. „Na ja, die Straßenarbeiten …“ Swami Sivananda sagte: „Ich habe nichts gehört“ und war wirklich total erstaunt, als sie ihm das sagten. Er war nicht nur höflich, sondern er hatte tatsächlich nichts gehört. Er hatte einen Preßlufthammer direkt neben seinem Meditationsraum nicht gehört. Das ist pratyahara in Vollendung.

Dieses Beispiel soll uns nun nicht frustrieren ob unseres eigenen Entwicklungsstandes, sondern uns zeigen, daß wir auch irgendwann einmal so weit kommen werden. Auch wir werden diesen Zustand erreichen. Wenn wir üben.

Zusammenfassung

Das zweite Kapitel hat drei Hauptthemen:

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