Kapitel 2, Vers 5

Deutsche Übersetzung:

Durch avidya (Unwissenheit) hält man das Vergängliche, Unreine, Leidvolle, das Nicht-Selbst fälschlicherweise für das Ewige, Reine, Freudvolle, das Selbst.

Sanskrit Text:

anityā-aśuci-duḥkha-anātmasu nitya-śuci-sukha-ātmakhyātir-avidyā ||5||

अनित्याशुचिदुःखानात्मसु नित्यशुचिसुखात्मख्यातिरविद्या ॥५॥

anitya ashuchi duhkha anatmasu nitya shuchi sukha atmakhyatir avidya ||5||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • anitya = Vergängliches, Unbeständiges
  • aśuci = Unreines, nicht Sauberes
  • duḥkha = Schmerz, Leid, Elend
  • an = nicht
  • ātma = das wahre Selbst
  • anātma = das nicht wahre Selbst, also das wandelbare Chitta
  • nitya = Beständiges, Ewiges
  • śuci = Reines, Sauberes
  • sukha = Glück, Glück bringend
  • ātma = das wahre Selbst, Drashtu
  • khyāti = Erkennen, Wissen, Bewusstsein
  • avidyā = Unwissen, Verwechslung, Mangel an Erkenntnisfähigkeit

Kommentar

Der Körper ist voller Unreinheiten, schmerzvoll und nicht das Selbst. Aber wir denken: Ich bin der Körper. Und die wenigsten rechnen damit, daß sie sterben werden. Sie halten den Körper für rein, für gut, für ewig. In einer Umfrage wurden Menschen gefragt, ob sie lieber zu Hause oder im Krankenhaus sterben wollen. Die meisten sagten: „Wenn ich schon sterben muß, dann lieber zu Hause.“– als ob das die Frage wäre. Man stirbt ganz sicher irgendwann (körperlich)!

Wenn wir einmal pro Woche shank prakshalama (Magen-/Darmreinigung) machen, oft fasten, nur biologisch-organisches Gemüse in optimalen Abstimmungen essen, jeden Tag neti, dhauti, basti u.s.w. machen würden, würden wir zwar den Körper recht rein halten, aber irgendwann stirbt er trotzdem. Der Körper bemüht sich von Natur aus, rein zu bleiben. Durch verschiedene Reinigungspraktiken versuchen wir, ihn dabei zu unterstützen. Die meisten Menschen machen aber eher das Gegenteil. Sie muten ihrem Körper alle möglichen schlimmen Sachen zu, und das führt eben zu Unreinheiten. Denn die Natur hat nicht vorgesehen, daß wir alle möglichen Konservierungs-, Geschmacks-, Aroma- und Farbstoffe zu uns nehmen; die Natur hat nicht vorgesehen, daß wir die Luft vergiften und sie dann einatmen; die Natur hat nicht vorgesehen, daß wir unseren Körper zum Grab von Tierleichenteilen machen. Das alles führt zu allen möglichen Unreinheiten.

Und wie mit unserem Körper, identifizieren wir uns auch mit unserer Persönlichkeit, mit unseren Talenten, Fähigkeiten, Neigungen: „So bin ich halt“.

Man hält das Schmerzvolle für das Gute, Freudvolle. Alles Sinnliche ist letztlich nicht wirklich freudvoll, aber man denkt, dies oder jenes zu erreichen, müßte freudvoll sein.

Das sind Beispiele für avidya, Unwissenheit, fälschliche Ansicht.

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