Kapitel 2, Vers 14

Deutsche Übersetzung:

Sie haben Vergnügen oder Schmerz als ihre Frucht, je nachdem, ob ihre Ursache Tugend oder Laster ist.

Sanskrit Text:

te hlāda paritāpa-phalāḥ puṇya-apuṇya-hetutvāt ||14||

ते ह्लाद परितापफलाः पुण्यापुण्यहेतुत्वात् ॥१४॥

te hlada paritapa phalah punya apunya hetutvat ||14||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • te = sie
  • hlāda = vergnüglich, genussvoll
  • paritāpa = schmerzhaft, leidvoll
  • phalāḥ = Frucht, Gereiftes, Reife
  • puṇya = erfolgreich, verdienstvoll
  • apuṇya = missglückt
  • hetutvāt = Ursache, verursacht durch

Kommentar

Wenn wir aus einer positiven Motivation heraus handeln, andern etwas Gutes tun wollen und uns dabei mit der Handlung identifizieren, uns toll fühlen, weil wir etwas so Großartiges gemacht haben, dann führt das zu Vergnügen.

Wenn wir handeln, um einem anderen Menschen zu schaden, eins auszuwischen: „Das lasse ich mir nicht gefallen, dem werde ich’s zeigen“, am besten hinten herum, damit es keiner merkt, um seine Existenz zu zerstören – erschießen werden wir ja hoffentlich in unserer Gesellschaft niemanden, aber jemanden schlecht zu machen oder zu versuchen, ihm das wegzunehmen, was ihm am liebsten ist, das ist durchaus verbreitet –, wenn also das die Motivation der Handlung ist, dann führt das in der Konsequenz zu Schmerz.

Es gibt positives und negatives karma. Das gilt aber nur für Nicht-Yogis. In IV 7 sagt Patanjali: „Für einen Yogi ist karma weder weiß noch schwarz, für andere ist es dreifach.“

Normalerweise gibt es gutes, schlechtes und gemischtes karma. Wenn man eine Million Euro in der Lotterie gewinnt, ist das gutes oder schlechtes karma? Üblicherweise hält man das für Glück. Wenn man tiefer blickt, kann es aber eher negativ sein. Eine Studie über Lottomillionäre hat herausgefunden, daß bei ihnen die Selbstmordquote besonders groß ist. Es gibt fast keine Bevölkerungsschicht mit einer so hohen Selbstmordrate. Als Grund wird angenommen, daß Lottomillionäre schlagartig aus ihrem sozialen Umfeld herausgerissen werden. Sie gestalten ihr Leben um, ihr Selbstbild ist nicht mehr das gleiche, sie können ihren Freunden nicht mehr trauen, vernachlässigen ihre bisherigen Freunde oder werden von ihnen verlassen, und schließlich fühlen sie sich vollkommen unglücklich. Ausnahmen sind insbesondere diejenigen, die einen großen Teil ihres Gewinns gespendet oder trotz des Gewinnes ihr Leben nicht in großem Stil verändert haben. Dieses Beispiel zeigt, daß das, was man positives karma nennen würde und was die Menschen millionenfach anstreben, eigentlich gar kein Glück ist.

Oder umgekehrt: Was ist normalerweise ein offensichtliches Unglück? Beispielsweise, wenn man nach Hause kommt und es wurde eingebrochen: Fernseher, Radio, Stereoanlage, Schmuck, alles materiell Wertvolle ist weg. Das erscheint als Unglück. Aber vielleicht ist es in Wirklichkeit ein Glück.

Für einen Yogi gibt es weder positives noch negatives karma. Er nimmt mit Gelassenheit alles an, was kommt, und versucht, etwas daraus zu lernen, daran zu wachsen.

Nun folgt ein Vers, den wir gar nicht gerne hören:

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