Kapitel 1, Vers 31

Deutsche Übersetzung:

Schmerz, Depression, Nervosität und unregelmäßige Atmung sind die Symptome eines zerstreuten Geistes.

Sanskrit Text:

duḥkha-daurmanasya-aṅgamejayatva-śvāsapraśvāsāḥ vikṣepa sahabhuvaḥ ||31||

दुःखदौर्मनस्याङ्गमेजयत्वश्वासप्रश्वासाः विक्षेप सहभुवः ॥३१॥

duhkha daurmanasya angamejayatva shvasaprashvasah vikshepa sahabhuvah ||31||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • duḥkha = Schmerz, Leiden
  • daurmanasya = Trübsinn, Traurigkeit, Depression
  • aṅgam = Glieder, Körper
  • ejayatva = Unruhe
  • aṅgamejayatva = Nervosität
  • śvāsa-praśvāsa = Ein- und Ausatmung, unruhige Atmung
  • vikṣepa = Zerstreuung, Unruhe, Trübung
  • sahabhuva = Begleiterscheinungen, Symptome

 

Kommentar

Das sind die Folgen, die Symptome, an denen man die oben erwähnten Hindernisse erkennen kann. Manchmal ist man sich dieser Hindernisse nämlich gar nicht bewußt. Der menschliche Geist begründet ja oft alles mögliche rational. So kann es passieren, daß man gar nicht erkennt, daß man momentan einem Hindernis begegnet, sondern denkt, man hätte eine sehr kluge Ansicht. Und hier gibt Patanjali vier Tips, wie man herausfinden kann, ob man sich gerade auf dem Holzweg befindet:

Geistiger Schmerz und Depression sind beides nicht sehr positive Gemütszustände. Geistiger Schmerz meint Zerrissenheit, ein manifestes Leiden. Depression bedeutet Niedergeschlagenheit, sich kaputt fühlen.

Physische Nervosität kann man mit einem Test herausfinden: Man streckt den Arm gerade nach vorne aus und schaut, wie ruhig die Hand ist.

Physische Unruhe und unregelmäßige Atmung kann man bei sich selbst und bei anderen beobachten. Wenn man es zum Beispiel mit einem Menschen zu tun hat, der ganz unruhig und nur im oberen Brustbereich atmet, dann kann man diesem Menschen zunächst mit Logik nicht beikommen. Er wird in dem Moment nicht logisch mit einem sprechen können. Man muß, wenn es geht, erst versuchen, ihn zu beruhigen. Wenn möglich, versucht man, ihn zu trösten, zu verstehen, Liebe zu zeigen. Wenn das wegen der Art der Beziehung nicht möglich ist, dann faßt man ihn eher mit Samthandschuhen an, ist freundlich, schickt positive Gedanken und beachtet es nicht zu sehr, wenn er irgendwelche komischen Geschichten erzählt. Denn er ist, um mit Patanjali zu sprechen, momentan in einem verwirrten Geisteszustand, vikshepa.

Wenn man eines dieser Symptome bei sich feststellt, weiß man: Ich stehe irgendwo an einem Hindernis. Dann kann man die Schwierigkeiten dahinter suchen und anschließend etwas tun, um sie zu beseitigen.

Patanjali gibt in den nächsten Vers Techniken an, wie man diese Hindernisse beseitigen kann. Im 2. Kapitel führt er das noch weiter.

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