Kapitel 1, Vers 23

Deutsche Übersetzung:

(Schneller Erfolg kommt) auch durch Hingabe an Gott.

Sanskrit Text:

īśvara-praṇidhānād-vā ||23||

ईश्वरप्रणिधानाद्वा ॥२३॥

ishvara pranidhanad va ||23||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • īśvara = Gott
  • pranidhāna = Hingabe
  • vā = oder, auch

 

Kommentar

Hier erscheint erstmals das Konzept von ishvara, Gott. Patanjali erläutert nicht weiter, wer oder was Gott ist. Denn das Raja-Yoga-System beruht auf der samkhya-Philosophie, einem der sechs klassischen Philosophiesysteme. Samkhya ist eigentlich ein atheistisches System, in dem zwar nicht gesagt wird, daß es keinen Gott gibt, sondern das Thema wird einfach nicht erwähnt.

Patanjali als Praktiker hat nun aber beobachtet, daß Menschen, die einen starken Glauben an Gott haben, Gott verehren und Gott hingegeben sind, die Selbstverwirklichung sehr schnell erreichen. Hingabe an Gott ist eine der schnellsten Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung. Und er hat auch festgestellt, daß längst nicht alle Menschen, die Gott verehren, zur Befreiung kommen, sondern daß es einer bestimmten Einstellung dazu bedarf. Es gab immer schon auch in Indien Menschen, deren Glauben eher fanatisch oder nur rein äußerlich war. Allerdings wurden Religionszwistigkeiten in der Regel über Diskussionen ausgetragen. Bis zum Einfall der Moslems waren Religionskriege in Indien relativ unbekannt. Aber fanatischer oder nicht-verinnerlichter Glaube führt eben nicht zur Befreiung.

Deshalb hat Patanjali beobachtet und definiert, wie die Gottesverehrung beschaffen sein muß, bei der man die Befreiung erreicht:

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