Bhakti Sutra 77

narada-bhakti-sutra-77

Deutsche Übersetzung

Obwohl dem Bhakta genug Zeit zur Verfügung steht, da er frei von Vergnügungen und Leid, von Wunsch und Erwerb geworden ist, geziemt es sich nicht für ihn, auch nur eine halbe Sekunde zu vergeuden.

Sanskrit Text

  • sukhaduḥkhecchālābhādityakte kāle pratīkṣyamāṇe kṣaṇārdham api vyarthaṃ na neyam ।। 77 ।।
  • सुखदुःखेच्छालाभादित्यक्ते काले प्रतीक्ष्यमाणे क्षणार्धमपि व्यर्थं न नेयम् ।। ७७ ।।
  • sukhaduhkhechchhalabhadityakte kale pratikshyamane kshanardham api vyartham na neyam || 77 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • sukha-duḥkhecchā-lābhādi-tyakte : frei („verlassen“, Tyakta) von Freud (Sukha) und Leid (Duhkha), Wunsch (Ichchha) und Erlangung (Labha) usw. (Adi)
  • kāle : (angesichts) der Zeit (Kala)
  • pratīkṣyamāṇe : die erwartet wird (prati + īkṣ)
  • kṣaṇārdham : ein halber (Ardha) Augenblick (Kshana)
  • api : auch, sogar (Api)
  • vyartham : nutzlos, auf nutzlose Weise (Vyartha)
  • na : nicht (Na)
  • neyam :  soll verbracht werden („ist zu verbringen“, Neya)     ।। 77 ।।

Kommentar von Sukadev Bretz

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Hier geht es um den Wert der Zeit. Heutzutage wird ja ständig gesagt, ich habe keine Zeit. Ich habe keine Zeit für dieses, ich habe keine Zeit für jenes. So viel machen Menschen, haben keine Zeit. Narada sagt hier: Der Bhakta hat genug Zeit. Du kannst nun sagen, was weiß denn der Narada über die heutige Zeit? Der hat vor ein paar tausend Jahren gelebt, da hatten die Menschen viel Zeit. Na, aber bevor du das einfach so ablehnst und sagst, das trifft nicht auf mich zu, überlege selbst. Narada sagt, er hat genug Zeit zur Verfügung, da er frei von Vergnügen und Leid, von Wunsch und Erwerb geworden ist. Gut, du kannst überlegen, wie viele Vergnügungen suche ich, wieviel Zeit verbringe ich damit, irgendwelche speziellen Nahrungsmittel zu kaufen, einfach, die ich nur mag? Wieviel Zeit verbringe ich damit, einfach besonders schöne Kleidung zu kaufen? Wieviel Zeit verbringe ich in irgendwelchen Internetmedien, in denen es nicht nur um Spiritualität geht? Ich weiß, wenn du das jetzt liest, bist du gerade im Internet. Das ist gut. Aber wieviel Zeit verbringst du im Internet mit irgendwelchen unsinnigen Sachen?

Also unsinnig im Sinne, die nicht hilfreich sind, Bhakti weiter zu entwickeln. Oder wieviel Zeit verbringst Du mit den Renovierungen deines Appartements, mit der Einrichtung deines Hauses, mit dem Warten deines Autos usw. Wenn du all das kappst, was du nicht wirklich brauchst, um uneigennützig zu dienen und vielleicht deinen Lebensunterhalt zu verdienen, um Gott zu verehren, hast du viel Zeit. Also, wenn du dort wirklich konsequent bist, hast du viel Zeit, sagt Narada. Und dann sagt er, trotzdem sollte man auch nicht eine halbe Sekunde vergeuden. Also, nutze deine Zeit! Nicht dumm rumhängen! Nicht irgendwo deine Zeit totschlagen! Nicht, irgendwelche Posts machen, um möglichst viele Facebook-Likes zu bekommen usw.

Also – es kann sein, dass du diesen Beitrag in ein paar Jahren liest und dann gibt es Facebook nicht mehr, aber 2014 war Facebook ein großes Phänomen und so viele Yogaübende verschwenden Stunden am Tag oder mindestens eine oder eine halbe Stunde am Tag mit unsinnigen Facebook-Sachen. Manche nutzen auch Facebook, um Yoga zu verbreiten. Wir haben doch bei Yoga Vidya einen Mitarbeiter, der 8 Stunden am Tag damit beschäftigt ist, gute Nachrichten auf Facebook zu verbreiten. Ich will das Medium jetzt nicht schlecht machen. Aber Du kannst überlegen, wieviel Zeit verbringst du dort? Vergeude nicht eine halbe Sekunde! Überlege, was tu ich heute, was habe ich heute getan, was werde ich tun? Was davon ist vergeudete Zeit? Jede Zeit, die du nicht verbringst im Sadhana, deiner spirituellen Praxis, im Seva, im uneigennützigen Dienen ist letztlich vergeudet. Lass das sein! Das braucht es nicht, ist überflüssig! Gottesliebe ist das Wichtigste.

An manchen Stellen ist Narada radikal und ich lasse mich jetzt auch mal inspirieren, in dem Zusammenhang selbst so radikal zu werden. Obgleich ich meistens in meinen Vorträgen im Ashram in Bad Meinberg eher freundlicher spreche. Aber man muss auch mal konsequent sein! Und wirklich, das kannst du zum Anlass nehmen. Wie verbringst du deine Zeit? Ist wirklich jede Sekunde damit verbracht, spirituelle Praktiken zu tun, uneigennützig zu dienen? Natürlich ist es wichtig, meinen Broterwerb zu sichern, natürlich ist es wichtig, mich um meine Familie zu kümmern. Das alles ist wichtig. Aber alles andere ist überflüssig. Lass es sein, das braucht es nicht!

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