Bhakti Sutra 56

narada-bhakti-sutra-56

Deutsche Übersetzung

Es gibt drei Arten anfänglicher Hingabe, je nachdem, welche der drei Gunas – Sattva, Rajas oder Tamas – im Gemüt des Suchenden vorherrscht und auch je nach dem Beweggrund, aus dem er sich Gott hingibt.

Sanskrit Text

  • gauṇī tridhā guṇabhedād ārtādibhedād vā ।। 56 ।।
  • गौणी त्रिधा गुणभेदादार्तादिभेदाद्वा ।। ५६ ।।
  • gauni tridha gunabhedad artadibhedad va || 56 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • gauṇī : sekundäre (d.h. Bhakti von untergeordnetem Rang, Gauna)
  • tridhā : (ist) von dreifacher Art (Tridha)
  • guṇa-bhedāt : aufgrund der Unterscheidung (Bheda) der (drei) Qualitäten (Guna)
  • ārtādi-bhedāt : aufgrund der Unterscheidung (der Bhaktas) in den Leidenden (Arta) usw. (Adi)
  • vā : beziehungsweise („oder“, Va)     ।। 56 ।।

Kommentar von Sukadev Bretz

Lesen

Im 56. Vers spricht Narada über drei Arten anfänglicher Hingabe. Vorher hat er von der höchsten Hingabe gesprochen. Aber es gilt natürlich auch, uns da abzuholen, wo wir uns gerade befinden. Es gibt sattvige, rajassige und tamassige Gründe für Bhakti. Auch Krishna spricht davon in der Bhagavad Gita: „Es gibt vier Arten von Menschen, die nach Mir streben. Diejenigen, die aus dem Leid herauskommen wollen, diejenigen, die etwas erwerben wollen, diejenigen, die Wissen erwerben wollen und die vierte ist die, die Gott aus Liebe heraus lieben.“

Über die vierte Art von Liebe hat Narada in den vorigen Versen gesprochen. Jetzt sagt er, es gibt drei andere. Angenommen du leidest, du leidest, weil dir etwas abhanden gekommen ist, weil du deinen Job verloren hast oder weil du jemanden verloren hast, der dir sehr wertvoll ist, weil es eine Trennung gab, weil du eine tiefe Enttäuschung erlebt hast, weil du im Burnout bist, weil du Ängste hast usw. So viele Gründe für das Leiden, vielleicht auch, weil du eine schwere Krankheit hast. Wenn du dich aus diesem Leid heraus an Gott wendest, dann ist das eine Bhakti, die aus einem tamassigen Gemütszustand entsteht. So würde es jetzt Narada sagen.

Es ist in jedem Fall gut, dich an Gott zu wenden. Swami Vishnu hat immer wieder Menschen gehabt, die ihm ihr Leid geklagt haben. In schweren Krisen, persönlichen Krisen, emotionalen Krisen usw. Swami Vishnu sagte dann gerne: „Wende dich an die göttliche Mutter, oder wende dich an den Meister oder wende dich an Gott. Schütte dein Herz vor Gott aus und bitte ihn um Hilfe und Führung.“ Und das hat oft mehr bewirkt als jeder psychologische Ratschlag. Von ganzem Herzen sich an Gott zu wenden, wenn es einem nicht so gut geht, das hilft, in Bhakti zu wachsen. Und das hilft dann auch, aus der Krise herauszukommen. Wenn du an irgendetwas leidest, richte deinen Geist ganz an Gott. Bete zu ihm.

Die zweite ist die rajassige Form der Hingabe. Du willst etwas von Gott. Du willst, dass Gott dir hilft, einen besseren Job zu finden, du bittest Gott darum, dass er dir eine schönere Wohnung schenkt. Du bittest Gott darum, ein Kind zu bekommen oder was auch immer es sein mag, du hast einen Wunsch. Es ist gut, sich mit seinen Wünschen an Gott zu wenden. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich als kleines Kind eine solche Hingabe an Gott hatte. Ich bin gern in den Kindergottesdienst gegangen und habe Gott darum gebeten, mir eine gute Note zu geben. Ich habe ihm versprochen: „Wenn du mir eine gute Note gibst, dann gebe ich dir eine bestimmte Anzahl von Pfennigen und werde nächsten Sonntag wieder in der Kirche sein.“ Und da ich relativ häufig gute Noten geschrieben hatte und Großvater und Großmutter mir für gute Noten immer etwas Geld gegeben haben, so ist dieses dann zu einem großen Teil im Kindergottesdienstbeutel gelandet. Ich war dann dankbar zu Gott. Glücklicherweise ist dann aus dieser kindlichen Gottesverehrung eine tiefere spirituelle Erfahrung entstanden. So konnte ich das feststellen, was auch Swami Venkatesananda in einem seiner Bücher schreibt: „Es ist gut, sich auch mit seinen Wünschen an Gott zu wenden.“ Wenn du etwas von Gott willst, so wende dich an Gott. Besser du wendest dich an Gott als an jemand anderen, oder auch besser du wendest dich an Gott, als es irgendwo zu erzwingen. Natürlich muss man sich dann auch engagieren. Auch ich habe mich als Kind bemüht, gute Noten zu schreiben und dabei habe ich um die Hilfe Gottes gebeten. Wenn du etwas willst, selbst wenn es etwas Rajassiges ist, auch wenn Narada vorher gesagt hat, man soll alle egoistischen Wünsche aufgeben, und wenn dir genau das nicht gelingt, dann übe anfängliche Stufen von Bhakti. Wende dich an Gott, bitte Gott um Hilfe, wenn du etwas brauchst.

Und dann gibt es noch sattwige, anfängliche Bhakti. D.h., du kannst Gott darum bitten, auf dem spirituellen Weg voranzukommen. Du kannst Gott um Hilfe auf dem spirituellen Weg bitten. Du kannst sagen: „Oh Gott, sende mir dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten. Bitte gib mir die Kraft, regelmäßig mit Asanas, Pranayama und Meditation zu sein. Bitte hilf mir engagiert im uneigennützigen dienen zu sein. Bitte hilft mir über meine Wünsche hinauszuwachsen.“ Das ist ein sattwiger Mensch, der den Wunsch nach Gottverwirklichung hat.

Sogar über dieses hinaus ist die reine Bhakti. Die Gottesliebe um der Liebe willen. Die Gottesliebe, die einfach da ist. Das ist die Paramabhakti, die höchste Bhakti. Aber solange du noch nicht Paramabhakti hast, kannst du Sadhana üben. Das sind spirituelle Praktiken, um die Bereitschaft zu entwickeln, dass sich die göttliche Liebe in dir offenbaren kann. Darüber hat Narada schon gesprochen. Und du kannst dich auch in anderen Anliegen an Gott wenden. Wenn du leidest, wende dich an Gott. Bitte Gott um das Lösen des Leidens. Wenn du etwas willst, wende dich auch dafür an Gott. Sage: „Oh Gott, wenn es so sein soll, bitte hilf mir, dass es geschieht, aber nicht mein Wille, dein Wille geschehe.“ Wende dich an Gott für alles, was du brauchst. Aber dann sag: „Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.“

Heutzutage geben Menschen gern ihre Wünsche an das Universum. Für manche Menschen ist das Universum ihr Gott. Das kannst du tun. Krishna sagt: „In was auch immer für Formen Menschen mich verehren, in der Form werde ich erscheinen.“ Du kannst die Wünsche hineingeben und dann loslassen, abgeben. Bitte Gott um Hilfe aus deinem spirituellen Weg. Bitte Gott um Stärke auf deinem spirituellen Weg. Bitte Gott, dass du regelmäßig bist und dass du intensiv praktizieren kannst. So wirst du dich Gott immer mehr und in schnellen Schritten nähern.

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