Bhakti Sutra 27

Narada Bhakti Sutra 27

Deutsche Übersetzung

Bhakti steht auch am höchsten, weil Gott der Eigendünkel mißfällt und Er die Demut liebt.

Sanskrit Text

  • īśvarasyāpy abhimānadveṣitvād dainyapriyatvāc ca ।। 27 ।।
  • ईश्वरस्याप्यभिमानद्वेषित्वाद्दैन्यप्रियत्वाच्च ।। २७ ।।
  • ishvarasyapy abhimanadveshitvad dainyapriyatvach cha || 27 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • īśvarasya : dem Herrn, Gott (Ishvara)
  • api : auch (Api)
  • abhimāna-dveṣitvāt : weil Eigendünkel (Abhimana) zuwider (Dveshin) ist
  • dainya-priyatvāt : weil Demut („Armut“, Dainya) lieb (Priya) ist
  • ca : und (Cha)      ।। 27 ।।

Kommentar von Sukadev Bretz

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Ein Problem vieler Yogawege ist , dass sie zum Eigendünkel führen können. Zum Hochmut, zum Stolz, zur Eitelkeit. Angenommen du übst Karma Yoga und du machst das tatsächlich gut, dir gelingt es vielleicht ein großes Yogazentrum aufzubauen, viele Schüler zu inspirieren, viele Menschen zum Yoga zu inspirieren und das Zentrum floriert. Es gibt eine kleine Gefahr. Die Gefahr ist, dass du denkst: Ich bin doch ein toller Mensch. Soviel Gutes bewirke ich. Viele Menschen loben dich und vielleicht verehren sie dich sogar. Vielleicht nicht so wie in Indien, wo sie dir Blumen überreichen würden, aber sie sagen es dir und du bemerkst es an ihren leuchtenden Augen. Bhakti kann helfen, dort kein Dünkel zu bekommen, keine Eitelkeit aufkommem zu lassen. Du weißt, nicht du bist es, der das Zentrum führt, Gott wirkt durch dich. Auch nicht in dem Sinne: „Ah, ich bin der Diener Gottes“. Gott wirkt durch alle. Du machst es aus Hingabe an Gott, du siehst in allen Menschen Gott und du spürst Gott hinter dir. Dann bleibst du demütig. Und du weißt auch, Gott gibt dir vieles und Gott nimmt dir auch vieles. Du kannst in allem Gott sehen.

Wenn du dich für eine gemeinnützige Initiative besonders engagierst, indem du z.B. eine Nachbarschaftshilfe für Asylanten aufbaust. Du weißt, es gibt ein Asylantenheim, welches gerade gegründet wird und Menschen kommen dorthin, die Grausames erlebt haben, traumatisierte Personen. Du gehst dort hin, sprichst auch mit anderen in der Nachbarschaft und du bemühst dich, diesen Menschen Gutes zu tun. Und es gelingt dir, tatsächlich, deren Herzen zu öffnen, dann ist das etwas Wichtiges. Wenn du all dies jedoch mit Dünkel tust und denkst, was du für ein großartiger Mensch bist, dann ist es nicht so gut. Wenn du es mit Bhakti siehst, Gott kommt zu dir, in der Gestalt dieser Flüchtlinge, die vor Leiden geflohen sind und jetzt deine Hilfe brauchen. Gott will durch dich wirken. Dann kannst du es mit Demut tun. Und du bemerkst, dass nicht du das tust, sondern Gott wirkt durch dich. Du weißt auch, es gibt so viel mehr, was es zu tun gibt, aber du weißt auch, mehr kannst du mit diesem Körper nicht machen. Gott hat noch andere Körper, durch die er auch wirken kann.

Genauso könnte auch Jnana zu Dünkel führen. Angenommen du kannst genau die Viveka Chudamani und Atma Bodha zitieren und du kennst auch Aparoksha Anubhuti, und die Upanishaden, du kennst das Yoga Vasishta, du kennnst die verschiedenen Nyamas und du weißt was Jahadajahallakshana und Bhagatyaga Lakshana ist, die fortgeschrittene Terminologie des Vedanta, das kann dir zu Kopf steigen. Wenn du aber weißt, all das Jnana ist etwas um mehr Liebe und Hingabe zu spüren, und du weißt, alle Worte sind nur Konzepte, dann bleibst du demütig. Und wenn du viel Yoga übst, den Kopfstand kennst oder wenn du die Schriften zitieren kannst, ganz korrekt in allen Sanskritworten, 3 Stunden am Stück sitzen kannst, du könntest dir etwas darauf einbilden.

Du kannst aber auch sagen, das sind alles Mittel, um Gottesliebe zu erfahren. Dann bleibst du demütig, denn du bittest darum: „Oh Gott bitte hilf mir, dich zu erfahren. In der Meditation, in meinen Asanas, in Pranayama. Und du hast diese Sehnsucht nach mehr Gott. Das ist der große Vorteil von Bhakti, die Liebe zu Gott, die Hingabe zu Gott und daher auch etwas, wo du demütig bleiben kannst.
Auch im Bhakti könntest du Eigendünkel haben. Auch Bhakti selbst ist nicht frei davon. Es gibt genügend Fanatiker, die meinen: „Nur ich habe den richtigen Weg zu Gott gefunden.“ Und es gibt genügend, die aus diesem eingebildet sein meinen, sie seien die Einzigen, die Gott richtig verstanden haben und dann gewalttätig werden. Leider ist selbst die Hingabe zu Gott nicht frei von Verfehlungen. Egal was du tust, so lange du deine Liebe zu Gott und zu den Menschen entfaltest und stärkst, bist du auf einem guten Weg. Wenn Arroganz kommt und auch Feindseligkeit, dann bist du auf einem falschen Weg.

Es ist ganz einfach. Übe Yoga, übe Jnana, übe Kharma immer mehr und immer tiefer, und übe Bhakti. Und spüre immer mehr Liebe zu Gott. Immer mehr Liebe zu Menschen, zu den Schöpfungen und zur Schöpfung.

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