Bhakti Sutra 24

Narada Bhakti Sutra 24

Deutsche Übersetzung

In jener Sinneslust besteht das eigene Glück in keiner Weise darin, den Geliebten glücklich zu machen.

Sanskrit Text

  • nāsty eva tasmiṃs tatsukhasukhitvam ।। 24 ।।
  • नास्त्येव तस्मिंस्तत्सुखसुखित्वम् ।। २४ ।।
  • nasty eva tasmims tatsukhasukhitvam || 24 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • na : nicht (Na)
  • asti : es ist, es gibt (Asti)
  • eva : gewiss, wahrlich (Eva)
  • tasmin : in dieser (niederen Art von Liebe, Tad)
  • tat-sukha-sukhitvam : das Glücklichsein, Wohlbehagen (Sukhitva) über das Glück (Sukha) des (anderen, Tad)  ।। 24 ।।

Kommentar von Sukadev Bretz

Lesen

Narada hat über die Liebe der Gopis zu Krishna gesprochen. Und die Liebe der Gopis, der Kuhhirtinnen, zu Krishna war durchaus auch eine sinnliche Liebe. Sie haben Krishna geliebt, seine Gestalt geliebt, seine Stimme geliebt, sein Flötenspiel geliebt. Sie wollten mit ihm eins sein, ihn umarmen.

Es gibt auch das sogenannte Rasalila, wo in einer Vollmondnacht Krishna mit der Flöte gespielt hat. Die Gopis sind aus ihren Hütten und Zelten gekommen und zu Krishna gegangen. Krishna hat sich vervielfältigt und so hatte jede Gopi das Gefühl, das Krishna mit ihr zusammen war – so haben viele Gopis viele Krishnas gespürt. Sie haben zusammen getanzt, sie waren voller Freude und Hingabe. Irgendwann haben die Gopis gedacht, daß Krishna jetzt nur mit ihr zusammen ist. Sie haben nicht gesehen, dass Krishna auch mit den anderen Gopis war. Ich muss besser sein als die anderen Gopis, weil Krishna mit mir ist, dachten sie. In dem Moment wo dieser Stolz auf kam, war Krishna verschwunden. Es gab nur eine einzige Gopi, die nicht so dachte und das war Radha. Radha war so voller Liebe zu Krishna, dass sie nicht an sich selbst dachte. Und deshalb war die Verschmelzung von Radha und Krishna so bedingungslos und vollständig.

Hier schreibt Narada über Sinneslust. Er hatte vorher gesagt, die Liebe der Gopis zu Krishna war keine reine Sinneslust. Wenn es eine reine Sinneslust gewesen wäre, dann wäre sie egoistisch. Reine Sinneslust besteht nicht darin, den Geliebten glücklich zu machen. So beschreibt er auch, wie du Sinneslust in göttliche Liebe umwandeln kannst. Angenommen du liebst einen bestimmten Menschen, dann ist vielleicht auch Sinneslust dabei. Wenn diese Sinneslust darauf aus ist, dass nur du selbst Befriedigung haben willst, dann ist es keine reine Liebe. Dann ist es eine egoistische Liebe. Wenn du in Sinneslust deinen Partner oder deine Partnerin auch glücklich machen willst, dann ist es Prema, dann ist es Liebe. Und in dieser Liebe, auch zwischen Mann und Frau, kannst du spüren, da ist göttliche Liebe. Der eine macht den anderen glücklich und zusammen spürt man dort göttliche Liebe.

So ist auch menschliche Liebe letztlich ein Abbild göttlicher Liebe. Eine uneigennützige Liebe zu einem  Menschen, und das ist jetzt nicht nur zwischen Mann und Frau. Es kann auch zu jemandem sein, dem es schlecht geht, das kann zu jemandem sein, mit dem du zu tun hast, ein Kollege, ein Nachbarskind, das kann jemand sein, dem du hilfst. So wie deine Liebe darin besteht einen anderen glücklich zu machen, ist dort eine göttliche Liebe dahinter. Und auch das ist Bhakti. Etwas zu tun für einen anderen Menschen, in dem Bewusstsein, du tust damit etwas für Gott. Auch das ist eine Form von Bhakti.

Uneigennützige Nächstenliebe ist Gottesdienst. So wie auch Jesus gesagt hat: „Was du getan hast für den geringsten deiner Brüder und Schwestern, das hast du für mich getan.“ Und so manifestiert sich Gott in all denen, mit denen du zu tun hast. Wenn du zu jedem Menschen eine uneigennützige Liebe hast, zumindest mal bei dem ein oder anderen beginnst und dich bemühst, andere glücklich zu machen, dann hast du auch Bhakti, den Beginn von Hingabe zu Gott.

So kannst du jetzt auch überlegen, wo du vielleicht eine Liebe zu anderen Menschen weiter kultivieren kannst. Damit du noch mehr darauf achten kannst, wie kann ich einen anderen glücklich machen? Und wie kann ich die Liebe, die ich zu einem anderen Menschen habe, als Teil der Gottesliebe, als Teil der Bhakti sehen?

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