Bhakti Sutra 21

Narada Bhakti Sutra 21

Deutsche Übersetzung

Wie die Gopis von Vraja sie hatten.

Sanskrit Text

  • yathā vrajagopikānām ।। 21 ।।
  • यथा व्रजगोपिकानाम् ।। २१ ।।
  • yatha vrajagopikanam || 21 ||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • yathā : wie (die Hingabe, Yatha)
  • vraja-gopikānām : der Kuhhirtinnen (Hirtenmädchen, Gopika) aus der Gegend von Vraja     ।। 21 ।।

Kommentar von Sukadev Bretz

Lesen

Wir sind im 21. Vers des Bhakti Sutra. Narada hatte vorher beschrieben, was die Merkmale göttlicher Liebe sind. „Wenn alle Gedanken, alle Worte, alle Handlungen Gott hingegeben sind, und wenn man sich bereits durch geringfügiges vergessen von Gott äußerst unglücklich fühlt, dann hat die Liebe begonnen.“ Es gibt Beispiele solch vollkommener Liebe, das waren der 19. und 20. Vers. Und jetzt gibt er ein Beispiel, nämlich die Gopis von Vraja.

Krishna wuchs in einem Hirtenstamm auf. In einem Stamm von Gopis, das sind Kuhhirtinnen und Gopas, das sind Kuhhirten. Es war ein Nomadenstamm, der an der Yamuna lebte. Yamuna der heilige Fluß, der bei Allahabad, Triveni in die Ganga, in den Ganges, mündet. Yamuna gilt auch als Schwester von Yama. An den Ufern des heiligen Flusses lebte dieser Hirtenstamm, der den Fluss auf und ab zog. Und dort gab es Gopis und Gopas. Und die Gopis sind in großer Liebe zu Krishna entflammt. Sie hatten bemerkt, dass Krishna eine Manifestation Gottes war. Sie wollten Krishna spüren. Sie wollten Krishnas Liebe spüren. Sie wollten eins werden mit Krishna. Die Liebe der Gopis zu Krishna ist unbeschreiblich. Es gibt viele Geschichten darüber. Es heißt z.B., dass die Gopis eine solche Liebe zu Krishna hatten, dass sie Krishna heiraten wollten.

Um Krishna heiraten zu können, gingen sie jeden Morgen von vier bis sechs Uhr in die Yamuna. Sie standen dort hüfthoch im Wasser und rezitierten ein Mantra, welches man rezitiert, um jemanden zum Mann zu bekommen. Sie rezitierten das jeden Morgen und das Lustige war, dass sie eine ganze Reihe von Gopis waren, ein paar Dutzend, die dort friedlich nebeneinander standen und alle gemeinsam darum beteten, Krishna als Mann bekommen zu können.

Es gibt dazu auch eine weitere Geschichte. Eines Tages kam Krishna vorbei und er sah, dass die Gopis alle im Fluss waren. Diesmal nicht nur hüftbreit, sondern bis zur Kehle. Sie hatten ihre Kleidung alle am Ufer. Krishna nahm ihre Kleidung, band sie alle zusammen, ging dann auf einen Baum und begann mit der Flöte zu spielen. Die Gopis hörten die Flöte, sahen Krishna und sie wollten zu Krishna hingehen, aber sie waren nackt. Und so dachten sie: „Wir können jetzt nicht aus dem Wasser gehen, denn es ist unzüchtig, dass ein Mann uns nackt sieht.“ Sie sagten Krishna: „Krishna, schau mal in eine andere Richtung, dann können wir die Kleider holen.“ Und Krishna sagte: „Eure Kleider sind hier oben, ihr müsst kommen und sie euch holen.“ Die Gopis wollten zuerst nicht rausgehen, und sie schimpften mit Krishna und Krishna spielte die Flöte. Irgendwann kamen die Gopis dann gezwungenermaßen doch heraus. Sie kamen zu Krishna und Krishna warf ihnen die Kleider herunter und sagte kurz: „Ihr wollt mich heiraten. Aber ihr denkt, dass ich ein physischer Körper bin und deshalb habt ihr Scham vor mir. Aber ich bin nicht der physische Körper, ich bin die Weltenseele. Mich zu heiraten heißt nicht den Körper zu heiraten, mich zu heiraten heißt, mich als das höchste Wesen aller Wesen zu sehen. Und damit bin ich weder Mann, noch seid ihr Frau. Heirat des Menschen zu Gott heißt bedingungslose Liebe jenseits von allem.

Ab diesem Moment verstanden die Gopis, Krishna war kein Mann und sie waren keine Frau. Sie waren letztlich die Verehrerinnen Gottes, und Krishna war die Manifestation Gottes. Und sie wollten Gott spüren, Krishna spüren, aber nie vergessen, dass Krishna Gott war.

Es gibt so viele Geschichten um die Gopis und Narada wird im Bhakti Sutra die ein oder andere erwähnen. Um Bhakti zu entwickeln, ist es hilfreich auch Geschichten über Bhaktas zu hören. Die Gopis gehören dazu, und das Mysterium der Liebe der Gopis um Krishna ist bis heute eines, daß die Herzen der Menschen erfüllt und mit großer Hingabe füllen kann.

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