1. Kapitel, Vers 21

Deutsche Übersetzung:

An die Innenseite der Knie und Oberschenkel beide Fußsohlen richtig platziert, | mit geradem Körper sitzend, dieses wird Svastikasana genannt.

Sanskrit Text:

  • jānūrvor antare samyak kṛtvā pāda-tale ubhe |
    ṛju-kāyaḥ samāsīnaḥ svastikaṁ tat pracakṣate ||21||
  • जानूर्वोरन्तरे सम्यक्कृत्वा पादतले उभे ।
    ऋजुकायः समासीनः स्वस्तिकं तत्प्रचक्षते ॥२१॥
  • janurvor antare samyak kritva pada tale ubhe |
    riju kayah samasinah svastikam tat prachakshate ||21||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • jānu* : Knie (Janu)
  • ūrvoḥ : (und) Oberschenkel (Uru)
  • antare : zwischen (Antara)
  • samyak : auf die rechte Weise (Samyak)
  • kṛtvā : gebracht („gemacht“) habend (kṛ)
  • pāda-tale : Fußsohlen (PadaTala)
  • ubhe : beide (Ubha)
  • ṛju : (mit) aufrechtem (Riju)
  • kāyaḥ : Körper (Kaya)
  • samāsīnaḥ : sitzend (Samasina)
  • svastikaṁ : Svastika („gekreuzter Sitz, der Glückbringende“)
  • tad : das, diese (Sitzposition, Tad)
  • pracakṣate : nennt man (pra + cakṣ)    ||21||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt, dass mit „Knie“ (Janu) der in der Nähe (Samnihita) des Knies befindliche Teil (Pradesha) des Unterschenkels (Jangha) gemeint ist: jānu-saṃnihito jaṅghā-pradeśaḥ.

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

21. Nachdem er kräftig beide Riste zwischen die Oberschenkel und die Waden der Beine gelegt hat, sollte er aufrecht auf einem ebenen Platz sitzen. Das ist Swastikasana.

Das ist einer der meditativen Stellungen. Beugt das rechte Knie und bringt den Fuß heran. Macht dasselbe mit dem linken, wobei ihr es über das rechte Bein bringt. Dann bringt die Zehen des linken Fußes zwischen rechte Wade und Oberschenkel.

Sukadev

21. Nachdem er kräftig beide Riste zwischen die Oberschenkel und die Waden der Beine gelegt hat, sollte er aufrecht auf einem ebenen Platz sitzen. Das ist Swastikasana.

Die Swastika ist ein Symbol, das in unseren Breiten ziemlich missbraucht worden ist. Ihr findet die Swastika in verschiedensten indischen Bildern. Und es steht eigentlich für Wohlwollen. Und deshalb sind gerade Ganesha und Lakshmi die Aspekte, die am meisten mit Swastikas bemalt sind. Auch Saraswati. Hier im Ashram haben wir die meisten Bilder, die wir öffentlich aufhängen und die Swastika hatten, mit Tippex übertüncht, weil die deutsche Geschichte dem Hakenkreuz eine andere Konnotation gegeben hat, und wir da keine Missverständnisse erzeugen wollen. Man liest immer Gegenrichtung, aber es stimmt nicht. Die Sanskrit-Swastikas sind immer im Uhrzeigersinn, die Nazi-Swastikas sind meistens im Uhrzeigersinn. Bei den Nazis gab’s sowohl mit dem Uhrzeigersinn wie gegen den Uhrzeigersinn, es gab sie diagonal und gerade. Die indischen Meister erzählen immer, auch der Swami Vishnu hat das so gesagt, dass die Nazis das umgedreht hätten, aber leider stimmt’s nicht, die sehen genau so aus. Gut, das ist also Swastikasana. Swastikasana ist eine der Meditationshaltungen. Ihr müsst jetzt verstehen, wenn der Swatmarama jetzt einige Asanas aufzählt, das heißt jetzt nicht, dass das die wichtigsten sind. Er hat sie sogar bewusst so aufgezählt, dass man daraus unmöglich eine Asanareihe basteln kann. Ihm kommt’s nur darauf an, so ein paar Asanas zu erwähnen. Und bei ein paar dieser Asanas zu erklären, wie sie wirken und Konzentrationshilfen zu geben.

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1. Kapitel, Vers 22

Deutsche Übersetzung:

Der rechte Knöchel soll an die Seite des linken Gesäßes platziert werden. | Anschließend bei dem rechten [Gesäß] analog dazu der linke [Knöchel]. Das wird Gomukhasana genannt, weil es aussieht wie ein Kuhkopf.

Sanskrit Text:

  • savye dakṣiṇa-gulphaṁ tu pṛṣṭha-pārśve niyojayet |
    dakṣiṇe’pi tathā savyaṁ go-mukhaṁ go-mukhākṛtiḥ ||22||
  • सव्ये दक्षिणगुल्फं तु पृष्ठपार्श्वे नियोजयेत् ।
    दक्षिणेऽपि तथा सव्यं गोमुखं गोमुखाकृतिः ॥२२॥
  • savye dakshina gulpham tu prishtha parshve niyojayet |
    dakshine’pi tatha savyam go mukham go mukhakritih ||22||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • savye : an die linke (Savya)
  • dakṣiṇa : (den) rechten (Dakshina)
  • gulphaṁ : Knöchel (Gulpha)
  • tu : jedoch, wiederum (Tu)
  • pṛṣṭha* : des Gesäßes („Rückens“, Prishtha)
  • pārśve : Seite (Parshva)
  • niyojayet : man lege (ni + yuj)
  • dakṣiṇe : an die rechte (Seite des Gesäßes)
  • api : auch, und (Api)
  • tathā : ebenso (Tatha)
  • savyaṁ : (den) linken (Knöchel)
  • go-mukhaṁ : (diese Sitzposition heißt) Gomukha („Kuhgesicht“)
  • go : (einer) Kuh (Go)
  • mukha : (des) Gesichts (Mukha)
  • ākṛtiḥ : (denn sie hat) die Form (Akriti)     ||22||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt, dass mit „an der Seite des (unteren) Rückens“ (pṛṣṭha-pārśve) der untere (Adhas) Teil (Bhaga) der Hüfte (Kati) gemeint ist: kaṭer adho-bhāge.

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

22. Bringt die rechte Fußsohle unter die linke Gesäßhälfte und die linke Sohle unter die rechte Gesäßhälfte. Das wird Gomukhasana genannt und stellt das Gesicht einer Kuh dar.

Es wird auch Muktasana genannt.

Sukadev

22. Bringe die rechte Fußsohle unter die linke Gesäßhälfte und die linke Sohle unter die rechte Gesäßhälfte. Das wird Gomukhasana genannt und stellt das Gesicht einer Kuh dar.

Alles klar? Dann mach das mal, wenn das so klar ist. Also so. Den einen Fuß unter die eine Gesäßhälfte, den anderen Fuß unter die andere. Das geht natürlich nur, wenn die Oberschenkel ausreichend schlank sind. Dann kriegt ihr auch den Fuß wirklich unter die Gesäßhälfte.

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1. Kapitel, Vers 23

Deutsche Übersetzung:

Nun soll ein Fuß fest bei einem Oberschenkel platziert werden. | Bei dem anderen Oberschenkel auf die gleiche Weise [der andere Fuß]. Dieses wird Virasana genannt.

Sanskrit Text:

  • ekaṁ pādaṁ tathaikasmin vinyased ūruṇi sthiram |
    itarasmiṁs tathā coruṁ vīrāsanam itīritam ||23||
  • एकं पादं तथैकस्मिन्विन्यसेदूरुणि स्थिरम् ।
    इतरस्मिंस्तथा चोरुं वीरासनमितीरितम् ॥२३॥
  • ekam padam tathaikasmin vinyased uruni sthiram |
    itarasmins tatha chorum virasanam itiritam ||23||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • ekaṁ : einen (Eka)
  • pādaṁ : Fuß (Pada)
  • tathā : und (Tatha)
  • ekasmin : auf (den) anderen („einen“)
  • vinyaset : man lege (vi + ni + as)
  • ūruṇi : Oberschenkel (Uru)
  • sthiram : fest (Sthira)
  • itarasmin : auf den anderen (Fuß, Itara)
  • tathā : ebenso, desgleichen
  • ca : und (Cha)
  • ūruṁ : (den anderen) Oberschenkel
  • vīrāsanam : Helden-Stellung (Virasana)
  • iti : so (Iti)
  • īritam: wird (diese Sitzposition) genannt (Irita)     ||23||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt es so: Man lege (vinyaset) den rechten (Dakshina) Fuß (Pada) fest (Sthira) auf den linken (Vama) Oberschenkel (Uru) und den rechten Oberschenkel (uruṃ dakṣiṇaṃ) auf den linken Fuß (vāme pāde): dakṣiṇaṃ pādam … vāmoruṇi sthiraṃ vinyaset … vāme pāde ūruṃ dakṣiṇaṃ vinyaset.

Somit liegt der rechte Fuß auf dem linken Oberschenkel und der linke Fuß unter dem rechten Oberschenkel, mit anderen Worten, das rechte Bein liegt im kreuzbeinigen Sitz über dem linken Bein. Im Gegensatz zum halben Lotussitz (ArdhaPadmasana) liegen die Füße hier jedoch in Knienähe auf bzw. unter dem Oberschenkel des jeweils anderen Beines. Diese Sitzhaltung wird  auch Ardhasana („halbe Sitzhaltung“) genannt.

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

23. Bringe einen (den rechten) Fuß auf den anderen (linken) Oberschenkel und den anderen (linken) Fuß auf den (rechten) Oberschenkel. Das ist Virasana.

So wird es zur Lotus-Stellung.

Sukadev

23. Bringe einen (den rechten) Fuß auf den anderen (linken) Oberschenkel und den anderen Fuß auf den rechten Oberschenkel. Das ist Virasana.

Mach’s mal. Linken Fuß auf den rechten Oberschenkel, den rechten Fuß auf den linken Oberschenkel. Er nennt das hier Virasana. Meistens wird’s genannt – so nennt er’s auch an ner anderen Stelle – Padmasana, den Lotos.

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1. Kapitel, Vers 24

Deutsche Übersetzung:

Den Anus mit dem Knöchel gegeneinander drücken und dabei Achtsamkeit im ganzen Körper halten. | Die Yoga-Kenner berichten, dies ist Kurmasana.

Sanskrit Text:

  • gudaṁ nirudhya gulphābhyāṁ vyutkrameṇa samāhitaḥ |
    kūrmāsanaṁ bhaved etad iti yoga-vido viduḥ ||24||
  • गुदं निरुध्य गुल्फाभ्यां व्युत्क्रमेण समाहितः ।
    कूर्मासनं भवेदेतदिति योगविदो विदुः ॥२४॥
  • gudam nirudhya gulphabhyam vyutkramena samahitah |
    kurmasanam bhaved etad iti yoga vido viduh ||24||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • gudaṁ : (den) Anus (Guda)
  • nirudhya : in dem man verschließt, drückt (ni + rudh)
  • gulphābhyāṁ : mit beiden Knöcheln (Gulpha)
  • vyutkrameṇa* : „in umgekehrter Ordnung“, auseinander gehend, voneinander wegweisend (Vyutkrama)
  • samāhitaḥ : konzentriert (sitzend, Samahita)
  • kūrmāsanaṁ : (die) Schildkröten-Stellung (Kurmasana)
  • bhavet : soll sein, sei (zu verstehen als, bhū)
  • etad : das, diese (Sitzposition, Etad)
  • iti : so (Iti)
  • yoga-vidaḥ : (die) Yogakundigen
  • viduḥ : kennen, wissen (es, vid)   ||24||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda gibt hier keine nähere Erklärung, wie vyutkrameṇa („auseinander gehend, in umgekehrter Reihenfolge“) zu verstehen ist. Es ist wohl gemeint, dass man sich auf beide Knöchel (Gulpha) setzt, wobei diese nicht zueinander zeigen, sondern beide jeweils nach oben weisen und rechts und links neben dem Anus (Guda) Druck ausüben. Die Stellung ähnelt dann dem Fersensitz (Vajrasana), in Kurmasana liegen die Fersen jedoch zueinander zeigend nahe beisammen, und die Zehen weisen nach außen.

In der Gheranda Samhita (2.32) wird Kurmasana in ganz ähnlichen Worten, jedoch noch etwas ausführlicher beschrieben:

gulphau ca vṛṣaṇasyādho vyutkrameṇa samāhitau |
ṛju-kāya-śiro-grīvaṃ kūrmāsanam itīritam ||2.32||

„Beide Knöchel (Gulpha) unterhalb des Hodensacks (Vrishana), (die Füße) auseinander weisend, (sitze man) konzentriert (Samahita), Körper (Kaya), Kopf (Shiras) und Nacken (Griva) gerade (haltend) – so wird Kurmasana beschrieben.“

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

24. Drücke den Anus kräftig mit gekreuzten Sohlen und sitze sehr sorgfältig. Das ist Kurmasana gemäß den Yogis.

Wir nennen es Siddhasana. Die obigen sind die grundlegenden Sitzhaltungen.

Sukadev

24. Drücke den Anus kräftig mit gekreuzten Sohlen und sitze sehr sorgfältig. Das ist Kurmasana gemäß den Yogis.

Ein anderer Name dafür ist auch Siddhasana. Also die Sohlen gekreuzt, das ist so, und dann den Anus gedrückt. Beziehungsweise eigentlich ist es nicht der Anus, sondern der Kandha-Punkt, zwischen Geschlechtsorganen und Anus. Und dann ist die andere Ferse hier. Das ist übrigens jetzt auch eine energetisch hochwirksame Asana. Da ist jetzt nämlich der eine Fuß unterhalb des MuladharaChakra, und der andere Fuß ist vor dem Swadhistana-Chakra. Und gerade beim Pranayama ist das eine ganz besonders geeignete Stellung. Da muss man natürlich meistens das Gesäß etwas stützen, damit der Druck auf die Ferse nicht zu stark ist. Und wenn man die Ferse an der richtigen Stelle dort hat, dann kann man sogar spüren, wenn man Mula Bandha macht, wie sich dort die Muskeln oberhalb der Ferse zusammenziehen. Und dadurch, dass man die Muskeln zusammenzieht, wird der Druck der Ferse noch mal effektiver auf dieses Chakra. Das könnt ihr gerade mal machen. Die Ferse unter den Kandha-Punkt, also den hinteren Teil der Scheide, und dann anspannen. Und dann könnt ihr die Ferse spüren auf diesem angespannten Punkt.

In dem Zusammenhang will ich euch noch ein paar Subtilitäten von Mula Bandha erklären. Mula Bandha ist der Beckenbodenverschluss. Es gibt vier Arten von Beckenbodenverschluss, analog der drei Muskeln, die es im Beckenboden gibt. Vorderes Mula Bandha, mittleres Mula Bandha und hinteres Mula Bandha. Es gibt verschiedene Ausdrucksweisen. Das vordere Zusammenziehen wird manchmal Vajroli genannt, das mittlere Mula Bandha und das hintere Ashwinimudra. Das ist eine Ausdrucksweise. Ich folge gerne einer anderen Ausdrucksweise. Mula Bandha heißt dann das Anspannen. Ashwinimudra heißt Anspannen und Loslassen, und Vajrolimudra heißt wellenförmig die Muskeln anspannen. Und vorderes Mula Bandha heißt Anspannen der vorderen Muskeln, was eben die Muskeln des Harntraktes sind, und beim Mann auch die Muskeln des Penis. Dann gibt es mittleres Mula Bandha, das sind beim Mann die Muskeln des Perinäums, und bei der Frau sind es die Scheidenmuskeln. Und dann gibt es das hintere Mula Bandha, das ist das Anspannen der Anusschließmuskeln.

Die der Terminologie, der ich folge, ich meine, die ist auch eindeutiger. Aber natürlich, die andere Terminologie geht auch. Die hat Swami Satyananada populär gemacht. Da gibt’s also vorderes, mittleres und hinteres Mula Bandha, wenn man die gleichmäßig hält. Wenn man sie anspannt und loslässt, dann ist es Ashwinimudra. Und wenn man sie wellenförmig zusammenzieht von vorne nach hinten, also erst die vorderen, dann die mittleren und dann die hinteren, dann ist das Vajrolimudra.

Also Mula Bandha ist gleichmäßiges Anspannen. Ashwinimudra heißt anspannen und loslassen, und Vajroli ist wellenförmig der Reihe nach anspannen und loslassen. Könnt ihr grad mal machen. Also erst die vorderen Beckenbodenmuskeln, dann die mittleren, dann die hinteren. Und das erzeugt so etwas wie einen Sog. Das ist das kleine Vajrolimudra. Und dann kann man sogar das große machen, so wie ihr’s heute morgen gemacht habt, und dann zieht es alle Energie zum Sahasrara-Chakra. Und das könnt ihr mit allen Muskeln machen. Ihr könnt nur die vorderen anspannen und ihr könnt die vorderen anspannen und loslassen. Ihr könnt die mittleren entweder gleichmäßig anspannen oder anspannen und loslassen. Ihr könnt die hinteren gleichmäßig anspannen oder anspannen und loslassen. Und ihr könnt alle drei wellenförmig von vorne unten nach hinten oben zusammenziehen. Und man kann alle drei Muskeln gleichmäßig anspannen und alle drei Muskeln anspannen und wieder loslassen. Gut.

Wie kann man jetzt diese Bandhas verbinden mit Atemübungen? Es gibt dort vielfältige Möglichkeiten. Grundsätzlich, wenn ihr die Energie an der Vorderseite des Körpers beeinflussen wollt, dann nehmt ihr vorderes Mula Bandha. Z.B. wenn ihr den kreisförmigen Atem macht, und ihr wollt, dass die Energie vorne hinunterfließt, dann könnt ihr die vorderen Beckenbodenmuskeln anspannen. Wenn ihr wollt, dass die Energie so hinten hochströmt, hinteres Mula Bandha. Und das mittlere Mula Bandha ist insbesondere geeignet für die Aktivierung des MuladharaChakras. Jetzt, wer die Muskeln auseinanderhalten kann, der kann zB. auch beim Einatmen vorderes Mula Bandha, beim Anhalten mittleres Mula Bandha und beim Ausatmen hinteres Mula Bandha halten. Das könnt ihr gerade mal für euch ausprobieren. Einatmen vorderes Mula Bandha, dann einen Moment lang lösen. Dann Anhalten, mittleres Mula Bandha, kurz Lösen, und dann beim Ausatmen hinteres Mula Bandha, kurz lösen. Einatmen vorderes Mula Bandha, dann einen Moment lang lösen. Dann Anhalten, mittleres Mula Bandha, kurz Lösen, und dann beim Ausatmen hinteres Mula Bandha. Klappt’s? Das erfordert natürlich etwas Übung.

Und ihr könnt das z.B. in der Wechselatmung machen. Ihr könnt das z.B. auch bei den Zwischenatmungen beim Kapalabhati, nach dem letzten festen Ausatmen könnt ihr beim Einatmen vorderes Mula Bandha machen. Dann könnt ihr Ausatmen – hinteres Mula Bandha. Einatmen – vorderes Mula Bandha, und Anhalten – mittleres Mula Bandha. Vajrolimudra wäre, wenn ihr anhaltet und jetzt beim Anhalten gleichmäßig von vorne außen nach hinten hoch die Muskeln anspannt. Könnt ihr auch mal machen. Atmet mal vollständig aus. Jetzt atmet ein. Und jetzt spannt die vorderen Muskeln an, – die mittleren, – die hinteren. Noch mal loslassen. Dann wieder die vorderen Muskeln anspannen, – die mittleren, – die hinteren. Loslassen, vordere, mittlere, hintere, loslassen. Das ist Vajrolimudra. Alle drei zusammen lässt man dann los.

Man kann auch weitere Mudras dazu machen. Also nehmen wir mal die Zunge. Die Zunge nach hinten, das ist Khechari. Die Zunge nach oben, das ist Nabho. Und die Zunge so, das ist Jivabandha. D.h. die Zungenwurzel ist nach hinten, aber die Zungenoberseite ist am Gaumen und die Zunge zeigt weiter nach vorne. Was ihr in Jalandhara Bandha meistens macht. Einatmen, Anhalten, Kinn zur Brust, Zungenoberseite am Gaumen, Kehle leicht zusammenziehen. Das ist Jiva Bandha. Das ist jetzt die Terminologie so, wie wir sie hier verwenden. Man findet da in der Literatur noch andere. Es gibt da keine eindeutigen Begriffe. Bandha ist, was tatsächlich ein Verschluss ist. Wenn man Jiva Bandha anwendet, kann man nicht mehr atmen. Damit ist der Atem verschlossen und auch ein paar Nadis sind verschlossen. Man kann auch sagen Jiva Bandha Mudra. Weil’s ja auch ne Mudra ist.

Nabho. Was ist Nabho Mudra? Die Zunge so nach oben, an die Mitte des Gaumens für’s Sahasrara-Chakra. Es gibt noch die Möglichkeit, die Zunge vorne an die Schneidezähne anzulegen. Da, muss ich jetzt zugeben, habe ich den Namen vergessen. Das macht man nicht so oft, aber auch dafür gibt’s nen Sanskritausdruck. Wann macht man Khechari? Z.B. in der Khechari Mudra als Vorübung für die Meditation. Man kann sie machen z.B. bei Suryabedha, wo man die Zunge nach hinten gibt. Und man kann auch da, wo wir hier meistens Jiva Bandha ansagen und man hat das Gefühl, man will eigentlich die Zunge nach hinten rollen, dann kann man auch Khechari Mudra machen. Manchmal geschieht’s so mehr oder weniger von selbst. Khechari Mudra aktiviert sowohl das Vishudda- als auch das Chandra-Chakra. Bei Khechari ist die Zungenunterseite am Gaumen, bei Jiva Mudra ist die Zungenoberseite am Gaumen. Das Chandra-Chakra, Mond-Chakra, ist hauptsächlich über der rechten Augenbraue Aber das mit dem Mondchakra, das ist eine komplexe Geschichte. Es befindet sich nicht nur an einer Stelle. Es ist hier, es ist hier, es ist hier. Und insgesamt ist es so ein ganzes Energiefeld, und man könnte eigentlich besser sagen, wahrscheinlich ist das ein Energiefeld, das ist im ganzen Körper. Aber es gibt bestimmte Reflexpunkte, wo dieses Energiefeld des Mondes am stärksten ansprechbar ist. Und das ist eben über der rechten Augenbraue, so wie ja auch die rechte Gehirnhälfte mehr der Mondenergie entspricht. Also z.B. bei Tam stellt man sich die Mondsichel vor, und stellt sich vor, die Energie fließt hinunter. Und da gibt’s eben diese vier Hauptreflexpunkte: Nasenspitze, rechte Augenbraue, hinten, und dann hinten in der Kehle. Das sind die vier Hauptpunkte, um die Mondenergie zu aktivieren.

Gut. Ihr könnt also bei den nächsten Asana– und Pranayamatechniken, beim Einatmen, Anhalten und Ausatmen, oder auch bei der Meditation ausprobieren, mit diesem Integrieren von verschiedenen Mudras zu üben. Wenn euer Geist konzentriert ist und zur Konzentration fähig ist, dann ist es eigentlich besser, ihr macht’s nicht zu kompliziert, sondern wiederholt das Mantra und konzentriert euch auf die Chakras. Aber dann, wenn euer Geist ansonsten nicht so konzentriert ist, dann kann man noch mal auf diese körperlichen Dinge etwas genauer sich konzentrieren. Über diese körperlichen Dinge kommt dann auch wieder Prana und über das Prana kommt wieder die Konzentration. Ich muss sagen, wir gehen hier sogar noch weiter als der Swami Vishnu normalerweise bei fortgeschrittenen Lehrerausbildungen gegangen ist, obgleich er mir auch mal in persönlichen Gesprächen solche Sachen erzählt hat. Aber er hat so gesagt: “Normaly its best not to get lost in details. Concentrate on the Lord, and that’s most important.“ D.h.: Normalerweise ist es besser, sich nicht in Details zu verlieren. Konzentriert euch auf Gott, das ist am Wichtigsten. Also jetzt für diejenigen, die das Gefühl haben, jetzt wird’s immer komplizierter – macht nichts. Arbeitet mit eurem normalen Mula Bandha und mit eurer Konzentration. Aber es wird einige geben, denen das hilft, noch mal zu einer anderen Energieerfahrung zu kommen. Gut. Eigentlich haben wir ja jetzt nen Schritt in das dritte Kapitel der Hatha Yoga Pradipika gemacht, weil wir auf Siddhasana zu sprechen gekommen sind.

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1. Kapitel, Vers 25

Deutsche Übersetzung:

Nachdem Padmasana eingenommen ist, werden beide Hände zwischen Knie und Oberschenkel | durchgeschoben, auf dem Untergrund verwurzelt [und der Körper] in der Luft balanciert, das ist Kukkutasana .

Sanskrit Text:

  • padmāsanaṁ tu saṁsthāpya jānūrvor antare karau |
    niveśya bhūmau saṁsthāpya vyomasthaṁ kukkuṭāsanam ||25||
  • पद्मासनं तु संस्थाप्य जानूर्वोरन्तरे करौ ।
    निवेश्य भूमौ संस्थाप्य व्योमस्थं कुक्कुटासनम् ॥२५॥
  • padmasanam tu samsthapya janurvor antare karau |
    niveshya bhumau samsthapya vyomastham kukkutasanam ||25||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • padmāsanaṁ : (den) Lotussitz (Padmasana)
  • tu : aber, wiederum (Tu)
  • saṁsthāpya : einnehmend, herstellend (sam + sthā)
  • jānu : Knie (Janu)
  • ūrvoḥ : und Oberschenkel (Uru)
  • antare : zwischen (Antara)
  • karau : beide Hände (Kara)
  • niveśya : steckend (ni + viś)
  • bhūmau : (und dann) auf die Erde (Bhumi)
  • saṁsthāpya : aufstellend, stützend
  • vyoma-sthaṁ : (wenn man sich so nach oben drückt und in der) Luft (Vyoman) befindet (Stha)
  • kukkuṭāsanam : (ist dies die) Hahnenstellung (Kukkutasana)     ||25||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

25. Von der Padmasana-Stellung ausgehend, füge die Hände zwischen die Oberschenkel und die Waden. Setze (die Hände) fest auf den Boden, erhebe dich vom Boden. Das ist Kukkutasana.

Sukadev

25. Von der Padmasana-Stellung ausgehend, füge die Hände zwischen die Oberschenkel und die Waden. Setze die Hände fest auf den Boden, erhebe dich vom Boden. Das ist Kukkutasana.

Kukkutasana ist die Hahnenstellung.

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1. Kapitel, Vers 26

Deutsche Übersetzung:

In Kukkutasana gefaltet, den Nacken mit den Unterarmen fassen, | und verweilen, wie eine auf dem Rücken liegende Schildröte, dieses ist Uttaana-Kurmasana.

Sanskrit Text:

  • kukkuṭāsana-bandha-stho dorbhyāṁ sambadhya kandharām |
    bhavet kūrma-vad uttāna etad uttāna-kūrmakam ||26||
  • कुक्कुटासनबन्धस्थो दोर्भ्यां सम्बद्य कन्धराम् ।
    भवेत्कूर्मवदुत्तान एतदुत्तानकूर्मकम् ॥२६॥
  • kukkutasana bandha stho dorbhyam sambadhya kandharam |
    bhavet kurma vad uttana etad uttana kurmakam ||26||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • kukkuṭāsana : (in Form der) Hahnenstellung (Kukkutasana)
  • bandha-sthaḥ : sich in (der Ausgangs-)Position (Bandha) befindend (Stha)
  • dorbhyāṁ : mit beiden Unterarmen (Dos)
  • sambadhya : umschließend, umfassend (sam + bandh)
  • kandharām : (den) Hals (Kandhara)
  • bhavet : sei man, werde man (bhū)
  • kūrma-vat : wie (eine) Schildkröte (Kurma)
  • uttānaḥ : die ihre Unterseite zeigt bzw. „öffnet“ (Uttana)
  • etad : das, diese (Position heißt, Etad)
  • uttāna-kūrmakam : Uttanakurmaka „die nach oben geöffnete (d.h. auf dem Rücken liegende) Schildkröte“    ||26||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

26. Von der Kukkutasana-Stellung ausgehend, winde deine Arme um den Hals und bleibe erhoben wie eine Schildkröte. Das wird Uttana Kurmasana genannt.

Sukadev

26. Von der Kukkutasana-Stellung ausgehend, winde deine Arme um den Hals und bleibe erhoben wie eine Schildkröte. Das wird Uttana Kurmasana genannt.

D.h. die aufgerichtete Schildkröte. Die nächste Stellung ist einfacher.

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1. Kapitel, Vers 27

Deutsche Übersetzung:

Die großen Zehen mit den Händen hoch zu den Ohren ziehen, | [dabei] die Biegung eines Bogens ausführen, [das] wird Dhanurasana genannt.

Sanskrit Text:

  • pādāṅguṣṭhau tu pāṇibhyāṁ gṛhītvā śravaṇāvadhi |
    dhanur-ākarṣaṇaṁ kuryād dhanur-āsanam ucyate ||27||
  • पादाङ्गुष्ठौ तु पाणिभ्यां गृहीत्वा श्रवणावधि ।
    धनुराकर्षणं कुर्याद्धनुरासनमुच्यते ॥२७॥
  • padangushthau tu panibhyam grihitva shravanavadhi |
    dhanur akarshanam kuryad dhanur asanam uchyate ||27||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • pādāṅguṣṭhau : beide großen Zehen („Fuß-Daumen“, PadaAngushtha)
  • tu : aber, wiederum (Tu)
  • pāṇibhyāṁ : mit beiden Händen (Pani)
  • gṛhītvā : ergreifend, haltend (grah)
  • śravaṇa : Ohr (Shravana)
  • avadhi : bis zum („bis zur Grenze“, Avadhi)
  • dhanus : (der Sehne eines) Bogens (Dhanus)
  • ākarṣaṇaṁ : das Spannen, Heranziehen (Akarshana)
  • kuryāt : man soll machen, ausführen (kṛ)
  • dhanur-āsanam : Bogenstellung (DhanusAsana)
  • ucyate : wird genannt (vac)    ||27||

*Anmerkung: Aus Brahmanandas Kommentar wird deutlich, dass es sich nicht um die klassische, als „Bogen“ bekannte Stellung Dhanurasana handelt. In der hier beschriebenen Stellung sitzt man im gestreckten Sitz, fasst beide großen Zehen jeweils mit einer Hand und hält einen Arm (ekaṃ pāṇiṃ) und das Bein derselben Körperseite weiterhin ausgestreckt (prasāritaṃ kṛtvā). Dann zieht man die andere Hand (itaraṃ pāṇiṃ), indem man den Arm beugt (ākuñcitaṃ kuryāt), samt Fuß bis zum Ohr (karṇa-paryantam), als wolle man einen Bogen (Dhanus) spannen: ekaṃ pāṇiṃ prasāritaṃ kṛtvā … itaraṃ pāṇiṃ karṇa-paryantam ākuñcitaṃ kuryāt. Die hier beschriebene Stellung ist auch als Akarshana Dhanur Asana bekannt.

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

27. Während du beide Zehen mit deinen Händen hältst, halte einen Arm ausgestreckt und ziehe den anderen zu deinem Ohr, wie du es mit der Sehne eines Bogens machen würdest. Das wird Dhanurasana genannt.

Sukadev

27. Während du beide Zehen mit den Händen hältst, halte einen Arm ausgestreckt und ziehe den anderen zu deinem Ohr, wie du es mit der Sehne eines Bogens machen würdest. Das wird Dhanurasana genannt.

Es gibt da zwei verschiedene Bogen. Das könnt ihr gerade mal machen. Streckt die Beine aus. Fasst mit beiden Händen an die großen Zehen und hebt jetzt einen Fuß hoch zum Ohr. Nicht vergessen, die andere Hand am Zeh zu lassen. Gut, also das ist eine Bogenvariation.

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1. Kapitel, Vers 28

Deutsche Übersetzung:

Den rechten Fuß an den Ursprung des linken Oberschenkels platzieren; den linken Fuß neben die Außenseite des Knies stellen; | In der Position verharrt (der Yogi) mit (nach links) gedrehtem Körper. Das ist die Position, die von Matsyendra beschrieben wird.

Sanskrit Text:

  • vāmoru-mūlārpita-dakṣa-pādaṁ
    jānor bahir veṣṭita-vāma-pādam |
    pragṛhya tiṣṭhet parivartitāṅgaḥ
    śrī-matsya-nāthoditam āsanaṁ syāt ||28||
  • वामोरुमूलार्पितदक्षपादं
    जानोर्बहिर्वेष्टितवामपादम् ।
    प्रगृह्य तिष्ठेत्परिवर्तिताङ्गः
    श्रीमत्य्सनाथोदितमासनं स्यात् ॥२८॥
  • vamoru mularpita daksha padam
    janor bahir veshtita vama padam |
    pragrihya tishthet parivartitangah
    shri matsya nathoditam asanam syat ||28||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • vāma : (des) linken (Vama)
  • ūru : Oberschenkels (Uru)
  • mūla : (auf den) Ursprung, Ansatz (Mula)
  • arpita : aufgelegt, auflegend (Arpita)
  • dakṣa : (den) rechten (Daksha)
  • pādaṁ : Fuß (Pada)
  • jānoḥ : (an das rechte) Knie (Janu)
  • bahis : außerhalb, von außen (Bahis)
  • veṣṭita : gelegt („gewunden“, Veshtita)
  • vāma : (den) linken
  • pādam : Fuß
  • pragṛhya : (den linken Fuß mit der rechten Hand) ergreifend (pra + grah)
  • tiṣṭhet : (so) verharre man (sthā)
  • parivartita : (mit nach links) gedrehtem (Parivartita)
  • aṅgaḥ : Körper (Anga)
  • śrī : (von dem) erhabenen (Shri)
  • matsya-nātha : Matsyanatha („Herr der Fische“, Matsyendra)
  • uditam : gelehrt worden (Udita)
  • āsanaṁ : (diese) Körperstellung (Asana)
  • syāt :  ist („sei“, as)      ||28||

*Anmerkung: Brahmanandas ausführlicher Kommentar zu diesem Vers ergänzt, dass im Anschluss die Stellung zur anderen Seite (also nach rechts) gedreht ausgeführt werden soll.

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

28. Bringe den rechten Fuß an den Ursprung des linken Oberschenkels und den linken Fuß außerhalb des rechten Knies. Halte den rechten Fuß mit der rechten Hand, und dann drehe deinen Kopf vollständig zur Linken. Das ist Matsyendrasana.

Sukadev

28. Bringe den rechten Fuß an den Ursprung des linken Oberschenkels und den linken Fuß außerhalb des rechten Knies. Halte den rechten Fuß mit der linken Hand und den linken Fuß mit der rechten Hand, und dann drehe den deinen Kopf vollständig zur Linken. Das ist Matsyendrasana.

Das ist der Drehsitz. Also ihr bringt rechten Fuß an den Ursprung des linken Oberschenkels und den linken Fuß außerhalb des rechten Knies. Und dann dreht ihr euch so, dass die Hand an den Fuß kommt und dann könnt ihr noch die Hand an den Fuß setzen. Das ist der halbe Drehsitz. Und der volle Drehsitz wäre, wenn man den Fuß hier halten würde und den Fuß hier drauf und sich dann dreht. Klar? Gut. Jetzt wird’s aber noch interessanter. Jetzt schreibt er erstmals was über die Wirkungen.

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1. Kapitel, Vers 29

Deutsche Übersetzung:

Die Haltung von Matsyendra reguliert das Verdauungsfeuer und beseitigt viele schreckliche Krankheiten wie eine Waffe. | Durch diese Praxis wird die Kundalini geweckt, der Mond stabilisiert und sie ist für [alle] Menschen sehr empfehlenswert.

Sanskrit Text:

  • matsyendra-pīṭhaṁ jaṭhara-pradīptiṁ
    pracaṇḍa-rug-maṇḍala-khaṇḍanāstram |
    abhyāsataḥ kuṇḍalinī-prabodhaṁ
    candra-sthiratvaṁ ca dadāti puṁsām ||29||
  • मत्स्येन्द्रपीठं जठरप्रदीप्तिं
    प्रचण्डरुग्मण्डलखण्डनास्त्रम् ।
    अभ्यासतः कुण्डलिनीप्रबोधं
    चन्द्रस्थिरत्वं च ददाति पुंसाम् ॥२९॥
  • matsyendra pitham jathara pradiptim
    prachanda rug mandala khandanastram |
    abhyasatah kundalini prabodham
    chandra sthiratvam cha dadati pumsam ||29||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • matsyendra : (des) Matsyendra
  • pīṭhaṁ : (die) Körperhaltung („Sitz“, Pitha)
  • jaṭhara : (des) Magens, Verdauungsfeuers (Jathara)
  • pradīptiṁ : (das) Aufflammen (Pradipti)
  • pracaṇḍa : (von) überaus heftig(en), grimmig(en), schrecklich(en, Prachanda)
  • ruj : Krankheit(en, Ruj)
  • maṇḍala : (einer ganzen) Schar, Menge (Mandala)
  • khaṇḍana : (zum) Beseitigen („Zerstückeln“, Khandana)
  • astram : (ist eine) Waffe (Astra)
  • abhyāsataḥ : aufgrund (ihrer) Praxis, durch das Üben (Abhyasa)
  • kuṇḍalinī : (der) Kundalini
  • prabodhaṁ : (das) Erwachen (Prabodha)
  • candra* : (des) Mondes (Chandra, des „Tropfens“ Bindu, des Nektars)
  • sthiratvaṁ : (die) Beständigkeit, Bewegungslosigkeit, Festigkeit (Sthiratva)
  • ca : und (Cha)
  • dadāti : (sie) gibt, verleiht, verursacht ()
  • puṁsām : den Menschen  (Pums)      ||29||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt, dass sich der „Mond“ (Chandra) in der Region (Bhaga) oberhalb (Upari) des Gaumens (Talu) befindet (sthitasya) und ständig (Nitya) herabtropft (kṣarataḥ). Die Stellung des Matsyendra bewirkt (dadāti) die Festigkeit (Sthiratva) bzw. das „Nichtsein“ (Abhava) dieses Herabfließens (Ksharana): candrasya tāluna upari-bhāge sthitasya nityaṃ kṣarataḥ sthiratvaṃ kṣaraṇābhāvaṃ ca dadāti.

Dieser Vers wird hinsichtlich seiner Grammatik und Metrik ausführlich im Sanskrit Kurs Lektion 92 behandelt.

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Brahmananda

Es heißt, dass sich der Mond über der Wurzel des Gaumens befindet und immerzu ambrosischen Nektar tropfen lässt, der im Vermischen mit dem Verdauungsfeuer aufgezehrt wird. Aber diese Asana verhindert das. Es wird eine merkwürdige Geschichte von Matsyendra erzählt. Er soll ein Schüler von Adinath oder Shiva gewesen sein. Einst begab sich Shiva zu einer einsamen Insel und, im Glauben sie wäre unbewohnt, lehrte er seiner Frau Parvati die Geheimnisse des Yoga. Ein Fisch, der gerade der Küste nahe war, hörte alles und blieb unbeweglich, mit seinem Geist in Konzentration. Adinath erkannte dies und dachte, dass der Fisch den Yoga erlernt hätte, und voller Erbarmen besprengte er ihn mit Wasser. Augenblicklich wurde er ein Siddha, im Besitz eines göttlichen Körpers, und er wurde Matsyendra genannt.

Vishnu-devananda

29. Matsyendrasana hebt den Appetit, indem sie das Magen-Feuer entfacht, und zerstört schreckliche Beschwerden im Körper. Wenn sie durchgeführt wird, lässt sie Kundalini steigen und macht den Mond fest.

Das ist tief symbolisch und suggestiv. Vergleiche dazu die Geschichte von Matsya Avatara, dem Fisch, an dessen Horn die Hindu-Arche von Vaivasvata während der Flut gebunden war.

Sukadev

29. Matsyendrasana hebt den Appetit, indem sie das Magenfeuer entfacht, und zerstört schreckliche Beschwerden im Körper. Wenn sie durchgeführt wird, lässt sie Kundalini steigen und macht den Mond fest.

Also verschiedene Wirkungen. Und die Folge dieser drei Wirkungen ist auch eine Konzentrationshilfe. So müsst ihr das verstehen, wenn Swatmarama an verschiedenen Stellen über die Wirkungen der Übungen spricht, dass man immer auch weiß, wie man sich konzentriert. Wenn ihr in den Drehsitz kommt, könnt ihr euch zuerst auf den Bauch konzentrieren. Der Bauch ist der Sitz der Sonnenenergie, auch Feuer genannt, Agni, und damit auch Verdauungsfeuer. Und wer von euch schon mal was von Ayurveda gehört, sich schon enger mit Ayurveda beschäftigt hat, der weiß: Dem Verdauungsfeuer, kommt im Ayurveda ein hoher Stellenwert zu. Und wenn Agni zu schwach ist, dann wird nicht richtig verdaut, dann kriegt der Mensch nicht die richtigen Nährstoffe, dann kommen statt dessen Gifte in den Körper und alle möglichen Probleme kommen auf, denn der Körper verwandelt die Nahrung dann nicht in Nährstoffe, sondern Schlacken entstehen. Und so ist wichtig, ein gutes Agni zu haben. Was macht man dafür in Ayurveda, um ein gutes Agni zu entfachen? Ingwer essen, oder kleine Stücke von Zitronen, und heißes Wasser trinken. Ingwerwasser trinken. Das sind vielleicht die im Westen populärsten Weisen, das Verdauungsfeuer zu aktivieren. Und wer Verdauungsbeschwerden hat, oder merkt, dass er in dem Bereich schwach ist, kann das ja mal probieren. So vor jeder Mahlzeit ein paar kleine Ingwerstücke roh zu verzehren und halt nichts Kaltes zu trinken, sondern heißes Wasser zu trinken oder Ingwerwasser.

Im Hatha Yoga gibt’s sehr viele Übungen, die Agni aktivieren. Eine hab ich eben schon genannt: Agni Sara, den Bauch vor und zurück, aktiviert das Verdauungsfeuer, wie auch Matsyendrasana wie auch Paschimottanasana wie auch Mayurasana. Also Vorwärtsbeuge und Pfau gelten auch als ausgezeichnete Übungen, das Verdauungsfeuer zu entfachen. Und ist das Verdauungsfeuer entfacht, verschwinden alle anderen möglichen Beschwerden auch.

Also hier beschreibt er zum Einen das Sonnengeflecht, auch damit verbunden physische Wirkungen: Physische Krankheiten verschwinden. Und so wird mit Matsyendrasana auch Selbstvertrauen, Mut, Willenskraft und auch Ruhen in sich selbst gestärkt. Und so kann man auch dieAsana beginnen, sich darauf zu konzentrieren. Nicht umsonst heißt es ja: Der Tod ist im Darm. Glücklicherweise nicht nur der Tod. Wenn wir das Verdauungsfeuer entfachen, dann ist der Tod nicht mehr da. Auch wenn wir dieses Ruhen in uns selbst, in unserer Mitte, haben, die Chinesen nennen es ja Hara, oder die Japaner, dann haben wir auch ein inneres Gleichgewicht. Und wenn wir dieses innere Gleichgewicht haben, dann verschwinden alle möglichen psychischen oder psychosomatischen Beschwerden. Und das gilt durchaus auch für das tägliche Leben. Da ist es wichtig, sich im Bauch zu zentrieren.

Dann kommt das Zweite, die energetischen Wirkungen. Und das ist, sagt er, dass die Kundalini erweckt wird. Also die einfachen Asanas, wie zB. der Drehsitz, können die Kundalini erwecken. Wenn wir mehrere Dinge machen. Erstens müssen wir schon einen gewissen Grad der Reinheit erlangt haben. Zweitens, müssen wir sie lang genug halten, bis zu zwei Stunden. Wenn ihr so eine Minute haltet, wird da nicht viel passieren. Aber wenn man dort fünf Minuten, zehn Minuten drin ist, das haben sicher schon Einige gespürt, da tut sich in der Wirbelsäule etwas. Wenn man in der Wirbelsäule etwas spürt, heißt das noch lange nicht, dass dann die Kundalini voll erweckt ist. Da braucht ihr weder Angst noch falsche Hoffnungen zu haben. Aber es heißt mindestens, dass die Sushumna sich öffnet, dass Prana durch die Sushumna hochfließt, und das ist ja schon schön genug. Und so kann man sich als nächstes darauf konzentrieren, dass Prana durch die Sushumna hochfließt. Sei es mit Visualisierung, sei es Einatmen zur untersten Wirbelsäule, Ausatmen über die Wirbelsäule hoch, oder man kann sich Lichtkugeln nach oben schwebend vorstellen, oder man kann sich dort eine Bambusröhre vorstellen. Paramahansa Yogananda hat dann gerne vorgeschlagen, dass man sich eine Glasröhre sich vorstellt, innen leuchtend nach oben, oder ein Feuer, das nach oben züngelt. Oder man kann sich die Kundalinischlange vorstellen, die wie ein Drachen ist, die aus dem Mund Feuer speit, das bis ins Sahasrara-Chakra geht. Die letzte ist besonders machtvoll und deshalb auch mit Vorsicht zu genießen. Wenn ihr euch dann wirklich diesen Drachen vorstellt und dann Feuer bis nach oben geht, da kann’s dann wirklich heftig werden.

Und dann das Dritte ist

– Macht den Mond fest –

Das ist die Konzentration hier. Jetzt wisst ihr auch, warum der Mond noch nicht runtergefallen ist. Weil Menschen Ardha Matysendrasana ausführen. So ist das jetzt hier natürlich nicht zu verstehen. Das bezieht sich auf den inneren Mond, wie ihr vermutlich alle wisst. Ihr seht hier den Shiva, der ja die Mondsichel über der rechten Augenbraue hat. Und so hilft die Ardha Matysendrasana zwar zum einen, die Kundalinienergie, welche ja eine feurige Energie ist, zu aktivieren, aber umgekehrt wird auch die kühlende Energie des Mondes aktiviert, und diese strömt dann nach unten und harmonisiert das Energiesystem. Und dieser Mond ist sehr, sehr wichtig. Man kann sich auch darauf konzentrieren, wenn man merkt, dass die Asanas einen zu feurig machen, oder die ganzen Praktiken, dann kann man sich hier auf die rechte Augenbraue konzentrieren, sich die Mondsichel vorstellen, und sich vorstellen, dass dort kühler Nektar runterströmt. Man kann sich sogar auch vorstellen, dass göttliche Gnade herunterströmt. Auch das ist das Gleiche. Man kann sich zum Schluss auch auf das Ajna-Chakra konzentrieren. Es gibt sogar verschiedene Chakras, die miteinander in Verbindung stehen. Zum einen dieses Mondchakra. Dann gibt’s das Ajna-Chakra. Dann gibt’s hier dieses Nasenspitzen-Chakra. Krishna empfiehlt ja sogar, man soll sich auf dieses Chakra konzentrieren. Also auch darauf kann man sich konzentrieren im Drehsitz. Damit würde man typischerweise die Konzentration abschließen. Das ist nicht die einzige Weise, sich zu konzentrieren, aber es ist die, die der Swatmarama empfiehlt. Erst auf den Bauch, dann auf die Wirbelsäule, dann den Punkt zwischen den Augenbrauen oder den Mond oder die Verbindung zum Unendlichen.

Und Mond steht aber nicht nur für die Mondenergie, obgleich ihr eben hier Feuer und Mond habt, oder Sonne und Mond. In Matsyendrasana wird beides aktiviert. Der Mond steht auch für den Geist. Er hat eine vielfältige Symbolik und manchmal sagt man Mond für den Geist. Und so hilft diese Asana auch, den Geist ruhig zu machen. Drehsitz gilt auch als eine der machtvollsten Übungen für Menschen, die Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren für die Meditation. Dann sollte man den Drehsitz länger halten. Das macht den Mond fest. Natürlich, die eigentliche Meditation ist, wenn wir in einer der Grundsitzhaltungen mit geradem Rücken sind. Aber in anderem Sinne kann man in jeder Asana auch meditieren, wenn man eine Stunde den Drehsitz halten will, dann wird man sich irgendwann nur noch hier konzentrieren und sein Mantra wiederholen, oder ganz im Unendlichen sein mit dem Geist. So wie Patanjali ja auch geschrieben hat im Yoga Sutra, zwotes Kapitel: Asana wird gemeistert durch das Loslassen von Spannungen und Konzentration auf das Unendliche. Dies als Zusatzhilfe für all diese Verse zu verstehen.

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1. Kapitel, Vers 30

Deutsche Übersetzung:

Die Beine [sind] gestreckt auf dem Boden wie ein Stock, die Unterarme halten [dabei] die beiden Fußspitzen. | Die Stirn ist auf den Knien platziert In dieser Position verweilt [der Yogi]. [Sie] wird Pashchimatanasana genannt.

Sanskrit Text:

  • prasārya pādau bhuvi daṇḍa-rūpau
    dorbhyāṁ padāgra-dvitayaṁ gṛhītvā |
    jānūpari-nyasta-lalāṭa-deśo
    vased idaṁ paścima-tānam āhuḥ ||30||
  • प्रसार्य पादौ भुवि दण्डरूपौ
    दोर्भ्यां पदाग्रद्वितयं गृहीत्वा ।
    जानूपरिन्यस्तललाटदेशो
    वसेदिदं पश्चिमतानमाहुः ॥३०॥
  • prasarya padau bhuvi danda rupau
    dorbhyam padagra dvitayam grihitva |
    janupari nyasta lalata desho
    vased idam pashchima tanam ahuh ||30||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • prasārya : ausstreckend (pra + sṛ)
  • pādau : beide Beine (Pada)
  • bhuvi : auf der Erde, dem Erdboden (Bhu)
  • daṇḍa : (zweier) Stöcke (Danda)
  • rūpau : (ähnlich der) Form (Rupa)
  • dorbhyāṁ : mit den Händen („Unterarmen“, Dos)
  • pada : (der) Füße (Pada)
  • agra : Spitzen (Agra)
  • dvitayaṁ : die zwei („das Paar der“, Dvitaya)
  • gṛhītvā : ergreifend, haltend (grah)
  • jānu : (die) Knie (Janu)
  • upari : über, auf (Upari)
  • nyasta : ablegend (ni + as)
  • lalāṭa : (der) Stirn (Lalata)
  • deśaḥ : (die) Gegend, (den) Bereich (Desha)
  • vaset : (so) verweile man (vas)
  • idaṁ : das, diese (Stellung, Idam)
  • paścima : (der Körper-)Rückseite („des Westens“, Pashchima)
  • tānam : Dehnung, Ausdehnung (Tana)
  • āhuḥ : nennt man (ah)     ||30||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda ergänzt, dass man mit den gekrümmten (Akunchita) Zeigefingern (Tarjani) der beiden Hände (Dos) den Bereich (Pradesha) der beiden (Yugma) großen Zehen (Angushtha greifen und) kräftig (Bala) heranziehen (Akarshana) soll: dorbhyām ākuñcita-tarjanībhyāṃ … aṅguṣṭha-pradeśa-yugmaṃ balād ākarṣana-purvakaṃ.

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

30. Strecke beide Beine aus, und nachdem du die Zehen der Füße mit den Händen ergriffen hast, bringe deine Stirn auf deine Knie. Das ist Paschimothanasana.

Sukadev

30. Strecke beide Beine aus, und nachdem du die Zehen der Füße mit den Händen ergriffen hast, bringe deine Stirn auf die Knie. Das ist Paschimothanasana.

Müsst ihr mal gucken, was da tatsächlich im Sanskrit steht, denn ich sage ja gern, es ist falsch, die Stirn auf die Knie zu bringen, weil das ein Rundkreuz und einen Rundrücken gibt. Normalerweise gibt man den Bauch auf die Oberschenkel, die Brust auf die Knie und das Kinn auf die Schienbeine. Paschimothanasana.

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1. Kapitel, Vers 31

Deutsche Übersetzung:

Dieses Pashchimatanasana, ist die ursprünglichste unter den Asanas, sie bringt die Energie im Rücken (in Sushumna) zum fließen, | sie bewirkt ein intensives Verdauungsfeuer, macht den Bauch flach und befreit den Menschen von Krankheiten.

Sanskrit Text:

  • iti paścimatānam āsanāgryaṁ
    pavanaṁ paścima-vāhinaṁ karoti |
    udayaṁ jaṭharānalasya kuryād
    udare kārśyam arogatāṁ ca puṁsām ||31||
  • इति पश्चिमतानमासनाग्र्यं
    पवनं पश्चिमवाहिनं करोति ।
    उदयं जठरानलस्य कुर्याद्
    उदरे कार्श्यमरोगतां च पुंसाम् ॥३१॥
  • iti pashchima tanam asanagryam
    pavanam pashchima vahinam karoti |
    udayam jatharanalasya kuryad
    udare karshyam arogatam cha pumsam ||31||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • iti : so, in dieser Weise (Iti)
  • paścima-tānam : (ist die) Ausdehnung (der) Rückseite (Pashchimatana)
  • āsana : (der) Sitzpositionen, Körperstellungen (Asana)
  • agryaṁ : (die) vorzüglichste, beste, erste (Agrya)
  • pavanaṁ : (des) Atems, (der) Lebensenergie Prana („des Windes“, Pavana)
  • paścima : (durch die Körper-)Rückseite (Pashchima, d.h. durch Sushumna)
  • vāhinaṁ : das Fließen, das Zuführen (vah)
  • karoti : sie bewirkt, macht (kṛ)
  • udayaṁ : (das) Emporsteigen, Anschwellen, Anwachsen (Udaya)
  • jaṭhara : (des) Magen(s, Jathara)
  • analasya : des Feuers (Anala)
  • kuryāt : sie soll bewirken (kṛ)
  • udare : im (Bereich des) Bauch(es) (Udara)
  • kārśyam : Schlankheit (Karshya)
  • arogatāṁ : Gesundheit („Krankheitslosigkeit“, Arogata)
  • ca : und (Cha)
  • puṁsām : der Menschen (Pums)      ||31||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt paścima-vāhinam („hinten fließend“) im Sinne von „(die Lebensenergie) fließt (dann) durch die Sushumna“: paścima-mārgeṇa suṣumnā-mārgeṇa vahatīti.

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

31. Diese vortrefflichste aller Asanas, Paschimothan Asana, lässt den Atem durch die Sushumna fließen, steigert das Magen-Feuer, macht die Lenden mager und vertreibt alle Beschwerden.

Sukadev

31. Diese vortrefflichste aller Asanas,

und ihr werdet im Verlauf des Buches feststellen, dass er über mehrere Asanas sagt, dass es die vortrefflichste sei. Und er wird über mehrere Übungen sagen, dass es die beste aller Übungen sei. Ich erwähne es ja immer wieder, die Inder haben ne gewisse Neigung zur Übertreibung. Und wenn Deutsche das lesen, dann nehmen sie das wörtlich, und sind dann verwirrt. Statt dessen solltet ihr sagen, eine besonders vortreffliche Asana. Das hat schon mein alter Lateinlehrer gesagt, die Römer haben genauso zur Übertreibung geneigt, und immer wenn der Superlativ da steht, optimus, dann sollte man das nicht als der Beste übersetzen, sondern als besonders gut. Oder auch an manchen Stellen findet ihr, dass dort steht: Und beseitigt alle Krankheiten. Der Boris Sacharov, der auch eine Hatha Yoga Schrift übersetzt hat, nämlich die Gherandha Samhita, der hat gesagt, am besten übersetzt man das dann als allerlei Krankheiten. Gut.

– Diese vortrefflichste aller Asanas, Paschimothanasana, lässt den Atem durch die Sushumna fließen, steigert das Magenfeuer, macht die Lenden mager und vertreibt alle Beschwerden.

Also Paschimothanasana lässt den Atem durch die Sushumna fließen – ihr wisst hoffentlich alle, was der Atem ist. Nicht der physische Atem, sondern Prana. Paschimothan-Nadi ist ein anderer Name für die Sushumna-Nadi, die feinstoffliche Wirbelsäule. Steigert auch wieder das Verdauungsfeuer. Das Agni wird erhöht. Übrigens manche Menschen, die intensiv Hatha Yoga üben stellen für eine Weile fest, dass ihr Appetit stärker wird und dass sie mehr essen. Und wenn das tatsächlich wegen einem gesteigerten Verdauungsfeuer ist, dann nimmt man auch nicht zu. Nur wenn man dann anschließend weiter so isst, wenn die Praxis nicht mehr so intensiv ist, dann kann man auch zunehmen. Als ich mal eine intensive Hatha-Yoga-Praxis hatte, habe ich Berge in mich hineingefuttert und war ausgesprochen schlank. Heut esse ich höchstens die Hälfte und wachse immer mehr in die Breite. Gut, also

– steigert das Verdauungsfeuer, macht die Lenden mager und vertreibt alle Beschwerden.

Ich kannte mal jemanden, der hat hier in einem Workshop aus Anlass eines Yoga-Kongresses gesagt: „Wenn man irgendwelche Arten von Magen-Darmproblemen hat – ein bis zwei Stunden die Vorwärtsbeuge halten, und es würden alle Beschwerden beseitigt. Das funktioniert sogar bei Reisedurchfall in Indien. Da hatte ich schon zweimal die Gelegenheit , das auszuprobieren. Letztes Jahr auch. Plötzlich, auf der Rückreise von Rishikesh nach Delhi, musste ich mich übergeben. Am nächsten Tag war ich total kaputt. Dann habe ich die Gruppe allein zum Tadsch Mahal geschickt und hab mich dann erstmal zwei Stunden in die Vorwärtsbeuge begeben. Gut, und danach waren alle Probleme beseitigt. Verdauungszustand normal, Gemütszustand normal, alles ok. Wisst ihr, was das größte Problem ist, wenn man lange in der Vorwärtsbeuge ist? Die Beine schlafen ein. Das Kribbeln ist noch ok. Aber wenn die Beine einschlafen, dann muss man sie notfalls etwas bewegen. Was zwar der klassischen Hatha- Yoga-Lehre widerspricht. Eine weiche Decke unterlegen kann helfen, extrem weich, mehrere Decken. Und je angenehmer man nach vorne geht, um so weniger stark ist die Dehnung, um so weniger stark ist die Tendenz, dass man einschläft. Man kann’s auch so lösen, dass man zwanzig Minuten in der Stellung ist, dann ein paar Minuten lang sich entspannt, Gefühl in die Beine zurückbringt, und dann wieder zwanzig Minuten in die Stellung geht. Ich geb jetzt keine Garantie ab, dass es immer wirkt. Zumindest wert, es mal auszuprobieren. Statt tagelang leidend im Bett zu liegen, kann man ja auch zwei Stunden in der Vorwärtsbeuge liegen. Wenn’s nicht wirkt, kann man sich ja immer wieder auf den Rücken legen.

– lässt den Atem durch die Sushumna fließen.

Auch hier wieder: Man kann sich konzentrieren auf den Atem in der Sushumna, man kann sich konzentrieren auf den Bauch, und man kann sich auch konzentrieren auf die Lendengegend, wo auch allerlei geschieht. Nicht nur für Frauen klingt das jetzt vielleicht besonders gut, die Taille wird schlank oder so was – wie weit das stimmt, weiß ich jetzt nicht – es ist mehr so, dass ein Übermaß an Energie, das hier unten ausströmt, das senkt sich, so dass die Energie mehr nach oben kommt. Für die meisten Menschen funktioniert das hauptsächlich auf den drei untersten Chakras. Essen, Trinken, Schlafen sind die drei Grundbedürfnisse vom MuladharaChakra, die dort befriedigt werden. Bei sehr viele Menschen geht’s da nicht viel weiter. Möglichst gut zu essen, möglichst ein schönes Haus zu haben, um damit die Nachbarn zu beeindrucken, das ist alles Muladhara-Chakra. Swadhistana-Chakra betrifft dann Sexualität wie auch Zärtlichkeit, Umgang mit anderen Menschen, Energieaustausch mit anderen Menschen, den es ja nicht nur über Sexualität gibt und physischen Kontakt – das ist alles Swadhistana-Chakra. Gut, und manche bestimmten übernatürlichen Kräfte, das betrifft auch noch Swadhistana-Chakra. Bleibt noch Manipura-Chakra, das heißt, die eigenen Talente kennenlernen und auszuleben, Anerkennung zu bekommen und mutig zu sein, andere beeinflussen zu können und Macht zu haben. Das sind so die Bereiche, wo die meisten Menschen hauptsächlich wirken. Jeder Mensch wirkt auch etwas auf den anderen, ohne Zweifel, Anahata-Chakra – selbstlose Liebe, Vishuddha-Chakra – Gefühl der Verbundenheit, Ajna-Chakra – reine Erkenntnis. Und Paschimothanasana hilft, dass die Energien der unteren Chakras nach oben gebracht werden, so dass wir nicht auf dieser unteren Ebenen zu viel Zeit und Energie, geistige Energie verschwenden. Also ihr seht, die Hatha-Yoga-Übungen haben’s schon in sich.

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1. Kapitel, Vers 32

Deutsche Übersetzung:

Auf dem Boden mit beiden Händen stehend [dabei sind] die Ellenbogen an den Seiten des Nabels platziert. | [Der Körper soll] angehoben wie ein Stab in der Luft verweilen. Diese Position wird Mayurasana genannt.

Sanskrit Text:

  • dharām avaṣṭabhya kara-dvayena
    tat-kūrpara-sthāpita-nābhi-pārśvaḥ |
    uccāsano daṇḍa-vad utthitaḥ khe
    māyūram etat pravadanti pīṭham ||32||
  • धरामवष्टभ्य करद्वयेन
    तत्कूर्परस्थापितनाभिपार्श्वः ।
    उच्चासनो दण्डवदुत्थितः खे
    मायूरमेतत्प्रवदन्ति पीठम् ॥३२॥
  • dharam avashtabhya kara dvayena
    tat kurpara sthapita nabhi parshvah |
    uchchasano danda vad utthitah khe
    mayuram etat pravadanti pitham ||32||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • dharām : auf die Erde, den Erdboden (Dhara)
  • avaṣṭabhya : sich stützend (ava + stabh)
  • kara : Händen (Kara)
  • dvayena : mit beiden („mit dem Paar“, Dvaya)
  • tad : der (beiden Hände bzw. Arme, Tad)
  • kūrpara : (mit den) Ellenbogen (Kurpara)
  • sthāpita : haltend, stabilisierend (sthā)
  • nābhi : (des) Nabels (Nabhi)
  • pārśvaḥ : (die) Seite(n), Flanke(n, Parshva)
  • ucca : hoch, oben, in der Höhe (Uchcha)
  • āsanaḥ : (seine) Körperstellung (Asana einnehmend)
  • daṇḍa-vat : wie (ein) Stock (Danda)
  • utthitaḥ : erhoben, aufgerichtet (Utthita)
  • khe : in die Luft („in den Luftraum“, Kha)
  • māyūram : Pfau(enstellung, Mayura)
  • etad : diese (Etad)
  • pravadanti : nennt man (pra + vad)
  • pīṭham : Körperstellung („Sitz“, Pitha)     ||32||

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Brahmananda

Diese Stellung gibt die Balance einer modernen Gymnastikübung auf dem Barren wieder.

Vishnu-devananda

32. Setze deine Hände kräftig auf den Boden und stütze deinen Körper auf deine Ellbogen, drücke dabei auf die Seiten deiner Lenden. Hebe deine Beine steif und in einer Ebene mit dem Kopf in die Luft. Das ist Mayurasana.

Sukadev

32. Setze deine Hände kräftig auf den Boden und stütze deinen Körper auf deine Ellbogen, drücke dabei auf die Seiten deiner Lenden. Hebe die Beine steif und in einer Ebene mit dem Kopf in die Luft. Das ist Mayurasana. Der Pfau.

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1. Kapitel, Vers 33

Deutsche Übersetzung:

Mayurasana beseitigt schnell alle Krankheiten der Milz, des Bauches und weitere, und sie ist siegreich bei Dysbalance der Doshas. | Insbesondere verbrennt sie alle übermäßig verzehrte Nahrung zu Asche. Sie erzeugt ein Verdauungsfeuer, das sogar das schreckliche Gift Kala-kuta zu verdauen vermag.

Sanskrit Text:

  • harati sakala-rogān āśu gulmodarādīn
    abhibhavati ca doṣān āsanaṁ śrī-mayūram |
    bahu-kad-aśana-bhuktaṁ bhasma kuryād aśeṣaṁ
    janayati jaṭharāgniṁ jārayet kāla-kūṭam ||33||
  • हरति सकलरोगानाशु गुल्मोदरादी-
    नभिभवति च दोषानासनं श्रीमयूरम् ।
    बहुकदशनभुक्तं भस्म कुर्यादशेषं
    जनयति जठराग्निं जारयेत्कालकूटम् ॥३३॥
  • harati sakala rogan ashu gulma udara adin
    abhibhavati cha doshan asanam shri mayuram |
    bahu kadashana bhuktam bhasma kuryad ashesham
    janayati jathara agnim jarayet kala kutam ||33||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • harati : verscheucht, überwältigt (hṛ)
  • sakala : alle, sämtliche (Sakala)
  • rogān : Krankheiten (Roga)
  • āśu : schnell, geschwind (Ashu)
  • gulma : (wie z.B.)  Unterleibsgeschwulst, vergrößerte Milz (Gulma)
  • udara : (Anschwellung des) Bauch(es, (Udara)
  • ādīn : usw., und andere („angefangen mit“, Adi)
  • abhibhavati : besiegt, überwältigt (adhi + bhū)
  • ca : und (Cha)
  • doṣān : (gestörte) Doshas („Schaden, Fehler, Gebrechen“, ein Übermaß an VataPitta oder Kapha)
  • āsanaṁ : (die) Körperstellung (Asana)
  • śrī : (des) ehrwürdigen (Shri)
  • mayūram : Pfauen (Mayura)
  • bahu : (zu) viel (Bahu)
  • kad-aśana : (oder) abgestandene (oder überlagerte „schlechte“) Speise(n, Ashana)
  • bhuktaṁ : Nahrung („Gegessenes“ bestehend in, Bhukta)
  • bhasma : (zu) Asche (Bhasman)
  • kuryāt* : macht, verwandelt (kṛ)
  • aśeṣaṁ : vollständig, restlos (Ashesha)
  • janayati : bringt hervor, erzeugt (jan)
  • jaṭhara : (des) Magen(s), (des) Bauch(es, Jathara)
  • agniṁ : (das) Feuer (Agni)
  • jārayet : verdaut (jṛ)
  • kāla-kūṭam : (das Gift) Kalakuta („Fallstrick des Todes“)     ||33||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt, dass „sie macht zu Asche“ (Bhasma kuryāt) „sie verdaut“ (pācayet) bedeutet, insofern die Verdauung mit einem Verbrennungsprozess verglichen wird: bhasma kuryāt pācayet.

Dieser Vers wird hinsichtlich seiner Grammatik und Metrik ausführlich im Sanskrit Kurs Lektion 88 behandelt.

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Brahmananda

Während die Götter und die Asuras den Ozean aufwühlten, war das erste Ding, das herauskam, das Gift Kalakoota oder Halahala. Es begann, die drei Welten zu verbrennen und kein Gott konnte überredet werden, es zu essen. Zu guter Letzt schluckte es Shiva. Aber ehe es seine Kehle abwärts gelangte, hielt Parvati es fest. So blieb es für immer dort, und Shivas Kehle wurde blau. Daher sein Name Kalakantha oder Neelekantha (Blaukehliger). Das enthüllt offensichtlich ein großes kosmisches Geheimnis, verbunden mit der Entwicklung unseres Planetensystems.

Vishnu-devananda

33. Diese Asana heilt Leiden des Magens, der Drüsen und der Milz und beseitigt alle Beschwerden, die durch zu viel Winde, Galle oder Schleim verursacht sind. Sie verdaut mit Leichtigkeit unmäßig und durcheinander eingenommenes Essen und verwandelt sogar das schreckliche Gift Halahala zu Asche.

Sukadev

33. Diese Asana heilt Leiden des Magens, der Drüsen und der Milz und beseitigt alle Beschwerden, die durch zu viel Winde, Galle oder Schleim verursacht sind.

Gut, das ist leider so übersetzt worden. Irgendwann sollten wir das mal ausradieren und die ursprünglichen Sanskritbegriffe reintun. Die Sanskritbegriffe, die dort stehen, sind Vata, Pita und Kapha. Gut, und damit behauptet der Swatmarama, dass, wenn man Mayurasana ausführt, diese drei Doshas, die im Ayurvedasystem eine große Rolle spielen, zum Gleichgewicht gebracht werden. Es ist also eine sehr gute Übung. Und man kann die Hatha Yoga Pradipika auch gut lesen, gerade wenn man Ayurveda etwas kennt, dann sieht man, dass da auf einige Konzepte der Ayurveda eingegangen wird, dass einem praktisch gezeigt wird, wo die Asanas das Ayurvedasystem gut ergänzen können. Und der Pfau verbrennt eben Gifte, die im Ayurveda auch Ama genannt werden. Und diese Gifte, wenn die verbrannt werden, dann kommen auch die Doshas wieder ins Gleichgewicht. Also eine ganze Menge.

Gut, das Erste – heilt Leiden des Magens, der Drüsen und der Milz. Auch Mayurasana erhöht das Verdauungsfeuer. Und wenn irgendjemand irgendwelche Verdauungsbeschwerden hat, würde ich mal raten, arbeitet mal ein viertel Jahr lang, die Mayurasana lange zu halten. Und so ist es durchaus wert, den Pfau zu üben und zu lernen versuchen. Natürlich, der Pfau wird sehr schwer, wenn nicht unmöglich, wenn die Länge der Oberarmknochen zu kurz ist. Dann reichen die Arme nicht rein. Je dicker der Bauch ist, um so schwerer wird’s. Umgekehrt, ist fast kein Bauchspeck da, und man geht in den Pfau, dann drücken die Ellbogen zuviel in die Organe und die Wirbelsäule. Das ist dann das Umgekehrte. So ne mittlere Bauchdecke ist am einfachsten. Ein Tipp für die Hyperschlanken: Man kann eine Decke oberhalb der Oberarme setzen, dann ist es etwas angenehmer. Dann drücken die Knochen der Ellbogen nicht so und quetschen die Organe vor der Wirbelsäule. Für manche kann es sehr schwierig werden, und manche können’s nicht machen, aber es können erheblich mehr Menschen den Pfau machen, als sie denken. Und wenn ihr die Füße noch nicht hochkriegt, dann haltet halt die Hände dort, gebt ein bisschen Druck in den Bauch und hebt den Kopf ein bisschen hoch. Lange halten heißt normalerweise eine halbe bis eine Minute, sehr viel länger hält man kaum Mayurasana. Mir hat mal jemand gesagt, man müsste fünf Minuten Mayurasana halten. Ich musste bei dreieinhalb Minuten aufgeben, ich hab’s ein halbes Jahr probiert. Fünf Minuten Pfau ist schwerer als zwei Stunden Kopfstand. Aber wer’s kann, also da gibt’s ganz besondere Wirkungen, wenn man lange Mayurasana hält.

Dann sagt er hier: Beseitigt alle Beschwerden, die durch zu viel Vata, Pita, Kapha verursacht sind. Man findet öfter, jetzt in dieser Übersetzung, Vata übersetzt mit Wind, Pita übersetzt mit Galle, und Kapha übersetzt mit Schleim. Im Sanskrit steht dort immer, wenn ihr Winde findet Vata, wenn ihr Galle findet Pita, und immer wenn ihr Schleim dort seht, findet ihr Kapha. Übrigens noch ein Wort zu Kapha. Kapha auf Sanskrit wird ausgesprochen Kap-ha. Aber die Hindis, noch ein weiteres Beispiel, bei den Hindis wird ph mit f ausgesprochen. Kaffa. Und da die meisten Ayurvedaärzte nicht Sanskrit, sondern Hindi sprechen, sagen sie Kaffa und nicht Kap-ha, wie es vom Sanskrit her korrekt wäre. Vata ist mehr die luftige Energie, Pita ist die feurige Energie, und Kapha ist die mehr wässrig-erdige Energie. Und die Theorie von Ayurveda bezüglich Krankheiten ist ja, dass Krankheiten kommen, wenn eines der drei Doshas aus seinem natürlichen Mischungsverhältnis herauskommt und zu stark wird. Wenn eben Vata zu stark wird, dann wird der Mensch unruhig, ängstlich, hat Schlafschwierigkeiten, kann sich nicht konzentrieren, und wird vielleicht sogar auch verstopft und so weiter. Wenn das Pita zu stark wird, wird der Mensch eher jähzornig, neigt zu Entzündungen und fühlt sich frustriert und ärgerlich. Wenn Kapha zu stark ist, wird der Mensch träge und hat keine Lust zu irgendwas und es geht in Depressionen, bekommt alle möglichen Gewebeansammlungen und Wasseraufschwemmungen und so weiter, und Schleimproduktion steigt zu weit. Und so, wenn Vata, Pita oder Kapha zu stark wird, dann gibt’s Probleme. So sind die Hatha-Yoga-Übungen auch dazu ausgerichtet, ein Übermaß von Vata, Pita und Kapha zu reduzieren. Und es gibt manche Übungen, die eine ganz spezifische Wirkung haben auf eines der Doshas, und es gibt manche Übungen, die, egal welches Dosha zuviel ist, dieses Dosha reduzieren. Mayurasana z.B., gilt als eine der Übungen, die ein zuviel an irgendwelchen Doshas reduzieren, und so die Doshas zur natürlich angeborenen Prakriti, der natürlich angeborenen Konstitution zurückführen. Gut, also Mayurasana ist gut gegen Unausgewogenheit vonVata, Pita, oder Kapha.

– Sie verdaut mit Leichtigkeit unmäßig und durcheinander eingenommenes Essen.

D.h. wer viel Pfau macht, der kann, der braucht weniger so genau auf seine Ernährung zu achten, mindestens langfristig. Kurzfristig ist es sogar so, wenn man die Asanas und Pranayama verstärkt, dann wird’s sogar so sein, dass man noch sensibler wird. Dann kann man gar nicht mehr die Dinge essen, die einem nicht mehr bekommen. Aber langfristig wird es so sein, dass das Verdauungsfeuer stärker wird, und man dann auch Dinge verdauen kann, die man vorher nicht so verdauen konnte. Das heißt jetzt nicht, das man direkt nach dem Essen den Pfau machen sollte. Obgleich ich euch jetzt eine mit Vorsicht zu genießende Sache sage. Wenn man gemerkt hat nach einer Mahlzeit, die Mahlzeit ist einem nicht bekommen, dann kann man auch einen Liter Salzwasser trinken, oder soviel reingeht, zwei, drei Finger in den Hals, sich übergeben, einen Einlauf nehmen. Anschließend noch mal einen halben bis dreiviertel Liter Wasser trinken und dann eine Minute Pfau machen. Dann ist die ganze Geschichte durch und man braucht jetzt nicht tagelang sich schlecht zu fühlen. Ich sage das, mit Vorsicht zu genießen, wenn jemand von euch ne Geschichte von Bulimie hatte, Ess-/Brechsucht, der macht das bitte nicht. Es ist besser, ein paar Tage übel zu sein, als wieder in diese Suchtkrankheit hinein zu versinken. Und selbstverständlich soll das jetzt keine Ausrede sein, dass man jetzt künftig alles essen kann und nachher weiß man ja, wie man damit umgeht. Aber wenn man mal irgendwo ist und man stellt eben fest, es wird einem übel und schlecht, anstatt da eine Woche zu leiden, kann man diese drei Dinge machen. Kunjar Kriya, Einlauf und noch mal etwas trinken und eine Minute oder so lange, wie es irgend geht Pfau machen. Vielleicht sogar drei oder vier Mal wiederholen. Und dann ist die Sache überstanden.

– und verwandelt sogar das schreckliche Gift Halahala zu Asche.

Das bezieht sich jetzt auf Verschiedenes. Ich habe mal den Mythos vom Milchozean erzählt. Dort habe ich den Mythos insgesamt auf’s Ego bezogen. Aber es gibt noch etwas anderes. Wenn wir intensiv üben, kommen auch verschiedene Reinigungserfahrungen. Und manche haben Reinigungserfahrungen in Form von Kopfweh, manche haben Reinigungserfahrungen in Form von Müdigkeit, manche haben Reinigungserfahrungen in Form von Emotionen und so weiter. Und wenn man merkt, dass dort viele Reinigungserfahrungen kommen, und auch z.B., was manchen Menschen passiert, dass sie mal, nachdem sie eine sehr hohe Erfahrung hatten, dass sie dann abstürzen. Da haben mir grad aus der Gruppe schon zwo Teilnehmerinnen davon erzählt, dort kann helfen, tatsächlich Mayurasana zwo oder drei Mal am Tag zu machen und auch länger zu halten. Kann man probieren. Das hilft, dass diese dunkle Energie, die schon da war und jetzt freigesetzt worden ist und die einen in so eine Depression reinstürzt, dass diese dann verbrannt wird. Also haltet das so im Hinterkopf. Wenn ihr irgendwie nach einer intensiven Praxis, anstatt das ihr euch besser fühlt, fühlt ihr euch irgendwie schlechter, macht dann den Pfau besonders häufig. Und natürlich noch wichtiger ist Beten, und einige Praktiken weitermachen, durchaus mit der gebotenen Sturheit. Nicht die Praktiken auf Null reduzieren, sondern sagen: Eine halbe Stunde am Tag mache ich jetzt diese Praktiken, ob ich Lust darauf hab oder nicht. Etwas braucht man, sonst kann man noch tiefer fallen. Und dafür haben wir ja die Buddhi, unseren Intellekt, unsere freie Urteilskraft, Unterscheidungskraft, dass wir nicht all das machen, wonach wir uns fühlen, sondern dass wir mal auch Dinge machen, wonach wir uns nicht fühlen. Und wenn’s mal eine Phase gibt, wo man eben in Depressionen hinein kommt und traurig ist und gar keine Lust zu irgendwas hat, wäre es wichtig, etwas zu machen. Einfach, damit das Prana nicht noch weiter abfällt, sondern um es etwas zu stabilisieren und dann kommt auch wieder der aufsteigende Ast. Und natürlich mit jemandem zu sprechen kann dann auch helfen, und Pfau eben auch.

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1. Kapitel, Vers 34

Deutsche Übersetzung:

Ausgestreckt wie eine Leiche auf dem Boden ruhen, dieses ist Shavasana. | Shavasana vertreibt die Müdigkeit und bringt Entspannung in den Geist und Körper.

Sanskrit Text:

  • uttānaṁ śava-vad bhūmau śayanaṁ tac chavāsanam |
    śavāsanaṁ śrānti-haraṁ citta-viśrānti-kārakam ||34||
  • उत्तानं शबवद् भूमौ शयनं तच्छवासनम् ।
    शवासनं श्रान्तिहरं चित्तविश्रान्तिकारकम् ॥३४॥
  • uttanam shavavad bhumau shayanam tach chhavasanam |
    shavasanam shranti haram chitta vishranti karakam ||34||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • uttānaṁ : (auf dem Rücken) ausgestreckt (Uttana)
  • śava-vat : wie ein Leichnam (Shava)
  • bhūmau: auf der Erde, dem Erdboden (Bhumi)
  • śayanaṁ : (das) Liegen, Ruhen (Shayana)
  • tad : das (ist, Tad)
  • śava-āsanam : (die) Leichenstellung (Shavasana)
  • śava-āsanaṁ : (die) Leichenstellung
  • śrānti : Ermüdung, Erschöpfung (Shranti)
  • haraṁ : beseitigt, nimmt fort (Hara)
  • citta : (des) Geist(es, Chitta)
  • viśrānti : Erholung, Ruhe (Vishranti)
  • kārakam : bewirkt, verursacht (Karaka)      ||34||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

34. Auf dem Boden mit dem Rücken in voller Länge zu liegen wie ein Leichnam wird Savasana genannt. Das erleichtert die Erschöpfung, die von den anderen Asanas hervorgerufen wird, und bringt dem Geist Ruhe.

Sukadev

34. Auf dem Boden mit dem Rücken in voller Länge zu liegen wie ein Leichnam

– Savasana genannt. Das erleichtert die Erschöpfung, die von anderen Asanas hervorgerufen wird, und bringt dem Geist Ruhe.

So habt ihr’s noch nicht gehört auf der Yogalehrerausbildung, der Sinn von Savasana. Aber ihr habt wahrscheinlich auch schon gespürt, gerade wenn man intensiv Asanas geübt hat. Aber ihr wisst ja, Shavasana hat natürlich auch noch andere Gründe. Es hilft, das Prana, das erweckt worden ist, die einzelnen Chakras, die geöffnet worden sind, […]  Praxis verkürzen, die Entspannung, vielleicht auf zwei Minuten, und das reicht ihnen auch aus. Machen vielleicht die Tiefenentspannung, die längere, in der Mittagspause, oder auch beim Einschlafen oder wenn sie von der Arbeit kommen. Und morgens die Tiefenentspannung ist kurz, aber mindestens diese zwei Minuten sollten schon da sein. Und wenn man merkt, dass die Asanapraxis energiemäßig besonders wirksam war, dann sollte man schon Tiefenentspannung so lange machen, bis man das Gefühl hat, es ist ruhig und harmonisch geworden. Und so wird auch der Geist ruhig.

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1. Kapitel, Vers 35

Deutsche Übersetzung:

Und 84 Asanas sind von Shiva beschrieben worden, | von diesen sind vier als Essenz extrahiert worden. [Diese] beschreibe ich.

Sanskrit Text:

  • catur-aśīty āsanāni śivena kathitāni ca |
    tebhyaś catuṣkam ādāya sāra-bhūtaṁ bravīmy aham ||35||
  • चतुरशीत्यासनानि शिवेन कथितानि च ।
    तेभ्यश्चतुष्कमादाय सारभूतं ब्रवीम्यहम् ॥३५॥
  • chatur ashity asanani shivena kathitani cha |
    tebhyash chatushkam adaya sara bhutam bravimy aham ||35||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • catur-aśīti : 84 (Chaturashiti)
  • āsanāni : (Körper-)Stellungen (Asana)
  • śivena : von Shiva
  • kathitāni : wurden gelehrt, erwähnt (Kathita)
  • ca : und, aber (Cha)
  • tebhyaḥ : von diesen, aus diesen (Tad)
  • catuṣkam : vier („eine Gruppe von vier“, Chatushka)
  • ādāya : genommen, ausgewählt habend (ā + )
  • sāra-bhūtaṁ : als Hauptsache, als Bestes („als das, was die Essenz ist“, Sarabhuta)
  • bravīmi : bespreche, beschreibe (brū)
  • aham : ich (Aham)       ||35||

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Brahmananda

Goraksha sagt: „Es gibt so viele Asanas, wie es lebende Wesen gibt. Shiva hat vierundachtzig Lakhs (ein Lakh = 100.000) gezählt, und nur er kennt sie. Von diesen hat er vierundachtzig ausgewählt, unter diesen vier am meisten von Bedeutung und Nutzen.

Vishnu-devananda

35. Die Zahl der Asanas, die uns Shiva gegeben hat, beträgt vierundachtzig. Von diesen werde ich vier der allerwichtigsten beschreiben.

Sukadev

35. Die Zahl der Asanas, die uns Siva gegeben hat, beträgt vierundachtzig

mal hunderttausend Stück, also 8 Millionen 400.000. Hier steht zwar nur 84, aber im Goraksha Sataka steht von 84 Lakhs, und ein Lakh ist 100.000. 8 Millionen 400.000. Von diesen 8 Millionen 400.000 sind 84 besonders wichtig. Und auf unserer Internetseite habt ihr jetzt so eine Seite, wo all die 84 Asanas drin sind mit ein paar mehr noch, aber die 84 sind die wichtigsten.

– Von diesen werde ich vier der allerwichtigsten beschreiben.

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1. Kapitel, Vers 36

Deutsche Übersetzung:

Siddhasana, Padmasana, Simhasana und Bhadrasana – also diese vier. | Von diesen ist Siddhasana sogar noch die beste und bequem zum fortwährenden Verweilen.

Sanskrit Text:

  • siddhaṁ padmaṁ tathā siṁhaṁ bhadraṁ veti catuṣṭayam |
    śreṣṭhaṁ tatrāpi ca sukhe tiṣṭhet siddhāsane sadā ||36||
  • सिद्धं पद्मं तथा सिंहं भद्रं वेति चतुष्टयम् ।
    श्रेष्ठं तत्रापि च सुखे तिष्ठेत्सिद्धासने सदा ॥३६॥
  • siddham padmam tatha simham bhadram veti chatushtayam |
    shreshtham tatrapi cha sukhe tishthet siddhasane sada ||36||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • siddhaṁ : (die Sitzhaltung der) Vollkommenen (Siddha)
  • padmaṁ : (die Sitzhaltung des) Lotus (Padma)
  • tathā : ebenso, desgleichen (Tatha)
  • siṁhaṁ : (die Sitzhaltung des) Löwen (Simha)
  • bhadraṁ : (die Sitzhaltung der) Glücklichen (Bhadra)
  • vā : oder (auch, Va)
  • iti : so (lauten, Iti)
  • catuṣṭayam : die vier („die Gruppe der vier“, Chatushtaya)
  • śreṣṭhaṁ : besten (Sitzhaltungen, Shreshtha)
  • tatra : unter diesen (vier, Tatra)
  • api : auch, sogar (Api)
  • ca : und, aber (Cha)
  • sukhe : (welche besonders) angenehm, bequem  ist, Sukha)
  • tiṣṭhet : man soll verweilen (sthā)
  • siddhāsane : in der Sitzhaltung der Vollkommenen, im vollkommenen Sitz (Siddhasana)
  • sadā : immer, stets (Sada)     ||36||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

36. Es sind dies: Siddha, Padma, Simha und Bhadra. Von diesen ist die angenehmste und vortrefflichste Siddhasana.

Sukadev

36. Es sind dies: Siddhasana, Padmasana, Simhasana und Bhadrasana. Von diesen ist die angenehmste und vortrefflichste Siddhasana.

Die er vorher schon mal beschrieben hatte und Virasana genannt hat.

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1. Kapitel, Vers 37

Deutsche Übersetzung:

Nun wird Siddhasana erklärt: Die Ferse wird direkt an den Beckenboden gelegt; der andere Fuß wird fest oberhalb des Genitals platziert. Nun wird das Kinn fest auf das Herz gedrückt. | Hier verweilend mit zurückgezogenen Sinnen, richtet [der Yogi] den Blick unbeweglich zwischen die Augenbrauen. Die Position ist als Siddhasana bekannt, da sie die Pforte zur Erlösung aufbricht.

Sanskrit Text:

  • atha siddhāsanam
    yoni-sthānakam aṅghri-mūla-ghaṭitaṁ kṛtvā dṛḍhaṁ vinyasen
    meṇḍhre pādam athaikam eva hṛdaye kṛtvā hanuṁ su-sthiram |
    sthāṇuḥ saṁyamitendriyo’cala-dṛśā paśyed bhruvor antaraṁ
    hy etan mokṣa-kapāṭa-bheda-janakaṁ siddhāsanaṁ procyate ||37||
  • अथ सिद्धासनम्
    योनिस्थानकमङ्घ्रिमूलघटितं कृत्वा दृढं विन्यसे-
    न्मेण्ढ्रे पादमथैकमेव हृदये कृत्वा हनुं सुस्थिरम् ।
    स्थाणुः संयमितेन्द्रियोऽचलदृशा पश्येद्भ्रुवोरन्तरं
    ह्येतन्मोक्षकपाटभेदजनकं सिद्धासनं प्रोच्यते ॥३७॥
  • atha siddhasanam
    yoni sthanakam anghri mula ghatitam kritva dridham vinyasen
    mendhre padam athaikam eva hridaye kritva hanum susthiram |
    sthanuh samyamitendriyo ’chala drisha pashyed bhruvor antaram
    hy etan moksha kapata bheda janakam siddhasanam prochyate ||37||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • atha : nun (Atha)
  • siddha-āsanam : (wird) Siddhasana (erklärt)
  • yoni* : (des) Dammes, Beckenbodens („des Ursprungs“, Yoni)
  • sthānakam : (den) Ort, (die) Stelle (Sthanaka)
  • aṅghri-mūla : (an die) Ferse („Fuß-Wurzel, Ursprung des Fußes“, Anghrimula)
  • ghaṭitaṁ : angelegt, verbunden (Ghatita)
  • kṛtvā : habend („machend“, kṛ)
  • dṛḍhaṁ : fest (Dridha)
  • vinyaset : man lege (vi + ni + as)
  • meṇḍhre : oberhalb des Gliedes, über das Glied (Mendhra)
  • pādam : Fuß (Pada)
  • atha : und, nun, dann
  • ekam : einen (Eka)
  • eva : wahrlich, nur (eva)
  • hṛdaye : auf der Brust („der Herzgegend“, Hridaya)
  • kṛtvā : machend
  • hanuṁ : (das) Kinn (Hanu)
  • su-sthiram : ganz fest, stabil (Su Sthira)
  • sthāṇuḥ : aufrecht, unbeweglich (Sthanu)
  • saṁyamita : (mit) gesammelten, kontrollierten („bezwungenen“, sam + yam)
  • indriyaḥ : Sinn(en, Indriya)
  • acala : unverwandt, unbeweglich (Achala)
  • dṛśā : mit dem Blick („Auge“, Drish)
  • paśyet : man schaue (paś)
  • bhruvoḥ : beide Brauen (Bhru)
  • antaraṁ : zwischen (Antara)
  • hi : weil (Hi)
  • etad : diese (Sitzhaltung, Etad)
  • mokṣa : (zur) Befreiung (Moksha)
  • kapāṭa : (der) Tür (Kapata)
  • bheda : (das) Aufbrechen, Öffnen (Bheda)
  • janakaṁ : bewirkt, verursacht (Janaka)
  • siddhāsanaṁ : Sitzhaltung der Vollkommenen, vollkommene Sitzhaltung (Siddhasana)
  • procyate : wird (sie) genannt (pra + vac)    ||37||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt die Bedeutung von Yoni, was hier „Damm“ bedeutet, wie folgt: – „der Bereich (Pradesha) zwischen (Madhyama) Anus (Guda) und Geschlechtsorgan (Upastha), das (Tad) ist die Stelle (Sthana) des Dammes (Yoni)“: gudopasthayor madhyama-pradeśaḥ yoni-sthanaṃ tat.

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

37. Drücke mit der Ferse fest an den Damm und bringe die andere Ferse über das Glied (oder das Schambein). Hefte dein Kinn eng auf deine Brust. Bleibe aufrecht, deine Organe unter Kontrolle, und richte deinen Blick auf den Punkt zwischen den Augenbrauen. Das wird Siddhasana genannt und beseitigt jedes Hindernis auf dem Weg zur Befreiung.

Sukadev

37. Drücke mit der Ferse fest an den Damm

also unterhalb des Kandhapunktes

– und bringe die andere Ferse über das Glied (oder Schambein).

Und jetzt beschreibt er noch Jalandhara Bandha damit.

– Hefte dein Kinn eng an deine Brust. Bleibe aufrecht, deine Organe unter Kontrolle, und richte Deinen Blick auf den Punkt zwischen den Augenbrauen. Das wird Siddhasana genannt und beseitigt jedes Hindernis auf dem Weg zur Befreiung.

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1. Kapitel, Vers 38

Deutsche Übersetzung:

Den linken Knöchel oberhalb des Genitals platzieren und den anderen Knöchel gleichermaßen oberhalb [des Genitals] ablegen. Auch dies wird [als Variation] Siddhasana genannt.

Sanskrit Text:

  • meṇḍhrād upari vinyasya savyaṁ gulphaṁ tathopari |
    gulphāntaraṁ ca nikṣipya siddhāsanam idaṁ bhavet ||38||
  • मेण्ढ्रादुपरि विन्यस्य सव्यं गुल्फं तथोपरि ।
    गुल्फान्तरं च निक्षिप्य सिद्धासनमिदं भवेत् ॥३८॥
  • mendhrad upari vinyasya savyam gulpham tathopari |
    gulpha antaram cha nikshipya siddhasanam idam bhavet ||38||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • meṇḍhrāt : vom Glied (Mendhra)
  • upari : oberhalb (Upari)
  • vinyasya : (an)legend, platzierend (vi + ni + as)
  • savyaṁ : (den) linken (Savya)
  • gulphaṁ : Knöchel (Gulpha)
  • tathā : ebenso, in gleicher Weise (Tatha)
  • upari : darüber, über (diesen)
  • gulpha : Knöchel
  • antaraṁ : (den) anderen (Antara)
  • ca : und (Cha)
  • nikṣipya : legend (ni + kṣip)
  • siddhāsanam : (die) Sitzhaltung der Vollkommenen, vollkommene Sitzhaltung (Siddhasana)
  • idaṁ : (auch) dies (Idam)
  • bhavet : ist, sei, soll sein (bhū)   ||38||

*Anmerkung: Diese Variation von Siddhasana ist auch als Guptasana bekannt, da die beiden übereinandergelegten Knöchel das Geschlechtsteil verborgen (Gupta) halten (vgl. auch die Anmerkung zu Vers 39).

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Brahmananda

38. Jene Siddhasana, wie sie in den vorangegangenen Slokas beschrieben wird, wird von den Nachfolgern Matsyendra praktiziert. Die nun beschriebene gehört zu den anderen Schulen.

Vishnu-devananda

38. Bringe die rechte Ferse über das Glied und die linke über die rechte Ferse. Das wird auch Siddhasana genannt.

Sukadev

38. Bringe die rechte Ferse über das Glied und die linke Ferse über die rechte Ferse. Das wird auch Siddhasana genannt.

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1. Kapitel, Vers 39

Deutsche Übersetzung:

Diese (Sitzhaltung) nennen (einige) die Position der Erleuchteten (Siddhasana), andere kennen sie als Diamant-Stellung (Vajrasana). | Einige nennen sie Befreite-Wesen-Position (Muktasana), wieder andere kennen sie als die geheime Position (Guptasana).

Sanskrit Text:

  • etat siddhāsanaṁ prāhur anye vajrāsanaṁ viduḥ |
    muktāsanaṁ vadanty eke prāhur guptāsanaṁ pare ||39||
  • एतत्सिद्धासनं प्राहुरन्ये वज्रासनं विदुः ।
    मुक्तासनं वदन्त्येके प्राहुर्गुप्तासनं परे ॥३९॥
  • etat siddhasanam prahur anye vajrasanam viduh |
    muktasanam vadanty eke prahur guptasanam pare ||39||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • etad : diese (Sitzposition, Etad)
  • siddhāsanaṁ : Sitzhaltung der Vollkommenen, vollkommene Sitzhaltung (Siddhasana),
  • prāhuḥ : nennt man („sie nennen“, pra + ah)
  • anye : andere (Anya)
  • vajrāsanaṁ : (sie als die) Diamant-Sitzhaltung (Vajrasana)
  • viduḥ : kennen (vid)
  • muktāsanaṁ : (sie die das Glied) nicht verbergende („freigebende“) Sitzhaltung (Muktasana)
  • vadanti : nennen (vad)
  • eke : einige (Eka)
  • prāhuḥ : nennen
  • guptāsanaṁ : (sie die das Glied) verbergende Sitzhaltung (Guptasana)
  • pare : (wieder) andere (Para)     ||39||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda beschreibt die folgenden vier Varianten:

  1. Siddhasana: die linke Ferse (Parshni) liegt am Damm (Yoni), die rechte Ferse über dem Glied (Mendhra)
  2. Vajrasana: die rechte Ferse liegt am Damm, die linke Ferse über dem Glied
  3. Muktasana: beide Fersen liegen übereinandergelegt am Damm, das Glied bleibt frei (Mukta)
  4. Guptasana: beide Fersen liegen übereinandergelegt über dem Glied, dieses wird so verborgen bzw. „geschützt“ (Gupta)

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

39. Manche sagen, das sei Siddhasana, andere Vajrasana, andere Muktasana und andere Guptasana.

Sukadev

39. Manche sagen, das sei Siddhasana, andere Vajrasana, andere Muktasana und andere Guptasana.

Es gibt also verschiedene Worte für die gleiche Asana. Die Hatha Yogis waren nicht so, es gab keine Konzile, wo die sich geeinigt haben, wie was genannt wird. Es gibt Traditionen, und die Meister haben was gefunden, Namen gegeben und andere haben sie anders genannt.

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1. Kapitel, Vers 40

Deutsche Übersetzung:

Wie maßvolle Ernährung unter den Yamas und Gewaltlosigkeit unter den Niyamas am wichtigsten ist, | so ist unter den Asanas Siddhaasana, von den erleuchteten Wesen, als die Erste bekannt.

Sanskrit Text:

  • yameṣv iva mitāhāram ahiṁsā niyameṣv iva |
    mukhyaṁ sarvāsaneṣv ekaṁ siddhāḥ siddhāsanaṁ viduḥ ||40||
  • यमेष्विव मिताहारमहिंसा नियमेष्विव ।
    मुख्यं सर्वासनेष्वेकं सिद्धाः सिद्धासनं विदुः ॥४०॥
  • yameshv iva mitaharam ahimsa niyameshv iva |
    mukhyam sarvasaneshv ekam siddhah siddhasanam viduh ||40||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • yameṣu : (unter den) Yama (genannten Regeln)
  • iva : wie (Iva)
  • mita-āhāram : maßvolles Essen (Mitahara)
  • ahiṁsā : Gewaltlosigkeit, Nichtschädigen (Ahimsa)
  • niyameṣu : (unter den) Niyama (genannten Regeln)
  • iva : wie
  • mukhyaṁ : erste, beste, wichtigste, vorzüglichste (Mukhya)
  • sarva : (unter) allen (Sarva)
  • āsaneṣu : Sitzhaltungen, Körperstellungen (Asana)
  • ekaṁ : (als die) eine, einzige, alleinige (Eka)
  • siddhāḥ : (die) Vollkommenen (Siddha)
  • siddhāsanaṁ : (die) Sitzhaltung der Vollkommenen, vollkommene Sitzhaltung (Siddhasana)
  • viduḥ : (so) kennen (vid)     ||40||

*Anmerkung: Im Vers 17 wurden sowohl Mitahara (maßvolles Essen) als auch Ahimsa (Gewaltlosigkeit) unter die zehn Yamas gezählt, während im vorliegenden Vers Ahimsa als wichtigster der Niyamas erwähnt wird. Dies deutet darauf hin, dass die Verse 17 und 18 nicht zum ursprünglichen Text gehören, sondern vermutlich aus späteren Kommentaren übernommen worden sind, die offenbar durch das Yogasutra (II, 30) beeinflusst waren. Dort wird Ahimsa als erster und wichtigster der (fünf) Yamas aufgelistet (vgl. auch die Anm. zu Vers 17).

Kommentare – Audio – Video

Brahmananda

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Vishnu-devananda

40. Die Siddhas sagen, dass unter den Niyamas die bedeutendste ist, niemandem irgendein Leid zuzufügen, und unter den Yamas eine gemäßigte Diät; so ist es mit Siddhasana unter den Asanas.

Sukadev

40. Die Siddhas sagen, dass unter den Niyamas die bedeutendste ist Ahimsa, niemandem ein Leid zuzufügen, und unter den Yamas eine gemäßigte Diät; so ist es mit Siddhasana unter den Asanas.

Es gibt verschiedene Namen, und das ist jetzt nicht so eindeutig zugeordnet. Die Namen der Asanas haben jetzt nicht unbedingt Mantracharakter. Das sind einfach Bezeichnungen. Die Virhabhadrasana wird dann als Helden– oder Kriegerstellung bezeichnet, aber eigentlich ist es die Stellung eines bestimmten Dieners von Shiva, der heißt Virhabhadra, aber Virha heißt auch,’der voller Kraft ist’, und dann kann man das genau so gut nennen‚’die auf einem Bein gebeugt stehende Übung’. Die Vorwärtsbeuge kann man Paschimottanasana nennen, Paschimottan – die die Wirbelsäule öffnet. Oder man kann sie nennen ‚die ‚Dwipadaasana, die Zweifußstellung’, weil wir da mit beiden Händen an die Füße gehen. Und so gibt’s verschiedene Namen, und manchmal bezeichnet sogar der gleiche Name zwei verschiedene Übungen. Selbst Sanskrit ist nicht so präzise. Jetzt hat er’s zwar ein bisschen durcheinander gebracht hier, denn Ahimsa gehört zu den Yamas, und die gemäßigte Diät hat er sowohl unter den Yamas als auch Niyamas. Aber die Hatha Yoga Pradipika ist keine logische Schrift. Will halt hier sagen, von allen Yamas und Niyamas ist Ahimsa wichtig. Beim Hatha Yoga ist besonders wichtig die richtige Ernährung, sattvige Ernährung. Und Siddhasana gilt als wichtigste Asana. Gerade für Pranayama, wer’s irgendwie kann, ist es empfehlenswert, Siddhasana zu üben und zu lernen.

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