3. Kapitel, Vers 41

Deutsche Übersetzung:

Das Wandelbare des Menschen (Chitta) bewegt sich (Charti) in die Leere (Khe), weil die Zunge dorthin geht und sich in der Leere (Khe) bewegt (Charti). | Deshalb wurde von den vollkommenen Meistern (Siddha) Khechari als Name für dieses Mudra gewählt.

Sanskrit Text:

  • cittaṁ carati khe yasmāj jihvā carati khe gatā |
    tenaiṣā khe-carī nāma mudrā siddhair nirūpitā ||41||
  • चित्तं चरति खे यस्माज् जिह्वा चरति खे गता ।
    तेनैषा खेचरी नाम मुद्रा सिद्धैर् निरूपिता ॥४१॥
  • chittam charati khe yasmaj jihva charati khe gata |
    tenaisha khechari nama mudra siddhair nirupita ||41||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • cittaṁ : (der) Geist (Chitta)
  • carati : sich aufhält („bewegt“, car)
  • khe : im leeren Raum (zwischen den Augenbrauen, Kha)
  • yasmāt : weil (Yad)
  • jihvā : (und die) Zunge (Jihva)
  • carati : sich aufhält („bewegt“)
  • khe : im leeren Raum (des Schädels)
  • gatā : befindlich („gegangen“, Gata)
  • tena : deshalb, daher (Tad)
  • eṣā : dieses (Etad)
  • khe-carī : Khechari (“die im leeren Raum wandelnde”)
  • nāma : namentlich, mit Namen (Nama)
  • mudrā : Siegel (Mudra)
  • siddhai : von den Vollkommenen (Siddha)
  • nirūpitā : wurde benannt („festgelegt“, Nirupita)         ||41||

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Brahmananda

41. Dieses Mudra wird von den Siddhas Khechari genannt, weil der Geist und die Zunge während dieser Zeit im Akasha verweilen.

Kha“ heißt „Akasha“ und „Chari“ bedeutet „sich bewegen“. Daher das Wort Khechari.

Vishnu-devananda

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Sukadev

41. Dieses Mudra wird von den Siddhas Khechari genannt, weil der Geist und die Zunge während dieser Zeit im Akasha verweilen.

Im unendlichen Raum bewegen. Deshalb Khechari Mudra.

Es gibt noch mehr von den Mudras. Und es gibt also einige auch Geheimlehren, einiges, was verschlüsselt ist, was man anders verstehen muss. Swami Vishnu beschreibt’s ja auch manchmal in Kommentaren, was damit eigentlich da zu verstehen ist. Im Hatha Yoga gibt’s allerdings auch Anleitungen zu Rotem Tantra, wie man beim Geschlechtsakt keine Energie verliert, sondern Energie sublimiert. Da gibt’s auch ein paar Mudras, die stehen im Rahmen des dritten Kapitels oder auch im Anhang. Es gibt da so ein paar Erläuterungen dazu.

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3. Kapitel, Vers 42

Deutsche Übersetzung:

Wer durch Khechari Mudra die Höhle am oberen Teil des Gaumens versiegelt hat, | für den verrinnt der Samen (Bindu) nicht einmal in Gegenwart einer erotischen Frau.

Sanskrit Text:

  • khe-caryā mudritaṁ yena vivaraṁ lambikordhvataḥ |
    na tasya kṣarate binduḥ kāminyāśleṣitasya ca ||42||
  • खेचर्या मुद्रितं येन विवरं लम्बिकोर्ध्वतः ।
    न तस्य क्षरते बिन्दुः कामिन्याः श्लेषितस्य च ॥४२॥
  • khecharya mudritam yena vivaram lambikordhvatah |
    na tasya ksharate binduh kaminyashleshitasya cha ||42||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • khe-caryā : durch Khechari (Mudra)
  • mudritaṁ : verschlossen („versiegelt“) wurde (Mudrita)
  • yena : durch welchen (Yogi, Yad)
  • vivaraṁ : (das) Loch, (die) Öffnung (Vivara)
  • lambikā* : (dem weichen) Gaumen (Lambika)
  • ūrdhvataḥ : hinter („oberhalb“, Urdhva)
  • na : nicht (Na)
  • tasya : dessen (Tad)
  • kṣarate : fließt (Kshar)
  • binduḥ : Samen („Tropfen“, Bindu)
  • kāminyā : von einer Geliebten, (jungen) Liebhaberin (Kamini)
  • āśleṣitasya : (wenn er) umarmt wird (Ashleshita)
  • ca : sogar (Cha)         ||42||

*Anmerkung: Man könnte vivaraṁ lambikordhvataḥ auch mit „die Öffnung hinter dem Gaumenzäpfchen (Lambika)“ übersetzen. Der Kommentator Brahmananda versteht lambikā hier als Gaumen (Talu): lambikā tālu.

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

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Sukadev

42. Wenn einer die Höhle an der Gaumenwurzel durch Khechari verschlossen hat, wird der Samen nicht ausströmen, sogar wenn ihn eine junge und leidenschaftliche Frau umarmt.

Also, man kann Khechari Mudra auch noch anwenden als Teil der tantrischen Praktiken, die ich jetzt nicht weiter ausführen werde. Deshalb überspringe ich den 43. Vers und geh in den 44.

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3. Kapitel, Vers 43

Deutsche Übersetzung:

Sogar wenn der Samen (Bindu) verlassen hat und die Region (Mandala) der Vagina (Yoni) erreicht hat, | wird er durch die Kraft (Shakti) von Yoni Mudra gebunden, eingesogen und nach oben gelenkt.

Sanskrit Text:

  • calito’pi yadā binduḥ samprāpto yoni-maṇḍalam |
    vrajaty ūrdhvaṁ hṛtaḥ śaktyā nibaddho yoni-mudrayā ||43||
  • चलितोऽपि यदा बिन्दुः सम्प्राप्तो योनिमण्डलम् ।
    व्रजत्य् ऊर्ध्वं हृतः शक्त्या निबद्धो योनिमुद्रया ॥४३॥
  • chalito’pi yada binduh samprapto yoni mandalam |
    vrajaty urdhvam hritah shaktya nibaddho yoni mudraya ||43||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • calitaḥ : vergossen wurde („sich fortbewegt hat“, Chalita)
  • api : sogar (Api)
  • yadā : wenn (Yada)
  • binduḥ : (der) Samen (“Tropfen”, Bindu)
  • samprāptaḥ : (und) erreicht hat (Samprapta)
  • yoni : (der) Vagina (Yoni)
  • maṇḍalam : (den) Bereich (Mandala)
  • vrajati : (er) geht (wieder, vraj)
  • ūrdhvaṁ : nach oben, aufwärts (Urdhva)
  • hṛtaḥ : erfasst, zurückgezogen (Hrita)
  • śaktyā : mit Kraft, nach Kräften (Shakti)
  • nibaddhaḥ : kontrolliert („gebunden“, Nibaddha)
  • yoni-mudrayā* : durch Yoni Mudra (d.h. Vajroli Mudra)     ||43||

*Anmerkung: Der Kommentator  Brahmananda beschreibt Yoni Mudra als ein Kontrahieren (Akunchana) des Penis (Medhra) und bemerkt, dass damit (etena) auf Vajroli Mudra verwiesen wird (Suchita): yoni-mudrayā meḍhrākuñcana-rūpayā etena vajrolī mudrā sūcitā.

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Brahmananda

43. Sogar wenn die Samenflüssigkeit sich bereits im Genitalorgan befindet, kann sie durch Ausüben des Yoni Mudras wieder an ihren Ursprungsort hinaufgezogen werden.

Yoni Mudra ist ein anderer Ausdruck für Vajroli Mudra. Da viele dieser Mudras im nachfolgenden Teil des Buches erscheinen, erachte ich es für notwendig, davor zu warnen, all dies zu wörtlich zu nehmen. Obwohl in Zusammenhang mit diesen Mudras als Voraussetzung angegeben wird, dass diese Vorgänge während des Geschlechtsverkehrs mit Frauen vollzogen werden sollen, bin ich fest davon überzeugt, dass dies ein Widerspruch in sich ist. Wir können nicht auch nur einen Augenblick lang annehmen, dass solche Begriffe wie „Frauen“, „Geschlechtsverkehr“ und „Samenfluss“ gerade was die Yogis betrifft, die sich ja bereits in Yama und Niyama vollendet haben, wörtlich zu verstehen sind. Darüberhinaus wird in demselben Buch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass man erst Vajroli Mudra zu üben beginnen sollte, nachdem man bereits in gewisses fortgeschrittenes Stadium im Samadhi erreicht hat. Ich glaube eher, dass sich das alles auf innere, mystische Vorgänge bezieht, die in Verbindung mit der höheren Entwicklung des Geistes stehen.

Vishnu-devananda

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Sukadev

[43. Sogar wenn die Samenflüssigkeit sich bereits im Genitalorgan befindet, kann sie durch Ausüben des Yoni Mudras wieder an ihren Ursprungsort hinaufgezogen werden.]

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3. Kapitel, Vers 44

Deutsche Übersetzung:

Ohne Zweifel besiegt der Kenner des Yoga den Tod in einem Halben Monat. | Seine Zunge ist nach oben fixiert, er praktiziert das Trinken des Mondnektars (Soma).

Sanskrit Text:

  • ūrdhva-jihvaḥ sthiro bhūtvā soma-pānaṁ karoti yaḥ |
    māsārdhena na sandeho mṛtyuṁ jayati yoga-vit ||44||
  • ऊर्ध्वजिह्वः स्थिरो भूत्वा सोमपानं करोति यः ।
    मासार्धेन न सन्देहो मृत्युं जयति योगवित् ॥४४॥
  • urdhva jihvah sthiro bhutva soma panam karoti yah |
    masardhena na sandeho mrityum jayati yogavit ||44||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • ūrdhva : (mit) nach oben gerichteter (Urdhva)
  • jihvaḥ : Zunge (Jihva)
  • sthiraḥ : unbeweglich (Sthira)
  • bhūtvā : geworden ist (bhū)
  • soma* : (des) Nektars (Soma)
  • pānaṁ* : (das) Trinken (Pana)
  • karoti : ausführt (kṛ)
  • yaḥ : wer (Yad)
  • māsa : Monat (Masa)
  • ardhena : in (einem) halben (Ardha)
  • na : nicht (Na)
  • sandehaḥ : (besteht hierüber ein) Zweifel (Sandeha)
  • mṛtyuṁ : (den) Tod (Mrityu)
  • jayati : besiegt (Ji)
  • yoga-vid : (ein solcher) Kenner des Yoga     ||44||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt soma-pānaṁ („das Trinken des Soma„) als das Trinken (Pana) des Mondnektars (ChandraAmrita), der aus der Höhlung (Vivara) hinter (Urdhva „oberhalb“) dem weichen Gaumen (bzw. Gaumenzäpfchen, Lambika) heruntertropft (Galita): somasya lambikordhva-vivara-galita-candrāmṛtasya pānaṃ soma-pānam (vgl. Vers 42).

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Brahmananda

44. Derjenige, der mit nach aufwärts gedrehter Zunge verharrt, trinkt den Somanektar mit konzentriertem Geist; er, der Yoga kennt und erfahren hat, wird zweifellos den Tod in 15 Tagen besiegen.

 (Wird nicht empfohlen, siehe Kommentar Vers 6)

Man sagt, dass der Mond oberhalb des Gaumens liegt und der Nektar, der aus ihm nach unten träufelt, von der Sonne, die sich in der Nähe des Nabels befindet, aufgesogen wird. Aber stoppt er nun den Nektarfluss, indem er die Öffnung im Gaumen seines Mundes schließt, so kann er sich ihn selbst zunutze machen und dadurch einen vorzeitigen Verschleiß seines Körpers verhindern. „Soma“ bedeutet Mond.

Vishnu-devananda

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Sukadev

44. Derjenige, der mit nach aufwärtsgedrehter Zunge verharrt, trinkt den Sonnennektar mit konzentriertem Geist; er, der Yoga kennt und erfahren hat, wird zweifellos den Tod in fünfzehn Tagen besiegen.

Gut, was heißt das? Wenn die Zunge nach hinten gerollt ist – und der Somanektar ist auch ein Name für die Mondflüssigkeit – dann wird der Mond aktiviert. Und wenn diese Mondenergie aktiv wird, ist es eine regenerierende, harmonisierende Kraft, die auch manchmal erfahren wird wie Gnade. Wie in der Apostelgeschichte der Heilige Geist, das kann man interpretieren zum einen als Kundalinienergie, und zum anderen auch als Soma. Umgekehrt könnte man sagen: „Soma ist so was wie eine Begleiterscheinung der Herabkunft des Heiligen Geistes“. Ich würde nicht sagen, dass Soma selbst der Heilige Geist ist, aber es gehört zu diesem Prinzip der kosmischen, nach unten strömenden, transformierenden, Hingabe erzeugenden Energie.

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3. Kapitel, Vers 45

Deutsche Übersetzung:

Der Körper von diesem Yogi ist immer mit der Unsterblichkeit des Mondes gefüllt, | selbst wenn er vom Prinz der Schlangen (Takshaka) gebissen wurde kriecht das Gift nicht in ihn.

Sanskrit Text:

  • nityaṁ soma-kalā-pūrṇaṁ śarīraṁ yasya yoginaḥ |
    takṣakeṇāpi daṣṭasya viṣaṁ tasya na sarpati ||45||
  • नित्यं सोमकलापूर्णं शरीरं यस्य योगिनः ।
    तक्षकेणापि दष्टस्य विषं तस्य न सर्पति ॥४५॥
  • nityam soma kala purnam shariram yasya yoginah |
    takshakenapi dashtasya visham tasya na sarpati ||45||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • nityaṁ : täglich („stets“, Nitya)
  • soma* : (des) Mondes (Soma)
  • kalā* : (mit dem) Nektar („Sechzehntel“, Kala)
  • pūrṇaṁ : voll, gefüllt ist (Purna)
  • śarīraṁ : Körper (Sharira)
  • yasya : dessen (Yad)
  • yoginaḥ : (ein) Yogin
  • takṣakeṇa : von (dem Schlangendämon) Takshaka
  • api : sogar (Api)
  • daṣṭasya : (der) gebissen wurde (Dashta)
  • viṣaṁ : (das) Gift (Visha)
  • tasya : in diesem (Tad)
  • na : nicht (Na)
  • sarpati : breitet sich aus („schleicht sich ein“, sṛp)     ||45||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt soma-kalā-pūrṇa als „erfüllt (Purna) mit dem Nektar (Amrita) des Mondsechzehntels (Chandrakala)“: soma-kalā-pūrṇaṃ candra-kalāmṛta-pūrṇam.

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Brahmananda

45. Was den Yogi betrifft, der seinen Körper täglich mit dem Nektarfluss vom Mond stärkt, so mag er sogar von der Schlange Takshaka gebissen werden, ohne dass das Gift sich in seinem Körper ausbreiten und ihm etwas anhaben kann.

Takshaka ist einer der acht Schlangenkönige in der Patala. Die bedeutendsten unter ihnen aber sind Sesha und Ananta.

Vishnu-devananda

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Sukadev

45. Was den Yogi betrifft, der seinen Körper täglich mit dem Nektarfluss vom Mond stärkt, so mag er sogar von der Schlange Takshaka gebissen werden, ohne dass das Gift sich in seinem Körper ausbreiten und ihm etwas anhaben kann.

Auch hier im übertragenen Sinne: Es gibt ja Menschen, die beißen uns. Jetzt nicht physisch, sondern so wie Schlangen, die vergiften unseren Geist. Wenn wir jetzt wirklich so in Kontakt sind mit der göttlichen Energie, dann können wir nicht so vergiftet werden, selbst wenn Menschen allen möglichen Unsinn erzählen. [Frage] Also das ist ein Aspekt der Energie. Das gibt’s im Individuum, das ist Tam, diese Zunge nach hinten, und es gibt dieses kosmische Korrelat, die nach unten strömende Energie Gottes. Die hängen beide miteinander zusammen.

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3. Kapitel, Vers 46

Deutsche Übersetzung:

So wie das Feuer das Holz und die Flamme den in Öldocht nicht verlässt, | so verlässt die Seele (Dehi) nicht den Körper (Deham) solange er voll von Mondnektar (Soma) ist.

Sanskrit Text:

  • indhanāni yathā vahnis taila-vartiṁ ca dīpakaḥ |
    tathā soma-kalā-pūrṇaṁ dehī dehaṁ na muñcati ||46||
  • इन्धनानि यथा वह्निस् तैलवर्ति च दीपकः ।
    तथा सोमकलापूर्णं देही देहं न मुञ्चति ॥४६॥
  • indhanani yatha vahnis taila vartim cha dipakah |
    tatha soma kala purnam dehi deham na munchati ||46||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • indhanāni : (das) Brennholz (Indhana)
  • yathā : wie (Yatha)
  • vahniḥ : Feuer (Vahni)
  • taila : (einen mit) Öl (Taila getränkten)
  • vartiṁ : Docht (Varti)
  • ca : und (Cha)
  • dīpakaḥ : (ein) Lampe(nlicht, Dipaka)
  • tathā : ebenso (Tatha)
  • soma :  (des) Mondes (Soma)
  • kalā : (mit dem) Nektar (“Sechzehntel”, Kala)
  • pūrṇaṁ : (der) gefüllt ist (Purna)
  • dehī : (die) Seele (der „Verkörperte“, Dehin)
  • dehaṁ : (den) Körper (Deha)
  • na : nicht (Na)
  • muñcati : verlässt (muc)        ||46||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

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Sukadev

46. Ebenso, wie ein Feuer nicht ausgeht, solange man Holz nachlegt, wie das Licht in einer Lampe nicht erlischt, so lange es durch Öl und Docht gespeist wird, verbleibt auch Jiva (die individuelle Seele) im Körper, solange sie durch die Strahlen des Mondes belebt wird.

Das ist eben das physische Korrelat davon, und nicht physisch, das grobstofflich-energetische Korrelat, Mond regeneriert auch den Körper.

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3. Kapitel, Vers 47

Deutsche Übersetzung:

Ich schätze den Yogi von einer guten Klan (Kula), wenn er fortwährend das Fleisch der Kuh (Go) verschluckt und den Nektar der Unsterblichkeit trinkt. | Alle anderen sind Zerstörer von jeglichem guten Klan (Kula).

Sanskrit Text:

  • gomāṁsaṁ bhakṣayen nityaṁ pibed amara-vāruṇīm |
    kulīnaṁ tam ahaṁ manya itare kula-ghātakāḥ ||47||
  • गोमांसं भक्षयेन् नित्यं पिबेद् अमरवारुणीम् ।
    कुलीनं तम् अहं मन्ये चेतरे कुलघातकाः ॥४७॥
  • gomamsam bhakshayen nityam pibed amara varunim |
    kulinam tam aham manya itare kula ghatakah ||47||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • go : (der) Kuh (Go)
  • māṁsaṁ : (das) Fleisch (Mamsa)
  • bhakṣayet : (einer) mag essen (bhakṣ)
  • nityaṁ : täglich (“stets”, Nitya)
  • pibet : (einer) mag trinken ()
  • amara : (der) Götter (der „Unsterblichen“, Amara)
  • vāruṇīm : (den) Branntwein (Varuni)
  • kulīnaṁ : (als) aus edler Familie stammend (Kulina)
  • tam : (einen) solchen (Yogi, Tad)
  • ahaṁ : ich (Aham)
  • manye : erachte (man)
  • itare : (die) anderen (Itara)
  • kula : (ihrer) Familie (Kula)
  • ghātakāḥ : (als) Zerstörer, Mörder  (Ghataka)       ||47||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

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Sukadev

47. Er mag täglich das Fleisch einer Kuh essen und Wein trinken, so betrachte ich ihn dennoch als Spross einer höchst vornehmen Familie.

Und jetzt erklärt er, wie das zu verstehen ist.

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3. Kapitel, Vers 48

Deutsche Übersetzung:

Mit dem Wort „Kuh (Go)“ ist die Zunge gemeint. | Ihr durchdringen durch den Gaumen ist das Essen des Fleisches der Kuh (Go). Es zerstört mit Sicherheit schlimme Sünden.

Sanskrit Text:

  • go-śabdenoditā jihvā tat-praveśo hi tāluni |
    go-māṁsa-bhakṣaṇaṁ tat tu mahā-pātaka-nāśanam ||48||
  • गोशब्देनोदिता जिह्वा तत् प्रवेशो हि तालुनि ।
    गोमांसभक्षणं तत् तु महापातकनाशनम् ॥४८॥
  • go shabdenodita jihva tat pravesho hi taluni |
    go mansa bhakshanam tat tu maha pataka nashanam ||48||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • go : „Kuh“ (Go)
  • śabdena : mit dem Wort (Shabda)
  • uditā : wird (hier) bezeichnet (Udita)
  • jihvā : (die) Zunge (Jihva)
  • tad : derselben (der Zunge, Tad)
  • praveśaḥ : (das) Einführen („Hineintreten“, Pravesha)
  • hi : denn (Hi)
  • tāluni : (in die Öffnung) im Gaumen (Talu)
  • go : (der) Kuh
  • māṁsa : (des) Fleisches (Mamsa)
  • bhakṣaṇaṁ : (wird bezeichnet als das) Essen (Bhakshana)
  • tad : dies
  • tu : aber, wiederum (Tu)
  • mahā : (von) großen (Maha)
  • pātaka : Sünden, Verbrechen (Pataka)
  • nāśanam : (ist ein Mittel zum) Vertreiben, Vernichten (Nashana)        ||48||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

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Sukadev

48. Das Wort „Go“ bedeutet Zunge. Indem sie in die Öffnung des Gaumens eingeführt wird, „isst er das Fleisch der Go“ (Kuh oder Zunge). Das erlöst von großer Sünde.

Man findet zB. im Tantra die fünf Mas. Dazu gehört dann Fleisch essen und Fisch essen, Geschlechtsverkehr haben und andere Dinge, und die sind nicht wörtlich zu verstehen, sondern die stehen für innere Prozesse im Kundaliniyoga. Und wenn dort steht: Fleisch einer Kuh essen, heißt das Zunge nach hinten geben und das steht dann Einstimmen auf’s kosmische Bewusstsein.

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3. Kapitel, Vers 49

Deutsche Übersetzung:

Mit dem Feuer, das bei dem Durchdringen der Zunge entsteht, wird wahrlich der Fluss vom Mond erzeugt. | Dieser ist die Essenz des Nektars der Unsterblichkeit.

Sanskrit Text:

  • jihvā-praveśa-sambhūta-vahninotpāditaḥ khalu |
    candrāt sravati yaḥ sāraḥ sā syād amara-vāruṇī ||49||
  • जिह्वाप्रवेशसम्भूतवह्निनोत्पादितः खलु ।
    चन्द्रात् स्रवति यः सारः सा स्याद् अमरवारुणी ॥४९॥
  • jihva pravesha sambhuta vahninotpaditah khalu |
    chandrat sravati yah sarah sa syad amara varuni ||49||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • jihvā : (der) Zunge (in die Gaumenöffnung, Jihva)
  • praveśa : (durch das) Einführen (“Hineintreten”, Pravesha)
  • sambhūta : (die) entstanden ist (Bhuta)
  • vahninā : durch die Hitze („Feuer“, Vahni)
  • utpāditaḥ : hervorgebracht (Utpadita)
  • khalu : nun, gewiss (Khalu)
  • candrāt* : vom „Mond“ (Chandra)
  • sravati : fließt (sṛ)
  • yaḥ : welcher, der (Yad)
  • sāraḥ : (der) Nektar (Sara)
  • sā : das (Tad)
  • syāt : ist (wird bezeichnet als, as)
  • amara-vāruṇī : (der) Götter-Branntwein ( AmaraVaruni)        ||49||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda gibt die Stelle des „Mondes“ (Chandra bzw. Soma) an als „zwischen (Antar) den Augenbrauen (Bhru) auf der linken (Vama) Seite (Bhaga) befindlich (stha)“: candrāt bhruvor antar vāma-bhāga-sthāt somāt.

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Brahmananda

49. Tritt die Zunge in die Öffnung im Gaumen ein, so entwickelt sich enorme Hitze im Körper. Das bewirkt, dass der Nektar vom Mond zu fließen beginnt. Man nennt das Amaravaruni.

Varuni“ bedeutet Wein. In den beiden oberen Versen wird ein ausgezeichnetes Beispiel dafür gegeben, auf welche Art und Weise hinduistische Verfasser okkulter Schriften die wahre Bedeutung ihrer Aussagen hinter offensichtlich absurden Symbolen verbergen, und zwar aus folgenden Grund: Sie waren nämlich der Meinung, dass gerade das Absurde dieser Symbole und der Widersprüchlichkeit in Bezug auf das behandelte Thema den Leser dazu zwingen würde, hinter die Dinge zu schauen und tiefer in die Materie einzudringen, um eine Erklärung für diese scheinbaren Ungereimtheiten zu finden. Die falsche Auffassung dieser Methode hat jedoch sehr häufig zu einer Reihe von völlig absurden Auslegungen und Interpretationen echter okkulter Symbole geführt und zahlreiche negative Praktiken, die tierische Neigungen und Leidenschaften in den Vordergrund stellen und fördern, hervorgebracht. Andere Beispiele dafür sich die Beziehungen zwischen Krishna und Radha und den 16000 Gopis oder Kuhhirtinnen; die fünf Pandava Brüder, die eine Frau (Draupadi) heirateten; die Geschichten von Rishis, die sich Ehefrauen nehmen und die ganze mystische Terminologie der Tantras.

Vishnu-devananda

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Sukadev

49. Tritt die Zunge in die Öffnung im Gaumen ein, so entwickelt sich enorme Hitze im Körper. Das bewirkt, dass der Nektar vom Mond zu fließen beginnt. Man nennt das Amaravaruni.

Und das heißt: Trinken des Weines. Also was dort im Tantra als Weintrinken bezeichnet wird, heißt Nektar strömt hinunter oder göttliche Gnadenenergie strömt hinunter. Und genauso, wenn dort über das Umarmen einer Frau steht, dann heißt das, dass Shakti und Shiva sich vereinigen.

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3. Kapitel, Vers 50

Deutsche Übersetzung:

Wenn die Zungenspitze, dem weichen Gaumen am Ende fortwährend einen Kuss gibt, Nektar fließt salzig, brennend, sauer, wie Milch, ähnlich wie Honig oder gereinigte Butter (Ajaya), | daher soll dieses entstehen: Auflösung von Krankheiten, das Ende des Alterns, Abwehr von bewaffneten Angriffen, Unsterblichkeit, die acht übernatürlichen Kräfte, Anziehung von vollkommenen (Siddha) Frauen.

Sanskrit Text:

  • cumbantī yadi lambikāgram aniśaṁ jihvā rasa-syandinī
    sa-kṣārā kaṭukāmla-dugdha-sadṛśī madhv-ājya-tulyā tathā |
    vyādhīnāṁ haraṇaṁ jarānta-karaṇaṁ śastrāgamodīraṇaṁ
    tasya syād amaratvam aṣṭa-guṇitaṁ siddhāṅganākarṣaṇam ||50||
  • चुम्बन्ती यदि लम्बिकाग्रम् अनिशं जिह्वारसस्यन्दिनी
    सक्षारा कटुकाम्लदुग्धसदृशी मध्वाज्यतुल्या तथा ।
    व्याधीनां हरणं जरान्तकरणं शस्त्रागमोदीरणं
    तस्य स्याद् अमरत्वम् अष्टगुणितं सिद्धाङ्गनाकर्षणम् ॥५०॥
  • chumbanti yadi lambikagram anisham jihva rasa syandini
    sa kshara katukamla dugdha sadrishi madhv ajya tulya tatha |
    vyadhinam haranam jaranta karanam shastragamodiranan
    tasya syad amaratvam ashta gunitam siddhanganakarshanam ||50||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • cumbantī : berührt („küssend ist“, cumb)
  • yadi : wenn (Yadi)
  • lambikā : (des weichen) Gaumens (oder: des Gaumenzäpfchens, Lambika)
  • agram : (das äußerste) Ende (die „Spitze“, Agra)
  • aniśaṁ : ständig, ohne Unterlass (Anisha)
  • jihvā : (wenn die) Zunge (Jihva)
  • rasa : (einen) Saft, Geschmack, (ein) Lebenselixier (Rasa)
  • syandinī : fließen lassend (Syandini)
  • sa-kṣārā : mit (Sa) salzigem (Kshara)
  • kaṭuka : scharfem (Katuka)
  • amla : (oder) saurem (Amla Geschmack)
  • dugdha : Milch (Dugdha)
  • sadṛśī : ähnlich, vergleichbar mit (Sadrisha)
  • madhu : Honig (Madhu)
  • ājya : geklärte Butter, Butterschmalz (Ajya)
  • tulyā : gleich, so wie (Tulya)
  • tathā : ebenso, und (Tatha)
  • vyādhīnāṁ : (seiner) Krankheiten (Vyadhi)
  • haraṇaṁ : (das) Verschwinden („Zunichtemachen“, Harana)
  • jarā : (des) Alters (Jara)
  • anta-karaṇaṁ : (die) Vernichtung („zuende machen“, AntaKarana)
  • śastra : (von) Waffen, Geschossen (Shastra)
  • āgama : (des) Nahens (Agama)
  • udīraṇaṁ : (das) Abwehren („Wegschleudern, Ausstoßen“, Udirana)
  • tasya : diesem (Yogi, Tad)
  • syāt : wird zuteil („sei“, as)
  • amaratvam : Unsterblichkeit, Göttlichsein (Amaratva)
  • aṣṭa : (den) acht (Ashta, Siddhis)
  • guṇitaṁ : verbunden (mit, Gunita)
  • siddha : (der) Vollkommenen (Siddha)
  • aṅganā : (der) Frauen (Angana)
  • ākarṣaṇam : (das unwiderstehliche) Anziehen (Akarshana)        ||50||

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Brahmananda

50. Bleibt die Zunge, die die Nektarstrahlen (des Mondes) hervorzubringen vermag, welche salzig, scharf und sauer schmecken und auch der Milch, dem Honig und der gereinigter Butter im Geschmack ähnlich sind, in die Öffnung des Gaumens gepresst, so werden sämtliche Krankheiten und (auch) das Alter ausgelöscht. Diese Vorgangsweise befähigt ihn dazu, all die Veden und Wissenschaften hervorzubringen und Waffen jedweder Art abzuwehren; es verleiht ihm Unsterblichkeit und die acht Siddhis und auch die Macht, die Jungfrauen der Siddhas für sich zu gewinnen.

(Das ist nicht wörtlich zu nehmen.)

Der Nektar besitzt den Geschmack von Salz, Chili, Tamarinde, Milch, Honig und Ghee, so als wäre er selbst diese Dinge. Der Geschmack variiert entsprechend der verschiedenen Zeiten.

Vishnu-devananda

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Sukadev

50. Bleibt die Zunge, die die Nektarstrahlen (des Mondes) hervorzubringen vermag, welche salzig, scharf und sauer schmecken und auch der Milch, dem Honig und der gereinigten Butter im Geschmack ähnlich sind, in die Öffnung des Gaumens gepresst, so werden sämtliche Krankheiten und (auch) das Alter ausgelöscht.

Wir identifizieren uns damit nicht mehr, und eine gewisse Heilung tritt auch ein.

– Diese Vorgehensweise befähigt ihn dazu, all die Veden und Wissenschaften hervorzubringen

das heißt also intuitives Verständnis zu entwickeln, dass die Wahrheit sich in ihm verbreiten kann.

– und Waffen jedweder Art abzuwehren;

man wird nicht mehr insbesondere von Wortwaffen beeinflusst. Wenn einer sagt: „Du Dummkopf“, dann wird einem das nichts mehr ausmachen.

– es verleiht ihm Unsterblichkeit

das Bewusstsein der unsterblichen Natur

– und die acht Siddhis und auch die Macht, die Jungfrauen der Siddhas für sich zu gewinnen.

Was sind jetzt die Jungfrauen der Siddhas? Das sind wiederum die verschiedenen inneren Kräfte. Siddha ist der Vollkommene, der verschiedene Kräfte hat, die als verschiedene Göttinnen oder auch Jungfrauen personifiziert dargestellt werden.

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