3. Kapitel, Vers 111

Deutsche Übersetzung:

Fasse die schlafende Schlange (Bhujanga) an ihrem Schwanz und wecke diese auf. | Den Schlaf zurücklassend geht diese Shakti durch die Kraft nach oben.

Sanskrit Text:

  • pucche pragṛhya bhujaṅgīṁ suptām udbodhayec ca tām |
    nidrāṁ vihāya sā śaktir ūrdhvam uttiṣṭhate haṭhāt ||111||
  • पुच्छे प्रगृह्य भुजङ्गीं सुप्ताम् उद्बोधयेच् च ताम् ।
    निद्रां विहाय सा शक्तिर् ऊर्ध्वम् उत्तिष्ठते हठात् ॥१११॥
  • puchchhe pragrihya bhujangim suptam udbodhayech cha tam |
    nidram vihaya sa shaktir urdhvam uttishthate hathat ||111||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • pucche : am Schwanz (Puchchha)
  • pragṛhya : ergreifend („ergriffen habend“, pra + grah)
  • bhujaṅgīṁ : Schlange (Bhujangi)
  • suptām : schlafende (Supta)
  • udbodhayet : man soll erwecken (ud + budh)
  • ca : und, aber (Cha)
  • tām : die (Tad)
  • nidrāṁ : (den) Schlaf (Nidra)
  • vihāya : aufgebend, verlassend (vi + )
  • sā : diese (Tad)
  • śaktiḥ : Energie, Kraft (Shakti)
  • ūrdhvam : aufwärts, nach oben (Urdhva)
  • uttiṣṭhate : bewegt sich („steht auf, erhebt sich“, ud + sthā)
  • haṭhāt : mit Macht, zwangsläufig, unbeirrt (Hatha)        ||111||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

Du solltest die schlafende Schlange (Kundalini) erwecken, indem du sie beim Schwanz packst. So erhebt sich gezwungenermaßen Shakti, ihres Schlafes beraubt.

Wie soll man den Schwanz packen und schütteln? Durch Bandhas und Mudras.

Sukadev

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3. Kapitel, Vers 112

Deutsche Übersetzung:

Und bewege so immer diese ruhende huttragende Schlange am Morgen und am Abend für 1,5 Stunden. | Atme ein durch das rechte Naselnoch (Surya) und fasse mit der Paridhana Technik.

Sanskrit Text:

  • avasthitā caiva phaṇāvatī sā
    prātaś ca sāyaṁ praharārdha-mātram |
    prapūrya sūryāt paridhāna-yuktyā
    pragṛhya nityaṁ paricālanīyā ||112||
  • अवस्थिता चैव फणावती सा
    प्रातश् च सायं प्रहरार्धमात्रम् ।
    प्रपूर्य सूर्यात् परिधानयुक्त्या
    प्रगृह्य नित्यं परिचालनीया ॥११२॥
  • avasthita chaiva phanavati sa
    pratash cha sayam praharardha matram |
    prapurya suryat paridhana yuktya
    pragrihya nityam parichalaniya ||112||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • avasthitā* : (unten im Muladhara Chakra) verweilende (Avasthita)
  • ca : und, aber (Cha)
  • eva : gewiss (Eva)
  • phaṇā-vatī : Schlange („die eine Haube hat“, Kobra, Phanavati)
  • sā : diese (Tad)
  • prātar : morgens (Pratar)
  • ca : und
  • sāyaṁ : abends (Sayam)
  • prahara** : Wache (Prahara)
  • ardha** : (einer) halben (Ardha)
  • mātram** : für die Zeit („Maß“, Matra)
  • prapūrya : eingeatmet habend (pra + pṝ)
  • sūryāt : durch das rechte Nasenloch („von der Sonne her“, Surya)
  • paridhāna*** : (des) „Herumlegens“ (Paridhana)
  • yuktyā : durch die Methode (Yukti)
  • pragṛhya : indem (man sie) ergreift (pra + grah)
  • nityaṁ : täglich („stets“, Nitya)
  • paricālanīyā : soll (im Kreise) herum bewegt werden (Parichalaniya)        ||112||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt die Bedeutung von avasthitā („unten befindlich“) mit „im Muladhara befindlich (Sthita)“:  avasthitā … mūlādhāra-sthitā.

**Anmerkung: Eine „Wache“ (Prahara) entspricht drei Stunden, eine halbe (Ardha) Wache somit anderthalb Stunden bzw. die Dauer (Matra) zweier (Dvaya) Muhurtas: muhūrta-dvaya-mātram.

***Anmerkung: Die „Methode des Herumlegens“ (ParidhanaYukti) bezieht sich wahrscheinlich auf das Kreisenlassen der Bauchmuskulatur, also einen Nauli vergleichbaren Prozess. Brahmananda bemerkt, dass diese Methode durch einen Lehrer (Deshika) gelehrt werden muss bzw. durch dessen Unterweisung verstanden (bodhya) werden kann: paridhāna-yuktir deśikād bodhyā.

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Brahmananda

Das Kumbhaka während dieses Prozesses ist sehr speziell und sollte von einem Guru gelernt werden.

Vishnu-devananda

Nachdem du durch die Sonne (Pingala) eingeatmet hast, solltest du, den Regeln entsprechend, den Atem anhalten.

Das bezieht sich auf die Wechselatmung, Suryabedha und andere Pranayamas.

Dann sollte man ungefähr eineinhalb Stunden in der Morgen- und Abenddämmerung die Shakti beeinflussen.

Du musst eineinhalb Stunden lang den „Schwanz“ schütteln.

Sukadev

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3. Kapitel, Vers 113

Deutsche Übersetzung:

Kanda liegt einen Spann oberhalb und ist vier Finger breit, | man sagt es sei zart, weiß, wie in Baumwollstoff gewickelt.

Sanskrit Text:

  • ūrdhvaṁ vitasti-mātraṁ tu vistāraṁ caturaṅgulam |
    mṛdulaṁ dhavalaṁ proktaṁ veṣṭitāmbara-lakṣaṇam ||113||
  • ऊर्ध्वं वितस्तिमात्रं तु विस्तारं चतुरङ्गुलम् ।
    मृदुलं धवलं प्रोक्तं वेष्टिताम्बरलक्षणम् ॥११३॥
  • urdhvam vitasti matram tu vistaram chaturangulam |
    mridulam dhavalam proktam veshtitambara lakshanam ||113||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • ūrdhvaṁ* : oberhalb (des Muladhara Chakra, Urdhva)
  • vitasti* : einer Spanne (Vitasti)
  • mātraṁ* : (um das) Maß (Matra)
  • tu : aber (Tu)
  • vistāraṁ : breit (mit einer „Breite“ von, Vistara)
  • catur : vier (Chatur)
  • aṅgulam : Finger (Angula)
  • mṛdulaṁ : weich (Mridula)
  • dhavalaṁ : weiß (Dhavala)
  • proktaṁ : beschrieben („genannt“ als, Prokta)
  • veṣṭita : (wie) eingewickelt, umhüllt (Veshtita)
  • ambara : (mit einem) Tuch (Ambara)
  • lakṣaṇam : (das Kanda) erscheint („hat das Kennzeichen, die Erscheinungsform“, Lakshana)         ||113||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda ergänzt, dass das Kanda zwischen (Madhya) Penis (Mendhra) und Nabel (Nabhi) liegt, im Abstand (Matra) einer Spanne (Vitasti) oberhalb (Urdhva) des Mulasthana (Muladhara): mūla-sthānād vitasti-mātraṃ ūrdhvam nabhi-meṇḍhrayor madhye. Hierzu zitiert er aus dem Goraksha Shataka einen Vers folgenden Inhalts: „Oberhalb des Penis (und) unterhalb des Nabels (befindet sich) der Ursprung des Kanda, (geformt) wie ein Vogelei. Dort entspringen 72 000 Nadis.“

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Brahmananda

5 cm über dem Anus und 2 cm unter dem Penis in der Mitte des Körpers ist die Kanda, 23 cm von der Mitte des Körpers entfernt. Sie ist wie ein Ei und wird von einer Membran bedeckt. Bei Tieren und Vögeln ist sie in der Mitte des Magens.

Vishnu-devananda

Die Kanda ist 31 cm über dem Anus und dehnt sich 11,5 cm nach beiden Seiten aus.

Das ist ungefähr der Ort, wo sich am Muladhara alle Nervengeflechte vereinigen. Hier ist es, wo die Energie ruht.

Es wird beschrieben, dass es von runder Gestalt sei und als wenn es von einem weichen, weißen Stück Stoff bedeckt sei.

Es ist weich und weiß, weil es im Rückenmark auch weiße Masse gibt. Das wurde vor Tausenden von Jahren geschrieben.

Das ist so, weil deren Rückenmark ganz verschieden ist.

Von der Kanda entspringen die 72.000 Nadis.

Wie bei einer Batterie mit Drähten, die in verschiedene Zonen gehen. Wenn also die Nadis durch Bandhas, Pranayama etc. nicht richtig gereinigt sind, fließt das Prana durch die falschen Nadis und man bekommt psychische Probleme.

Sukadev

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3. Kapitel, Vers 114

Deutsche Übersetzung:

In Vajrasana sitzend soll der Yogi beide Füße fest halten, | am Platz nah am Knöchel und den Kanda dort drücken.

Sanskrit Text:

  • sati vajrāsane pādau karābhyāṁ dhārayed dṛḍham |
    gulpha-deśa-samīpe ca kandaṁ tatra prapīḍayet ||114||
  • सति वज्रासने पादौ कराभ्यां धारयेद् दृढम् ।
    गुल्फदेशसमीपे च कन्दं तत्र प्रपीडयेत् ॥११४॥
  • sati vajrasane padau karabhyam dharayed dridham |
    gulpha desha samipe cha kandam tatra prapidayet ||114||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • sati : befindlich (Sat)
  • vajra-āsane* : in der Diamantstellung (Vajrasana, einer Variante von Siddhasana)
  • pādau : die Beine („Füße“, Pada)
  • karābhyāṁ : mit den Händen (Kara)
  • dhārayet : (man) halte (dhṛ)
  • dṛḍham : fest (Dridha)
  • gulpha : (der) Knöchel (Gulpha)
  • deśa : (der) Gegend (Desha)
  • samīpe : in der Nähe (Samipa)
  • ca : und (Cha)
  • kandaṁ : (das) Kanda
  • tatra : dort (wo es sich befindet, Tatra)
  • prapīḍayet** : (man) drücke, presse (pra + pīḍ)         ||114||

*Anmerkung: Vajrasana bedeutet hier eine Variante von Siddhasana, bei der die rechte Ferse am Damm und die linke Ferse über dem Glied liegt (vgl. die Anmerkung zum 39. Vers des ersten Kapitels)

** Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt die Ausführung derart, dass man mit beiden Händen (Kara) die Füße (Pada) oberhalb (Urdhva) der Knöchel (Gulpha) ergreift (gṛhītvā) und (mit den Fersen) unterhalb (AdhasBhaga) des Nabels (Nabhi) das Kanda drückt (pīḍayet): gulphād ūrdhvaṃ karābhyāṃ pādau gṛhītvā nābher adho-bhāge kandaṃ pīḍayet

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

Sitze in der Vajrasana Stellung, fasse fest die Füße nahe den Knöcheln und schlage mit ihnen sanft die Kanda.

Das ist eigentlich, was wir Siddhasana nennen. Manchmal wurde es von verschiedenen Lehrern Vajrasana genannt. Weil „Vajrasana“ wörtlich „EnergieAsana“ heißt, wurde der Name für jede Asana angewendet, die ausgeführt wurde, um die Energie zu heben. Vajra war die Donnerkeil-Waffe von Indra.

Sukadev

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3. Kapitel, Vers 115

Deutsche Übersetzung:

Der Yogi, in Vajrasana sitzend, soll, nachdem er die Kundalini bewegt hat, | fortwährend Bhastrika üben. Er soll die Kundalini schnell erwecken.

Sanskrit Text:

  • vajrāsane sthito yogī cālayitvā ca kuṇḍalīm |
    kuryād anantaraṁ bhastrāṁ kuṇḍalīm āśu bodhayet ||115||
  • वज्रासने स्थितो योगी चालयित्वा च कुण्डलीम् ।
    कुर्याद् अनन्तरं भस्त्रां कुण्डलीम् आशु बोधयेत् ॥११५॥
  • vajrasane sthito yogi chalayitva cha kundalim |
    kuryad anantaram bhastram kundalim ashu bodhayet ||115||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • vajra-āsane* : in der Diamantstellung (Vajrasana, einer Variante von Siddhasana)
  • sthitaḥ : sich befindend (Sthita)
  • yogī : (der) Yogi
  • cālayitvā : nach dem er in Bewegung gesetzt hat (cal)
  • ca : und, aber (Cha)
  • kuṇḍalīm : (die) Kundali(ni)
  • kuryāt : (er) führe aus („mache“, kṛ)
  • anantaraṁ : (gleich) danach (Anantara)
  • bhastrāṁ : (den) Blasebalg (Bhastra, d.h. Bhastrika)
  • kuṇḍalīm : (die) Kundali(ni)
  • āśu : schnell (Ashu)
  • bodhayet : (so) kann er erwecken (budh)        ||115||

*Anmerkung: Vgl. die Anmerkung zum vorangehenden Vers.

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

Indem er die Vajrasana (Siddhasana) Stellung einnimmt, sollte der Yogi die Kundalini veranlassen, sich zu bewegen. Dann sollte er Bhastrika Kumbhaka ausüben. So wird er bald die Kundalini erwecken.

Das ist Shakti Chalani.

Sukadev

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3. Kapitel, Vers 116

Deutsche Übersetzung:

Der Yogi soll die Sonne zusammenziehen, und die Kundalini bewegen | Wo ist dann die Furcht vor dem Tod? Selbst wenn er vor seinen Mund kommt.

Sanskrit Text:

  • bhānor ākuñcanaṁ kuryāt kuṇḍalīṁ cālayet tataḥ |
    mṛtyu-vaktra-gatasyāpi tasya mṛtyu-bhayaṁ kutaḥ ||116||
  • भानोर् आकुञ्चनं कुर्यात् कुण्डलीं चालयेत् ततः ।
    मृत्युवक्त्रगतस्यापि तस्य मृत्युभयं कुतः ॥११६॥
  • bhanor akunchanam kuryat kundalim chalayet tatah |
    mrityu vaktra gatasyapi tasya mrityu bhayam kutah ||116||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • bhānoḥ* : der Sonne (Bhanu, im Bereich des Nabels)
  • ākuñcanaṁ : (das) Einziehen („Zusammenziehen“, Akunchana)
  • kuryāt : (man) führe aus (“mache”, kṛ)
  • kuṇḍalīṁ : (die) Kundali(ni)
  • cālayet : er setze in Bewegung (cal)
  • tataḥ : dann (Tatas)
  • mṛtyu : (des) Todes (Mrityu)
  • vaktra : (in den) Mund (Vaktra)
  • gatasya : (einer, der) gelangt („gegangen“) ist (Gata)
  • api : sogar (Api)
  • tasya : diesem (Tad)
  • mṛtyu : (vor dem) Tod
  • bhayaṁ : Furcht, Angst (Bhaya)
  • kutaḥ : woher (sollte kommen, Kutas)         ||116||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt, dass sich die „Sonne“ (Bhanu, Surya) im Bereich (Desha) des Nabels (Nabhi) befindet (Stha): bhānor nābhi-deśa-sthasya sūryasa.

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Brahmananda

Indem man den Magen zusammenzieht, zieht man die Sonne zusammen.

Vishnu-devananda

Er sollte dann die Sonne zusammenziehen (die nahe dem Nabel ist), und dann die Kundalini veranlassen, sich zu bewegen.

Was heißt „den Nabel zusammenziehen“? Uddiyana Bandha. Das ist eine ziemlich fortgeschrittene Übung, nach Jahren des Trainings. Es ist nicht notwendig, an dieser Stelle dies noch näher zu erörtern. Wenn man dies zu früh übt, gelangt man wegen der Blockaden und Unreinheiten in der Sushumna zu keinem Resultat.

Auch wenn er an der Schwelle des Todes steht, braucht er ihn nicht zu fürchten.

Wenn die Energie in der Sushumna ist, gibt es keinen Tod.

Sukadev

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3. Kapitel, Vers 117

Deutsche Übersetzung:

Durch dieses furchtlose schütteln über 2 mal 48 (ca. 96) Minuten ausgeführt, | geht die Kundalini in der Sushuma ein wenig nach Oben.

Sanskrit Text:

  • muhūrta-dvaya-paryantaṁ nirbhayaṁ cālanād asau |
    ūrdhvam ākṛṣyate kiñ-cit suṣumṇāyāṁ samudgatā ||117||
  • मुहूर्तद्वयपर्यन्तं निर्भयं चालनाद् असौ ।
    ऊर्ध्वम् आकृष्यते किंचित् सुषुम्णायां समुद्गता ॥११७॥
  • muhurta dvaya paryantam nirbhayam chalanad asau |
    urdhvam akrishyate kin chit sushumnayam samudgata ||117||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • muhūrta : Muhurtas
  • dvaya : (von) zwei („einem Paar“, Dvaya)
  • paryantaṁ* : für die Dauer („bis zum Ende“, Paryanta)
  • nir-bhayaṁ : ohne Furcht (Nirbhaya)
  • cālanāt : aufgrund (des) Bewegens (Chalana, der Kundalini)
  • asau : sie (Asau)
  • ūrdhvam : aufwärts, nach oben (Urdhva)
  • ākṛṣyate : wird hereingezogen (ā + kṛṣ)
  • kiñ-cid : ein wenig, etwas (Kim Chid)
  • suṣumṇāyāṁ : in die Sushumna
  • samudgatā : hervorgekommen (Samudgata)      ||117||

*Anmerkung: Dies entspricht einer Dauer von ca. anderthalb Stunden bzw. einer Zeitinheit „bestehend (Atmaka) aus vier (Chatushtaya) Ghatikas (96 min)“: ghaṭikā-catuṣṭayātmakam.

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

Indem man ohne Furcht die Kundalini ungefähr eineinhalb Stunden lang bewegt, wird sie ein wenig durch die Sushumna nach oben gezogen.

Energiewellen beginnen sich langsam, langsam nach oben zu bewegen.

Sukadev

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3. Kapitel, Vers 118

Deutsche Übersetzung:

Dadurch verlässt die Kundalini sicher ihren Platz von diesem Mund der Sushumna. | Daher kann dieses Prana alleine sich in der Sushumna bewegen.

Sanskrit Text:

  • tena kuṇḍalinī tasyāḥ suṣumṇāyā mukhaṁ dhruvam |
    jahāti tasmāt prāṇo’yaṁ suṣumṇāṁ vrajati svataḥ ||118||
  • तेन कुण्डलिनी तस्याः सुषुम्णाया मुखं ध्रुवम् ।
    जहाति तस्मात् प्राणोऽयं सुषुम्णां व्रजति स्वतः ॥११८॥
  • tena kundalini tasyah sushumnaya mukham dhruvam |
    jahati tasmat prano’yam sushumnam vrajati svatah ||118||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • tena* : durch dieses (nach oben Ziehen, Tad)
  • kuṇḍalinī : (die) Kundalini
  • tasyāḥ : der (Tad)
  • suṣumṇāyā : Sushumna
  • mukhaṁ : (die) Öffnung („Mund“, Mukha)
  • dhruvam : gewiss (Dhruva)
  • jahāti : verlässt ()
  • tasmāt : aufgrund dessen (Tasmat)
  • prāṇaḥ : Lebenshauch, Prana
  • ayaṁ : der (Ayam)
  • suṣumṇāṁ : in die Sushumna
  • vrajati : geht (ein, vraj)
  • svataḥ : von selbst (Sva)       ||118||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt, dass tena „dadurch“ sich auf das nach oben (Urdhva) Ziehen (Akarshana der Kundalini) bezieht: tenordhvākarṣaṇena.

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

Indem man ohne Furcht die Kundalini ungefähr eineinhalb Stunden lang bewegt, wird sie ein wenig durch die Sushumna nach oben gezogen.

Energiewellen beginnen sich langsam, langsam nach oben zu bewegen.

Sukadev

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3. Kapitel, Vers 119

Deutsche Übersetzung:

Deshalb soll er fortwährend die gemütlich schlummernde Arudhati bewegen. | Dadurch ist der Yogi durch das Bewegen wahrlich von Krankheiten befreit.

Sanskrit Text:

  • tasmāt sañcālayen nityaṁ sukha-suptām arundhatīm |
    tasyāḥ sañcālanenaiva yogī rogaiḥ pramucyate ||119||
  • तस्मात् संचालयेन् नित्यं सुखसुप्ताम् अरुन्धतीम् ।
    तस्याः संचालनेनैव योगी रोगैः प्रमुच्यते ॥११९॥
  • tasmat sanchalayen nityam sukha suptam arundhatim |
    tasyah sanchalanenaiva yogi rogaih pramuchyate ||119||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • tasmāt : daher, deshalb (Tasmat)
  • sañcālayet : (man) soll in Bewegung setzen (sam + cal)
  • nityaṁ : täglich („stets“, Nitya)
  • sukha : (die) behaglich (Sukha)
  • suptām : schlafende (Supta)
  • arundhatīm : Arundhati (Kundalini)
  • tasyāḥ : von ihr (Tad)
  • sañcālanena : durch das in Bewegung Setzen (Sanchalana)
  • eva : nur, allein (Eva)
  • yogī : (der) Yogi
  • rogaiḥ : von Krankheiten (Roga)
  • pramucyate : wird befreit (pra + muc)       ||119||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

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Sukadev

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3. Kapitel, Vers 120

Deutsche Übersetzung:

Durch dieses Schütteln der Kraft (Shakti) wird der Yogi zum Empfänger von übernatürlichen Kräften (Siddhi). | Warum mehr darüber sprechen? Spielend überwindet er die alles zerstörende Zeit (Kala).

Sanskrit Text:

  • yena sañcālitā śaktiḥ sa yogī siddhi-bhājanam |
    kim atra bahunoktena kālaṁ jayati līlayā ||120||
  • येन संचालिता शक्तिः स योगी सिद्धिभाजनम् ।
    किम् अत्र बहुनोक्तेन कालं जयति लीलया ॥१२०॥
  • yena sanchalita shaktih sa yogi siddhi bhajanam |
    kim atra bahunoktena kalam jayati lilaya ||120||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • yena : durch wen (Yad)
  • sañcālitā : in Bewegung gesetzt wurde (Sanchalita)
  • śaktiḥ : (die) Energie (Shakti)
  • saḥ : dieser (Tad)
  • yogī : Yogi
  • siddhi : (für die) Vollkommenheiten (Siddhi)
  • bhājanam : (wird ein) Gefäß (Bhajana)
  • kim : was (Kim)
  • atra : (bliebe) hier (noch zu sagen, Atra)
  • bahunā : durch viele (unnütze, Bahu)
  • uktena : Worte (Ukta)
  • kālaṁ : (den) Tod („Zeit“, Kala)
  • jayati : (er) besiegt (ji)
  • līlayā : mühelos („spielerisch, wie im Spiel“, Lila)           ||120||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

Der Yogi, der Shakti bewegt, wird der Besitzer von Siddhis. Was ist der Sinn, davon zu sprechen? Er besiegt die Zeit (den Tod) spielend.

Bloßes Reden genügt nicht, du musst üben.

Sukadev

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