3. Kapitel, Vers 1

Deutsche Übersetzung:

So wie der König der Schlangen die Gebirge und Wälder der Erde trägt, | so trägt die Kundalini ohne Zweifel die Yoga Tantren.

Sanskrit Text:

  • sa-śaila-vana-dhātrīṇāṁ yathādhāro’hi-nāyakaḥ |
    sarveṣāṁ yoga-tantrāṇāṁ tathādhāro hi kuṇḍalī ||1||
  • सशैलवनधात्रीणां यथाधारोऽहिनायकः ।
    सर्वेषां योगतन्त्राणां तथाधारो हि कुण्डली ॥१॥
  • sa shaila vana dhatrinam yathadharo’hi nayakah |
    sarvesham yoga tantranam tathadharo hi kundali ||1||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • sa : samt (ihren, Sa)
  • śaila : Bergen (Shaila)
  • vana : (und) Wäldern (Vana)
  • dhātrīṇāṁ : (der) Erde („irdischen Gegenden“, Dhatri)
  • yathā : wie (Yatha)
  • ādhāraḥ : (die) Grundlage, Basis, Stütze (ist, Adhara)
  • ahi* : (der) Schlangen (Ahi)
  • nāyakaḥ* : (der) Anführer, Fürst (Nayaka)
  • sarveṣāṁ : aller (Sarva)
  • yoga : (des) Yoga (Yoga)
  • tantrāṇāṁ : Praktiken, Lehren (Tantra)
  • tathā : genau so (Tatha)
  • ādhāraḥ : (die) Grundlage, Basis, Stütze
  • hi : gewiss (Hi)
  • kuṇḍalī** : (ist die) Kundali (die „geringelte“ Schlangenkraft Kundalini)        ||1||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda ergänzt, dass mit „Schlangenfürst“ (AhiNayakaShesha gemeint ist, als dessen Verkörperung auch Patanjali angesehen wird: ahi-nāyakaḥ śeṣaḥ.

** Anmerkung: Brahmananda definiert hier die Kundali(ni) als die „an der Basis (Adhara, d.h. im Muladhara Chakra ruhende) Kraft (Shakti)“: kuṇḍaly ādhāra-śaktiḥ.

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

1. Wie Ananta, der Schlangengott, das ganze Universum mit seinen Bergen und Wäldern trägt, so ist Kundalini die wesentlichste Stütze aller Yoga-Praktiken.

2. Wenn die Kundalini schlummert, wird sie durch die Gunst des Gurus geweckt, und alle Lotusse (Nervenzentren) und Granthis (Knoten) werden durchstoßen.

Die Granthis befinden sich in der Sushumna. Der Brahma Granthi liegt im Muladhara Chakra; der Vishnu Granthi im Manipura Chakra; der Rudra Granthi im Ajna Chakra. Sie können durchbrochen werden, indem man Pranayama, Bandhas und Mudras ausführt.
Was meint nun „die Gunst des Gurus“? Wenn ihr Vertrauen zum Guru habt, wird er euch lehren, den Zeitpunkt zu erkennen zu dem ihr für die Übung bereit seid.

Sukadev

Das dritte Kapitel hat als Hauptthema die Mudras. Und da die Mudras Kundalini erwecken wollen und auch die Kundalini aktivieren wollen, schreibt er zuerst über Kundalini.

1. Wie Ananta, der Schlangengott, das ganze Universum mit seinen Bergen und Wäldern trägt, so ist Kundalini die wesentlichste Stütze aller Yoga-Praktiken.

Das bezieht sich auf einen Schöpfungsmythos. Es gibt in indischen Schriften zahllose Schöpfungsmythen. Das zeigt, dass keiner wörtlich genommen werden soll, sondern nur, dass bestimmte Prinzipien ausgedrückt werden sollen. Da war es so, dass erst der Ozean da war. Auf dem Ozean war Ananta, die Weltenschlange. Auf dieser Weltenschlange liegt Vishnu. Aus Vishnus Nabel heraus kommt der Lotus, dieser Lotus ist Lakshmi, und auf Lakshmi, diesem Lotus von Lakhsmi, sitzt Brahma, der Schöpfer. Der Schöpfer macht Tapas, bzw.Pranayama. Dann schafft er als erstes daraus die Veden, und aus den Veden die gesamte Schöpfung. Die Wasser des Meeres symbolisiert dort Shiva, das reine Bewusstsein. Ananta, die Schlange, symbolisiert dort Shakti, die kosmische Energie. Vishnu symbolisiert Ishvara, den persönlichen Gott, der letztlich aus Ananta, der Schlange, erwächst, und damit Teil der Shakti ist, und dort in verschiedenen Stufen erstmal als Vishnu, als Kraft der Liebe erscheint. Daraus folgt Lakshmi, die Kraft der Fülle, daraus Brahma, der Schöpfer, der mittels Pranayama diese Kraft konzentriert und damit in verschiedene Teile gibt, der die Veden schafft, das heißt, das Urwissen. Und damit die Urprinzipien, und Archetypen, und die Urideen, und daraus kann dann die ganze Welt in ihren verschiedenen Unterteilungen entstehen. Und so ruht die ganze Welt letztlich in Ananta, weil sie alle Teile der Shakti sind. Und so ist Kundalini die wesentliche Stütze aller Yogapraktiken. Er sagt ja, nicht nur der Hatha-Yoga-Praktiken, sondern aller Praktiken. Jede Bewusstseinserweiterung ist mit einer Erweckung der Kundalini verbunden. Auch bei spirituellen Wegen, die gar nicht von Kundalini sprechen. Wenn die Bewusstseinserweiterung stattfindet, ist immer die Kundalini erweckt.

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3. Kapitel, Vers 2

Deutsche Übersetzung:

Wenn mit der Hilfe des Lehrers die schlafende Kundalini erwacht, | Dann werden alle Lotusblüten (Padma) und Knotenpunkte (Granthi) durchdrungen.

Sanskrit Text:

  • suptā guru-prasādena yadā jāgarti kuṇḍalī |
    tadā sarvāṇi padmāni bhidyante granthayo’pi ca ||2||
  • सुप्ता गुरुप्रसादेन यदा जागर्ति कुण्डली ।
    तदा सर्वाणि पद्मानि भिद्यन्ते ग्रन्थयोऽपि च ॥२॥
  • supta guru prasadena yada jagarti kundali |
    tada sarvani padmani bhidyante granthayo’pi cha ||2||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • suptā : (die) schlafende (Supta)
  • guru : (des) Meisters (Guru)
  • prasādena : durch die Gnade, Gunst, Hilfe (Prasada)
  • yadā : wenn (Yada)
  • jāgarti : erwacht (Jagrat)
  • kuṇḍalī : Kundali (die “geringelte” Schlangenkraft Kundalini)
  • tadā : dann (Tada)
  • sarvāṇi* : alle (Sarva)
  • padmāni*Chakren („Lotusse“, Padma)
  • bhidyante : werden durchstoßen (bhid)
  • granthayaḥ** : (die drei) Knoten (Granthi)
  • api : auch, sogar (Api)
  • ca : und (Cha)     ||2||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt, dass sich „alle Lotusse“ (sarvāṇi padmāni) auf die sechs (Shash) Chakren bezieht: sarvāṇi padmāni ṣaṭ cakrāṇi.

** Anmerkung: Die drei „Knoten“ (Granthi) sind Brahma Granthi, Vishnu Granthi und Rudra Granthi.

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

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Sukadev

2. Wenn die Kundalini schlummert, wird sie durch die Gunst des Gurus geweckt, und alle Lotusse

alle Chakras. Die Chakras werden manchmal auch als Padmas bezeichnet, Lotusse

– (Nervenzentren) und Granthis (Knoten) werden durchstoßen.

Die Granthis befinden sich in der Sushumna, das sind die Knoten. Man kann sich das gut merken – die Granthis sind das, was uns grantig macht. Granthis wird allerdings mit h geschrieben. Und zwar gibt es da drei Granthis. Es gibt Brahma-Granthi im MuladharaChakra, es gibt Vishnu-Granthi. Manchmal wie gesagt, im Manipura-Chakra, manchmal im Anahata-Chakra. Wahrscheinlich kann der bei verschiedenen Menschen in verschiedenen Chakras liegen, entweder Manipura, Anahata oder dazwischen, und Rudhra-Granthi ist im Ajna-Chakra.

Brahma-Granthi, oberhalb des Muladhara-Chakras, symbolisiert die Schwierigkeit, von einer physischen Erfahrung zu einer astralen Erfahrung zu kommen. Brahma-Granthi, oberhalb des Muladhara-Chakra. Vom Bewusstsein der physischen Welt zur astralen Welt zu kommen. Das ist ja einer der Punkte, den so viele Menschen haben, und sagen: „Ihr sprecht alle über Prana und Energien usw. Ich glaube nur an das, was ich sehe. Und so lange Brahma-Granthi nicht durchstoßen ist, so lange sieht man nur die physische Welt. Ich habe mal jemand geantwortet: „Genau so bin ich auch. Ich glaube auch an das, was ich sehe, und ich sehe nicht nur die physische Welt.“ Wer hat jetzt Recht? Wer wohl? Es hängt letztlich vom Bewusstseinsstandpunkt ab und hängt letztlich davon ab, wie durchgängig Brahma-Granthi schon geworden ist.

Als zweites gibt es Vishnu-Granthi, und Vishnu-Granthi ist etwas, was die Schwierigkeit symbolisiert, um von einer Astralerfahrung, die immer noch in Zeit und Raum ist, zwar anderer Zeit und Raum, als die physische Welt, aber immer noch sinnlich ist. Man sieht, hört, riecht, schmeckt fühlt die Astralwelt. Und immer noch ichbezogen ist, weil ich etwas beobachte, und damit letztlich noch damit das Ego füttern kann, weil man dann so stolz ist: „Ich sehe die astrale Welt, und das gemeine Volk sieht es nicht.“ Von dieser egoistischen Erfahrung zu einer Erfahrung reiner Liebe und jenseits von Zeit und Raum zu kommen, dafür steht Vishnu-Granthi. Wenn der Granthi durchstoßen ist, dann ist Liebe und Vision Gottes nicht mehr im Sinne von wirklich sehen, sondern Erfahrung Gottes.

Schließlich gibt es Rudhra-Granthi im Ajna-Chakra. Und der steht für die Schwierigkeit, von einer dualistischen Erfahrung von Samadhi, oder auch einem Gefühl der Nähe und Verbundenheit mit Gott, zur vollkommenen Einheit, Einheit mit dem Unendlichen, und Einheit mit Gott zu kommen. Und hier heißt es, dass die Gnade des Gurus die Kundalini erwecken kann. Und dann kann sie alle Chakras durchstoßen und insbesondere die Granthis, die Knoten, werden durchstoßen.

Die Gunst des Gurus. Hatha-Yoga ist ja einer, vielleicht der Weg mit den meisten Praktiken. Die meisten Menschen gehen ihn ja eher sanft, und auch wir lehren ihn ja eigentlich eher als ein Teil des ganzheitlichen Yogas. Es gibt sehr wenige, die sechzehn Stunden am TagAsanas, Pranayama, Mudras, Bandhas üben. Wir lehren halt auch Hatha-Yoga im Zusammenhang als ganzheitlichen Yoga. So eine halbe bis eine Stunde am Tag die Hatha-Yoga-Praktiken. Vielleicht anderthalb oder zwo Stunden am Tag für die, die etwas mehr Zeit und Enthusiasmus haben, und dann noch meditieren, und ansonsten Bhakti-, Raja-, Jnana-Yoga für’s tägliche Leben. Ab und zu mal Satsang, intensiver üben, entweder mal ein Wochenende oder mal eine Woche oder einen Monat zu einem Yoga-Seminar kommen, um intensiver zu üben. Und für die meisten Menschen ist das der bessere und sicherere Weg. Selbst bei Swatmarama, der die intensivere Hatha-Yoga-Praxis empfiehlt, läuft nicht alles nur mit Techniken.

Wie ihr alle wisst, gibt’s mehrere Faktoren des spirituellen Fortschritts. Der eine ist die eigene Anstrengung, und der andere ist letztlich die göttliche Gnade. Und die kann man noch mal unterteilen in die Gnade Gottes und die Gnade des Gurus, des Lehrers. Man kann sehr viel üben, aber man braucht letztlich auch die Gnade, die Gnade Gottes und die Gnade des Gurus, des spirituellen Meisters. Das mit der Gnade des Gurus ist schwer zu beschreiben. Ihr wisst intuitiv, dass ein Mensch einen anderen beeinflussen kann. Das weiß jeder. Das ist jetzt nicht misszuverstehen. Es ist nicht etwas Willkürliches, wenn ein Lehrer sagt: „Dem gebe ich jetzt Energie oder nicht“, obgleich auch ein spiritueller Lehrer konkret Energie in eine bestimmte Richtung schickt. Aber über diesen Kanal fließt dann die Energie, wenn sich der Schüler darauf einstimmt.

Es gibt da eine Geschichte im Rahmen der Mantra-Einweihung – es gab einen Schüler, der hatte jahrelang praktiziert, hatte aber nicht gemerkt, dass er größeren Fortschritt gemacht hat. Jetzt wollte er die Mantra-Einweihung von einem Lehrer haben, der gesagt hat, er gibt keine Mantra-Einweihung mehr. Aber das war für ihn der Lehrer. Und dann hat er den Lehrer beobachtet, hat sich dann früh morgens um drei Uhr auf die Stufen zum Ganges hingelegt, und als der Lehrer dann morgens kam, um sein Morgenbad zu nehmen, ist er auf den Schüler draufgetreten, weil es ja dunkel war, und so wie der Lehrer das gesehen hat, hat er sich vor ihm verneigt und OM Namo Narayana gesagt – die meisten weltlichen Menschen gebrauchen ja eher Fäkalienausdrücke, wenn sie sich erschrecken – ein spiritueller Mensch, wenn er erschrickt, dann sagt er OM Namo Narayanaya. Die einen sehen, wenn was Unvorhergesehenes kommt, ihre eigenen Exkremente, und die anderen sehen, wenn was Unvorhergesehenes kommt, das Wirken Gottes. Gut, jedenfalls unser Guru hat dann OM Namo Narayana gesagt und die Hand dem Schüler auf die Stirn gehalten, und der Schüler hat sich verneigt, hat seine Gaben noch gegeben, hat sich für die Mantra-Einweihung bedankt, und hat sich dann hingesetzt und die Selbstverwirklichung erreicht. Er hat sich ganz auf den Lehrer eingestimmt, hat die Mantra-Einweihung noch gehabt. Der Schüler muss die Hingabe für den Lehrer haben.

Ich bin ja jetzt auch kein Vollkommener, ich kann niemandem die Kundalini erwecken. Bei Swami Vishnu, da gab’s so Sachen. Der konnte Menschen tatsächlich Energie geben. Ich weiß noch, bei unserer fortgeschrittenen Yogalehrerausbildung, als er da war – er war nicht jeden Tag für’s Pranayama da – aber wenn er da war und Bhastrika unterrichtet hat, dann haben eine ganze Reihe Leute angefangen zu schütteln. Wenn hier mal jemand anfängt zu schütteln, dann erschrecken gleich alle. Aber dort, wenn der Swami Vishnu in einer großen Gruppe Bhastrika unterrichtet hat, dann hat das fünf, sechs Leute durchgeschüttelt. Der hat auch nichts anderes angesagt als eins – zwei – eins – zwei. Es ist aber dort eine Energie dahinter. Und auf diese Energie kann man sich auch einstimmen. Es ist die Aufgabe des Schülers, sich auf den Lehrer einzustimmen. Und über das Einstimmen des Schülers auf den Lehrer wird ein Kanal hergestellt, und über das Herstellen des Kanals kann dort Energie fließen. Es ist also nicht ein Willkürakt, dass der Lehrer sagt: Der Savir gefällt mir besonders gut, also erwecke ich dem die Kundalini“. Sondern der Lehrer ist wie ein Kanal, durch den Energie hindurchfließt, und wenn der Schüler sich darauf einstimmt, dann fließt die dort hin.

Die Gnade ist immer da, aber sie ist ein Element, das wir nicht genau unter Kontrolle haben. Deswegen heißt‘ s ja Gnade. Und da ist die Einstellung wichtig. Wir können uns eben an den Guru wenden, sowohl an den physischen Guru, der noch im physischen Körper ist, als auch einen, der nicht mehr im physischen Körper ist, und können um Führung bitten, und dann kann es plötzlich geschehen. Diese Demut und diese Hingabe, an die müssen wir uns immer wieder erinnern. Menschen, die es nur rein physisch machen, die haben erstens nicht so schnelle Fortschritte, und zweitens können sie irgendwann zu Asuras werden. Egoisten mit starken Kräften. Das ist gefährlich. Also Gnade ist wichtig. Dann, wenn die Kundalini erweckt ist, und die Lotusse und Granthis durchstößt,

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3. Kapitel, Vers 3

Deutsche Übersetzung:

Der leere Pfad wird dann zum königlichen Weg der Lebensenergie, | dann wird alles wandelbare des Menschen (Chitta) haltlos und die Zeit wird überwunden.

Sanskrit Text:

  • prāṇasya śūnya-padavī tadā rāja-pathāyate |
    tadā cittaṁ nirālambaṁ tadā kālasya vañcanam ||3||
  • प्राणस्य शून्यपदवी तदा राजपथायते ।
    तदा चित्तं निरालम्बं तदा कालस्य वञ्चनम् ॥३॥
  • pranasya shunya padavi tada raja pathayate |
    tada chittam niralambam tada kalasya vanchanam ||3||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • prāṇasya : für die Lebensenergie Prana
  • śūnya-padavī : (die) Sushumna („Pfad der Leere“, Shunyapadavi)
  • tadā : dann (Tada)
  • rāja-pathāyate : wird zur Haupstraße („Königsweg“, Rajapatha)
  • tadā : dann
  • cittaṁ* : (wird der) Geist (Chitta)
  • nir-ālambaṁ* : objektlos („ohne Stütze“, Niralamba)
  • tadā : dann (wird möglich)
  • kālasya : des Todes („der Zeit“, Kala)
  • vañcanam : (das) Täuschen („Hintergehen, Entrinnen“, Vanchana)      ||3||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt, dass ein „Geist ohne Stützen“ (cittaṃ nir-ālambaṃ) objektlos ist, d.h. er wird (bhavati) von den Sinnes- bzw. Meditationsobjekten (Vishaya) losgelöst: cittaṃ … nir-ālambaṃ nir-viṣayaṃ bhavati.

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

3. Dann fließt das Prana durch die königliche Straße: Sushumna. Dann verbleibt der Geist ausgesetzt und der Yogi überlistet den Tod.

4. Sushumna, die große Leere, die Brahmarandhra, die große Straße, der brennende Grund, Sambhavi, und der mittlere Pfad, alle beziehen sich auf ein und dasselbe.

Dies ist schwer zu begreifen, aber wenn ihr übt, wird es euch allmählich klarer werden. „Die Leere“ ist eine wörtliche Übersetzung aus dem Sanskrit „Shunya“ und bedeutet einen Zustand, in dem weder Eigenschaften, Zeit, Raum oder Bewusstheit existieren. Geht das Prana in die Sushumna, ist die Welt nicht mehr vorhanden. Bewusstsein von Zeit und Raum und Erfahrungen der Sinne sind nur Schöpfungen des Geistes, der Gedanken. Normalerweise ist man manchmal aktiv und manchmal weniger; man erlebt einmal positive und einmal negative Gefühle – das geht immer so weiter. Dann gibt es Eigenschaften und man ist sich der Zeit und des Raumes bewusst. Wenn jedoch Prana die Sushumna erreicht, wird es zu Nichts. Mit anderen Worten: Samadhi ist erreicht.
Im Hatha Yoga nennen wir diesen Zustand Umani Avashta. Im Raja Yoga heißt es Asamprajnata Samadhi. Im Jnana Yoga hat er den Namen Nirvikalpa Samadhi. Aber im Grunde bezeichnen sie alle das Gleiche.
Brahmarandhra bedeutet Brahmas Kanal. Gegenwärtig fließt Prana durch Ida und Pingala durch die Sinnes- und Sexualorgane, aber sobald es durch Brahmarandhra fließt, hat man nur noch den Gedanken „Aham“ – „Ich bin“.
Sushumna wird auch als „brennender Grund“ bezeichnet. Was verbrennst du? Du verbrennst alle deine Samskaras (subtile Eindrücke aus vergangenen Leben), die, obwohl verborgen, sprießen würden wie Samen im Frühling. Fließt nun das Prana in die Sushumna, so werden sie verbrannt.

Sukadev

3. Dann fließt das Prana durch die königliche Straße: Sushumna. Dann verbleibt der Geist ausgesetzt und der Yogi überlistet den Tod.

Er weiß, dass er unsterblich ist. Das ist die Überlistung. Der Körper stirbt irgendwann, aber der Tod ist überlistet. Er mag den Körper nehmen, aber ich weiß, ich bin unsterblich. Wir leben in einer Gesellschaft, wo wir den Tod weit von uns weggeschoben haben. Tod geschieht uns nicht, das geschieht nur anderen. Tod wird typischerweise im Fernsehen so dargestellt, so kommt man normalerweise nicht um. Erschossen wird man nicht so oft, oder dass einem Arnold Schwarzenegger – passiert ja nicht so oft. Das war ja auch das, warum der 11. September die Menschen so sehr erschüttert hat, es ist glücklicherweise kein Anschlag geschehen am Jahrestag, plötzlich wusste man: Das kann uns auch geschehen, egal wo wir sind. Ein Autounfall kann natürlich sehr viel wahrscheinlicher passieren. Es gibt viel mehr Autounfälle, wo Menschen sterben. Wir denken nicht daran. Bei Menschen früherer Zeiten, da war es anders gewesen. Da war der Tod eine wichtige Sache. Gut, im Christentum war ja der Tod noch dazu verbunden mit dem Jüngsten Gericht, und der Gefahr der ewigen Verdammnis. Vielleicht habt ihr mal was über Luthers Leben gelesen. Ich finde es eher noch erstaunlich, wie wenig solche Sachen, religiöse Themen, im Religionsunterricht behandelt wurden, mindestens zu meiner Zeit. Wir haben über alles Mögliche gesprochen, aber weder über die Heiligen noch über die Bibel übermäßig viel, erst recht nicht über den Begründer der Reformation. Er ist ins Kloster gegangen, nachdem er beinahe von einem Blitz erschlagen wurde, und dann dachte er: So schnell kann ich sterben und dann komme ich in dieHölle. Er hatte furchtbare Angst vor der Hölle, und weil er so Riesenangst hatte vor der Hölle, wollte er also alles tun, um das Jüngste Gericht dazu zubringen, dass er nicht in die Hölle kommt. Gut, und dann später hat er gedacht: Das ist auch nicht das Richtige, Gott praktisch dazu zu zwingen, dass er in den Himmel kommt, und dann kam eben seine neue Theologie, dass man in den Himmel kommt allein durch die Gnade Gottes. Weil Jesus gestorben ist, für uns gestorben ist, und wir brauchen nur die Gnade anzunehmen. Wir brauchen nichts zu machen, die Gnade macht alles. Das war eine gewisse Gegenbewegung. Meine Behauptung: Beides ist wichtig. Das Gnadenelement, wie auch die eigene Praxis.

Und jetzt gibt er uns einen Vers, der ein Schlüssel ist zur Entzifferung von verschiedenen Mythen. Wer sich mal mit indischer Mythologie beschäftigt, da findet man immer wieder bestimmte Aussagen, und die kann man interpretieren auf Geschehnisse, die in einem selbst geschehen auf dem spirituellen Weg. Und hier sagt er jetzt:

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3. Kapitel, Vers 4

Deutsche Übersetzung:

Sushumna, der leere Pfad, Brahmarandhra (das Loch in Brahman), der großartige Weg, | der Verbrennungs-Grund, Shambhavi und dieser mittlere Weg sind alles Synonyme.

Sanskrit Text:

  • suṣumṇā śūnya-padavī brahma-randhraḥ mahā-pathaḥ |
    śmaśānaṁ śāmbhavī madhya-mārgaś cety eka-vācakāḥ ||4||
  • सुषुम्णा शून्यपदवी ब्रह्मरन्ध्रः महापथः ।
    श्मशानं शाम्भवी मध्यमार्गश् चेत्य् एकवाचकाः ॥४॥
  • sushumna shunya padavi brahma randhrah maha pathah |
    shmashanam shambhavi madhya margash chety eka vachakah ||4||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

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Sukadev

4. Sushumna, die große Leere, die Brahmarandhra, die große Straße, der brennende Grund, Sambhavi, und der mittlere Pfad, alle beziehen sich auf ein und dasselbe.

Wenn ihr also mal einen Mythos lest, und da steht irgendwas von einem dieser Ausdrücke: ‚Jetzt nimmt jemand die mittlere Straße’, oder er ist auf einem ‚Verbrennungsgrund’, oder ‚erfährt jetzt die große Leere’ oder so etwas, dann könnt ihr wissen, das hat irgendwas mit der Sushumna zu tun. In Indien werden Leichen nicht verbuddelt, sondern verbrannt. Und da gibt’s eben diese Leichenverbrennungsorte. Und wenn es heißt, dass jemand sich an einen solchen Ort begibt, um zu meditieren, dann heißt das, er geht mit seinem Bewusstsein in die Sushumna.

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3. Kapitel, Vers 5

Deutsche Übersetzung:

Deshalb soll der Yogi voll Enthusiasmus die Praxis der Mudras praktizieren um die Göttin zu wecken, | die am Eingang zu Brahma’s Tür schläft.

Sanskrit Text:

  • tasmāt sarva-prayatnena prabodhayitum īśvarīm |
    brahma-dvāra-mukhe suptāṁ mudrābhyāsaṁ samācaret ||5||
  • तस्मात्सर्वप्रयत्नेन प्रबोधयितुमीश्वरीम् ।
    ब्रह्मद्वारमुखे सुप्तां मुद्राभ्यासं समाचरेत् ॥५॥
  • tasmat sarva prayatnena prabodhayitum ishvarim |
    brahma dvara mukhe suptam mudrabhyasam samacharet ||5||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • tasmāt : daher, deshalb (Tasmat)
  • sarva : (mit) aller (Sarva)
  • prayatnena : Anstrengung, Bemühung (Prayatna)
  • prabodhayitum : um zu erwecken (Prabodha)
  • īśvarīm* : (die) Göttin, Herrin, Gebieterin (Ishvari)
  • brahma-dvāra** : (der) Tür (zum) Brahman (Brahmadvara)
  • mukhe : am Eingang („Mund“, Mukha)
  • suptāṁ : (welche) schläft (Supta)
  • mudrā : (der verschiedenen) Siegel (Mudra)
  • abhyāsaṁ : (die) Praxis, Übung (Abhyasa)
  • samācaret : (man) soll ausführen (sam + ā + car)       ||5||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt, dass mit der „schlafenden (Supta) Göttin (Ishvari)“ hier die Kundali(ni) gemeint ist: suptām īśvarīṃ kuṇḍalīm.

**Anmerkung: Brahmananda definiert hier das Absolute (Brahman) als durch Sein (Sat), Bewusstsein (Chit) und Glückseligkeit (Ananda) charakterisiert (Lakshana): brahma sac-cid-ānanda-lakṣaṇam. Die „Tür (Dvara) zum Brahman“ (Brahmadvara) ist die Sushumna, das „Mittel (Upaya) zum Erreichen (Prapti)“ desselben (tasya): tasya dvāraṃ prāpty-upāyaḥ suṣumnā. Diesen Eingang (Dvara) hält die Kundali(ni) gewöhnlich mit ihrem Mund (Mukha) verschlossen (pidhāya): mukhena suṣumnā-dvāraṃ pidhāya

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

5. Deshalb sollte der Yogi die verschiedenen Mudras sorgfältig üben, um die große Göttin (Kundalini) zu wecken, die schlummernd die Mündung der Sushumna zuhält (das Tor zum Absoluten).

6. Maha Mudra, Maha Bandha, Maha Vedha, Khechari, Uddiyana, Mula- und Jalandhara Bandha, Viparita Karani, Vajroli und Shakti Chalani…

Khechari ist das Einschneiden der Zunge. Es ruft eine künstliche Art von Samadhi hervor, Jada Samadhi oder unwirksames Samadhi genannt; es kann dich zu den höchsten Erfahrungen bringen oder deine Begierden auslöschen. Es ist ein Versuch, ohne vorherige Reinigung, das Prana aufzuhalten.
Vajroli ist eine körperliche Kontraktion, durch die das Wasser durch die Harnröhre hinaufgezogen wird. Dann erhöht man allmählich die Dichte der Flüssigkeit (mittels Honig etc.), so dass letztendlich sogar eine sexuelle Ejakulation nach rückwärts gezogen werden kann. Es ähnlich dem Basti, bei dem Wasser durch das Vakuum, das entsteht, wenn man Nauli ausführt, in den Dickdarm hinaufgezogen wird. Aber für unsere Zwecke ist es nicht notwendig Vajroli zu üben, weil wir dieselben Erfolge durch Mula Bandha erzielen können, indem wir eben diesen Impuls stoppen.
Uddiyana-, Mula- und Jalandhara Bandha sind dir schon bekannt. Viparita Karani ist wie der Schulterstand, nur in schräger Position. Man will dabei die Energie nach hinten ziehen. Im Allgemeinen träufelt der Nektar vom Mond in der oberen Sphäre auf die Sonne unterhalb, die ihn gierig aufnimmt. Aber indem man den Körper umdreht, ist dieser Nektar gefangen und der Körper bleibt ewig jung. Das ist die dahinterliegende Theorie. Viparita Karani sollte daher nur am Morgen und nicht am Abend ausgeführt werden.
Will man Shakti Chalani machen, muss man Bhastrika durchführen und den Körper auf- und niederschlagen.
Bevor man beginnt, diese Mudras und intensives Pranayama zu üben, muss man auf die richtige Diät äußerst bedacht sein. Man kann auch nicht allzu sehr in unkontrollierten sexuellen Praktiken schwelgen, weil dadurch das Prana in die falsche Richtung gelenkt wird. So übt euch in Enthaltsamkeit, so gut ihr könnt, aber unterdrückt eure sexuellen Gefühle nicht, sondern führt sie auf eine höhere Ebene. Übt Yama und Niyama und zur Reinwerdung so viel wie möglich Japa. Dann wird Shakti durch Shakti Chalani erweckt, wie eine wohlschmeckende reife Frucht. Nimmt man aber eine unreife Frucht und versucht sie durch Drücken reif zu machen, dann mag sie zwar weich erscheinen, aber sie wird sauer bleiben. Dasselbe gilt für spirituelle Praktiken. Lasst sie reifen, versucht nichts zu erzwingen.

Sukadev

5. Deshalb sollte der Yogi die verschiedenen Mudras sorgfältig üben, um die große Göttin (Kundalini) zu wecken, die schlummernd die Mündung der Sushumna zuhält (das Tor zum Absoluten).

Gut. Er beschreibt jetzt zehn Mudras. Die Ghera Samhita beschreibt 32 Mudras. Die zehn Mudras hier sind jetzt nicht identisch sind mit den Mudras, die ihr nach Sivananda übt. Diese Mudrareihe nach Sivananada hat natürlich eine gewisse Logik. Zuerst wird durch Mahamudra die ganze Sushumna geöffnet, dann geht man Schritt für Schritt die Chakras nach oben. Dann über Viparitakaranimudra wird noch mal besonders die Sonnen- und Mondenergie aktiviert. Und dann zum Schluss über die Kechari Mudra wird die Mondenergie verstärkt, so dass zum Abschluss eine harmonisierende, beruhigende, entspannende Energie da ist. Aber es gibt auch andere Mudrareihen.

Meine Erfahrung ist, das diese Mudrareihe für die Menschen effektiver ist, und letztlich machtvoller sind. Man würde auch jetzt die Mudras nicht allein für sich machen. Man kann aber die Mudras auch direkt nach den Asanas machen, man kann sie direkt nach beispielsweise dem Drehsitz machen, man kann sie nach der Vorwärtsbeuge entstehen lassen. Wenn man die Mudras macht, muss man am gleichen Tag zwanzig Minuten Wechselatmung machen. Das kann man direkt davor machen oder auch später oder nachher. Andere würden erklären: Es ist verrückt, fünfundfünfzig Minuten ist wenig.

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3. Kapitel, Vers 6

Deutsche Übersetzung:

Maha-Mudra, Maha-Bandha, Maha-Vedha und Khecari-Mudra | Uddiyana-Bandha, Mula-Bandha, und was als Jalandhara-Bandha bekannt ist,

Sanskrit Text:

  • mahā-mudrā mahā-bandho mahā-vedhaś ca khecarī |
    uḍḍīyānaṁ mūla-bandhaś ca bandho jālan-dharābhidhaḥ ||6||
  • महामुद्रा महाबन्धो महावेधश् च खेचरी ।
    उड्डीयानं मूलबन्धश् च बन्धो जालन्धराभिधः ॥६॥
  • maha mudra maha bandho maha vedhash cha khechari |
    uddiyanam mula bandhash cha bandho jalandharabhidhah ||6||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • mahā-mudrā : Maha Mudra (das „große Siegel“)
  • mahā-bandhaḥ : Maha Bandha (der „große Verschluss“)
  • mahā-vedhaḥ : Maha Vedha (der „große Durchbruch“)
  • ca : und (Cha)
  • khecarī : Khechari (Mudra, „die im Luftraum Gehende“)
  • uḍḍīyānaṁ : Uddiyana (Bandha, das „Auffliegenlassen“)
  • mūla-bandhaḥ : Mula Bandha („Wurzel-Verschluss“)
  • ca : und
  • bandhaḥ : (der) Verschluss (Bandha)
  • jālan-dhara : Jalandhara (Bandha, das „Halten des Netzes“)
  • abhidhaḥ : namens („mit der Bezeichnung“, Abhidha)       ||6||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

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Sukadev

6. Maha Mudra, Maha Banda, Maha Veha, Khechari, Uddhiyana, Mula- und Jalandhara Bandha, Viparita Karani, Vajroli und Shakti Chalani …

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3. Kapitel, Vers 7

Deutsche Übersetzung:

Das was Viparita-Karani genannt wird, Vajroli-Mudra, Sakticalani-Mudra | Diese Zehnergruppe überwindet wahrlich die Altersschwäche und den Tod.

Sanskrit Text:

  • karaṇī viparītākhyā vajrolī śakti-cālanam |
    idaṁ hi mudrā-daśakaṁ jarā-maraṇa-nāśanam ||7||
  • करणी विपरीताख्या वज्रोली शक्तिचालनम् ।
    इदं हि मुद्रादशकं जरामरणनाशनम् ॥७॥
  • karani viparitakhya vajroli shakti chalanam |
    idam hi mudra dashakam jara marana nashanam ||7||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • karaṇī : (die) Stellung, Haltung (Karani)
  • viparīta : (die) „Umgekehrte“ (Viparita Karani)
  • ākhyā : (mit der) Bezeichnung (Akhya)
  • vajrolī : Vajroli
  • śakti-cālanam : Shakti Chalana (das „Inbewegungsetzen der göttlichen Energie“)
  • idaṁ : dies (Idam)
  • hi : gewiss, bekanntlich (Hi)
  • mudrā : Siegel (Mudra)
  • daśakaṁ : (ist die) Gruppe der zehn (Dasha)
  • jarā : (von) Alter (Jara)
  • maraṇa : (und) Tod (Marana)
  • nāśanam : (ein Mittel zur) Vernichtung (Nashana, Fortsetzung in Vers 8)     ||7||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

7. Das sind die 10 Mudras, die Alter und Tod vernichten.

Alter und Tod mögen existieren, aber ihr fürchtet sie nicht, weil sie nur den physischen Körper betreffen. Es sind noch viele Siddhas unter uns, die sich in beiden Welten, der physischen als auch der astralen, bewegen können. Wenn sie in die physische Welt kommen, dann können sie Gestalt annehmen und sich in einem physischen Körper verwandeln, sodass sie vor ihren Schülern erscheinen können. Oder wenn sie sich in andere Dimensionen begeben wollen, so können sie dies ohne Pass und Visa tun. Der Heilige Narada ist ein Beispiel dafür. Er benutzt nur sein Veena und singt „Om Namo Narayanaya“, und kann damit jede Ebene erreichen, die er erreichen will. Manchmal erreicht er auch die Ebene unserer Erde.

Sukadev

7. Das sind die 10 Mudras, die Alter und Tod vernichten.

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3. Kapitel, Vers 8

Deutsche Übersetzung:

Vom ersten Lehrmeister (Adinatha) wurde gesagt dass die acht übernatürlichen Kräfte aus der Praxis der göttlichen Mudras entstehen. | Die Mudras sind geliebt von allen vervollkomneten Wesen (Siddha) und sogar von den Göttern (Maruta) schwierig zu erlangen.

Sanskrit Text:

  • ādināthoditaṁ divyam aṣṭaiśvarya-pradāyakam |
    vallabhaṁ sarva-siddhānāṁ dur-labhaṁ marutām api ||8||
  • आदिनाथोदितं दिव्यम् अष्टैश्वर्यप्रदायकम् ।
    वल्लभं सर्वसिद्धानां दुर्लभं मरुताम् अपि ॥८॥
  • adinathoditam divyam ashtaishvarya pradayakam |
    vallabham sarva siddhanam durlabham marutam api ||8||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • ādi-nātha : (vom) uranfänglichen Herrn (Adinatha, einer Form Shivas)
  • uditaṁ* : wurde (diese Gruppe der zehn Mudras) gelehrt (Udita)
  • divyam : (sie ist) göttlich, himmlich (Divya)
  • aṣṭa : (die) acht (Ashta)
  • aiśvarya** : übernatürlichen Kräfte („Herrlichkeiten“, Aishvarya)
  • pradāyakam : (und sie) verleiht (Pradayaka)
  • vallabhaṁ : (sie) wird geschätzt („ist lieb“, Vallabha)
  • sarva : (von) allen (Sarva)
  • siddhānāṁ : Vollkommenen (Siddhas)
  • dur-labhaṁ : (sie) ist schwer zu meistern („zu erlangen“, Durlabha)
  • marutām : von den Göttern („Windgöttern“, Marut)
  • api : sogar, selbst (Api)    ||8||

*Anmerkung: Das Subjekt dieses Satzes (mudrā-daśakaṁ) findet sich in Vers 7. Darauf beziehen sich uditaṁ („wurde gelehrt“) und die übrigen Neutra von Vers 8.

**Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erwähnt die folgenden acht übernatürlichen Kräfte (Aishvarya bzw. Siddhi): Animan, Mahiman, Gariman, Laghiman, Prapti, Prakamya, Ishitva, und Vashitva.

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

8. Diese wurden von Shiva gewährt und verleihen die acht Siddhis.

Es gibt acht (psychische) Kräfte (auch Siddhis genannt). Aber sie sind nicht das Endziel der Praxis – dessen seid euch bewusst. Sie kommen, um euch zu prüfen und zu sehen, ob euer Geist schwach oder stark ist. Man wird sehr leicht in Versuchung geführt. Besitzt man diese Kräfte und stellt sie nur ein- oder zweimal zur Schau, so verschwinden sie wieder. Siddhis stellen eine Energie wie Elektrizität dar, hervorgerufen durch die Kraft, die in den verschiedenen Chakren aufgebaut wird. Hat man eine Batterie, so kann man sie für Beleuchtungs- oder andere Zwecke verwenden; wenn sie jedoch ausgebrannt ist, ist sie tot.
Kommt man in den Besitz dieser Siddhis, so befindet man sich in einer gefährlichen Situation, denn die Versuchung wird sehr groß sein. Macht korrumpiert; das ist ein Gesetz. Die Siddhis stellen nur eine Ablenkung für den Geist dar. Das Prana mag zwar anwachsen, aber der Gebrauch der Siddhis bedeutet eine Vergeudung des Pranas. Vielleicht hat man mehrere Leben gebraucht, um eine bestimmte Ebene zu erreichen, aber für ein paar Minuten Vergnügen, die das Zurschaustellen der Siddhis bringt, fällt man zurück in den Abgrund und muss wieder von neuem beginnen. Das ist es wohl nicht wert. Schafft Siddhis, aber messt ihnen nicht zu viel Bedeutung bei; sie sind nicht die Erfüllung. Meistens kommen sie ohnehin zu einem Zeitpunkt, wenn man gar kein Verlangen nach ihnen hat. Sivananda besaß die acht Siddhis, aber er stellte sie niemals zur Schau; begegnete jedem nur in Demut.
Alle Siddhas streben sie an, aber sie sind schwer zu erlangen, sogar von den Devas
Auch den Engeln im Himmel sind diese Kräfte nicht zugänglich, weil sie keinen physischen Körper besitzen. Sie haben einen Astralkörper. Da sie auf einer astralen Ebene leben, können sie kein neues Karma schaffen. Sie leben im Himmel nur mit dem Karma, das sie sich in ihren vergangenen Leben erworben haben. Sie müssen Tausende von Jahre warten, bis sie wieder zur Erde zurückkommen, menschliche Gestalt annehmen, einen guten Lehrer finden und wieder mit ihren Übungen beginnen können. Vielleicht ist ihnen aber nicht einmal dies möglich, weil sie noch immer in den lustvollen Sphären des Himmels leben. Wenn sie zurückkommen, so mag es sein, dass sie vielleicht in New York City wiedergeboren werden, wo sie nichts anderes als Champagner und Kaviar kennen.
Daher fürchten die Engel Yogis wie euch, die üben und ihr Leben disziplinieren. Sie sind eifersüchtig, weil ihr über sie hinauswachsen könnt, und so legen sie euch alle möglichen Hindernisse in den Weg. Sie versuchen euch mit verschiedenen Kräften zu verlocken, aber das sind nur Hindernisse.

Sukadev

8. Diese wurden von Siva gewährt und verleihen die acht Siddhis.

Was sind Siddhis? Übernatürliche Kräfte. Und die brauchen uns jetzt nicht so weit interessieren. Wenn euch interessiert, was die acht Mahasiddhis sind, dann müsst ihr euch das Buch ‚Yogaweisheit des Patanjali’ zulegen, da sind die im dritten Kapitel erklärt. Sowohl wörtlich als auch im übertragenen Sinne. Wichtig ist, und das lag dem Swami Vishnu am Herzen, immer wieder zu sagen: „Ein Yogi sollte nicht nach Siddhis streben. Sie können kommen im Laufe der Praxis. Sie müssen nicht kommen, aber Sie können kommen. Und davon darf man sich nicht versuchen lassen.“

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3. Kapitel, Vers 9

Deutsche Übersetzung:

Die Techniken der Mudras sollen sorgfältig geheim gehalten werden, wie eine Truhe voll Juwelen. | Mit niemandem soll darüber gesprochen werden, wie über den Sex mit einer guten Frau.

Sanskrit Text:

  • gopanīyaṁ prayatnena yathā ratna-karaṇḍakam |
    kasya cin naiva vaktavyaṁ kula-strī-surataṁ yathā ||9||
  • गोपनीयं प्रयत्नेन यथा रत्नकरण्डकम् ।
    कस्यचिन् नैव वक्तव्यं कुलस्त्रीसुरतं यथा ॥९॥
  • gopaniyam prayatnena yatha ratna karandakam |
    kasya chin naiva vaktavyam kula stri suratam yatha ||9||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • gopanīyaṁ : (diese Gruppe der zehn Mudrās) ist geheim zu halten (Gopaniya)
  • prayatnena : sehr sorgsam (Prayatna)
  • yathā : (so) wie (Yatha)
  • ratna : (mit) Edelstein(en, Ratna)
  • karaṇḍakam : (ein) Kästchen (Karandaka)
  • kasya cid : irgend jemandem (Ka Chid)
  • na : nicht (Na)
  • eva : gewiss, gar (Eva)
  • vaktavyaṁ : (es) soll (darüber) gesprochen werden (Vaktavya)
  • kula : (aus guter) Familie (Kula)
  • strī : (mit einer) Frau (Stri)
  • surataṁ : (über den) Beischlaf, Sex (Surata)
  • yathā : (so) wie       ||9||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

9. Dies sollte sorgfältig geheim gehalten werden wie eine Schatztruhe voll mit Diamanten und niemanden verraten werden, genauso wie das illegitime Verhältnis mit einer verheirateten Frau aus gutem Hause.

Die drei wichtigsten Verschlüsse und Siegel sind: Maha Bandha, Maha Mudra und Maha Vedha. Sie sind sehr leicht zu erlernen, aber die Pradipika weist uns an, sie geheim zu halten und nicht an jedermann weiterzugeben. Erstens einmal würden uns die Leute auslachen, wenn wir ihnen von diesen Dingen erzählen, und außerdem würden sie nie verstehen, was es bedeutet den Atem in die Sushumna zu führen. Deshalb sprecht zu niemandem darüber, außer er hat sich durch Übung dafür qualifiziert. Dann wird Segen erwachsen aus diesen drei wunderbaren Übungen.
An dieser Stelle möchte ich über das Wesen des Pranas und seine Bewegung sprechen. Da der Körper nicht nur chemischer, sondern auch elektrischer Natur ist, können Yogis auf den elektrischen Körper durch Pranayama, Bandhas und Mudras einwirken. Alle diese Vorgänge sind miteinander verknüpft.
Am Beginn der Yogapraxis versucht man die Nadis durch Anuloma Viloma (Wechselatmung) im Verhältnis 1:4:2 zu reinigen. Man tut dies, damit sich beim Prana (der Impuls der Lebenskraft, der vom Gehirn ausgeht) eine Art Rhythmus entwickelt. (Letztendlich kann man auch das Apana in einen gewissen Rhythmus bringen, aber nur dann, wenn man sehr lange daran gearbeitet hat.)
Man entdeckt hierbei kein körperliches Phänomen, da Mudras und Bandhas subtileren Charakter haben als Asanas und Pranayama. Sogar ein Anfänger kann die Vorzüge der Asanas erkennen. Asanas und Pranayama wirken mehr auf der grobstofflichen physischen Ebene, jedoch sind sie der Weg, der zu den Mudras und Bandhas führt.
Das, was in Raja Yoga Meditation heißt, wird in Hatha Yoga „Anhalten der Impulse“ genannt. Aber im Grunde sind sie ein und dasselbe. Will man einen Ventilator anhalten, muss man ihn abschalten, so dass der elektrische Impuls nicht länger in den Motor gelangt, der seine Lamellen bewegt. Ebenso versuchen wir die verschiedenen Sinne durch die Gedankenkraft auszuschalten.
Prana lädt sich auf, während man ganz sanft atmet. Gleichzeitig bewirkt die Anwendung der Bandhas eine Verlangsamung des Herzschlages. Auch der Puls verringert sich und der Stoffwechsel wird herabgesetzt; die Gehirnströme bewegen sich von Beta nach Alpha hinab. Bei noch intensiverer Kontrolle der Atemtätigkeit vermindern sich die Gehirnströme bis zum Theta-Stadium (3-7 Zyklen) und kommen schließlich zum Stillstand. So sehen wir, dass die Intensität der Gehirnströme durch die Atemtätigkeit beeinflusst werden kann.
Im täglichen Leben lassen wir auch nicht alle Töne auf uns einwirken. Wir konzentrieren uns nur auf solche, die uns angenehm sind. Ein Beispiel wäre der Lärm des Presslufthammers, der eine Straße aufreißt oder die Misstöne, die an unser Ohr dringen, wenn uns jemand beschimpft. Man versucht, solche Eindrücke von sich fernzuhalten, damit sie nicht das Gehirn erreichen, um negative Empfindungen in der Gedankensphäre auszulösen. Dasselbe tut man bei einem schrecklichen Anblick oder einem üblen Geruch (wie z. B. der Absonderung eines Stinktieres); man versucht, sie nicht an sich herankommen zu lassen. Jetzt könnt ihr vielleicht eher verstehen, was wir mit Bandhas und Mudras bewirken wollen. Wir schalten die Impulse ab und hindern sie daran, das Gehirn zu erreichen. Es wird uns nicht gelingen alle Ströme abzublocken, aber wir versuchen, so viele Impulse wie möglich aufzuhalten. Am Anfang müsst ihr lernen, die Kontrolle über die Ströme durch einzelne so genannte Schaltstellen zu erlangen, aber später wird euch das so sehr zur Gewohnheit geworden sein, dass ihr wie mit „Fernsteuerung“ arbeitet. Alles kommt zum Stillstand.
Ihr glaubt vielleicht, ein bedeutender Lehrer braucht euch nur zu berühren, und ihr habt es nicht mehr notwendig, Asanas, Bandhas oder Mudras zu üben. Normalerweise geht das nicht so vor sich. Aber in einigen, wenigen Ausnahmefällen mag es so geschehen, wenn nämlich der Schüler alle diese Dinge schon in früheren Inkarnationen geübt hat. Sind die meisten dieser Blockierungen bereits beseitigt, so können die wenigen, die in der gegenwärtigen Inkarnation noch verblieben sind, sogar schon durch einen Blick, eine Berührung oder ein Wort es Meisters zum Verschwinden gebracht werden. Dann erreicht der Schüler den höchsten Samadhi. Aber, wie ich schon vorher erwähnt habe, ist das nur sehr selten der Fall.

Sukadev

9. Dies sollte sorgfältig geheimgehalten werden wie eine Schatztruhe voll mit Diamanten und niemandem verraten werden, – genauso wie das illegitime Verhältnis mit einer verheirateten Frau aus gutem Hause.

Also wie ein Schatzkästchen mit Diamanten, und jetzt steigert er das nochmal. Also er verlässt die vornehme brahmanische Ausdrucksweise an mehreren Stellen, zum Zeichen, dass er jetzt nicht orthodox ist. Also haltet bitte die Mudras sorgfältig geheim, wie das illegitime Verhältnis mit einer verheirateten Frau aus gutem Hause. Besonders aus gutem Hause. Was auch immer das heißen soll. Es ist bewusst so formuliert, dass es für viele Menschen als Frechheit empfunden wird. Ich kann dir sagen, in der indischen Zeit, als das geschrieben wurde, war das noch eine erheblich größere Frechheit, als heute. Drum sollte man’s ja so geheim halten, genau. Also, man kann sich da jetzt furchtbar drüber ärgern, oder man kann’s lächelnd zur Kenntnis nehmen und sich von den anderen Versen inspirieren lassen. Die Mudras sind jetzt also nichts, was ihr euren Schülern zuhause beibringen werdet.

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3. Kapitel, Vers 10

Deutsche Übersetzung:

Nun folgt Maha-Mudra: Die linke Ferse presst gegen den Beckenboden, das rechte Bein | ist aktiv gestreckt. Mit beiden Händen soll es der Yogi fest halten.

Sanskrit Text:

  • atha mahā-mudrā
    pāda-mūlena vāmena yoniṁ sampīḍya dakṣiṇam |
    prasāritaṁ padaṁ kṛtvā karābhyāṁ dhārayed dṛḍham ||10||
  • अथ महामुद्रा
    पादमूलेन वामेन योनिं सम्पीड्य दक्षिणाम् ।
    प्रसारितं पदं कृत्वा कराभ्यां धारयेद् दृढम् ॥१०॥
  • atha maha mudra
    pada mulena vamena yonim sampidya dakshinam |
    prasaritam padam kritva karabhyam dharayed dridham ||10||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • atha : nun (folgt, Atha)
  • mahā-mudrā : Maha Mudra (das “große Siegel”)
  • pāda-mūlena : Ferse („Fuß-Wurzel“, Padamula)
  • vāmena : mit der linken (Vama)
  • yoniṁ : (den) Damm, (das) Perineum (Yoni)
  • sampīḍya : drückend (sam + pid)
  • dakṣiṇam : (das) rechte (Dakshina)
  • prasāritaṁ : ausgestreckt (Prasarana)
  • padaṁ* : Bein („Fuß“, Pada)
  • kṛtvā : haltend („machend“, Krita)
  • karābhyāṁ* : mit beiden Händen (Kara)
  • dhārayet : man halte (den rechten Fuß, Dharana)
  • dṛḍham : fest (Dridha)       ||10||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda ergänzt, dass man den Fuß des ausgestreckten rechten Beines in der Gegend (Pradesha) des großen Zehs (Angushtha) mit beiden Zeigefingern (Tarjani) der gebeugten (ākuñcita) Arme („Hände“, Kara) ergreifen soll (gṛhṇīyāt): ākuñcita-kara-tarjanībhyām … aṅguṣṭha-pradeśe gṛhṇīyāt.

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

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Sukadev

10. Hier ist die Beschreibung von Maha Mudra: Presse die linke Ferse an den Anus

wenn hier Anus steht: Im Sanskrit kann es sowohl Anus heißen wie auch Perineum. Der Swami Vishnu hat uns gesagt, es ist das Perineum, also der Raum zwischen Hoden und Anus, oder bei Frauen der hintere Teil der Scheide, kurz vor dem Anus.

– und strecke das rechte Bein aus, wobei du die Zehen mit der Hand faßt.

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