2. Kapitel, Vers 31

Deutsche Übersetzung:

Nun die Augenreinigung (Trataka): Achtsam soll der Yogi mit starrem Blick auf einen kleinen Punkt blicken | Bis Tränen entstehen. Dieses wird von den Meistern die Augenreinigung (Trataka) genannt.

Sanskrit Text:

  • atha trāṭakam-
    nirīkṣen niścala-dṛśā sūkṣma-lakṣyaṁ samāhitaḥ |
    aśru-sampāta-paryantam ācāryais trāṭakaṁ smṛtam ||31||
  • अथ त्राटकम्
    निरीक्षेन् निश्चलदृशा सूक्ष्मलक्ष्यं समाहितः ।
    अश्रुसम्पातपर्यन्तम् आचार्यैस् त्राटकं स्मृतम् ॥३१॥
  • atha tratakam
    nirikshen nischala drisha sukshma lakshyam samahitah |
    ashru sampata paryantam acharyais tratakam smritam ||31||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • atha : nun (folgt, Atha)
  • trāṭakam : Trataka
  • nirīkṣet : man schaue (nir + īkṣ)
  • niścala : (mit) bewegungslos(em), starrem (Nishchala)
  • dṛśā : Blick (Drish)
  • sūkṣma : (auf ein) klein(es, Sukshma)
  • lakṣyaṁ : Objekt („Ziel“, Lakshya)
  • samāhitaḥ : konzentriert (Samahita)
  • aśru : (von) Träne(n, Ashru)
  • sampāta : (zum) Erscheinen („Fallen“, Sampata)
  • paryantam : bis (Paryanta)
  • ācāryaiḥ : von den Lehrern (Acharya)
  • trāṭakaṁ : Trataka
  • smṛtam : (das) wird genannt („erinnert als“, Smrita)      ||31||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

Blicke (ohne mit den Augenlidern zu zwinkern) eine Minute auf einen Gegenstand, mit deinem Geist konzentriert, bis die Tränen in die Augen kommen. Das wird von den Gurus Tratak genannt.

Sukadev

[28-30 übersprungen]

Gut. 31. Vers. Ich überspringe jetzt das Neti, das ihr kennt.

31. Blicke (ohne mit den Augenlidern zu zwinkern) eine Minute auf einen Gegenstand, mit deinem Geist konzentriert, bis die Tränen in die Augen kommen. Das wird von den Gurus Tratak genannt.

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2. Kapitel, Vers 32

Deutsche Übersetzung:

Dieses hält die Augen frei von Krankheiten, Erschöpfung und schließt die Tür für andere Krankheiten. | Der Yogi soll die Augenreinigung (Trataka) wie einen Goldschatz sorgsam geheim halten.

Sanskrit Text:

  • mocanaṁ netra-rogāṇāṁ tandrādīṇāṁ kapāṭakam |
    yatnatas trāṭakaṁ gopyaṁ yathā hāṭaka-peṭakam ||32||
  • मोचनं नेत्ररोगाणां तन्द्राद्रीणां कपाटकम् ।
    यत्नतस् त्राटकं गोप्यं यथा हाटकपेटकम् ॥३२॥
  • mochanam netra roganam tandradinam kapatakam |
    yatnatas tratakam gopyam yatha hataka petakam ||32||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • mocanaṁ : (bedeutet) Befreiung (Mochana)
  • netra : (der) Auge(n, Netra)
  • rogāṇāṁ : von Krankheiten (Roga)
  • tandrā : Mattigkeit, Erschlaffung, Abspannung, Trägheit (Tandra)
  • ādīṇāṁ : und anderer („zum Anfang habend“, Adi)
  • kapāṭakam : (und ist wie ein schützendes) Tor (Kapataka)
  • yatnata : sorgfältig, sorgsam (Yatna)
  • trāṭakaṁ : Trataka
  • gopyaṁ : sollte gehütet, verborgen werden (Gopya)
  • yathā : wie (Yatha)
  • hāṭaka : (für) Gold (Hataka)
  • peṭakam : (ein) Kästchen (Petaka)        ||32||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

Durch Tratak werden alle Beschwerden des Auges und Trägheit beseitigt. So sollte es als ein goldenes Schatzkästchen sorgfältig unter Verschluss gehalten werden.

Sukadev

32. Durch Trataka werden alle Beschwerden des Auges und Trägheit beseitigt. So sollte es als ein goldenes Schmuckkästchen sorgfältig unter Verschluss gehalten werden.

Also Tratak ist eine Technik, um die Augen zu verbessern. Ich will noch dazu sagen: Wer Tratak regelmäßig übt, sollte auch die anderen Augenübungen machen. Nur Tratak zu üben, und nicht die anderen Augenübungen, ist einseitig. Wenn man Tratak übt, dann hilft das, das Augenlicht zu verbessern. Ihr könnt auch zur Verbesserung des Augenlichtes Tratak ohne Brille machen. Es ist auch gut, wenn ihr mal eine Phase in eurer Meditation habt, wo ihr gerne einschlaft. Tratak ist, auf die Kerzenflamme zu schauen. Tratak kann auch helfen, subtiles Wahrnehmen zu entwickeln. Ihr dürft Tratak da nicht zu schnell steigern. Wenn ihr Tratak auf einen Gegenstand macht, der einen Meter vor euch ist und das ein bis zwei Stunden am Stück macht, und das über ein paar Wochen, dann könnt ihr anfangen, Auras zu sehen und Geister zu sehen und so weiter. Wenn ihr das nicht wollt, fahrt mit eurer gewohnten Mantrameditation fort. Für die Sehfähigkeit reicht es, wenn ihr das für ein paar Minuten macht.

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2. Kapitel, Vers 33

Deutsche Übersetzung:

Nun die Dünndarmreinigung (Nauli): Kraftvoll soll der Yogi, nach vorne gebeugt, den Bauch mit Schwung von rechts nach links kreisen. | Dieses wird von den Meistern die Dünndarmreinigung (Nauli) genannt.

Sanskrit Text:

  • atha nauliḥ-
    amandāvarta-vegena tundaṁ savyāpasavyataḥ |
    natāṁso bhrāmayed eṣā nauliḥ siddhaiḥ praśasyate ||33||
  • अथ नौलिः
    अमन्दावर्तवेगेन तुन्दं सव्यापसव्यतः ।
    नतांसो भ्रामयेद् एषा नौलिः सिद्धैः प्रशस्यते ॥३३॥
  • atha naulih
    amandavarta vegena tundam savyapasavyatah |
    natamso bhramayed esha naulih siddhaih prashasyate ||33||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • atha : nun (folgt, Atha)
  • nauliḥ : Nauli
  • amanda : (eines) munteren („nicht trägen“, Amanda)
  • āvarta : Wasserstrudel(s, Avarta)
  • vegena : mit der Geschwindigkeit (Vega)
  • tundaṁ : (den) Bauch, Nabel (Tunda)
  • savya : (nach) links (Savya)
  • apasavyataḥ : (und) nach rechts (Apasavya)
  • nata : vorgebeugt (sind, Nata)
  • aṁsaḥ : (der Yogi, dessen) Schulter(n, Amsa)
  • bhrāmayet : drehe, rotiere (bhram)
  • eṣā : das („diese“, Etad)
  • nauliḥ : Nauli
  • siddhaiḥ : von den Vollkommenen (Siddha)
  • praśasyate : wird genannt („gepriesen als“, pra + śas)     ||33||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

Mit herunter gebeugtem Kopf sollte man die Eingeweide des Bauches mit langsamen Bewegungen eines kleinen Strudels im Fluss zur Rechten und zur Linken drehen. Das wird von den Siddhas Nauli genannt.

Sukadev

33. Mit heruntergebeugtem Kopf sollte man die Eingeweide des Bauches mit langsamen Bewegungen eines kleinen Strudels im Fluss zur Rechten und zur Linken drehen. Das wird von den Siddhas Nauli genannt.

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2. Kapitel, Vers 34

Deutsche Übersetzung:

Dieses entfacht ein glimmendes Verdauungsfeuer und schenkt darüber hinaus gute Verdauung. Wahrlich immer erzeugt es ein tiefes Glücksgefühl. | Es zerstört jegliches Ungleichgewicht in der Gesundheit (Dosha) und diese Dünndarmreinigung (Nauli) ist die erste Praxis des Hatha-Yoga.

Sanskrit Text:

  • mandāgni-sandīpana-pācanādi-sandhāpikānanda-karī sadaiva |
    aśeṣa-doṣāmaya-śoṣaṇī ca haṭha-kriyā-maulir iyaṁ ca nauliḥ ||34||
  • मन्दाग्निसन्दीपनपाचनादिसन्धापिकानन्दकरी सदैव ।
    अशेषदोषमयशोषणी च हठक्रिया मौलिर् इयं च नौलिः ॥३४॥
  • mandagni sandipana pachanadi sandhapikanandakari sadaiva |
    ashesha doshamaya shoshani cha hatha kriya maulir iyam cha naulih ||34||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • manda : (eines) träge(n, Manda)
  • agni : (Verdauungs-)Feuers (Agni)
  • sandīpana : das Entfachen, Auflodern (Sandipana)
  • pācana : (eine gute) Verdauung („das Kochen“, Pachana)
  • ādi : usw., und anderes mehr (Adi)
  • sandhāpikā : verleiht, bewirkt (sam + dhā)
  • ānanda-karī : (und) bewirkt Glückseligkeit (Ananda-Kara)
  • sadā : immer, stets (Sada)
  • eva : gewiss (Eva)
  • aśeṣa : aller (drei, „sämtlicher“, Ashesha)
  • doṣa : (Störungen der) Humore (Dosha)
  • āmaya : (und) Krankheit(en, Amaya)
  • śoṣaṇī : verscheucht, vernichtet („trocknet aus“, Shosha)
  • ca : und (Cha)
  • haṭha : (des) Hatha(-Yoga)
  • kriyā : (der genannten Reinigungs-)Handlungen (Kriya)
  • mauliḥ : (ist die) Krone (Mauli)
  • iyaṁ : diese (Iyam)
  • ca : und
  • nauliḥ : Nauli      ||34||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

Dieses Nauli, die bedeutendste aller Hatha Yoga Praktiken, vertreibt die Trägheit aus dem Magenfeuer, steigert die Verdauungskraft, bringt eine angenehme Empfindung hervor und zerstört alle Beschwerden.

Sukadev

34. Dieses Nauli, die bedeutendste aller Hatha Yoga Praktiken, vertreibt die Trägheit aus dem Magenfeuer, steigert die Verdauungskraft, bringt eine angenehme Empfindung hervor und zerstreut alle Beschwerden.

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2. Kapitel, Vers 35

Deutsche Übersetzung:

Jetzt folgt die Lungenreinigung (Kapalabhati): Wie beim Blasebalg eines Hufschmieds erfolgt die Ein- und Ausatmung sehr schnell. | Kapalabhati, das ist allgemein bekannt, zerstört die Trägheit des Menschen vollkommen.

Sanskrit Text:

  • atha kapālabhātiḥ-
    bhastrā-val loha-kārasya reca-pūrau sa-sambhramau |
    kapālabhātir vikhyātā kapha-doṣa-viśoṣaṇī ||35||
  • अथ कपालभातिः
    भस्त्रावल् लोहकारस्य रेचपूरौ ससम्भ्रमौ ।
    कपालभातिर् विख्याता कफदोषविशोषणी ॥३५॥
  • atha kapala bhatih
    bhastra val loha karasya recha purau sa sambhramau |
    kapala bhatir vikhyata kapha dosha vishoshani ||35||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • atha : nun (folgt, Atha)
  • kapāla-bhātiḥ : Kapalabhati (das „Scheinen des Schädels“)
  • bhastrā-vat : wie (bei einem) Blasebalg (Bhastra)
  • loha-kārasya : eines Schmiedes („Eisen-Machers“, Lohakara)
  • reca : (die) Ausatmung (Recha)
  • pūrau : (und die) Einatmung (Pura)
  • sa-sambhramau : (werden) schnell („mit Eile“ ausgeführt, Sa Sambhrama)
  • kapāla : (des) Schädels (Kapala)
  • bhātiḥ : Scheinen, Leuchten (Bhati)
  • vikhyātā : (das) wird genannt, ist bekannt als (Vikhyata)
  • kapha : Kapha („Schleim“)
  • doṣa : (Störungen des) Humors (Dosha)
  • viśoṣaṇī : verscheucht, vernichtet, heilt (“trocknet aus”, Vishoshana)         ||35||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

Führe Rechaka und Puraka schnell wie der Blasebalg eines Schmiedes aus. Das wird Kapalabhati genannt und zerstört Beschwerden, die durch den Schleim verursacht sind.

Sukadev

35. Führe Rechaka und Puraka so schnell wie der Blasebalg eines Schmiedes aus. Das wird Kapalabhati genannt und zerstört Beschwerden, die durch Schleim verursacht sind.

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2. Kapitel, Vers 36

Deutsche Übersetzung:

Die sechs Reinigungsübungen beseitigen ein Übermaß an Schleim (Kapha) und weitere Imbalancen der Gesundheit (Dosha). | Danach soll der Yogi Atemübungen (Pranayama) ausführen, so stellt sich der Erfolg mühelos ein.

Sanskrit Text:

  • ṣaṭ-karma-nirgata-sthaulya-kapha-doṣa-malādikaḥ |
    prāṇāyāmaṁ tataḥ kuryād anāyāsena sidhyati ||36||
  • षट्कर्मनिर्गतस्थौल्यकफदोषमलादिकः ।
    प्राणायामं ततः कुर्याद् अनायासेन सिद्ध्यति ॥३६॥
  • shat karma nirgata sthaulya kapha dosha maladikah |
    pranayamam tatah kuryad anayasena sidhyati ||36||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • ṣaṭ : (durch die) sechs (Shash)
  • karma : (Reinigungs-)Handlungen (Karman)
  • nirgata : (einer, der) geheilt ist („von dem gewichen sind“, Nirgata)
  • sthaulya : (von) Dickleibigkeit (Sthaulya)
  • kapha : Kapha (“Schleim”)
  • doṣa : (Störungen des) Humors (Dosha)
  • mala : Unreinigkeiten, Schlacken, Abfallprodukten (Mala)
  • ādikaḥ : und anderen, usw. („zum Anfang habend“, Adi)
  • prāṇa-āyāmaṁ : (die) Atemzügelung (Pranayama)
  • tataḥ : dann, danach (Tatas)
  • kuryāt : (er) möge ausführen, praktizieren (kṛ)
  • anāyāsena : mit Leichtigkeit („ohne Mühe, ohne Schwierigkeit“, Anayasa)
  • sidhyati : (er) ist erfolgreich, erreicht das Ziel  (des Haṭha-Yoga, sidh)         ||36||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

Einer, der von Leibesfülle und Schleim durch die Durchführung der obigen sechs Handlungen befreit ist, hat sehr leicht Erfolg, wenn er danach beginnt, Pranayama zu praktizieren.

Sukadev

36. Einer, der von Leibesfülle und Schleim durch die Durchführung der obigen sechs Handlungen befreit ist, hat sehr leicht Erfolg, wenn er danach beginnt, Pranayama zu praktizieren.

Pranayama ist einfach wirkungsvoller, wenn ihr Kriyas übt.

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2. Kapitel, Vers 37

Deutsche Übersetzung:

Durch Atemübungen (Pranayama) werden so sogar alle Unreinheiten ausgetrocknet. | Aber für einige Lehrer besteht keine Zustimmung bezüglich der anderen Reinigungsübungen.

Sanskrit Text:

  • prāṇāyāmair eva sarve praśuṣyanti malā iti |
    ācāryāṇāṁ tu keṣāṁ-cid anyat karma na saṁmatam ||37||
  • प्राणायामैर् एव सर्वे प्रशुष्यन्ति मला इति ।
    आचार्याणां तु केषांचिद् अन्यत् कर्म न संमतम् ॥३७॥
  • pranayamair eva sarve prashushyanti mala iti |
    acharyanam tu keshan chid anyat karma na sammatam ||37||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • prāṇa-āyāmaiḥ : durch (die Praktiken der) Atemzügelung (Pranayama)
  • eva : nur, allein, ausschließlich (Eva)
  • sarve : alle (Sarva)
  • praśuṣyanti : verschwinden (“trocknen aus”, pra + śuṣ
  • malāḥ : Unreinheiten (Mala, Störungen der) Doshas
  • iti : so, in dieser Weise (denkend, Iti)
  • ācāryāṇāṁ : Lehrern (Acharya)
  • tu : jedoch (Tu)
  • keṣāṁ-cid : von einigen, gewissen (Ka Chid)
  • anyad : (eine) andere (Anya)
  • karma : (Reinigungs-)Handlung (als Pranayama)
  • na : nicht (Na)
  • saṁmatam : wird geschätzt, geachtet (Sammata)       ||37||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

Einige Lehrer sagen, dass alle die Unreinheiten (der Nadis) nur durch Pranayama und durch keine andere Mittel beseitigt werden.

Sukadev

37. Einige Lehrer sagen, dass alle die Unreinheiten (der Nadis) nur durch Pranayama und durch keine anderen Mittel zu beseitigen sind.

Schon Swatmarama hatte die Schwierigkeit, dass einige seiner Schüler sich geweigert haben, Kriyas zu üben, und dann sagt er praktisch zum Trost: „Wenn man Pranayama übt, werden auch die Unreinheiten bereinigt.“ Wenn man die anderen Kriyas nicht macht, geht’s auch mit Pranayama allein, aber mit Kriyas geht’s schneller. Und so, wer von euch noch nicht regelmäßig Kriyas geübt hat, kann ich nur anraten, vielleicht ein halbes Jahr täglich Neti zu üben, ein halbes Jahr wenigstens einmal in der Woche Dhauti zu üben im Sinne von ein, zwei Liter Salzwasser zu schlucken, zwei, drei Finger in den Hals zu stecken und sich zu übergeben. Dann einmal die Woche auch dieses Tuch zu schlucken und wieder rauszuziehen. Um das zu lernen, müsst ihr das eine Weile täglich üben. Wenn ihr dies täglich mit dem Tuch gemacht habt, bis ihr es tatsächlich schlucken könnt, dann reicht es aus, das einmal die Woche auszuführen. Das Schlucken von Salzwasser macht man nicht mit vollem Magen, sondern morgens, wenn der Magen leer ist. Dann kommt im Wesentlichen das Salzwasser wieder raus mit nem bisschen Schleim und Magensäure, aber es ist nicht gefährlich. Man hat’s ja ausreichend verdünnt. Gerade wenn man’s regelmäßig macht, wenn man Kunja Kriya eine Weile lang einmal die Woche gemacht habt, oder mal zum üben ne Woche jeden Tag – das geht rein und raus – das dauert zwei Minuten. eine Minute reinschlucken, eine Minute raus. Am Anfang dauert’s so lange, dies Salzwasser runterzuwürgen, aber das geht dann nach einer Weile ganz gut. Wenn’s mal gut geht, dann hört man nicht mehr auf. Kriyas sind nicht etwas, was man für den Rest des Lebens macht. Man macht’s mal ein halbes Jahr lang regelmäßig.

Neti ist gut zu machen jeden Tag für den Rest des Lebens, Kapalabhati auch, aber gerade was jetzt die Dhautis betrifft und auch den Einlauf nicht häufiger als einmal die Woche oder einmal im Monat. Dann hat man einen gewissen Grad der Reinheit, dann reduziert man’s wieder. Und wenn man merkt, dass man wieder ins Ungleichgewicht kommt, kann man die Kriyas wiederholen. Diejenigen, die mal unter Ess-Brech-Sucht gelitten haben, lassen diese Form von Kriya weg. Man will so was nicht wieder auslösen, einen alten Reflex wieder zum Vorschein bringen.

Shankprakshalarma erwähnt er hier jetzt nicht. Shankprakshalarma geht so: Man trinkt Salzwasser und macht Übungen so lange, bis es hinten wieder rauskommt. Das ist vielleicht die wirkungsvollste der Kriyas. Insgesamt sind das vier bis fünf Liter Salzwasser, die man schluck, und hinten wieder raus gibt, das ist wirklich eine sehr gute Weise, das Verdauungssystem vollständig zu reinigen. Es reinigt, aber es hat auch eine Tendenz, dass Verdauungsfeuer zu löschen. Deshalb darf man’s auch nicht zu häufig machen. Man muss anschließend eine gewisse Diät einhalten und mit Agni Sara beginnen und, dann wird das Feuer wieder entfacht. Das ist aber eine sehr gute Sache. Ich kenne eine ganze Reihe von Menschen, die diese Übungen, gerade Shankprakshalarma, gemacht haben und dann einige Hautbeschwerden losgeworden sind, einschließlich Neurodermitis, einschließlich Schuppenflechte und Pickel, Akne und so weiter – es ist eine sehr effektive Methode. Natürlich auch einfach, um sich besser und gut zu fühlen. Wenn ihr eine Phase habt, wo ihr plötzlich aus unerfindlichen Gründen euch seit einigen Wochen träge fühlt, dann kann das auch eine sehr gute Sache sein, sich zu reinigen.

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2. Kapitel, Vers 38

Deutsche Übersetzung:

Nun die Elefantenübung (Gaja-Karani): Im Magen enthaltene Dinge erbrechen indem die absteigende Energie (Apana) hoch zur Kehle geführt wird. | Langsam daran gewöhnend werden die Energie-Kanäle (Nadi) und -Zentren (Chakra) unter Kontrolle gebracht. Dieses wird von den Kennern des Hatha-Yoga die Elefantenhandlung (Gaja-Karani) genannt.

Sanskrit Text:

  • atha gaja-karaṇī-
    udara-gata-padārtham udvamanti
    pavanam apānam udīrya kaṇṭha-nāle |
    krama-paricaya-vaśya-nāḍi-cakrā
    gaja-karaṇīti nigadyate haṭhajñaiḥ ||38||
  • अथ गजकरणी
    उदरगतपदार्थम् उद्वमन्ति
    पवनम् अपानम् उदीर्य कण्ठनाले ।
    क्रमपरिचयवश्यनाडिचक्रा
    गजकरणीति निगद्यते हठज्ञैः ॥३८॥
  • atha gaja karani
    udara gata padartham udvamanti
    pavanam apanam udirya kantha nale |
    krama parichaya vashya nadi chakra
    gaja karaniti nigadyate hathajnaih ||38||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • atha : nun (folgt, Atha)
  • gaja-karaṇī : Gajakarani („Elefanten-Handlung“, GajaKarana)
  • udara : (im) Magen („Bauch“, Udara)
  • gata : (die) sich befinden („gelangt sind“, Gata)
  • pada-artham : (den) Inhalt, (die) Dinge (Padartha)
  • udvamanti : (die Yogis) erbrechen (Vamana)
  • pavanam : (den Lebens-)Wind (Pavana)
  • apānam : (der) Apana (genannt wird)
  • udīrya : nachdem sie heraufgezogen („angehoben“) haben
  • kaṇṭha : (der) Kehle (Kantha)
  • nāle : in die Röhre (Nala)
  • krama : (durch) schrittweise, systematische (Krama)
  • paricaya : Übung, Praxis, Wiederholung (Parichaya)
  • vaśya : (wird) kontrollierbar, beherrschbar (Vashya)
  • nāḍi : (aller feinstofflichen Energie-)Kanäle (Nadi)
  • cakrā : (infolge derer die) Gesamtheit („der Kreis“, Chakra)
  • gaja-karaṇī : Elefanten-Handlung (Gajakarani)
  • iti : so (Iti)
  • nigadyate : wird (diese Praxis) genannt (ni + Gad)
  • haṭha-jñaiḥ : von den Hatha(-Yoga-)kundigen (Jna)         ||38||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

Ziehe den Anusschließmuskel zusammen und ziehe das Apana zur Kehle hoch und erbreche die Dinge die im Magen sind. Diese Handlung, welche die NadiChakren unter Kontrolle bringt, wird Gajakarani genannt.

Sukadev

38. Ziehe den Anusschließmuskel zusammen und ziehe das Apana zur Kehle hoch und erbreche die Dinge, die im Magen sind.

Das darf man jetzt nicht missverstehen, das bezieht sich auf die ein bis zwei Liter Salzwasser, die man vorher getrunken hat. Diese Übung nennt er Gajakarani.

– Diese Handlung, welche die Nadi-Chakren unter Kontrolle bringt, wird Gajakarani genannt.

Gaja ist Elefant, Karani ist die Handlung – die Handlung des Elefanten. Der Elefant nimmt das Wasser in den Rüssel und speit es wieder aus. Das ist auch ein anderer Name für Kunja Kriya. Und das ist auch gut für die Chakras.

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2. Kapitel, Vers 39

Deutsche Übersetzung:

Sogar die 30 Götter, beginnend mit Brahma sind, aus der Angst vor dem Tod, süchtig nach der Praxis des Pranayama geworden. | Deshalb soll der Yogi Atemübungen (Pranayama) praktizieren.

Sanskrit Text:

  • brahmādayo’pi tri-daśāḥ pavanābhyāsa-tat-parāḥ |
    abhūvann antaka-bhayāt tasmāt pavanam abhyaset ||39||
  • ब्रह्मादयोऽपि त्रिदशाः पवनाभ्यासतत्पराः ।
    अभूवन्न् अन्तकभ्यात् तस्मात् पवनम् अभ्यसेत् ॥३९॥
  • brahmadayo’pi tri dashah pavanabhyasa tat parah |
    abhuvann antaka bhayat tasmat pavanam abhyaset ||39||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • brahma : (dem Schöpfergott) Brahma
  • ādayaḥ : angefangen mit (Adi)
  • api : sogar (Api)
  • tri-daśāḥ : (die) Götter („dreißig, drei-mal-zehn“, Tridasha)
  • pavana : (des Lebens-)Windes (Prana, Pavana)
  • abhyāsa : (hinsichtlich der) Praxis, Übung (Abhyasa)
  • tat-parāḥ : ganz hingegeben, eifrig bemüht (Tatpara)
  • abhūvan : waren, wurden (bhū)
  • antaka : (vor dem) Tod (Antaka)
  • bhayāt : aus Furcht (Bhaya)
  • tasmāt : daher, deshalb (Tad)
  • pavanam : (in der Zügelung, Beherrschung des Lebens-)Windes
  • abhyaset : man übe sich (abhi + as)     ||39||

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

Brahma und die Götter wurden, indem sie sich der Praktik des Pranayama hingaben, von der Angst vor dem Tod befreit. Also sollte man es praktizieren.

Wenn Prana in die Sushumna gelangt, gibt es überhaupt keine Furcht mehr.

Sukadev

39. Brahma und die Götter wurden, in dem sie sich der Praktik des Pranayama hingaben, von der Angst vor dem Tod befreit. Also sollte man es praktizieren.

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2. Kapitel, Vers 40

Deutsche Übersetzung:

So lange der Lebenshauch im Körper gebunden ist, der Geist klar ist, | so lange der Blick in der Mitte der Augenbrauen ist, wo ist die Furcht vor dem Tod?

Sanskrit Text:

  • yāvad baddho marud dehe yāvac cittaṁ nirākulam |
    yāvad dṛṣṭir bhruvor madhye tāvat kāla-bhayaṁ kutaḥ ||40||
  • यावद् बद्धो मरुद् देहे यावच् चित्तं निराकुलम् ।
    यावद् दृष्टिर् भ्रुवोर् मध्ये तावत् कालभयं कुतः ॥४०॥
  • yavad baddho marud dehe yavach chittam nirakulam |
    yavad drishtir bhruvor madhye tavat kala bhayam kutah ||40||

Wort-für-Wort-Übersetzung:

  • yāvad : solange (Yavat)
  • baddhaḥ : angehalten („festgebunden“) wird (Baddha)
  • marut : (der) Atem, Prana („Wind“, Marut)
  • dehe : im Körper (Deha)
  • yāvat : solange
  • cittaṁ : (der) Geist (Chitta)
  • nir-ākulam* : ruhig, klar („nicht verwirrt“) ist (Nirakula)
  • yāvat : solange
  • dṛṣṭiḥ : (der) Blick (ruht, Drishti)
  • bhruvoḥ : beiden Augenbrauen (Bhru)
  • madhye : zwischen („in der Mitte“, Madhya)
  • tāvat : während dieser Zeit („genau solange“, Tavat)
  • kāla : (vor dem) Tod („Zeit“, Kala)
  • bhayaṁ : Furcht (Bhaya)
  • kutaḥ : woher (sollte kommen, Kutas)       ||40||

*Anmerkung: Der Kommentator Brahmananda erklärt Nirakula („nicht verwirrt“) mit „nicht zerstreut, nicht (a-) unaufmerksam“ (Vikshipta), „konzentriert“ (Samahita): nirākulam avikṣiptaṃ samāhitam.

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Brahmananda

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Vishnu-devananda

Solange der Atem angehalten ist, solange der Geist fest und beständig ist, solange das Auge zur Mitte der Augenbrauen gerichtet ist, warum sollte man den Tod fürchten?

Mit „Atem anhalten“ ist gemeint, dass Prana in der Sushumna ist. „Das Auge zur Mitte der Augenbrauen gerichtet“ meint nicht nur das körperliche Auge, sondern auch das geistige Auge.

Sukadev

40. So lange der Atem angehalten ist, solange der Geist fest und beständig ist, so lange das Auge zur Mitte der Augenbrauen gerichtet ist, warum sollte man den Tod fürchten?

So lange wir uns auf den Punkt zwischen den Augenbrauen konzentrieren, brauchen wir auch keine Angst vor dem Tod zu haben. Ob wir dann sterben oder nicht, ist dann nicht mehr erheblich. Aber die Hatha-Yogis würden auch sagen, solange wird man auch nicht sterben.

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