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02-11 Kommentar Swami Sivananda

Mit diesem Vers beginnt die Philosophie der Gita.
Man braucht sich um Bhishma und Drona nicht zu sorgen, denn ihre wahre Natur ist ewig und sie sind tugendhafte Menschen von tadellosem Verhalten. Obwohl du weise Worte sprichst, bist du unweise, denn du sorgst dich um die, die in Wahrheit ewig sind und keiner Sorge bedürfen. Wer das Selbst kennt, ist weise. Er sorgt sich weder um die Lebenden noch um die Toten, denn er weiß, daß das Selbst unsterblich ist, und daß es nicht geboren wurde.
Er weiß auch, daß es so etwas wie den Tod nicht gibt, daß er eine Trennung von Astralkörper und physischem Körper ist, daß der Tod nichts anderes ist als eine Auflösung von Materie, und daß die fünf Elemente, aus denen sich der Körper zusammensetzt, zu ihrer Quelle zurückkehren.
Arjuna hat vergessen, daß die Seele in ihrer Natur ewig und der Körper veränderlich ist. Bedingt durch seine Unwissenheit, begann er so zu handeln, als wären die zeitlich begrenzten Verbindungen mit den Verwandten, den Lehrern, usw. von Dauer. Er vergaß, daß seine Beziehungen zu dieser Welt in seinem gegenwärtigen Leben das Ergebnis seiner vergangenen Handlungen sind. Wenn sich diese erschöpft haben, endet jede Beziehung und neue entstehen, wenn ein neuer Körper angenommen wird.
Die Auswirkung vergangener Handlungen bezeichnet man als Karma, und der Teil des Karma, der zur gegenwärtigen Inkarnation geführt hat, heißt Prarabdha Karma.

02-13 Kommentar Swami Sivananda

Genauso wie der Übergang von der Kindheit zur Jugend und zum Alter in diesem Körper nahtlos geschieht, so unterbricht auch der Tod nicht die Kontinuität des Ich. Das Selbst stirbt nicht, wenn eine Phase, die Kindheit, zu Ende geht. Es wird mit Sicherheit nicht am Beginn der zweiten Phase, der Jugend, neu geboren. So wie das Selbst unverändert von der Kindheit in die Jugend übergeht und von der Jugend ins Alter, so geht das Selbst unverändert von einem Körper in einen anderen weiter. Deshalb ist der Weise darüber keineswegs besorgt.

02-14 Kommentar Swami Sivananda

Kälte kann einmal angenehm und dann wieder schmerzhaft sein. Hitze ist im Winter angenehm und im Sommer schmerzhaft. Derselbe Gegenstand, der einmal Freude schenkt, bringt ein anderes Mal Schmerz. So kommen und gehen die Sinneskontakte, die Empfindungen von Hitze und Kälte, Freude und Schmerz entstehen lassen. Sie sind daher in ihrer Natur unbeständig. Die Dinge kommen mit den Sinnen, den Indriyas, in Kontakt, mit Haut, Ohr, Auge, Nase, usw. und die Nerven bringen die Empfindungen zum Geist, der sich im Gehirn befindet. Es ist der Geist, der Freude und Schmerz empfindet. Man muß versuchen, Hitze und Kälte, Freude und Leid geduldig zu ertragen und einen ausgeglichenen Gemütszustand zu entwickeln. (Vgl.V.22.)

02-15 Kommentar Swami Sivananda

Dehadhyasa, die Identifikation des Selbst mit dem Körper, ist die Ursache von Freude und Schmerz. Je mehr du dich mit dem Unsterblichen, dem alldurchdringenden Selbst, zu identifizieren vermagst, desto weniger werden dich die Gegensatzpaare berühren (Dvandvas, Freude und Schmerz, usw.)
Titiksha, die Kraft des Erduldens, entwickelt Willenskraft. Stilles Dulden in Freude und Schmerz und Hitze und Kälte ist eine der Voraussetzungen für den Suchenden auf dem Weg des Jñana Yoga. Es ist eine von Shatsampat, eine der sechs Tugenden. Es ist eine Voraussetzung für rechtes Wissen. Titiksha allein vermag nicht Moksha, Befreiung, zu geben; gepaart jedoch mit Unterscheidungskraft und Gelassenheit wird es zu einem Mittel, um Unsterblichkeit, Selbsterkenntnis, zu erlangen. (Vgl. XVIII. 53.)

02-16 Kommentar Swami Sivananda

Der unveränderliche homogene Atman, das Selbst, besteht immer. Er ist die einzige sichere Wirklichkeit. Diese wahrnehmbare Welt der Namen und Formen verändert sich ständig. Daher ist sie unwirklich. Der Weise, der Jivanmukta, besitzt volles Bewußtsein darüber, daß das Selbst immerwährend ist und diese Welt einer Luftspiegelung vergleichbar. Durch sein Jñanachakshus, das Auge der Intuition, erfährt er das Selbst direkt.  Die Welt verschwindet für ihn wie die Schlange im Seil, nachdem er erkannt hat, daß nur das Seil existiert. Er weist Namen und Formen zurück und nimmt das zugrundeliegende Eigentliche in allen Namen und Formen wahr, Asti-Bhati-Priya, Satchidananda, Absolutes Sein – Absolutes Wissen – Absolute Wonne. Daher ist er Tattvadarshi; er kennt die Wahrheit, das Eigentliche. Das, was sich verändert, muß unwirklich sein. Das Beständige, Dauerhafte, muß wahr sein.

02-20 Kommentar Swami Sivananda


Dieses Selbst (der Atman) unterliegt nicht den sechs Formen der Veränderung, Bhava-Vikaras, Geburt, Sein, Wachstum, Reife, Veränderung, Verfall und Tod. Da Es unteilbar ist (Akhanda), verringert Es sich nicht an Größe. Weder wächst Es, noch verfällt Es. Es ist immer gleich. Geburt und Tod betreffen nur den physischen Körper. Geburt und Tod können das unsterbliche, alldurchdringende Selbst nicht berühren.

02-24 Kommentar Swami Sivananda

Das Selbst ist sehr subtil. Es kann von Sprache und Geist nicht erfaßt werden. Es ist sehr schwierig, dieses subtile Selbst zu verstehen. So erklärt Shri Krishna die Natur dieses unsterblichen Selbst auf verschiedenste Weise, mit den unterschiedlichsten Ausschmückungen und Beispielen, damit die Menschen Es erfassen können. Das Schwert kann dieses Selbst nicht schneiden. Also ist Es ewig. Da Es ewig ist, ist Es alldurchdringend. Da Es alldurchdringend ist, ist es fest wie ein Monument. Da Es fest ist, ist Es unbeweglich. Es ist fortdauernd. Daher gibt es keine Ursache für sein Entstehen. Es ist nicht neu. Es ist uralt.

02-25 Kommentar Swami Sivananda

Das Selbst ist kein Gegenstand der Sinneswahrnehmung. Es kann nicht mit den physischen Augen gesehen werden. Also ist das Selbst unsichtbar. Das, was mit den Augen wahrgenommen werden kann, wird zu einem Objekt der Gedanken. Da das Selbst nicht mit den Augen wahrgenommen werden kann, ist es gedanklich nicht zu erfassen. Wenn Milch mit Buttermilch vermischt wird, verändert sie ihre Form. Das Selbst kann nicht wie
Milch seine Form verändern. Also ist Es unveränderlich und unwandelbar. Deshalb klage nicht, da du erkennst, daß das Selbst so ist. Denke auch nicht, du wärest der, der sie tötet, oder daß sie von dir getötet würden.

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02-26 Kommentar Swami Sivananda

Shri Krishna zieht hier um der Verständlichkeit willen eine verbreitete Vorstellung heran. Angenommen, das Selbst würde immer und immer wieder geboren, immer dann, wenn ein Körper Existenz annimmt, und stürbe immer und immer wieder, wenn der Körper stirbt, Oh mächtig Bewaffneter (Oh Arjuna, groß an Bedeutung und Kraft), sorge dich dennoch nicht, denn unvermeidlich ist die Geburt für das, was tot ist, und der Tod ist unvermeidlich für das, was geboren wurde. Das ist das unerbittliche und unbeugsame Naturgesetz.

02-28 Kommentar Swami Sivananda

Der physische Körper besteht aus den fünf Elementen. Die physischen Augen können ihn erst wahrnehmen, nachdem sich die fünf Elemente miteinander verbunden haben. Nach dem Tod löst sich der Körper auf, und die fünf Elemente gehen zurück zu ihrer Quelle; diese ist unsichtbar. Der Körper kann also nur im mittleren Stadium wahrgenommen werden. Die Beziehung als Sohn, Freund, Lehrer, Vater, Mutter, Frau, Bruder
und Schwester entsteht durch den Körper durch Verhaftung und Moha (Täuschung). So wie Pfosten in einem Fluß zusammentreiben und sich wieder trennen, so wie Pilger an einem Rastplatz zusammenkommen und wieder auseinandergehen, genauso treffen und trennen sich Väter, Mütter, Söhne und Brüder in dieser Welt. Diese Welt ist ein großer Rastplatz für alle. Die Menschen treffen sich und trennen sich wieder.
Im Anfang und am Ende gibt es keine Hülle. Auch wenn du in der Mitte die Hülle siehst, denke und fühle, daß es Illusion ist und nicht wirklich existiert. Genauso ist auch am Anfang und am Ende kein Körper da. Das, was am Anfang und am Ende nicht besteht, muß auch in der Mitte eine Illusion sein. Denke und fühle, daß der Körper auch in der Mitte nicht wirklich existiert. Wer die Natur des Körpers und aller menschlichen Beziehungen so versteht, kennt keine Sorge.

02-31 Kommentar Swami Sivananda

Shri Krishna gibt Arjuna nun weltliche Gründe dafür an, warum er kämpfen muß. Bis jetzt hat Er zu Arjuna über die Unsterblichkeit des Selbst gesprochen und ihm philosophische Gründe genannt. Jetzt sagt Er zu Arjuna: Oh Arjuna! Kämpfen ist die Pflicht eines Kshatriya. Du darfst dich vor dieser Pflicht nicht verschließen. Einem Kshatriya (jemandem, der in der Kaste der Krieger oder Herrscher geboren ist) ist nichts willkommener
als ein gerechter Krieg. Ein Krieger muß kämpfen.

02-39 Kommentar Swami Sivananda

Bis jetzt hat Arjuna von Shri Krishna über Jñana (Wissen) gehört. (Sankhya Yoga ist der Pfad von Vedanta oder Jñana Yoga, er handelt von der Natur des Atman, dem Selbst, und den Methoden zur Selbstverwirklichung. Es handelt sich dabei nicht um die Sankhya Philosophie des Weisen Kapila.) Nun wird Er Arjuna in Technik und Geheimnis von Karma Yoga unterweisen, durch welchen er (und auch jeder andere) die Bande
des Karma durchbrechen kann. Der Karma Yogi wirkt, ohne aus seinen Handlungen Früchte zu erwarten, ohne den Gedanken daran, daß er handelt (oder die Empfindung: »Ich tue dies«), und ohne Verhaftung, nachdem er alle Gegensatzpaare wie Hitze und Kälte, Gewinn und Verlust, Sieg und Niederlage, usw. ausgerottet oder überwunden hat. Weder Dharma noch Adharma, weder Verdienst noch Schuld berühren diesen Karma Yogi, der ohne Verhaftung und Ichgedanken wirkt. Der Karma Yogi bringt all sein Tun und dessen Früchte dem Herrn dar (Ishvararpanam) und
erlangt so die Gnade des Herrn (Ishvaraprasada).

02-40 Kommentar Swami Sivananda

Wenn eine religiöse Zeremonie unvollendet gelassen wird, ist das Verschwendung, denn der Ausführende kann die Früchte nicht erfahren. Im Karma Yoga ist das nicht so, denn jede Handlung bewirkt eine unmittelbare Reinigung des Herzens. In der Landwirtschaft herrscht immer Ungewißheit. Der Bauer mag das Land ackern, pflügen und den Samen auslegen; er wird aber keine Ernte erhalten, wenn es nicht regnet. Für Karma Yoga gilt das nicht. Da ist nichts ungewiß. Es kann auch kein Schaden daraus entstehen. Bei einer medizinischen Behandlung entsteht großer Schaden wegen unsachgemäßer Behandlung durch den Arzt, wenn er ein falsches Medikament anwendet. Bei Karma Yoga ist es aber nicht so. Alles, was auf diesem Pfad des Yoga, dem Pfad des Handelns, getan wird, sei es noch so gering, errettet vor der großen Furcht, im Rad von Geburt und Tod gefangen zu sein. Shri Krishna rühmt hier Karma Yoga, um in Arjuna Interesse dafür zu wecken.

02-41 Kommentar Swami Sivananda

Hier, auf diesem Weg zur Seligkeit, gibt es nur einen einzigen Gedanken, und dieser ist eindeutig; es herrscht feste Entschlossenheit. Dieser einzige Gedanke kommt aus der richtigen Quelle des Wissens. Der Yogaschüler sammelt alle zerstreuten Strahlen des Geistes. Er führt sie alle zusammen durch Unterscheidung, Leidenschaftslosigkeit und Konzentration. Er ist frei vom Wanken und Schwanken des Geistes.

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02-42 Kommentar Swami Sivananda

Unweise Menschen, denen es an Unterscheidung mangelt, messen dem Karma Kanda, dem Teil der Veden, der die Rituale beschreibt, große Bedeutung bei, wo bestimmte Regeln für bestimmte Handlungen beschrieben werden, um bestimmte Ergebnisse zu erlangen, und rühmen diese Handlungen und die Belohnungen dafür auf unangemessene Weise. Sie sind ganz versessen auf die Stellen in den Veden, die Methoden beschreiben, wie himmlische Freuden zu erlangen sind. Sie sagen, es gäbe nichts Höheres als die Sinnesfreuden in Svarga (Himmel), die man erlangen kann, wenn man die im Karma Kanda der Veden beschrieben Riten ausführt.
Es gibt zwei Hauptteile in den Veden – Karma Kanda (der Teil, der sich mit dem Handeln beschäftigt) und Jñana Kanda (der Teil, der sich mit Erkenntnis beschäftigt). Das Karma Kanda umfaßt die Brahmanas und die Samhitas. Es ist der Ursprung der von Jaimini gegründeten
Schule von Purvamimamsa. Die Anhänger dieser Schule beschäftigen sich mit Ritualen und schreiben viele davon vor, um Freude und Kraft hier und Glück im Himmel zu erlangen. Sie betrachten dies als das letzte Ziel menschlichen Seins. Gewöhnliche Menschen fühlen sich von ihren Lobreden angezogen. Das Jñana Kanda umfaßt die Aranyakas und die Upanishaden, die vom Wesen Brahmans, des höchsten Selbst, handeln.

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02-45 Kommentar Swami Sivananda

Guna bedeutet Attribut oder Eigenschaft. Es ist sowohl Wesen als auch Eigenschaft. Die Natur (Prakriti) ist aus drei Gunas aufgebaut, Sattva (Reinheit, Licht, Harmonie), Rajas (Leidenschaft, Bewegung) und Tamas (Dunkelheit, Trägheit). Die Gegensatzpaare sind Wärme und Kälte, Freude und Leid, Verlust und Gewinn, Sieg und Niederlage, Ehre und Schmach, Lob und Tadel. Wer danach strebt, Neues zu erwerben oder seine alten Besitztümer zu bewahren, kann keinen Frieden des Geistes haben. Er ist stets ruhelos. Er kann keine Konzentration finden und nicht über das Selbst meditieren. Er kann keine Tugend üben. Deshalb weist Shri Krishna Arjuna darauf hin, daß er sich von dem Gedanken, etwas zu erwerben oder zu bewahren, freimachen muß. (Vgl.IX.20, 21)

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