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9. Es kommt zum Krieg

Die große Schlacht zu KurukshetraDuryodhana war in der Zeit des Exils der Pandavas nicht untätig gewesen. Er hatte ein Terrorregime errichtet, in dem die Menschen unterdrückt wurden. Eine Diktatur, in der die Menschen nicht mehr ihre Meinungen frei äußern durften, wo Duryodhanas Günstlinge in den Hauptpositionen waren. Es gab ein paar Gerechte im Reich. Diese dachten, wenn Duryodhana jetzt 13 Jahre das Königreich regieren soll, dann ist es gut, dass er ein paar Leute hat, die gut und gerecht sind. Deshalb haben sie sich darauf eingelassen, ihm zu dienen. Sie hatten einen Eid auf ihn geschworen. Und jetzt waren sie gebunden durch diesen Eid. [1] Große Lehrer, wie Bhishma, Drohna und andere dienten jetzt auf der Seite von Duryodhana. Duryodhana lachte den Boten der fünf Pandavas aus und sagte: „Verschwindet wieder in euren Wald, da ist sowieso der beste Platz für Euch. Ich regiere das Königreich weiter.“

Die Pandavas beratschlagten, was zu tun sei. Sie riefen Krishna zu Hilfe. Krishna war ein König, der Dwaraka regierte. Er war mit seinem Volksstamm den „Yadavas“ ausgewandert weil er nichts mit Kriegen zu tun haben wollte. Krishna hatte die Vision, einen idealen Staat zu bauen. Einen materiell reichen Staat, wo die Menschen friedvoll miteinander leben, wo alles ist, was die Menschen brauchen, wo die Spiritualität gelebt wird und die Menschen meditieren. Krishna baute auch eine starke Armee auf, um zu verhindern, dass Menschen, die auf dem Festland neidisch waren, in den Staat eindringen und ihn erobern konnten.

Jetzt war Krishna aber nicht nur ein König, sondern er war auch ein Freund von Arjuna. Er hatte ihn schon vorher zu deren Jugendzeiten und im Exil öfters mal besucht. Aus diesem Grund baten die Pandavas Krishna zu vermitteln. Und Krishna sagte zu Duryodhana: „Wenn du ihnen nicht die Hälfte des Königreichs geben willst, dann gib ihnen wenigstens einen Teil davon.“ Duryodhana lehnte das ab. Daraufhin überlegten die Pandavas, was ihre Aufgaben sind. Ist es ihre Aufgabe für das Königreich Krieg zu führen, oder ist es ihre Aufgabe wegzugehen und wieder im Exil zu leben? Sie beratschlagten und kamen zu folgendem Ergebnis: „Gut, wir waren im Exil sehr zufrieden, meditieren können wir dort genauso gut wie im Königreich. Wir bekommen alles was wir brauchen. Gehen wir wieder ins Exil“ Doch als sie diesen Beschluss im Königreich verkündet hatten, kamen alle Untertanen aus dem Königreich und sagten: „Das könnt ihr uns nicht antun. Die 13 Jahre Tyrannei haben wir nur deshalb ausgehalten, weil wir wussten, dass ihr zurückkommt und wieder regiert. Duryodhana hatte Angst davor, dass ihr zurückkommt. Deshalb hat er sich auch etwas zurückgehalten. Wenn er weiß, dass von euch keine Gefahr mehr droht -und es droht keine Gefahr der Rebellion mehr, weil es keine Anführer mehr gibt- dann sterben wir.“ Nach diesen Worten beratschlagten die Pandavas erneut und entschieden sich für ihr Recht zu kämpfen. Letztlich nicht für sich, sondern für die Menschen, die sie dann regieren würden. [2]

Einige Könige aus den umliegenden Gebieten sicherten den Pandavas ihre Unterstützung zu. Ebenfalls wechselten einzelne alte Heeresführer aus dem alten Reich, die Duryodhana keinen Treueschwur geleistet hatten, zu den Pandavas über. Die Mehrheit des Heeres verblieb jedoch bei Duryodhana und weil das Heer augenscheinlich größer und mächtiger war, wollten auch mehr Leute in dieses Heer eintreten. Sie wollten auf der Seite der Gewinner stehen. Da es offensichtlich erschien, dass Duryodhana gewinnen würde, dachten viele, wir helfen ihm. Er wird uns nachher dafür belohnen. Die Königreiche der Könige, die die Pandavas unterstützen, werden nach deren Niederlage aufgeteilt und Duryodhana wird uns mit Sicherheit etwas von den Reichen abgeben. Nachdem die Überlegungen abgeschlossen waren, formierten die beiden Armeen sich und trafen sich auf dem Schlachtfeld, dem so genannten Kurukshetra. [3]

Karna, als stärkster Krieger des Heerführers Bhishma, kämpfte an vorderster Front für seinen König Duryodhana. Arjuna, als stärkster Krieger, kämpfte an vorderster Front unter der Führung Bhimas  für seinen König Yudhishtira. Die Heerführer agierten mehr aus dem Hintergrund und waren nicht in Lebensgefahr. Arjuna hatte jedoch noch eine ganz besondere Unterstützung, nämlich Krishnas. Krishna diente als Wagenlenker für Arjuna. Eigentlich war das eine Erniedrigung von Krishna. Arjuna war lediglich ein mittelloser Prinz, währenddessen Krishna ein Herrscher über eines der größten und bedeutungsvollsten Königreiche war. Wie war es dazu gekommen?

Arjuna ging zu Krishna und bat ihn um Hilfe. Und Krishna sagte: „Eigentlich will ich mit diesen Kämpfen auf dem Festland nichts zu tun haben. Du hast jetzt die Wahl. Du kannst entweder meine Armee haben und ich bleibe hier. Oder du kannst mich haben. Aber ich werde waffenlos sein und werde nicht kämpfen. Was wählst du?“ Manchmal stehen wir vor schwierigen Entscheidungen. Manchmal können wir wählen zwischen Gott oder dem Heer Gottes. Die ganze Welt ist letztlich von Gott geschaffen. Wir sollten uns bewusst machen, ob die Alternative, vor der wir stehen, eine solche ist. Gott selbst ist ohne Waffen. Es erscheint so als ob man erst mal, wenn man Gott wählt, größere Nachteile hat. Am Ende stellt sich aber heraus, dass Arjuna und die Pandavas durch Krishnas Ratschläge gewonnen haben.

Arjuna wählte Krishna. Krishna fragte dann Arjuna: „Jetzt hast du mich gewählt, was hast du eigentlich davon?“ „Ich werden nicht kämpfen“, sagte Arjuna. „Oh Gott, wenn es dir nichts ausmacht, werde bitte mein Wagenlenker dann bist du immer bei mir.“ Und dazu gehört auch Bescheidenheit. Gott selbst ist bereit, unser Wagenlenker zu sein.

Beide Heere zogen also auf Kurukshetra, das Schlachtfeld.

 


[1] Das war ja auch die Schwierigkeit in der Nazi-Diktatur im Dritten Reich 1933-1945. Dort gab es eine Menge von Leuten, die durchaus nicht schlecht waren und die in leitenden Positionen geblieben sind, obgleich sie, wie man aus ihren Tagebüchern weiß, sehr gegen die Nazidiktatur waren. Sie gingen davon aus, dass wenn sie nicht da sind, dann kommen alle schlimmen SS Leute in die Hauptpositionen. Sie wollten wenigstens helfen, dass es nicht zu schlimm wird. Und dann haben sie den Eid geschworen. So auch einige Generäle, die Generäle geworden sind, um künftige Kriege zu vermeiden, die durchaus, wie man heute weiß, gegen den Krieg gewesen sind, ihn dann aber doch geführt haben, weil sie diesen Eid geschworen haben. Daraus ist eine große Lehre entstanden: Einem Diktator soll man nicht dienen. Auch nicht, um das Schlimmste zu verhüten. Jemandem, der abgrundtief schlecht ist, darf niemand dienen.

[2] Das ist eine schwierige Entscheidung, vor der immer wieder Menschen stehen. Die USA standen vor dieser Entscheidung im 2. Weltkrieg. Sollten sie das alles geschehen lassen, sich ganz neutral verhalten oder sollten sie eingreifen. Zuerst entschieden sie sich, nicht einzugreifen. Stattdessen haben sie Waffen und Kredite an die Engländer und die Japaner gegeben. Anfangs gaben sie auch noch den Deutschen etwas, aber später nur noch den Engländern und den Russen. Irgendwann sind sie dann von Japan gezwungenermaßen in den Krieg eingetreten. Wenn die Amerikaner nicht eingetreten wären dann würde Hitler Russland besiegen und ganz Europa beherrschen.

Hier kann man sich nun die Frage stellen, war es die Aufgabe der Amerikaner in den Krieg einzutreten oder nicht? Roosevelt hatte sich dafür entschieden. Er hätte Hitler weder durch einen gewaltlosen Widerstand noch durch einen Handelsboykott bezwingen können. Auch den Polen wäre es nicht gelungen, Deutschland durch gewaltlosen Widerstand zu bezwingen. Einzig die Deutschen hätten mit dieser Maßnahme Hitler besiegen können. Doch die Zahl derjenigen Deutschen, die gewaltlosen Widerstand leisteten, war zu gering, so dass sie umgebracht wurden. Der gewaltlose Widerstand Gandhis gegenüber den Engländern in Südafrika hingegen war sehr erfolgreich. Auch in Indien wurden die Engländer durch gewaltlosen Widerstand bezwungen.

Martin Luther King war erfolgreich mit seinem gewaltlosen Widerstand in Amerika, einem Land, das theoretisch der Demokratie verpflichtet war, praktisch aber Bevölkerungsteile ausgegrenzt und unterdrückt hatte und in dem die öffentliche Meinung eine große Rolle spielte.

In einer echten Diktatur stellt sich immer die Frage, ob dort gewaltloser Widerstand funktionieren würde. In Ostdeutschland hat er funktioniert und zum Zusammenbrechen des Kommunismus geführt. Aber wäre er auch in anderen Diktaturen erfolgreich? Und gibt es überhaupt eine Rechtfertigung für Gewalt? War es richtig, dass die Amerikaner in den zweiten Weltkrieg eingestiegen sind oder hätten sie sich raushalten sollen, wie die Mehrheit der Amerikaner das 1940 eigentlich wollte? War es richtig, dass die Amerikaner in Bosnien eingegriffen haben oder hätten sie weiterhin die Kriegsparteien sich umbringen lassen sollen, insbesondere die Serben die anderen? War es richtig in den Kosovo einzumarschieren? War es richtig in Afghanistan einzumarschieren? War es richtig, im Irak einzumarschieren? Da kann man dann unterschiedlicher Meinung sein. Und diese Frage stellt sich in der Bhagavad Gita auch. Sie stellte sich vor der Bhagavad Gita und sie stellt sich dann natürlich in der Bhagavad Gita.

Dies ist also die Hintergrundsgeschichte der Bhagavad Gita.

 

[3] Kshetra heißt wörtlich übersetzt Feld. Damit kann jedes Feld gemeint sein. In dieser Geschichte ist das Schlachtfeld damit gemeint. Kuru bezieht sich auf die Nachfahren des Kurus. In der Überlieferung der Bhagavad Gita heißt es, das Kurukshetra sei eigentlich ein heiliges Feld. Auf diesem Feld standen sich nun die Kauravas und die Pandavas gegenüber.

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch von Sukadev Bretz „Die Yoga-Weisheit der Bhagavad Gita für Menschen von heute, Band 1

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